Auf einer alternativen Route sind wir zum Machu Picchu gewandert und haben gegenüber einer organisierten Tour nicht nur viel Geld gespart, sondern auch ganz viel Peru erlebt!

Im zwölften Jahrhundert gründete der erste Inka die Stadt Qusqu (Quetschua für „Nabel der Welt“), die schnell zur Hauptstadt des Inkareiches wurde. Bis im fünfzehnten Jahrhundert die Spanier einmarschierten und der prachtvollen Zeit ein Ende setzten.

Heute prägen Kirchen und Kolonialbauten das Stadtbild rund um den Plaza de Armas und enge Gässchen schlängeln sich steil den Hang hoch im Quartier San Blas, wo sich unsere Unterkunft befand. Die Hospedaje Inka wird in der dritten Generation geführt und war einst eine Hacienda, wo Bauern mit ihrem Vieh auf dem Weg zum Markt in der Stadt Unterschlupf fanden. So ist unser Zimmer einem Stall auch nicht unähnlich, heute natürlich mit entsprechendem Komfort von einem richtigen Bett und einem eigenen kleinen Badezimmer. Das Frühstück ist in den 50 Soles (ca. 16 CHF) pro Nacht für das Zimmer inklusive und die Küche lässt Raum zum selber kochen.

Cusco bietet unzählige Museen und Inka-Ruinen rund um die Stadt, doch ausser zu Fuss die Stadt erkundigen, Märkte und Restaurants besuchen, haben wir alle übrigen Sehenswürdigkeiten ausgelassen und uns ganz auf die individuelle Anreise zum Machu Picchu konzentriert. Als einzige Tour wäre für uns der wahre InkaTrail (Dauer: 4 Tage; Kostenpunkt: ca. 450 US-Dollars) in Frage gekommen, doch dafür hätten wir weiter vorausplanen müssen, denn dieser war bereits bis Ende August ausgebucht. Als Alternativen gäbe es beispielsweise den Salkantay-Trail (Dauer: 5 Tage; Kostenpunkt: 180 – 550 US-Dollars) oder andere Routen, alle jedoch verhältnismässig teuer und bereits sehr überlaufen. Selbst der Bus- und Zugtransport von Cusco nach Aguas Calientes kostet um die 80 US-Dollars. Also hatten wir uns nach einer kostengünstigeren wie auch weniger „bewanderten“ Alternative umgehört. Richard aus Tschechien, ein Reisender, den wir am Titicacasee getroffen hatten, versorgte uns mit den nötigen Stichworten, um unsere Neugier und Abenteuerlust zu wecken.

Gudrun und Christof blieben in Cusco und besuchten einen Spanischkurs. Unserer individuellen Machu Picchu-Tour hatten sich spontan Rhea und Lisa aus Deutschland angeschlossen, die wie wir in der Hospedaje Inka wohnten.

Tag 1 – Cusco – Santa Maria – Kaffeeplantage
Um fünf Uhr in der Früh piepte der Wecker, um halb sechs Uhr sollten wir uns am Terminal Quillabamba einfinden, damit wir um Punkt sechs Uhr mit dem Minivan losfahren konnten. „Seguro, seguro“, wurde uns noch am Vortag beim Ticketkauf (30 Soles pro Person) versichert, aber tatsächlich losgefahren sind wir dann erst um sieben Uhr. Über eine kurvige Passstrasse, die an mehreren Orten durch Erdrutsche oder Strassenbauten mit den neusten Caterpillar-Baumaschinen unterbrochen war, erreichten wir kurz nach dem Mittag Santa Maria, einen kleinen Ort bereits mitten im Dschungel.

Von dort sollte uns ein Taxi bis zum Beginn des Jungle Inca Trails fahren, für das wir nicht nur zu viel bezahlten (40 Soles statt 15 Soles), wie wir später erfahren sollten, sondern der Fahrer fuhr uns auch absichtlich zu einem „falschen“ Weg in den Dschungel. Von Richard hatten wir lediglich den Namen eines Kaffeebauern erhalten, bei dem wir um Übernachtung bitten sollten. Also fragten wir uns bei den anderen Plantagenbesitzern durch bis zum Haus von Alejandro und seiner Frau Elvira, die wir dann glücklicherweise auch fanden, wenn auch nicht über den richtigen Inka-Weg.

Alejandro und seine Familie leben vom Kaffeeanbau. 2011 ist ein sehr gutes Jahr, der Preis für 50 Kilogramm getrocknete Kaffeebohnen liegt in ihrer Kooperative bei rund 500 Soles (ca. 160 CHF). In anderen Jahren gab es für den von Hand gepflückte Bohnen nicht mehr als 180 Soles (ca. 58 CHF) für 50 Kilogramm. Und das trotz Zugehörigkeit zur Kooperative, die den Kaffee unter dem Label „Fair Trade Machu Picchu Coffee“ nach England exportiert. Kein einfaches Leben mit harter Arbeit weit weg von der Zivilisation und so abhängig vom weltweiten Kaffeepreis.

Trotzdem klagt die Familie nicht und wir vier gehörten sofort mit den zehn Erntehelfern – Mai bis Juli ist Kaffeeernte – mit dazu und wurden in die geräumige Küche gesetzt. Auf dem Herd wurden Kaffeebohnen geröstet, im Fenster über dem Herd wärmten sich die Hühner und um uns herum quiekten fünfzehn Meerschweinchen, die als „Alimentación“, also Nahrung, gezüchtet werden und nicht etwa als Haustiere, wie schnell klar gestellt war.

Da uns bei Tageslicht noch genügend Zeit blieb, sind wir ohne schwere Rucksäcke noch zum richtigen Inka-Weg aufgebrochen und bekamen zittrige Beine, weniger von der Anstrengung als vielmehr von der steil abfallenden Felswand nur eine Fussbreite von unserem eigenen Tritt entfernt. Schon nur der Bau eines solchen Weges zeugt von der frühen Baukunst der Inka, eindrücklich! Bei einem Aussichtspunkt genossen wir gewärmt von den letzten Sonnenstrahlen des Tages die weite Aussicht ins Tal hinunter und an die anderen überwucherten Berghänge.

Verschwitzt von der tropischen Luftfeuchtigkeit und verstochen von den vielen Stechfliegen freuten wir uns sehr über die Dusche bei Alejandro und Elvira. Zwar musste zuerst noch eine faustgrosse Spinne vom Duschvorhang entfernt werden und Miriams Anspannung wollte deswegen auch nach der warmen (!) Dusche nicht so richtig weichen. Bei Alejandro und Elvira haben wir uns sehr wohl gefühlt und wir haben prima geschlafen in einem schönen Zimmer (15 Soles pro Person) und fein gegessen (10 Soles für Nachtessen, 5 Soles für Frühstück).

Tag 2 – Kaffeeplantage – Santa Teresa – Hydroelectrica – Aguas Calientes – Forellenzucht
Gestärkt mit einem Frühstück aus selbst gebrautem Kaffee sowie gebratener Yucca-Wurzel mit Avocado machten wir uns zuerst zu Fuss auf den Weg zurück zur Strasse, wo der Taxifahrer uns am Vortag fälschlicherweise abgesetzt hatte. Alejandro hatte für uns vier einen Transport (40 Soles) organisiert, der uns in zwei Stunden via den Ort Santa Teresa bis nach Hydroelectrica brachte. Ein paar Fotostopps mussten sein, denn die brüchige Strasse war ebenso steil abfallend wie die Ruta de la Muerte in Bolivien. Das Kreuzen mit den wenigen entgegenkommenden Autos brachte uns schon gefährlich nahe an den Abgrund… Aber Patrick wollte ja mehr Nervenkitzel und mehr unbekannte Faktoren, das ging bei diesem Trip bestens in Erfüllung.

Ab Hydroelectrica sollten wir zu Fuss immer den Bahngeleisen folgen, die sich bis nach Aguas Calientes dem Fluss Urubamba entlang schlängelten. Drei Stunden Fussmarsch aus dem schwülen Dschungel-Dickicht bis ins schattige Aguas Calientes, das nur aus touristischen Einrichtungen zu bestehen scheint. Wir schlängelten uns an den Souvenirläden und „Schreier“ vorbei, die uns ins Restaurant ziehen versuchten. Am Hauptplatz schnell die Eintrittstickets (126 Soles pro Person) für den Machu Picchu gekauft und auf dem Markt unsere Vorräte aufgefrischt und nichts wie weg aus dieser Touristen-Abzocker-Stadt.

Auf demselben Weg wanderten wir wieder anderthalb Stunden zurück zum Restaurant Inka Raqay, wo wir im Hinterhof zwischen Forellenbecken, Enten, Hühner und Truthahn unsere mitgeschleppten Zelte (10 Sol pro Nacht) aufschlagen durften. Unter wachsamen Auge der Familie schien es uns doch sicherer als der Zeltplatz gleich bei der Machu Picchu-Brücke, wo wir von Diebstählen gehört hatten. Da nahmen wir den zusätzlichen Fussweg gerne in Kauf. Das Nachtessen bereiteten wir seit langem wieder einmal auf unserem Gaskocher zu und mangels Strom sowie Dunkelheit ab 18.00 Uhr zogen wir uns bald darauf umtanzt von Glühwürmchen in unsere Zelte zurück.

Tag 3 – Machu Picchu
In dunkler Nacht um 4 Uhr in der Früh standen wir auf. Die Nacht im Zelt war nicht kalt, doch es kostete uns doch einige Überwindung, in die noch feuchten Kleider vom Vortag zu schlüpfen. Im Schein der Taschenlampe machten wir uns wieder dem Bahngleis entlang auf den Weg Richtung Machu Picchu-Brücke. Diese öffnet um 5 Uhr morgens und wir brauchten fast eine weitere Stunde, um über Treppenstufen im Wald die fast siebenhundert Höhenmeter bis zum offiziellen Eingang des Machu Picchus zu überwinden. Das heisst, Patrick sprintete voraus und Miriam schleppte sich mit Rhea und Lisa hinterher die Stufen hoch.

Beim Aufstieg begegneten wir kaum jemandem und staunten nicht schlecht, dass vor dem Eingang schon eine grosse Menschentraube auf den Einlass wartete. Die meisten von ihnen waren mit Busen direkt von Aguas Calientes hergefahren worden (Kostenpunkt: 8 US-Dollars ein Weg). Wir überhörten, dass für diesen Tag 3800 Eintritte vorverkauft waren. Nach einer halben Stunde Anstehen in dichtem Gedränge wurden wir schliesslich nach Vorweisen von unserem Ticket sowie Pass eingelassen. Und machten uns gleich an den Aufstieg Richtung Machu Picchu-Berg, von wo aus wir die beste Aussicht auf die Ruinenstadt mit dem Waynu Picchu-Berg im Hintergrund hatten.

Nebelschwaden zogen langsam über den Bergrücken und die Sonnenstrahlen tasteten sich über die Ruinenstadt, bis der ganze Machu Picchu in der sanften Morgensonne erstrahlte. Speziell ist das Ambiente vor allem durch die Lage der Stadt auf dem Bergrücken mit den so steil abfallenden Bergseiten, dass sie wirklich unbezwingbar erscheint. Und uns mit einer wunderbaren Sicht in die tiefen Dschungeltäler belohnten. Einfach nur wow, als wir an diesem Ort standen, von dem wir schon weit vor unserer Weltreise geträumt hatten!

Wir schlendern durch die alten Gemäuer, staunen über die Architektur und nahmen von den meistens organisierten Touren mit Guide ab und zu ein Ohr voll mit. Um die Entstehung, den tatsächlichen Zweck sowie das Verlassen der Inka-Stadt, wo einst bis tausend Leute selbst versorgend gelebt haben sollen, ranken sich verschiedenste Theorien: Zufluchtsort der Jungfrauen der Sonne oder letzte Hauptstadt des Inka-Imperiums sind nur zwei davon. Die Stadt muss irgendwann um 1450 erbaut worden sein, offiziell entdeckt wurde sie vor genau hundert Jahren, 1911, vom amerikanischen Forscher Hiram Bingham. Seit 1985 gehört sie zum UNESCO Weltkulturerbe.

Auf einer der Steinterrasse assen wir unsere mitgebrachten Mittagssnack (das Schleppen von Essen und Wasser lohnt sich wirklich bei den hohen Preisen!) mit Sicht auf die grasenden Lamas sowie ins Tal hinunter. Patrick hielt seine Siesta, bevor wir am Nachmittag wieder vom Berg hinunter zu unseren Zelten zurück wanderten. Dort schliefen wir noch eine Nacht, denn statt mit dem teuren Zug und Bus nach Cusco zurückzukehren, entschieden wir uns spontan für den selben Rückweg, um nochmals auf Alejandros Kaffeeplantage vorbeizuschauen.

Tag 4 – Forellenzucht – Hydroelectrica – Santa Teresa – Kaffeeplantage
Am folgenden Morgen waren wir noch vor dem Truthahn wach, langsam gewöhnten wir uns wohl an das frühe Aufstehen. Frühstücken, Zelte einpacken und wieder dem Bahngleis bis nach Hydroelectrica folgen. Wir waren schon eingestellt auf harte Verhandlungen mit Taxifahrern, doch wir hatten Glück, ein Colectivo (öffentlicher Minibus) nahm uns bis nach Santa Teresa mit (3 Soles pro Person) und dort fanden wir ein Taxi, welches uns vor Santa Maria bis zum Pfadbeginn Richtung Alejandros Kaffeeplantage brachte (32 Soles).

Alejandros Familie und alle Erntehelfer freuten sich sehr über unsere Rückkehr und da die beiden Gästezimmer schon vergeben waren, richteten sie ihr eigenes Schlafzimmer für uns her. Sie wollten gar nichts davon hören, dass wir unsere Zelte aufstellen könnten. Mit dem Sonnenlicht verschwanden auch die Stechfliegen und wir verbrachten einen lustigen Abend in der warmen Küche inmitten der Meerschweinchen und Hühner.

Tag 5 – Kaffeeplantage – Santa Maria – Cusco
Nach einem erneuten leckeren Yucca-Avocado-Frühstück verabschiedete wir uns von der Familie und wanderten über den Inca Jungle Pfad bis ins nächste Dorf. Das heisst, zum Schluss mussten wir noch richtig klettern und teilweise rutschen, da ein Erdrutsch den Pfad mit in die Tiefe gerissen hatte und wir sonst nicht mehr weiter gekommen wären. Ein Taxi (12 Soles) fuhr uns dann von der Strasse unterhalb des Dorfes bis nach Santa Maria, wo wir schnell wieder einen Minivan-Transport (25 Soles pro Person) nach Cusco fanden.

Ein gelungener und sehr empfehlenswerter Trip in den Dschungel und zum Machu Picchu, wer nicht zu viel zahlen und die ausgetretenen Pfade möglichst meiden möchte! Wer nähere Angaben zur Kaffeeplantage von Alejandro haben möchte, kann uns gerne schreiben und wir vermitteln den Kontakt.

Zurück in der Hospedaje Inka in Cusco erwartete uns eine weitere kleine Überraschung: Panchita, der Hund des Besitzers, hatte inzwischen acht Junge bekommen. Wie niedlich, am liebsten würden wir einen Welpen mitnehmen auf die Weiterreise…

Denn weiter geht es jetzt. Erst haben wir uns überlegt, noch einen wochenlangen Horse-Trek rund um den Ausangate-Berg zu machen, aber aus Zeitgründen haben wir das nun gelassen. Denn ob ihr’s glaubt oder nicht, aber auch auf einer monatelangen Weltreise bekommen wir langsam da Gefühl, die Zeit renne davon und wir müssen „vorwärts kommen“, wenn wir es bis im Juli noch bis nach Kolumbien schaffen wollen!

Heute Abend heisst es Abschied nehmen von Gudrun und Christof (sie bleiben noch eine Weile in Cusco), wir reisen erst einmal mit dem Nachtbus von Cusco nach Arequipa weiter.

Cariñosos saludos, Miriam y Patrick

3 Kommentare
  1. Christine & Marcel
    Christine & Marcel sagte:

    Hola amigos!
    Schön, dass sich unsere Reiserouten mittlerweile nun schon zweieinhalb Mal gekreuzt haben:
    1.: In Bolivien, wo wir dann das Land gemeinsam erkundet haben.
    2.: In Cusco, Peru – die Hospedaje Inka ist wirklich zu empfehlen, gell?!
    2einhalb.: Eine zufällige, ganz kurze Begegnung irgendwo im
    nirgendwo auf unserem jeweilgen Machu Picchu-Trek 🙂
    Also, macht euch auf den Weg nach Lima, denn ihr wisst ja: Aller guten Dinge sind 3!
    Viele Grüße von Christine & Marcel

    Übrigens: klasse homepage mit super Fotos!!!

  2. myp
    myp sagte:

    Hola Marcel & Christine
    Wir sind euch dicht auf dem Fersen ;-): in Arequipa knapp verpasst, in Lima knapp verpasst, im Norden von Peru haben wir wieder etwas Zeit gut gemacht und nun seid ihr doch wieder vor uns aus Cuenca weggereist! In Quito sind wir wohl erst in ca. 3 Wochen und ihr dann bestimmt wieder weg… Aber wenn nicht auf unserer Reise, dann eben zurück in Europa!
    Cuidense und geniesst das Reisen weiterhin!
    Liebe Grüsse, Miriam & Patrick

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