Das Inselleben ist schön! Für etwas mehr Action sind wir auch ein paar Mal mit zu den grösseren umliegenden Orte gefahren.

Coron ist die zweitgrösste Stadt Palawans und das Fischerei- und Handelszentrum der Calamian Group, dem nördlichen Teil der Provinz. Der laute und geschäftige Ort liegt ungefähr eine Stunde Banca-Fahrt von Chindonan weg und wir durften uns jeweils anschliessen, wenn am Hafen neue Gäste abgeholt oder Einkaufe für das Resort getätigt wurden. Coron ist voller kleiner Läden und bietet für uns Annehmlichkeiten wie Internet-Café (mit Software-Stand aus dem letzten Jahrhundert, weshalb sich das regelmässige Updaten unserer Website und insbesondere das Hochladen von Fotos etwas schwierig gestaltet). Auch die Suche nach Postkarten war alles andere als einfach und auf der Poststelle gab es nicht mehr genug Briefmarken für nach Europa.

Die aus Coron stammende Amanda, Köchin im Chindonan Resort, kauft jeweils auf dem Markt Frischwaren ein und hat uns in ihrer Heimatstadt herumgeführt. Bevor die Frage bei den Fotos kommt: ja, Amanda ist körperlich ein Mann, fühlt sich aber als Frau und kann dies auf den Philippinen auch voll ausleben. Denn obwohl über 80% der Bevölkerung katholisch ist und es ansonsten sehr genau nimmt mit den Ansagen aus dem Vatikan (Bsp. Ablehnung von Verhütungsmittel), ist Homosexualität breit akzeptiert und wird ganz offen gelebt.

Eines Sonntagmorgens sind wir mit Lona, den beiden Per sowie den angestellten Filippino-Jungs nach Culion aufgebrochen. Wir wollten uns den in den USA stattfindenden Boxkampf vom philippinischen Superstar Manny Pacquiao live im Fernseher anschauen.

Die Stadt Culion ist in einer Bucht von Culion Island malerisch an den Hang gebettet, hoch am Hügel von weitem sichtbar ein weisser Adler aus Stein. Dieser diente heranfahrenden Booten einst als Warnung vor der „Insel der lebenden Toten“. So wird Culion Island nämlich auch genannt als einstige Lepra-Kolonie. Dank der modernen Medizin ist dies jedoch seit bald vierzig Jahren Geschichte und lediglich das im Sanatorium untergebrachte Lepra-Museum sowie ältere Bewohner mit möglicherweise verstümmelten Zehen oder Fingern erinnern noch an diese Vergangenheit.

Wir legten mit dem grossen Banca-Boot im Hafen von Culion an und mit Tricycle, Motorräder mit Seitenwagen, wurden wir an einen Ort gebracht, wo der Boxkampf übertragen wurde. Dabei handelte es sich nicht etwa um ein öffentliches Lokal, sondern wir wurden nach Hause zum örtlichen Finanzminister gefahren. Dieser hatte nämlich als Einziger im Ort in der Stadt mit Satellitenfernseher. Bereits war das halbe Städtchen auf der Terrasse versammelt. Unser Besuch ehrte so sehr, dass wir die bequemsten Plätze im Wohnzimmer vor dem grossen Bildschirm, zwischen Weihnachtsdekoration und Plastikkitsch, bekamen.

Während der Dauer des Boxkampfes stand die Zeit auf den Philippinen still. Man muss wissen, neben dem Hahnenkampf lieben die Filippinos keinen Sport so sehr wie das Boxen, vor allem wenn ihr Landsmann Manny Pacquiao antritt. Gemeinsam wurde vor dem Satellitenfernseher die Nationalhymne angestimmt und dann ging es los – und wie! Der kleine, dafür umso flinkere und angriffige Manny richtete seinen Gegner, den Mexikaner Antonio Margarito, übel zu, jeder Fausthieb begleitet von lautem Geschrei „Noch einer! Noch einer!“ der versammelten Fernsehzuschauer. Ein guter Kampf, fand Patrick, wobei sich Miriam lieber auf die emotional geladenen Filippinos vor dem Fernseher konzentrierte statt auf das zerschlagene Gesicht von Margarito. Der Sieg gehörte natürlich Manny Pacquiao. Ein Freudentag für die Filippinos – ein Erlebnis für uns!

Bei dem geschäftigen Treiben in den Städten sind wir aber immer wieder gerne auf unsere ruhige Insel Chintonan zurückgekehrt. Wie haben wir das vorher nur in den wuseligen japanischen und vor allem chinesischen Städten ausgehalten?

Gerne wieder alleine: Miriam y Patrick