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Bangkok: Shopping-Recherche und Spital-Odyssee

Geschluckt und wieder ausgespuckt – so kurz und intensiv kam uns der erste Besuch in Thailands Hauptstadt vor. Der eine Tag und die zwei Nächte hatten es in sich.

Statt wie ursprünglich einmal die Idee war, mit dem Slow Boat von Luang Prabang in den Norden von Thailand zu tuckern, dort über die Grenze einzureisen und Chiang Mai zu besuchen, waren wir nun in 60 Minuten mit Air Asia nach Bangkok geflogen. Die längeren Reise-Etappen sind mit unseren Kindern einfach nicht so prickelnd und Fliegen kann in Asien wirklich günstig sein, selbst für uns zu viert. Wenn auch nicht gerade gut für unseren ökologischen Fussabdruck…

Vom Don Muang Airport in Bangkok wollten wir an jenem Abend ins Stadtzentrum zu unserem reservierten Hotel kommen. Kurzes Ausholen, wie das mit der Preispolitik in Asien läuft: nichts ist verbindlich. Zum Vergleich: die erste angefragte Taxi-Gesellschaft innerhalb des Flughafengebäudes wollte für die Strecke 750 Baht (ca. 22 CHF). Dann kam ein inoffizielles Angebot von einem privaten Fahrer für 600 Baht (ca. 17 CHF). An der nächsten Taxi-Schlange mit einer Wartezeit von sicher einer Stunde wären es noch 550 Baht (ca. 15 CHF) gewesen. Patrick hatte sich im Vorfeld informiert und den günstigsten Trick ausgearbeitet: wenn man den Flughafen zu Fuss verlässt und über eine Brücke die Autobahn Brücke überquert, auf der anderen Seite an der Leitplanke ein Taxi heranwinkt, sei es am günstigsten. Das haben wir dann so gemacht und schliesslich 400 Baht (11.50 CHF) bezahlt. Jaja, wer im Kleinen knausert, reist weiter in dieser Welt 😉. Wobei es mit dem Sky Train oder dem öffentlichen Bus sicher noch günstiger möglich gewesen wäre, aber mit zwei müden Kindern an der Hand gilt es immer, die Kostenbilanz auch mit der eigenen Nervenbilanz abzuwägen.

Nicht geknausert haben wir hingegen beim Hotel Happy 3. Sicherheit, Sauberkeit, die zentrale Lage und ein Swimming Pool waren für uns bei 38°C Tagestemperatur die wichtigsten Argumente. Ein Doppelbett (Patrick, Alexis, Miriam) und ein Einzelbett (Zappel- und Zähneknirscher-Nicola) haben wie immer gut gereicht.

Unser Hotel lag unweit der grossen Shopping-Malls MBK und Tokyu. Dort haben wir dann auch einen ganzen Morgen verbracht, um herauszufinden, wo es die besten Einkäufe zu machen gibt. Somit ist der Entscheid auch gefällt, dass wir Ende Mai unsere letzten Reise-Tage in Bangkok auch im gleichen Hotel absteigen und noch einkaufen werden, bevor wir am 28. Mai mit prall gefüllten Taschen in die Schweiz zurückfliegen. An jenem Recherche-Tag hatten wir lediglich neue Sandalen für die Zwillinge gekauft (bei Alexis Sandalen aus Neuseeland war bereits der Klettverschluss kaputt und Nicolas Sandalen wurden am Kuangsi-Wasserfall in Laos gestohlen, worauf wir nur ganz rutschigen und billigen Sandalen-Ersatz in Luang Prabang gefunden hatten), alles Weitere muss warten. Schliesslich sollen unsere Rucksäcke nicht schwerer werden, wenn wir noch in den Norden und in den Süden Thailands und nach Myanmar reisen.

Window Shopping ist für Nicola und Alexis natürlich nicht so prickelnd wie für uns Erwachsene und vor allem Alexis klagte über Kopfschmerzen. Zum Ausgleich haben wir den heissen Nachmittag am Hotel-Pool verbracht.

Nächtliche Spital-Odyssee

In der zweiten Nacht im Hotel Happy 3 in Bangkok hatte Alexis plötzlich sehr hohes Fieber. Die Mitte des Doppelbettes, wo er lag, war nassgeschwitzt und er wimmerte im Schlaf. Hohes Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen und wir sind seit einigen Wochen unterwegs in den Tropen: Malaria, gilt es da immer auch zu bedenken. Nach nächtlicher Rücksprache via WhatsApp mit der ärztlichen Assistenz Matt und Dr. Fussen in der Schweiz wollten wir das besser abgeklärt haben. Malaria kann gerade bei Kindern sehr gefährlich sein durch einen schnelleren Krankheitsverlauf. So oder so gilt es, innert 24 Stunden nach Fieber-Ausbruch einen Arzt aufzusuchen oder mit Einnahme von Malaria-Notfallmedikamenten spätestens innert 72 Stunden. Malaria-Notfallmedikamente haben wir dabei, diese wollen wir aber noch für Myanmar aufheben, weil dort ein Arzt wohl nicht so schnell erreichbar sein wird wie in Thailand.

Da wir am nächsten Morgen früh zum Flughafen mussten für unseren Weiterflug nach Chiang Mai, galt es, schnell zu handeln. So kam es also, dass wir im Internet bei einer Privatklinik den «24 Hrs Emergency Service for Malaria Checking» ausfindig gemacht hatten und an der Hotel-Reception ein Taxi bestellten. Bargeld, Pass, Krankenversicherungskarte und den fiebrigen Alexis eingepackt und los ging es nachts um 2 Uhr. Patrick blieb im Hotel beim schlafenden Nicola, den wir ja nicht alleine lassen konnten.

Trotz des angepriesenen 24-Stunden-Notfall-Services für Malaria-Tests standen wir beim Hospital for Tropical Diseases vor verschlossenen Türen. Der aufgeweckte Wachmann winkte uns wirsch davon. Was nun? Der Taxi-Fahrer wusste von einem anderen Spital in der Nähe und so fuhren wir dorthin. Wo uns die Wachmänner ebenfalls wegschickten beim Anblick von «Baby» Alexis, nämlich weiter ins Kinderspital. Dort lieferte der Taxi-Fahrer Alexis und mich an einem von vielen Schaltern ab und verabschiedete sich. Er könne leider nicht warten, aber er weigerte sich hartnäckig, überhaupt Geld für die Fahrt zu nehmen. So eine liebe Seele.

So füllte ich am ersten Spitalschalter also Formulare aus, Alexis wurde gewogen (19.8 kg) und gemessen (1.09 m), Puls und Fieber gemessen. Das Fieber war mittlerweile wieder gesunken. Danach sass ich mit dem dösenden, schwitzenden Alexis auf einem unbequemen Plastikstuhl und wir warteten. Und warteten. Und verscheuchten die vielen Mücken um uns herum. Wenn wir nicht schon Malaria hätten, würden wir es wohl spätestens hier erwischen, schoss es mir durch den Kopf. Um uns herum warteten andere Thai-Mütter mit Kindern.

In der Notaufnahme waren vier Frauen beschäftigt. Wobei um Patienten kümmerte sich nur eine, die anderen waren «beschäftigt» mit ihrem Handy (Facebook). Trotz vollem Wartezimmer. Zwischendurch kam Hektik auf durch schreiende Babies. Wir warteten über eine Stunde und nichts tat sich. Also unterbrach ich das Handy-Getue der Krankenschwestern/Ärztinnen mittlerweile etwas genervt und fragte mich durch, wie lange es denn für den Malaria-Test (der übrigens nicht so eine grosse Sache ist) noch dauern würde. Bis endlich jemand gefunden war, der auch ein paar Worte Englisch sprach, und mir erklärte, sie können keinen Malaria-Test machen, dafür müssten wir ins Hospital for Tropical Diseases. Und wofür haben wir dann all die Formulare ausgefüllt, Basis-Untersuchungen gemacht und die halbe Nacht gewartet??? Oder kaum auszudenken: was genau hätten sie mit Alexis gemacht, wenn wir irgendwann einmal drangekommen wären??? Nichts wie weg hier! Also im Morgengrauen mit dem schlaffen Kind auf dem Arm, mittlerweile beide in Tränen aus Erschöpfung und Frustration, auf den Strassen Bangkoks wieder ein Taxi herangewunken und ohne Malaria-Test zurück ins Hotel gefahren.

Alexis hatte noch zwei Stunden geschlafen und wachte fieberfrei wieder auf. Wobei das zum Verlauf von Malaria passen kann, wo das Fieber in Schüben kommen kann… Am Morgen sind wir per Flugzeug (mit rund 30 CHF günstiger und sowieso schneller als per Bus oder Zug) weiter in den Norden von Thailand geflogen. In Chiang Mai hatten wir sicherheitshalber schon die Malaria Clinic ausfindig gemacht und – um es schon vorweg zu nehmen – doch nicht gebraucht. Es war wohl doch ein normaler Grippe-Infekt, denn auch Nicola hatte an jenem Abend Fieber. Inzwischen sind beide wieder fit. So war also die nächtliche Spital-Odyssee ohne Ergebnis eigentlich vergebens gewesen. Aber lieber so, als umgekehrt.

Auf eine zweite Chance, Bangkok! Nächstes Mal bitte ohne Spital und nur noch zum Shopping: Miriam Patrick Nicola Alexis