Atacama

Der Kontrast von Patagonien zur Wüste Atacama könnte nicht grösser sein. Zusammen mit Gudrun und Christof reisen wir in das Oasendörfchen San Pedro de Atacama und sind fasziniert von der Wüste und der aktiven Vulkanlandschaft.

Für die zwanzig-stündige Fahrt von Santiago nach Calama in der Provinz Atacama haben wir uns für die Kategorie „Coche Cama“ von Tur-Bus entschieden. In diesen weichen und beliebig verstellbaren Sesseln konnten wir die Nacht durch schlafen und tagsüber lesen oder Film schauen. Wir fuhren der Küste entlang und bei Antofagasta ins Landesinnere bis nach Calama. Dort suchten wir einen weiteren Bus, der uns auf knapp zwei Stunden Fahrt bis nach San Pedro de Atacama brachte.

San Pedro de Atacama liegt bereits auf einer Höhe von 2440 Meter über Meer und diese Steigung machte sich bei uns mit leichten Kopfschmerzen bemerkbar. Ausserdem waren alle unsere Toilettenartikel durch die Druckveränderung aufgebläht und beim Öffnen des Deo-Rollers flog die Kugel quer den Raum. Zur allgemeinen Anklimatisierung an die Höhe, die wir in den folgenden Tagen erst richtig spüren sollten, war San Pedro aber genau der richtige Ort.

Untergekommen waren wir in einem Vier-Bett-Zimmer im Hostal Nuevo Almenecer, das wir aber wegen schmuddeliger Küche und Bad sowie Flöhe im Empfangsraum nicht weiter empfehlen würden. Vielleicht ist dies erst der Anfang eines ganz anderen Unterkunftsstandards, an den wir uns in den nächsten Reiseländern gewöhnen mussten?

Als Ausgangspunkt für Ausflüge in die Atacama, die als trockenste Wüste der Welt gilt, lebt San Pedro de Atacama heute ausschliesslich vom Tourismus. Dies macht sich sowohl durch vergleichsweise hohe Preise wie auch oft fehlende Qualität bemerkbar. Jeder will von diesem Boom profitieren und Tourenanbieter reihen sich an der staubigen Hauptstrasse aneinander. Bei der Wahl eines Ausflugs ist deshalb sehr genau auf die Leistung sowie beispielsweise Sicherheitsstandard der Fahrzeuge zu achten. Was versprochen wird, ist nicht immer das, was man auch bekommt. Wir holten uns im Internet sowie bei anderen Reisenden Informationen, bevor wir bei Cecilia mit dem schäbigen Lachen von Maxim Experience die Ausflüge ins Valle de Luna sowie zu den Geysiren von Tatio buchten.

Sonnenuntergang im Valle de la Luna
Am Nachmittag holte uns ein Minibus ab und brachte uns als erstes zum Valle de la Muerte (Tal des Todes). Der Name hat nichts damit zu tun, dass man sich in diesem Wüstental verirren und zu Tode kommen könnte, sondern stammt angeblich von gefundenen Tierskeletten früherer Viehzüge, die einst über diesen alten Inkaweg von Argentinien nach Chile gelangten. Mit den Sanddünen und den Felsen, die über Millionen von Jahren durch Wasser und Erosion in bizarre Formen geschliffen wurden, fanden wir das Wüstental sehr beeindruckend.

Zum Sonnenuntergang fuhren wir weiter zum Valle de la Luna (Tal des Mondes), das seinen Namen der Oberflächenbeschaffung des Gesteins verdankt. Wir wanderten auf eine Felsmauer hoch und setzten uns mit Blick Richtung Sonne. Sobald diese hinter den Felsen und Dünen verschwand, erstrahlte das ganze Tal zuerst in einem gelb-orange und änderte sich dann in die unterschiedlichsten Rottönen. Dann wandten wir uns der Schnee bedeckten Andenkette zu, über der sich der Himmel von violett zu dunkelblau verfärbte, bevor über dem Vulkan Licancabur schliesslich nur noch der fahle Mond stand. Einfach nur wunderschön!

Mit der Sonne verschwand auch die Wärme und auf dem Weg zurück zum Minibus waren wir froh, hatten wir in weiser Voraussicht die Jacken mitgenommen. Mangels Wolken und wegen fehlender Wärmespeicherung der Steine und des Sandes kann es in der Nacht empfindlich kalt werden. Tagsüber hingegen ist Sonnenschutz unabdingbar und wir bewegen uns meistens im Schatten.

Sonnenaufgang bei den Geysiren von El Tatio
El Tatio ist das höchstgelegene Geothermalfeld der Welt und liegt auf 4300 Metern über Meer. Unterirdische Magmaströme des Vulkans El Tatio (5208m) bringen das Wasser auf dieser Höhe schon bei 85°C zum Kochen. Am Vortag hatten wir uns auf dem Markt Cocablätter besorgt, aus denen wir uns um halb vier Uhr in der Früh einen Tee brauten. Angeblich helfen die Cocablätter gegen Müdigkeit, Kälte und die Höhenkrankheit, da sie den Körper entspannen und die Sauerstoffaufnahme verbessern.

Um vier Uhr morgens wurden wir von einem Minibus abgeholt, der uns über eine holprige Naturstrasse pünktlich zum Sonnenaufgang in das 90 Kilometer entfernte Tatio brachte. Es blubberte, sprudelte und dampfte aus heissen Erdlöchern, was wegen der Kälte in den frühen Morgenstunden besonders spektakulär aussah. Wir mussten aufpassen, nicht mit heissem Wasser in Berührung zu kommen, das aus Erdlöchern herausschoss. Obwohl wir etwas Wärme dringend hätten gebrauchen können bei einer Temperatur von -10°C. Patrick und Christof wagten sich sogar in ein Thermalbassin, wobei der Einstieg sicher viel angenehmer war als der Ausstieg an die Lufttemperatur. Miriam und Gudrun hielten sich lieber am Bassin-Rand auf und fotografierten und filmten das Geschehen.

Erst als die Sonne hinter den Vulkanbergen hervorschaut, ändern sich die Temperaturen wieder auf über den Nullpunkt. Auf dem Rückweg nach San Pedro de Atacama sahen wir Vikunas beim grasen sowie riesige Kakteen. Ausserdem machten wir im kleinen Dörfchen Machuca Halt, wo wir ein junges Lama fütterten und sich Patrick und Christof anschliessend gleich noch ein Lamaspiesschen zum Frühstück gönnten.

Rund um San Pedro de Atacama hätte es noch viele weitere Sehenswürdigkeiten der Natur, beispielsweise Lagunen mit Flamingos, Salzwüsten oder natürlich die Vulkanberge, die man anscheinend fast mühelos erklimmen kann, wenn einem das Auto schon bis 200 Meter unterhalb des Gipfels bringt. Da unsere Weiterreise über die Anden auf das bolivianische Hochland mit ähnlichen Naturspektakel führt, haben wir auf weitere Ausflüge verzichtet.

Morgen geht es also weiter ebenfalls wieder mit Gudrun und Christof. Zuerst bringt uns ein Bus bis zur bolivianischen Grenze, danach reisen wir weiter in einem Allrad-Auto Richtung Uyuni. Nun geht es also erst richtig in die Höhe!

Begeistert von dieser Natur: Miriam y Patrick

2 Kommentare
  1. yo
    yo says:

    …wie schön… da kann man ja vor dem computer sitzen und einfach nur strahlen – ab euren tollen bildern und so informativen berichten:-D!!! woooooow… die wüstenlandschaft von den busfenstern aus ist absolut faszinierend:) was hat es mit den heiligen marien auf sich? wer hat die aufgestellt etc…? señor ratón rockt:-D!!! sowie das bild von miriam vor dem abgrund – einfach genial:)!!! und die süsse vicaña dame könnte mir mal ihr mascara geheimnis verraten…;-)… danke für die schönen berichten:-*****

  2. myp
    myp says:

    @yo: die Atacama solltet ihr unbedingt auch einplanen, die Natur ist eindrücklich! Die heiligen drei Marien hat übrigens die Natur so geschaffen (vor ein paar Jahrzehnten sahen die Salzsteine wirklich noch aus wie drei Figuren, nun sind sie teilweise schon weiter erodiert) und der Mensch so benannt, also eine nur halb so spektakuläre Geschichte. Und bitte, bitte, Danke dir für deine immer so lieben Kommentare! :-*

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