Arequipa und Cañon de Colca

Langes Busfahrten belohnte uns mit einer weissen Stadt, pittoresken Terrassenhängen und tiefen Schluchten als Heimat der majestätischen Andenkondore.

Die zehnstündige Busfahrt von Cusco nach Arequipa gestaltete sich als besonders anstrengend. Weder das versprochene Klo noch eine Heizung waren im Bus vorhanden und während der Fahrt durch die Wüste haben wir trotz Jacke, Mütze und Handschuhe gefroren. Mehr als zwei, drei Stunden Schlaf in verkrümmter Position, Rucksack immer schön an sich gedrückt um möglichsten Diebstahl vorzubeugen, lagen in jener Nacht nicht drin. Kurz nach Sonnenaufgang trafen wir schliesslich in Arequipa ein. Immer noch mit uns: Rhea aus Deutschland. Ihre Freundin Lisa war von Arequipa aus nach Santiago de Chile zurück geflogen.

Arequipa gilt nach der Hauptstadt Lima als zweitwichtigste Stadt Perus. Sie trägt den Beinamen „die weisse Stadt“ wegen den vielen Gebäuden aus weissem Gestein vulkanischen Ursprungs und die zwei Vulkane Misti (5822m) und Chachani (6057m) wachen majestätisch über der Stadt mit knapp einer Million Einwohner. Die schöne Plaza de Armas umringt von hellen Kolonialgebäuden hat uns gut gefallen. Wir haben in einer Nebenstrasse in der Hospedaje Compañía gewohnt, mit hohen Räumen, sonnigem Innenhof und verschmuster Katze.

Nach Arequipa sind wir mit der Absicht gereist, die Region des Cañon de Colca zu besuchen. Dieser gilt als einer der tiefsten Canyons der Welt mit Höhenunterschieden von bis zu 3000 Meter. Die organisierten Touren waren uns jedoch entweder zu teuer oder zu undurchsichtig, so dass wir entschlossen, auf eigene Faust für zwei Tage nach Cabanaconde am Rande des Cañon zu fahren. Dieser kleine landwirtschaftliche Ort liegt etwas mehr als 100 Kilometer von Arequipa weg, aber für die Anreise brauchten wir fast einen ganzen Tag. Der Weg führte über eine Hochebene, wo Andengänse in Lagunen schwammen und wo sich die Vicuñas den kargen Weideplatz mit Lama- und Alpaka-Herden teilten. Wir haben auch nicht schlecht geschaut, als eine Frau mit einem Alpaka-Baby auf dem Arm einfach in den Bus einstieg und so fast eine Stunde mit uns fuhr.

Uns wurde in Arequipa ein Busticket direkt nach Cabanaconde verkauft, aber im Ort Chivay informierte man uns dann, dass der Bus doch nicht weiterfahre. Statt dessen wurde uns vom bezahlten Fahrgeld ein paar Münzen zurückerstattet, wir sollten uns damit einen anderen Bus für die Weiterfahrt suchen. Das taten wir dann auch, doch dazwischen lagen weitere anderthalb Stunden Wartezeit.

In dieser Zeit heftete sich ein erster uniformierter Beamte an unsere Fersen, der uns für 35 Soles – nicht gerade wenig für peruanische Verhältnisse – ein so genanntes „Boleto Turistico“ andrehen wollten, welches man bräuchte für den Besuch der Region. Davon hatten wir schon warnend gelesen, dass einem das Boleto für jeden Aufenthalt in der Gegend angedreht würde, auch wenn man es nur für die touristischen Attraktionen bräuchte. Für einen Besuch der touristischen Punkte hatten wir weder genügend Zeit noch Interesse, also weigerten wir uns schlichtweg, ein Boleto zu kaufen und fuhren schliesslich ohne, dafür mit warnenden Worten des Beamten, Richtung Cabanaconde.

Es folgten weitere zwei Stunden Busfahrt auf einer holprigen Naturstrasse auf der hintersten Sitzreihe, die wir uns mit zwei Einheimischen teilten, die so stark rochen wie eine ganze Herde Lamas. Inzwischen war es auch dunkel geworden und wir konnten die angeblich so schöne Umgebung nicht mehr sehen. Dafür erwartete uns in Cabanaconde ein weiterer Boleto-Beamter und das Diskutieren ging in eine zweite Runde. Schliesslich befreiten wir uns auch wieder ohne Boleto-Kauf aus seinen Fängen. Wir hielten uns also „illegal“ in der Gegend auf und mussten mit Strafe rechnen, falls wir an einer touristischen Sehenswürdigkeit erwischt würden, schickte er uns noch drohend hinterher.

Als „Illegale“ fanden wir trotzdem Unterschlupf in einem Hostal und die Besitzer zeigten Verständnis für unsere Boleto-Verweigerung und warnten uns jeweils vor, wann wir uns vor den Boleto-Beamten verstecken sollten. Am folgenden Morgen früh gaben sie uns genauste Anweisungen, wo sich die Boleto-Beamten aufhielten (dort mit den meisten Touristen = meiste Geld) und wann wir wo durchwandern sollten. Kurz nach Sonnenuntergang machten wir uns also auf den Weg zum Abgrund des Cañon de Colca. Eindrücklich, diese Tiefen! Ganz weit unten schlängelte sich der Fluss durch das Tal, wir sahen die Oase Sangalle mit den blauen Pools und auf der gegenüberliegenden Talseite glitzerten die Blechdächer der Dörfer in der Morgensonne.

Ebenso schön fanden wir die terrassenstrukturierten Hügel rund um Cabanaconde, die schon seit mehreren hundert Jahren von den Bewohnern landwirtschaftlich genutzt werden. Mal saftig grün, dann dürre Stoppel von eben geerntetem Mais, Esel, Pferde und Kühe am Grasen. Das Feld gepflügt wird noch mit vorgespanntem Ochsen, Heuballen werden händisch zusammengeschnürt und auf dem Esel wegtransportiert.

Wir wanderten dem Cañon entlang über die in Steinmauern gefassten Weiden, über Terrassenfelder hoch auf die Hügel, probierten frische Kaktusfrüchte und assen schliesslich unsere mitgebrachten Sandwiches am Rand des Cañon. Ganz friedlich, abseits der Touristenpunkte, fern der Boleto-Beamten. Dachten wir zumindest, doch wir währten uns in falscher Sicherheit, denn wir wurden bereits die ganze Zeit aus der Ferne beobachtet und der Boleto-Beamte holte uns schliesslich ein, als wir bereits wieder auf dem Rückweg waren. Wir müssten dafür bezahlen, dass wir in den Canyon hinuntergeschaut hätten, beharrte er. Wem das Geld genau zu Gute käme, konnte oder wollte auch er nicht beantworten. Die Touristen müssten einfach zahlen. Seine Argumente gegen unsere Argumente (zum Glück hatten wir das im Vorgeld so gründlich recherchiert!) und schliesslich liess er uns laufen, jedoch nicht ohne eine „Propina“ („Trinkgeld“) zu verlangen, dafür dass er uns hätte hinterherlaufen müssen. In wessen Tasche dieses Geld landete, wussten wir hingegen ganz genau, doch das kam uns immerhin einiges günstiger als drei Boletos Turisticos, die wir in Wirklichkeit sowieso nicht gebraucht hätten.

Für die Rückfahrt nach Arequipa hatten wir dann wirklich einen direkten Bus und bei Tageslicht konnten wir auf der Fahrt bis Chivay den terrassierten Cañon de Colca bestaunen und sahen sogar noch einen der berühmten Kondore im Flug. Schön! Ein anderes Mal würden wir noch länger in dieser Gegend bleiben und ausgiebig wandern gehen – dann halt mit Boleto Turistico ;-)!

Miriam y Patrick

1 Antwort
  1. yo
    yo says:

    woooooooooooow, that picture of miriam by the canyon is absolutely breathtaking… and that baby alpaca looks just like a plush animal, incredible!!! i wanna cuddle it:-D!!! great one with the ranger, too, would have loved to listen to that conversation… propina, my arse…;-)

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