Eine Woche verbrachten wir im Nationalpark Los Glaciares. Milchig blaue Seen und Flüsse, noch mehr atemberaubende Gletscher- und Berglandschaften und diesmal auch ein paar Tage strahlend schönes Wetter.

Die Weiten Patagoniens teilen sich Chile und Argentinien, wobei sich die argentinische Seite durch den Regenschatten der Anden als trockene Grassteppe (DAS ist die so genannte Pampa) schier endlos dahinzieht. Mit dem Bus fuhren wir von Puerto Natales über die Grenze nach El Calafate. Die Fahrt dauerte fünf Stunden, wobei wir zuerst am chilenischen und ein paar Kilometer weiter am argentinischen Grenzposten aussteigen und uns im Grenzbüro den Pass abstempeln lassen mussten. Damit bekamen wir bereits zum zweiten Mal die Erlaubnis, 90 Tage in Argentinien zu bleiben.

El Calafate ist ein touristisches Örtchen in der argentinischen Provinz Santa Cruz und bester Ausgangsort zum südlichen Teil des Nationalparks Los Glaciares („die Gletscher“) mit dem berühmten Perito Moreno Gletscher. Dieser zählt seit 1981 zum UNESCO Weltnaturerbe und war auch unser Grund des Kommens. Das völlig auf Touristen ausgerichtete und entsprechend teure El Calafate hat uns – abgesehen von sehr feiner hausgemachter Schokolade – weniger gut gefallen. Auch unsere Unterkunft für zwei Nächte, das Marco Polo Inn Hostel, empfehlen wir mangels Charakter und unfreundlichem Personal nicht weiter.

Der Name der 10’000 Einwohner-Stadt stammt übrigens von einer Strauchbeere, unserer Heidelbeere nicht unähnlich, die „calafate“ heisst. Die Legende sagt, wer diese Beere isst, wird nach Patagonien zurückkehren. Wir hoffen, dass dies auch für Schokolade und Tee gilt, denn in dieser verarbeiteten Form haben wir auch Calafate konsumiert.

Ein Bus, der unter 100 Pesos (ca. 23 CHF) nicht zu finden ist, brachte uns zum Nationalpark Los Glaciares (weitere 100 Pesos Eintrittsgebühr) und da wir uns die Bootsfahrt (ab 50 Pesos) gespart haben, sogleich weiter zu den Stegen und Plattformen direkt gegenüber der gigantischen Eisfront des Perito Moreno Gletschers.

Die 258km2 grossen Eismassen des Perito Moreno Gletschers schieben sich vom südlichen patagonischen Eisfeld (Campo de Hielo Sur) herunter bis in den Lago Argentino. In den letzten Jahren noch kontinuierlich gewachsen, hält sich heute das Wachstum mit dem Abbrechen und Abschmelzen der Eismasse ungefähr die Waage. Zwei Meter bewegt sich das Eis täglich und als wir auf den Stegen gegenüber des Gletschers standen, knirschte und knackste es immer wieder im Eis, riesige Stücke brachen ab und donnerten in den Lago Argentino. Fast vier Stunden haben wir der Kälte getrotzt und von den Plattformen fasziniert dem lebendigen Gletscher zugeschaut.

Mit dem Bus sind wir von El Calafate weiter ins 200km entfernte El Chalten gefahren. Dieses einstige Basislager für Bergexpeditionen ist erst seit 1985 überhaupt als Ort registriert und zählt heute im Winter angeblich auch nur um die 100 Einwohner. In den übrigen Monaten sind es etwas mehr, mit den Trekking- und Bergsteigertouristen sowieso. Uns hat diese Abgeschiedenheit und Nähe zum nördlichen Teil des Nationalparkes Los Glaciares wiederum so gut gefallen, dass wir fast eine Woche geblieben sind.

Anziehungspunkt im Nationalpark sind vor allem der steil aufragende Cerro Torre (3128m) und der Monte Fitz Roy (3406m). Die beiden Berge gelten wegen ihrer glatten Felswände sowie den äusserst widrigen Wetterbedingungen als sehr schwer zu besteigen. Laut Informationen vor Ort ist es dieses Jahr bisher noch niemandem gelungen, den Gipfel des Cerro Torres zu erklimmen. Auf den Monte Fitz Roy hätten es 22 Personen geschafft, 3 seien abgestürzt.

Wir hatten sowieso nicht vor, uns so weit in die Höhen zu wagen, uns genügte die Panoramasicht. Wobei diese auch nicht einfach zu bekommen ist, insbesondere der Cerro Torre verbirgt sich meistens hinter dichten Wolken. Gleich hinter der Bergkette um den Cerro Torre und den Monte Fitz Roy befindet sich das Campo de Hielo Sur, neben den Polkappen und Grönland das grösste kontinentale Eisfeld der Welt. Diese riesige Eismasse beeinflusst das Wetter in der ganzen Umgebung und insbesondere der eisige Wind schiebt meistens Wolkenmassen um die Granitspitzen der Berge.

An einem Tag wanderten wir die fast drei Stunden zur Laguna Torre, kämpften uns gegen heftige Windböen sogar zum Aussichtspunkt Maestri hoch. Der Cerro Torre blieb hinter dichten Wolken und Nebelwabern verborgen. Am Sonntag gab es jedoch für Miriam auch vom patagonischen Petrus ein Geburtstagsgeschenk: schönes Wetter mit klarer Sicht, wie es angeblich nur an wenigen Tagen im Jahr der Fall ist. Ein solcher Tag muss genutzt sein! Wir sind gleich nochmals zur Laguna Torre gewandert, wo sich der Cerro Torre diesmal in seiner kompletten Turmhöhe zeigte. Von dort führte unser Weg weiter ins Tal der Laguna Madre und Laguna Hija und nach einem steilen Aufstieg vom Camp Poincenot bis in den ersten Schnee zur Laguna De Los Tres. Auf der einen Seite belohnte uns die Sicht auf eine tiefblaue Gletscherlagune mit den Spitzen des Fitz Roy-Massivs und auf der anderen Seite die Aussicht über das in Herbsttönen getauchte Tal, durch welches wir hergewandert waren. Definitiv ein Highlight unseres Patagonien-Abenteuers!

An jenem Tag sind wir neun Stunden, fast 30 Kilometer und mehrere hundert Höhenmeter gewandert, die Füsse und insbesondere die Knie liessen uns das spüren. Aber einen wettermässig so schönen Tag werden wir wahrscheinlich keinen mehr haben in Patagonien und mit all den Panoramasichten hat es sich definitiv gelohnt. Die Krönung eines wunderbaren Tages und Geburtstags gönnten wir uns am Abend ein argentinische Fleisch-Nachtessen im Restaurant Pangea.

Auf das Übernachten im Zelt haben wir übrigens verzichtet, von El Chalten aus sind die meisten Punkte gut in Tageswanderungen zu erreichen. Ausserdem haben wir uns im Hostel Aylen-Aike sehr wohl gefühlt, nette Leute getroffen (schon wieder Österreicher, die scheinen es uns angetan zu haben!), so dass wir die folgenden Regentage auch gleich noch geblieben sind.

Das argentinische Patagonien weiter nördlich zu erkundigen, reicht leider nicht, dazu sind die Distanzen beispielsweise nach Bariloche zu weit, wenn wir unseren Flug wieder ab Punta Arenas erreichen wollen.

Also geht es nun gemütlich wieder zurück nach Chile. Hasta la vista, Argentina!

Miriam y Patrick

5 Kommentare
  1. Miriam
    Miriam sagte:

    In El Chalten hatten wir keinen Handy-Empfang und scheinbar sind einige Geburtstag-SMS deswegen gar nie angekommen :-(! Für alle, bei denen ich mich nie persönlich bedankt habe: Muchisimas Gracias a todos!
    Miriam

  2. Mättu
    Mättu sagte:

    Kann es nicht genug oft sagen: Super Fotos 🙂 Bei uns sind es heute fast 26°C da sehnt man sich fast schon wieder nach ein wenig Eis 😉 PS: Wusste gar nicht, dass die CH-Armee einen Auslandseinsatz in Argentinien macht? 😉

  3. yo
    yo sagte:

    …einfach nur schööööööööööön:)!!! vor allem der spitzige torre dings…:) die aussicht nach dem „braunen hügel“ und die „probierfötteli“ sind die besten:-D freue mich auf weitere berichte – wandert noch schön & lasst es euch gut gehen:-D!!! *knuddel*

  4. Olga
    Olga sagte:

    Hallo ihr Zwei,

    erstmal alles Gute nachträglich zum Geburtstag an Miriam! man erfährt halt so manches erst im nachhinhein 🙂
    Werde ab sofort gespannt eure Spuren verfolgen und wenn ich’s schaffe die alten Berichte ebenfalls mal durchlesen.

    Euch alles gute noch auf der Reise und passt auf euch auf.

    Gruss
    olga

    PS: El Chalten war/ist ein Highlight! bin aus El Calafate nach 24h geflohen 🙂

  5. myp
    myp sagte:

    Hallo Olga
    Danke für die späteren Glückwünsche! Bei El Calafate ging es uns genau gleich, uns hielt da auch nichts länger! Auf dem Rückweg sind wir direkt von El Chaltén nach Puerto Natales gefahren :-).
    Liebe Grüsse in deinen Arbeitsalltag!
    Miriam und Patrick

Kommentare sind deaktiviert.