Am japanischen Meer

Die Sonne am Strand haben wir vergeblich gesucht. Dafür haben wir einen wunderschönen Ort an der Küste vom japanischen Meer gefunden, wo wir am liebsten gar nicht mehr weg gegangen wären.

Nach Anfahrtsschwierigkeiten in Kyoto – wir hatten unser Mietauto überladen, wodurch der Sensor der Parksperre erst wieder von einem Monteur gelöst werden konnte – sind wir in strömendem Regen Richtung Küste gefahren. Über die Medien hatten wir mitbekommen, dass ein Taifun auf Japan zusteuerte. Waren diese heftigen Regenfälle womöglich Ausläufer des Wirbelsturms? Die Wetterlage war uns nicht ganz geheuer. Trotzdem freuten wir uns auf die wilde Küste am japanischen Meer, weg von den Touristenströmen, die auf entlang der Shinkansen-Linie unterwegs sind.

Einen ersten Stopp machten wir in Amanohashidate, einem der „drei schönsten Landschaften“ Japans. Eine 3,6 Kilometer lange und mit Kiefern bepflanzte Sandbank verbindet die beiden Ortsteile der Stadt Miyazu. Wenn man sich auf einem erhöhten Aussichtspunkt mit dem Rücken zur Bucht stellt, sich bückt und zwischen den Beinen durchschaut, wird der Himmel scheinbar zum Wasser, das Meer zum Himmel und die Sandbank würde aussehen wie eine Brücke im Himmel. Deshalb wird Amanohashidate auch Himmelsbrücke genannt. Bei dem Regenwetter haben wir uns mit einem kurzen Spaziergang auf der Sandbank begnügt.

Mit dem Gedanken, dass das kalte und nasse Wetter bestens geeignet wäre für einen Besuch in einem Onsen, einem japanischen Bad mit heissen Quellen, haben wir als nächstes Kinosaki angesteuert, bekannt für seine verschiedenen öffentlichen Bädern. Leider war nicht nur der Ort, sondern auch die Preise für eine Übernachtung dermassen exklusiv, dass wir direkt wieder ins Auto gestiegen sind. Zum Glück, müssen wir im Nachhinein eingestehen. Denn ein paar Buchten weiter in dem schon längst eingewinterten Küstenort Takeno fanden wir ein wahres Bijou von einer Unterkunft.

Wahrscheinlich als einzige Touristen in dem Ort steuerten wir ein etwas verlottertes Hotelgebäude mit fantastischer Lage direkt am Strand an. Eine Frau und ein Männlein empfingen uns, wobei er wohl schon etwas zu viel Sake intus hatte, denn er lachte sich halb kaputt, dass wir bei ihnen übernachten wollten. Wir hatten das Hotel ganz für uns alleine und bekamen zwei japanische Zimmer im Obergeschoss zugeteilt mit einem Wohn- und Schlafraum (Bettzeug wird einfach auf den Tatami-Matten ausgebreitet) und einem kleinen Wintergarten mit Blick auf das tosende japanische Meer. Auch auf ein heisses Bad mussten wir nicht verzichten, denn das Männlein liess für uns im Untergeschoss des Hotels beide Becken mit Wasser volllaufen und so hatten wir pärchenweise sogar unseren Privat-Onsen. Nach der Badeprozedur sind wir mit dem Rauschen des Meeres in den Ohren eingeschlafen. Was will man mehr!

Die Bretter zum Verrammeln der Fenster standen bereit, doch der Taifun kam glücklicherweise nicht in unsere Richtung. Patrick konnte trotz der hohen Wellen ein Bad im Meer am nächsten Morgen nicht lassen. Die Frau und das Männlein hatten für uns gefüllte Reiskugeln als Wegzehrung zubereitet und freuten sich über die Schweizer Schokolade, die wir ihnen statt dessen da liessen. Sie begleiteten uns zum Auto und winkten uns zum Abschied nach. Eigentlich hätten wir noch länger bleiben sollen, das war so ein speziell schöner Ort!

In Tottori sind wir auf die Sanddünen geklettert, die jeder Japaner aus einem berühmten Film aus den 60er-Jahren kennt, haben den starken Windböen auf dem obersten Punkt standgehalten und zum Mittag wieder die lokale Spezialität probiert: Krabbe. Übernachtet haben wir in einem Ryokan (japanische Unterkunft) in Matsue, bevor wir uns schon wieder vom wilden japanischen Meer mit der wunderschönen Steilküste verabschiedeten.

Nun geht es quer durch West-Honshu an die gegenüberliegende Pazifikküste. Vielleicht zeigt sich ja dann auch wieder einmal die Sonne…

Miriam y Patrick

2 Kommentare
  1. Käthi
    Käthi says:

    Ciao zäme, hoffe euch beiden geht es immer noch fantastisch auf eurer Weltreise. Gehe ab und zu schauen wo ihr gerade steckt auf der Weltkarte. Weiterhin gute Reise und bis zu den nächsten News, Käthi

  2. myp
    myp says:

    Vielen Dank, Käthi, wir sind zwäg! Unser monatliches Schnäder-Salat-Zmittag fehlt mir schon ein bisschen… Liebe Grüsse, Miriam

Kommentare sind deaktiviert.