Nachdem wir uns während den letzten Wochen alle paar Tage auf einen neuen Ort einstellen mussten, wollten wir uns in der letzten Woche in China noch etwas Ruhe gönnen. Der Süden von China, wo die Natur einzigartig schön und Temperaturen schon fast tropisch seien, wurde uns dafür empfohlen. 

Die Sicht auf den Li-Fluss mit den Karstbergen ist auf der 20-Yuan-Note abgebildet und die Region ist unter anderem deshalb ein beliebtes Urlaubsziel der Chinesen. Und wenn auch nur ein kleiner Prozentsatz der Milliarde Chinesen reist, dann ist etwas los im Land! Dies ist ein Mal im Jahr der Fall, in der Ferienwoche rund um den chinesischen Nationalfeiertag vom 1. Oktober, die so genannte „Golden Week“. Das Ausmass dieser goldenen Woche lernten wir kennen, als wir nichtsahnend und ausgerechnet zu jenem Zeitpunkt ebenfalls nach Süden wollten.

Knapp fanden wir noch Platz in einem Nachtzug, wenn auch in zwei unterschiedlichen Schlafabteilen. Sämtliche Unterkünfte schienen auf Tage ausgebucht. Schliesslich fanden wir in Guilin doch noch Unterschlupf in einem chinesischen Hinterhofhotel zu einem völlig überteuerten Preis. In dieser goldenen Woche kosten Unterkunft, Ausflüge und teilweise auch Transport grundsätzlich doppelt oder dreifach so viel wie normal.

Nicht nur die überhöhten Preise wollten wir vermeiden, sondern vor allem auch den Massen an chinesischen Touristen aus dem Weg gehen. So sind wir nach zwei Tagen von Guilin weiter nach Yangshuo gefahren. Wir hatten uns für den Wasserweg entschieden und sind mit dem motorisierten Bambusboot über den Li-Fluss gebrettert. Der spiegelglatte Fluss gesäumt von steilen Karstbergen, über die sich die ersten Strahlen der Morgensonne tasteten, ergaben eine atemberaubend schöne Kulisse! Das muss eine der aussergewöhnlichsten Landschaften überhaupt sein!

Die Fahrt an und für sich war jedoch nicht ganz so idyllisch, da trotz der frühen Morgenstunde bereits zig andere Boote unterwegs waren, deren Motoren brummten und heulten, Touristen einander zuschrien und Wellen von grösseren Booten über unser Bambusboot hinwegschwappten und unser ganzes Gepäck durchnässten. Auch wurden wir von den einzelnen Veranstalter ziemlich über den Tisch gezogen, da wir sowohl vom Boot wie auch vom anschliessenden Minibus und dem normalen Bus viel zu früh ausgeladen wurden und jeweils die letzten paar Kilometer zu Fuss zurücklegen mussten. Mit dem nassen Tramper am Rücken.

In Yangshuo haben wir im Senior Leader Youth Hostel gewohnt, welches zentral gelegen ist, aber immer noch genug weit weg von der belebten und lauten West Street mit all den Bars und Shoppingmöglichkeiten. Yangshuo ist für chinesische Verhältnis ein kleines Städtchen, jedoch sehr touristisch. Da aber der chinesische Tourist meist in einer organisierten Gruppe von einer Sehenswürdigkeiten zur nächsten hetzt, fanden wir auf Fahrradtouren und Wanderungen in der Natur trotzdem unsere Ruhe.

Zur selben Zeit wie wir hielten sich auch Karen und John in Yangshuo auf, das Paar aus Südafrika, welches wir bereits in Beijing kennengelernt hatten und mit denen wir auf die chinesische Mauer geklettert waren. Da sie genau wie wir das aktive Entdecken der Natur fern von ausgetrampelten Touristenpfaden bevorzugen, waren wir während unserer Woche in Yangshuo oft zusammen unterwegs.

Wir sind mit dem Fahrrad dem Yulong-River entlang gefahren bis zur Drachenbrücke, auf einem Pfad zwischen Bauerngärten, durch üppig grüne Reisfelder, wo auch schon mal ein Wasserbüffel scheinbar friedlich graste. Scheinbar friedlich deshalb, weil einer einmal mit gesenkten Hörnern auf Patrick zugaloppierte, war er dem Wasserbüffel wohl zu nahe getreten. Glücklicherweise war das Tier aber angebunden, Patrick kam heil davon und hielt von da an einen gesunden Abstand zu den weiteren Wasserbüffeln auf unserem Weg.

An einem anderen Tag sind wir zum Mondhügel geradelt, einem Berg mit einem riesigen halbmondförmigen Loch in der Spitze. Vom obersten Punkt des Berges, also über dem Loch, bot sich uns eine grossartige, wenn auch von Dunstschwaden durchzogene Aussicht auf die unzähligen bewaldeten Karstberge in allen Himmelsrichtungen. Bei einer Bruthitze die 800 Stufen zu erklimmen, lohnt sich also auf jeden Fall!

Wir sind auch durch die malerische Landschaft dem Li-River entlang gewandert von Yangdi und Xingping. Die fast 20km lange Strecke besteht aus Uferpfaden, wobei man drei Mal den Fluss überqueren muss. Dabei wurden wir richtiggehend verfolgt von Bambusboot-Fahrern, die uns an jeder Ecke etwas verkaufen und uns überzeugen wollten, zu einem horrenden Preis mit ihnen über den Fluss zu fahren, da der Wanderweg auf der anderen Seite weitergehen würde. Was gar nicht stimmte, sie hätten einfach das Geld genommen und uns irgendwo ausgesetzt. Jaja, an touristischen Orten sind die Chinesen nicht mehr ganz so ehrlich und man muss immer auf der Hut sein! Manchmal ganz schön ärgerlich, aber unser Instinkt hat uns vor solchen „Fallen“ bewahrt und wir haben den richtigen Pfad gefunden, wenn wir auch schon mal für ein unnötiges „Eintrittsticket“ zu viel bezahlt haben.

Ein Muss in China ist ein morgendliche Besuch in einem öffentlichen Park. Was da los ist zwischen 8 Uhr und 9 Uhr! Vorwiegend Senioren wuseln umher, spielen Polo, Boule (Boccia) oder Badminton, machen Gymnastik- und Stretchübungen, sitzen zusammen über ein chinesisches Schachbrett gebeugt oder spielen Karten. Ganze Gruppen praktizieren Tai Chi, bewegen sich geschmeidig zu einem Fächertanz oder üben ihren traditionellen Schwerttanz. Gross im Kommen ist aber das moderne Tanzen. Scharenweise Chinesen bewegen sich im Takt der Popmusik aus mitgebrachten Lautsprechern. Man könnte stundenlang zuschauen!

Die kulinarische Spezialität der Guangxi-Provinz ist übrigens Hund in allen Variationen. Ganz aus dem Weg gehen konnten wir dieser Tatsache nicht, denn als wir den lokalen Bauernmarkt in Yangshuo besuchten, gab es mehrere Marktstände mit Hunden in Käfigen, die sogleich vor Ort geschlachtet wurden. Das erbärmliche Gewinsel und den Anblick von an Haken aufgehängten, bereits gehäuteten Hunden werden wir wohl nie mehr vergessen. An jenem Tag war sogar Patrick bereit, in einem vegetarischen Restaurant zu essen.

Von Yangshuo sind wir nach einer Woche wieder nach Guilin zurückgekehrt. Von dort aus haben wir einen Ausflug zu den spektakulären Reisterrassen in der Region von Longji unternommen. Die Dragon’s Backbone Rice Terraces haben ihren Namen, da sie aus der Vogelperspektive wie der Rücken eines Drachen aussehen. Leider hatten wir an jenem Tag Wetterpech, es nieselte ununterbrochen und Nebel blockierte unsere Sicht vom höchsten Aussichtspunkt auf über 1000m ü.M. Hin und wieder rissen die Nebelschwaden auf und öffneten für uns den Blick auf terrassierte Steilhänge in allen erdenklichen Grüntönen. Was die Erbauung und die Bewirtschaftung einst für eine Arbeit gewesen sein muss! Heute lebt die Bevölkerung vom Tourismus, denn nicht nur die landschaftliche Schönheit ist ein touristischer Anziehungspunkt, sondern auch die dort lebende Volksminderheit der Yao, deren Frauen die Haare knielang und kunstvoll auf dem Kopf auftürmen tragen.

Nun ist auch schon unser letzter Tag in China angebrochen, unser Visa läuft aus. Heute Abend fahren wir mit dem Nachtzug von Guilin nach Shenzhen, von wo aus es nur noch ein Katzensprung ist bis zur Grenze zu Hong Kong. Dort bleiben wir zwei Tage und fliegen am kommenden Montag über Shanghai nach Japan. Begleitet ihr uns weiterhin?

Viele Grüsse von einer inzwischen nahezu vegetarisch lebenden Miriam und einem von China und dem Essen begeisterten Patrick

4 Kommentare
  1. Annemarie
    Annemarie sagte:

    Uch, Patrick zum Glück hast du kein Hundemenu genommen, da wäre ich echt enttäuscht gewesen…. Das Land muss ganz speziell sein aber gewisse Sitten und Essensgewohnheiten… igiiit…. Weiterhin alles Gute

  2. Salomé
    Salomé sagte:

    … und vielen Dank, dass Ihr uns diesen Anblick der Hunde auf dem Markt erspart habt… und uns indessen einmal mehr an sehr schönen Bildern teilhaben lasst… go ahead! Alles Gute für die nächsten Erlebnisse im Land der aufgehenden Sonne!

  3. Miiss
    Miiss sagte:

    Hey Miss!
    Dank em 1000iger Stägeli besch jo secher guet grüschtet gsi för die 800Stäge ufe Mondhügel! 😉
    Ha auso au chli Angst gha, es erschine no plötzli Föteli vo dene ufghänkte Hönd.. hätti aso gad chli zbisse gha drab..
    Gueti Witerreis und witerhin vell spannendi Abentür!
    Feschti Omarmig

  4. myp
    myp sagte:

    As 1000er-Stägli hani ou müesse dänke bem Ufstieg :-)! I ha dHünd nur us de Färni chönne aluege, nächäne hani müesse wegluege ond ou weglose. För öise Kulturkreis met em Mönsch-Hond-Bezug stimmt das ganz ond gar ned…
    Merci för öichi gueti Wönsch, mer send bereit för weder öppis Nöis!
    Liebi Grüess,Miriam

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