Auf dem Weg von der Karibikküste nach Bogotá haben wir an zwei Orten Halt gemacht, die sich beide als schönste Kolonialdörfchen Kolumbiens rühmen und immer wieder Drehorte für die bei den Kolumbianern so beliebten Telenovelas sind.

Die Kolumbianer schauen uns immer sehr erstaunt an, wenn wir erzählen, wir würden ganz Kolumbien nur mit Bus bereisen. Aber Flüge seien doch so günstig und Bus fahren so gefährlich, meinen sie. Nach haarsträubenden Überholmanöver, schlechten Splatterfilmen in voller Lautstärke, unendliche Wartezeiten und stündige Essenspausen, obwohl wir bereits mit mehrstündigen Verspätungen unterwegs sind, haben wir uns schon auch manchmal gefragt, warum wir uns das eigentlich antun. Mit den Überlandbussen verliert man so viel Zeit! Doch gleichzeitig gewinnt man Einblicke in das Land und kommt an Orten vorbei, die man sonst nie kennenlernen würde.

So kam es, dass wir von Taganga über Santa Marta bis nach Bucaramganga zum letzten Mal in Südamerika mit dem Nachtbus unterwegs waren und am folgenden Nachmittag über San Gil in einem kleinen Bergdörfchen namens Barichara eintrafen.

Barichara
Über eine kurvige Landstrasse fuhren wir in einem Kleinbus durch eine trockene Ebene den Hügel hoch, wo sich ein Kolonialdörfchen in die ocker- und grünfarbene Landschaft schmiegt: Barichara. In der Chibcha-Sprache bedeutet der Name so viel wie „Ort zum Ausruhen“ und genau so fühlten wir uns beim Flanieren durch die engen Kopfsteinpflaster-Gässchen oder beim Essen der lokalen Spezialität Pan de Yuca (Yuka-Brot) und Hormiga Culona (Riesenarsch-Ameise). In Barichara sitzen die Senioren schwatzend im Schatten der Bäume am Plaza Central, die Fenster sind nicht mit Metallgitter verriegelt, sondern höchstens mit schmucken gedrechselten Holzstangen verziert, der Polizeihund liegt den ganzen Tag faul auf dem Rücken. In Barichara ist die Welt noch in Ordnung.

Das gesamte Dorf besteht aus rund dreihundert Jahre alten gepflasterten Strassen, weissen Häusern mit Dachziegeln in allen Rottönen und Kirchen aus ockerfarbenem Stein. Purpurrote Bougainvillea und Fuchsien hängen üppig von den hölzernen Balkonen und das warmen Licht der Abendsonne taucht das Dörflein in einen goldenen Schimmer. In der Nacht ist es so ruhig im Dorf, dass man das Abfallen einer Bougainvillea-Blüte hören könnte. Geweckt wird man kurz nach Morgengrauen vom Schrei eines Hahns.

Die Unterkünfte in Barichara sind eher teurer, weshalb die meisten Reisenden nur einen Tagesausflug dorthin unternehmen. Die verpassen aber etwas! Wir haben zwei Nächte in der Casa de Hercilia (Doppelzimmer mit Bad für 70’000 COP, ca. 32 CHF) verbracht und wurden von den Besitzern Miguel und Diego sowie von den anderen kolumbianischen Gästen sehr zuvorkommend behandelt. Auch im Dorf selber fühlten wir uns wohl. Die Einheimischen begrüssten uns freundlich mit „Buenos Días“ und hielten gerne für ein Schwätzchen mit uns inne. Im kleinen Laden um die Ecke bezahlten wir den normalen Preis, auf der Suche nach der Spezialität „Hormigas Culonas“ halfen uns die Leute in den Bars und Läden so lieb weiter und begleiteten uns sogar bis zu einer Frau, welche in ihrem kleinen Lädelchen Glasweise „Culonas“ aus der diesjährigen Ernte verkaufte.

Noch ein paar Worte zur lokalen Spezialität Culonas, wortwörtlich Riesenarsch-Ameise. In der Santander-Region sind sie seit über fünfhundert Jahren eine proteinreiche Delikatesse und die Culona-Jagd findet immer noch traditionell im April und Mai statt. Ein Feiertag, an dem die Kinder nicht zur Schule, sondern mit ihren Eltern auf Culona-Jagd gehen. Bei den ersten Sonnenstrahlen nach einer Regennacht fliegen diese grossen Ameisen aus ihrem Bau. Dieses Jahr fiel die Ernte leider wegen dem vielen Regen sehr dünn aus. Nur an einem einzigen Tag flogen die Culonas. Dabei ist besonders wichtig, dass sie innert wenigen Stunden nach dem Einfangen sogleich mit ein wenig Salz geröstet werden. Dadurch sind sie bis zum nächsten Jahr haltbar, wo hoffentlich die Culona-Ernte wieder reicher ausfällt.

Zubereitet werden sie vorwiegend als Pulver für Saucen oder aber ganz als Dekoration oder Snack zwischendurch. Wir haben sie im Gourmet-Restaurant „Color de Hormiga“ in Barichara in einer Sauce zum Rindsmedaillon gekostet sowie geröstet im Laden gekauft. Sie schmecken wirklich gut, sogar Miriam hat gekostet. Und Patrick – seit seinen kulinarischen Ausflüchten in China Gourmet auf dem Gebiet der Krabbeltiere – sagt, die Culonas seien mit Abstand am schmackhaftesten dieser Kategorie!

Wenn das mal kein spezieller Gewinn ist für unseren Win-Colombia-Sieger! Schon bald erfahrt ihr, wem wir die Riesenarsch-Ameisen mit nach Hause bringen :-)!

Villa de Leyva
Von einem schönen Kolonialdörfchen zum nächsten. Rund viereinhalb Fahrstunden entfernt von Barichara (gut, wir haben für die Reise dank dem unzuverlässigen Busservice einen ganzen Tag gebraucht…) liegt auf 2140m ü.M. Villa de Leyva. Die Landschaft erinnert wieder ein wenig an die Schweiz mit den saftig grünen Hügeln und dem schwarz-weissen Holstein-Rindern auf den Weiden. Die Kolumbianer tragen die traditionellen Ponchos gegen die kühleren Temperaturen und den Regenfall.

1572 gegründet und 1954 unter Denkmalschutz gestellt, sieht Villa de Leyva heute noch so aus wie damals mit den Häuserreihen im Kolonialstil, grosszügige Gärten mit Blumen verhangenen Innenhöfen und Strassen und Plätzen mit unregelmässig grossen Kopfsteinpflaster. Wir konnten Stunden lang durch die Gässchen spazieren und haben uns einmal zu einer Jesus-Statue am Hang ausserhalb des Ortes hoch gekämpft, um die Aussicht auf Villa de Leyva und die Umgebung zu geniessen. Mit 120m auf 120m gehört der Hauptplatz Villa de Leyvas zu den grössten Südamerikas, was so aus der Weite erst recht bewusst wurde.

Spätestens die Telenovela „Zorro: La Espada y la Rosa“, welche in Villa de Leyva spielte, hat das Kolonialdörfchen bei den Kolumbianern zu einem beliebten Reiseziel gemacht. Durch die Nähe zu Bogotá (4 Stunden Fahrt) füllt sich Villa de Leyva jedes Wochenende mit Bogotanos, die in den schicken Boutique-Hotels absteigen, am Plaza Mayor ihren Tinto (schwarzen Kaffee) trinken oder Obleas (Oblaten) essen und das Treiben auf dem Plaza Mayor beobachten.

Ein Boutique-Hotel liess sich nicht mit unserem Reisebudget vereinen, doch unweit der Plaza Mayor fanden wir Unterschlupf im einfachen und schönen Hostal Rana (Doppelzimmer für 40’000 COP, ca. 19 CHF). Nach der Hitze an der Karibikküste genossen wir übrigens die frische Luft in Villa de Leyva sehr und die angenehmen 15° bis 20°C und vereinzelte Regentropfen konnten uns nichts anhaben.

Bogotá
Kolumbiens Hauptstadt liegt auf 2640m ü.M. am Fusse der beiden Kordilleren Guadalupe und Monserrate. Bogotá zählt du den schnellst wachsenden Metropolen Südamerikas und besonders die Elendsviertel an den Rändern vergrössern sich ständig und unkontrolliert. Die Stadt hat heute schätzungsweise 7 Millionen Einwohner.

Unsere Unterkunft Hostal La Pinta (seit langem wieder einmal ein Bett mit einer dicken Daunendecke) befand sich etwas ausserhalb vom Zentrum im Barrio Usaquén. Wir wagten uns mit einem der Kleinbusse ins Centro Historico La Candelaria. Wegen Diebstählen wurde uns eigentlich abgeraten, mit denen zu fahren, doch am gefährlichsten auf der Fahrt empfanden wir nicht die anderen Fahrgäste, sondern die Busfahrer. Die scheinen nur Vollgas und Vollbremse zu kennen, wodurch man sich sogar sitzend am besten mit beiden Händen irgendwo festklammert. Nun, wir kamen immer mehr oder weniger heil an den Orten an, wo wir hinwollten.

Sehr gefallen hat uns das Museo Fernando Botero in der Casa de la Moneda, wo wir „gewichtige“ Gemälde und Skulpturen des kolumbianischen Künstlers bewunderten.
Der 1932 in Medellín geborene Künstler hat mit seinen Gemälden und Skulpturen weltweiten Ruhm erlangt und die von ihm übermässig dick dargestellten Menschen, Tiere, ja sogar Früchte, Instrumente oder Häuser zeugen von einem ganz anderen Schönheitsideal. Im Anschluss an diesen Museumsbesuch taten wir unserer Figur auch etwas Gutes, mit einem Besuch im Juan Valdéz Café, der kolumbianischen Antwort auf Starbucks, bei einer heissen Schoggi und Schokoladentorte.

Beeindruckend fanden wir auch das Museo de Oro, das von der Banco Nacional de Colombia gesponserte Goldmuseum. Hinter dicken Tresortüren in Glasvitrinen konnten wir unzählige Gold- und teilweise auch Silber-, Bronze- und Kupferarbeiten aus verschiedenen Epochen und unterschiedlichen Teilen Kolumbiens bestaunen. Das äusserst moderne Museum unterrichtet über die Vorkommnisse, Bearbeitung und vor allem Bedeutung der Edelmetalle für die jeweiligen Völker, wobei einige besonders wertvolle Objekte in einem abgedunkelten Raum mit spezieller Beleuchtungstechnik gezeigt wurden, begleitet von Donnergrollen, Wasserplätschern und Schamanengesängen.

Besonders viel Sightseeing haben wir in Bogotá nicht unternommen, wir sind wohl langsam etwas Reise-müde, insbesondere was südamerikanische Grossstädte betrifft, die sich irgendwie doch alle ähnlich sind. Wahrscheinlich ist es der richtige Zeitpunkt, bald den Kontinenten zu wechseln?

Adiós Colombia, hasta la proxima vez! Miriam y Patrick

 

4 Kommentare
  1. yo
    yo sagte:

    …jesus ist auferstanden und schreitet unter uns – das ist nun der zweite beweis…:-D!!! (ist euch zufälligerweise noch ein satanistischer conejito irgendwo begegnet?) schööööne fotis – wie immer… und die texte!!! wie wärs wenn der verfasser der schönen texte mal bei einer reiseführeragentur mitarbeiten würde…;-)? dass fettine boteros muse war, war mir auch unbekannt, aber jetzt ist alles klar…:) weiterhin ganz ganz viel spass und bald heisst es – hello africaaaaaaaaaaaa:-D!!! (miriam: chapeau zu deinem mut, so ein fettarschding zu kosten…:)!!!)

  2. myp
    myp sagte:

    Muchas gracias, mi fiel amiga!
    … hihi, der durch und durch schwarze Conejito ist uns (noch) nicht live begegnet.
    Aber unsere Gatos als Boteros Katzen-Muse? Das wirft doch mal zur Abwechslung ein positives Licht auf ihre! Wir bekommen übrigens jeweils Gewichts-Rapport aus der Heimat. Sagen wir’s so: es geht ihnen sehr gut :-D!
    Ein Job-Angebot in diese Richtung wäre zu überdenken! Mal schauen, was sich ergibt nach unserer Heimkehr!
    :-* Miriam

  3. myp
    myp sagte:

    Wie in Japan, dort kam der Verdacht auch schon mal auf. Wenn wir jetzt nochmal dorthin gehen würden……..das würde die Japaner umhauen.

Kommentare sind deaktiviert.