Bagan – Tausend Tempel, Kloster und Pagoden

Wenn es in dem touristisch noch nicht sehr etablierten Myanmar ein Muss-Reiseziel gibt, dann ist dies Bagan. Die historische Königsstadt Bagan reizte auch uns mit magischen Fernweh-Bildern von Tempel- und Pagodendächern im verschwommenen Licht eines Sonnenuntergangs.

Und so hatten wir bereits im Vorfeld eine Unterkunft sogleich für sechs Nächte reserviert. Zur heissesten Zeit des Jahres, wo das Thermometer fast jeden Tag bis jenseits der 40-Grad-Marke steigt, war nebst der Sicherheit, Sauberkeit und dem Preis unser weiteres Kriterium bei der Hotelauswahl: ein Pool. Und so sind wir auf das Lotus Bagan gestossen. Dass es etwas ausserhalb des Zentrums lag, war uns bewusst, aber so abseits von allem … Der Ort Nyaung-U war 20 km auf einer fast einsamen Strasse weit weg, Old Bagan und New Bagan noch weiter.

Schnell war klar, dass wir für unsere Unabhängigkeit einen eigenen fahrbaren Untersatz benötigten. Und so mieteten wir sogleich für die ganze Zeit zwei chinesische Elektro-Scooter (5 CHF am Tag), was auch sehr praktisch war für die Erkundigung der Tempel in der Region. Jeden Tag düsten wir damit in den Morgenstunden los Richtung Tempelebene, erkundigten diese auf eigene Faust, assen in Nyaung-U eine Kleinigkeit zu Mittag und düsten wieder zurück zum Hotel, um die Hitzestunden des Nachmittags im gekühlten Zimmer oder im lauwarmen Pool zu verbringen.

Gegen Abend stiegen wir auf die Elektro-Scooter und zogen wieder los für weitere Tempel-Erkundigungen zum Sonnenuntergang, Einkäufe, Wäsche besorgen, Informationsbeschaffung (das Internet im Hotel funktionierte nur sporadisch) und Nachtessen in Nyaung-U. Um danach ohne Strassenbeleuchtung bei schwärzester Dunkelheit die 20 Kilometer wieder zum Hotel zurück zu fahren. Ohne hörbaren Motor bei fast gespenstischer Stille, zog sich die Strecke sehr in die Länge. Nur ab und zu brauste ein anderer Elektro-Scooter oder ein Motorrad mit Einheimischen an uns vorbei oder ein Sammeltaxi oder ein röchelnder Nachtbus auf dem Weg nach Yangoon.

Magie aus Tempeln, Pagoden und Stupas

Nach Bagan reist man einzig und allein wegen der Tempel. Auf einer fast 40 Quadratkilometer grossen Grasfläche wurden zwischen dem 11. und dem 13. Jahrhundert mehr als 5000 religiöse Gebäude aus Ziegelstein und Holz errichtet. Zerstörungen, Plünderungen, Erdbeben (das letzte noch gut sichtbare vom August 2016) und den Zahn der Zeit überstanden haben rund 900 Tempel, 500 Stupas und 400 kleinere und grössere Klosteranlagen. Diese können nach Entrichten einer Gebühr von 20 US-Dollars («only foreigners») ganz frei besucht und alleine erkundigt werden.

Ziel- und planlos waren wir all die Tage in Bagan unterwegs. Wir haben nicht nach dem grössten, goldenen, höchsten oder beliebtesten Tempel gesucht, sondern sind einfach mit den Elektro-Scootern herumgekurvt und sind irgendwo abgebogen, wenn wir ein Weg sahen. Geteert ist nur die Hauptstrasse zwischen den Orten. Dazwischen führt ein Labyrinth aus kleineren und grösseren Sand- und Erdpisten durch die ausgedörrten Grasflächen und Äcker.

Immer wieder hatten wir Tempelanlagen und Stupas ganz für uns alleine oder aus einem aus Palmblätter geflochtenes Haus direkt daneben kam ein Einheimischer auf uns zu und fragte, ob wir den Schlüssel benötigten (falls überhaupt abgeschlossen war) oder ob wir etwas Kühles trinken mochten. Obwohl wir immer einige Liter Wasser mit uns führten, haben wir jeweils gerne eine frische Kokosnuss, eine Dose Sprite oder noch mehr Wasser gekauft, um die lokale Bevölkerung so auch zu unterstützen. Meistens sind es auch diese Nachbarn, die den Tempel sauber halten.

Einige der von uns besuchten Stupas oder Tempel lagen aber auch ganz einsam und waren von dürrem Gras, Dornenranken oder leuchtend pinkem Bougainvillea überwachsen. Die Zwillinge konnten nach Herzenslust entdecken und spielen. Genügend Stöcke und Steine und auch schon mal ein alter Reifen fanden sich immer und viel mehr brauchen Nicola und Alexis nicht, um ganz in ihrem Spiel zu versinken.

Barfuss erkundigten wir die Steingebäude, staunten über uralte Wandmalereien, fuhren mit dem Finger verschnörkelten Reliefs im Stein entlang, entdeckten in Steinnischen auch kleinste Buddhas. Besonders aufregend fanden wir die «Geheimgänge». Ganz enge, niedere Treppenaufgänge führten in manchen Tempeln auf eine schmale Aussichtsplattform hoch. Der Ausblick von dort oben war atemberaubend, besonders zum Sonnenauf- oder Sonnenuntergang! Tempelspitzen ragten überall um uns herum aus der flachen Grasebene hinaus. Manchmal waren noch andere Reisende mit uns auf dem Tempeldach, manchmal genossen wir diese magischen Momente ganz für uns allein – so lange unsere kleinen Abenteurer eben stillsitzen konnten und nicht anfingen, auf dem Tempeldach «Versteckis» oder gar «Fangis» zu spielen. Das wurde dann doch zu gefährlich und wir stiegen die Geheimgänge oder steilen Treppen wieder herab.

Mit den E-Scootern so alleine unterwegs, sind wir natürlich auch auf den einen oder anderen Müllberg gestossen (wobei sonst Bagan wirklich im Vergleich zu anderen Orten in Asien sauber ist). Wir haben kleinere Siedlungen besucht, den Jungen beim Fussball zugeschaut, mit Mädchen Blumen gegen Ballone getauscht, ausgediente Kleider und Spielzeug verteilt sowie Hotelseifen und -zahnbürsten verschenkt. Von einer jungen Frau haben wir uns ihr Dorf zeigen und erklären lassen, wo es erst seit zwei Jahren Strom und seit Kurzem fliessendes Wasser in den Dorfbrunnen gibt. Die Männer kauten und spuckten Betelnuss-Päckli und die alten Frauen rauchten dicke Stumpen aus Maisblättern gefüllt mit Palmholzraspeln und Tabak. Ochsenkarren sind immer noch das Haupttransportmittel. Aus angebautem Sesam und Erdnüsschen wird ebenfalls mit der Kraft der Ochsen Öl gepresst. Ja, in Myanmar ist die Zeit noch eine andere, wobei auch diese Uhren wohl immer schneller ticken.

Wir sind dankbar, das Land und seine Menschen noch so kennen lernen zu dürfen: Miriam Patrick Nicola Alexis

3 Kommentare
  1. LysaJulienBarbaraDidier
    LysaJulienBarbaraDidier says:

    Hey dir vier, mir si schön froh, sit dir wider gsung & gfräsig nach dänä unschöne Gschichte. Umso schöner, dass dr das ursprüngleche Myanmar no so dörft erläbe. Gniessets! Liebi Grüess vo Rohrers (guet wider im Autag glandet aber starch mitem Fernwehvirus infisziert…)

  2. mypcaminando hoch zwei
    mypcaminando hoch zwei says:

    Hallo LysaJulienBarbaraDidier! Schön, chöne der met öis nochli witerreise! Myanmar würd öich ou gfaue – ou wenn natürlech ned ganz sones unabhängigs ond freis Reise möglech esch wie in New Zealand. Mer fröie öis, öich nach öisere Rückkehr mou ide Heimat zträffe ond witer öbers Reise zphilosophiere :-). Liebi Grüess us de Färni

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