Das Wasser ist unser Element! Die Philippinen gelten als Eldorado für Hobby-Taucher, was wir uns natürlich nicht entgehen lassen können.

Das Meer im Norden von Palawan ist vor allem berühmt für verschiedene Wracks von japanischen Kriegs- und Versorgungsschiffen aus dem zweiten Weltkrieg, die Taucher aus der ganzen Welt anziehen. Auch suchen immer wieder eigens finanzierte Tauchexpeditionen die Calamian Sea auf, auf der Suche nach archäologischen Wertsachen sowie Goldschätzen von einstigen Handelsschiffen, welche vor langer Zeit zwischen China und Mexiko verkehrten und wovon ein Grossteil der versunkenen Ladungen bis heute noch nicht gefunden wurden. Piraten- und Robinson-Fantasien werden in Palawan Wirklichkeit.

Wir machten uns jedoch nicht auf die Schatzsuche, sondern begnügten uns mit natürlichen Reichtümern der philippinischen Unterwasserwelt: Riffe, Korallengärten, natürlich auch das eine oder andere Wrack. Zwar mit relativ wenig Grossfischen, vor allem aber viele Makrotiere wie Kleinfische oder Nudibranches. Die Filippinos angeln alles grössere, entweder für den eigenen Verzehr oder für den Export nach China. Und leider machen sie nicht nur Jagd auf die grösseren Speisefische, sondern wir haben auch beobachtet, wie sie ihre Rundnetze direkt über Korallenriffe auswerfen. Dies ist eigentlich verboten, aber da die örtliche Küstenwache nicht einmal über ein Boot verfügt, kann niemand etwas dagegen unternehmen. Und was will man den philippinischen Fischer verurteilen, wenn zu Hause die Grossfamilie Hunger leidet?

Das Chindonan Island Resort steht in einer Partnerschaft mit dem Sangat Island Dive Center. So holte uns jeweils morgens ein Speedboat ab und brachte uns in zehnminütiger rasanter Fahrt zur gegenüberliegenden Insel Sangat, von wo aus wir mit den Tauchbooten die Wracks und Riffe ansteuerten. Sangat ist ein etwas grösseres und vor allem aufs Tauchen ausgerichtetes Resort. Und leider voller Mücken, hoffentlich haben uns die nicht noch die Malaria mitgegeben! Abends waren wir jeweils froh, brachte uns das Speedboat wieder auf unsere ruhige und natürliche Insel Chindonan zurück.

Die Schiffswracks und deren individuelle Geschichten sind sehr eindrücklich und wenn man durch riesige Lagerräume mit inzwischen zu Stein gewordener Cargo-Ladungen wie Zementsäcke, Drahtkörbe oder Bulldozer taucht oder wie durch ein Labyrinth von Küchen an gigantischen Kochtöpfen vorbeischwimmt, kann man sich das Leben auf den japanischen Kriegs- oder Versorgungsschiffen, die alle am gleichen Tag im September 1944 von der amerikanischen Luftwaffe versenkt wurden, lebhaft vorstellen.

Wir ziehen aber das Tauchen an bunten Korallenriffen den dunklen Räumen von versunkenen Schiffen immer noch vor. Diese kleinen Welten für sich, wo Papageienfische an Hartkorallen knabbern und die Clownfisch-Familien ihre Anemone verteidigen, wo Meeresschnecken und Nudibranches in allen Farben schimmern und wo man mit etwas Glück zwischen den tausenden von kunterbunten Rifffischen sogar auf Schildkröten trifft.

Zwei Mal haben wir vom Sangat Dive Center die Tauchausrüstung mit Unterwasserlampen nach Chindonan Island mitgenommen und haben beim Eindunkeln am Hausriff, welches wir vom Schnorcheln kennen, einen Tauchgang unternommen. In der Dunkelheit sind ganz andere Tiere unterwegs. Einerseits die grösseren Jäger, aber auch die kunterbunten, feenhaften Mandarinfische, die im Licht der Dämmerung zu zweit wahre Tänze vollbringen. Die Hartkorallen erwachen zum Leben mit winzig kleinen Garnelen, die im Strahl unserer Lampen eifrig herangewuselt kamen. Auch eine Schildkröte hatten wir mit unserem Licht aufgeschreckt, die sich auf einer Sandbank zwischen den Korallen zum Schlafen hingelegt hatte. So paradox es klingt, aber in der Dunkelheit haben wir mehr gesehen als im Tageslicht.

Ein besonderes Erlebnis war auch der Tauchgang im Baracuda-Lake, einem Binnensee auf Coron Island, auch schon mal „grosse Badewanne“ genannt. Bis auf ca. 13m Tiefe besteht der malerisch in die steilen Felswände eingebettete See aus Süss- resp. Brackwasser, tiefer unten ist warmes Salzwasser. Und zwar so warm, dass es das 31°C Meer direkt kalt erscheinen lässt. Tauchen ohne Anzug, Patrick hat geschwitzt und Miriam wollte gar nicht mehr aus der Tiefe auftauchen. Der Tauchcomputer zeigte 38°C an. Besonders viel Leben gibt es nicht im Baracuda-Lake. Den Baracuda bekamen wir nicht zu Gesicht, dafür eine grosse Makrele. Ausserdem beobachteten wir einen Barsch an der Putzstation, wie er sich von kleinen Garnelen reinigen liess. Wir haben uns auch gleich angestellt und siehe da: die Garnelen haben sich unsere Hände vorgenommen! Manicure unter Wasser!

Ebenfalls speziell war ein Höhlentauchtang bei Coron Island. Rückwärtsrolle vom Boot direkt an der schroffen Felswand und in der Tiefe von ungefähr 6 Meter sind wir durch einen schmalen Spalt in den Felsen getaucht zum Licht am Ende des Tunnels. Aufgetaucht sind wir in einer Art Grotte voller glitzernder Stalaktiten und Stalagmiten, wo Fledermäuse über uns hinwegflatterten, alles schwach beleuchtet durch Sonnenlicht, welches durch einen Spalt an der Decke hineinfiel. Weitergetaucht sind wir ein eine stockdunkle zweite Höhle, wo uns ein Moment lang Panik überfiel, als die übrigen Taucher unserer Gruppe beim Hinaustauchen so viel Sedimente aufgewirbelt hatten, dass wir nur noch ca. 1 Meter Sicht hatten und den Ausgang nicht mehr fanden. Wir sahen uns schon in dieser Höhle panikartig herumirren, bis uns die Luft ausgehen würde. Aber beim Tauchen lernt man schliesslich die Fähigkeit, auch in brenzligen Situationen ruhig zu bleiben und so tasteten wir uns der Felswand entlang und fanden den engen Ausgang doch noch!

Insgesamt haben wir in Palawan 12 Tauchgänge unternommen, mehr konnten wir unserem Reisebudget nicht zumuten. Ausserdem hatte sich Miriam noch eine Ohreninfektion mit begleitendem Schnupfen und Fieber geholt, die eine Woche ohne Tauchen und Schnorcheln erforderte. Die nächsten Tauchabenteuer warten in einem anderen Land auf uns!

Wir wurden schon mehrmals nach unserer Fotoausrüstung gefragt. Nun, so spektakulär ist sie nicht. Wir haben eine digitale Kompaktkamera Canon Powershot G9 dabei. Für die Unterwasserfotos packen wir die Kamera einfach in das Unterwassergehäuse et voilà: schon können wir auch die Taucheindrücke mit an die Oberfläche nehmen.

Wieder aufgetaucht: Miriam y Patrick

2 Kommentare
  1. myp
    myp sagte:

    Danke fürs Kompliment! Unter Wasser ist übrigens meistens Patrick am Fotografieren, ich meistens über Wasser :-)!
    Grüessli, Miriam

Kommentare sind deaktiviert.