Inmitten malerischer Landschaft mit weidenden Wasserbüffeln in den terrassierten Reisfeldern: dort haben wir fast eine Woche verbracht.

Von Ha Noi aus sind wir mit dem Nachtzug die 350 km in den Norden bis nach Lao Cai an der chinesischen Grenze gefahren. In diesem engen, aber kuscheligen 4er-Zugabteil fühlten wir uns sofort daheim. Zwar waren die Betten bretthart, aber das sanfte Ruckeln während der Zugfahrt wiegte die Kinder wie auch uns Grosse schnell in den Schlaf. Für Patrick und mich wurden wieder Erinnerungen an die Transsib-Reise vor bald sieben Jahren wach. Relativ gut ausgeschlafen trafen wir am nächsten Morgen früh in Lao Cai ein. In weiser Voraussicht hatten wir noch in Ha Noi für die Zwillinge Daunenjacken gekauft (of course original «The North Face» für umgerechnet 13 CHF). Es herrschten knapp über 10 °C und auch in den folgenden Tagen wurde es nie mehr als 20°C warm.

Ein Taxi brachte uns in einer weiteren Stunde Fahrt bis nach Sa Pa, einem ziemlich touristischen Städtchen, wo man sich noch einmal mit warmen Regenkleidern ausstatten kann, bevor man auf ein mehrtägiges Trekking startet. Denn dafür ist die Region in Nordvietnam bekannt, für Trekkings. Der höchste Berg Vietnams, der Fansipan, befindet sich ebenfalls in dieser Region. Während unserem Aufenthalt blieb der Gipfel allerdings immer hinter einer dichten Nebelschicht versteckt.

Mit den Kindern waren natürlich Wanderungen von durchschnittlich 15 Kilometer nicht möglich. Um trotzdem das authentische Dorfleben in den Bergregionen mit den ethnischen Minderheiten kennenzulernen, haben wir uns für ein Homestay in so einem Dorf entschieden. In Ta Van wohnten wir bei einer Familie im Anh Duc Homestay. Wir hatten zwar unser eigenes Bungalow im Garten, genossen aber sämtliche Mahlzeiten zusammen mit der Familie. Wobei bis zum Schluss nicht ganz klar war, wer nun genau die Schwestern, Brüder, Cousinen, Tanten, Grossvater und so weiter sind, weil jeden Tag wieder andere Gäste mit am Tisch sassen.

Ebenfalls mit uns im Homestay waren die junge Briten Luke, Tom und Luke, die mit dem Motorrad einen Road Trip durch Vietnam machen. Nach dem ausgezeichneten Family Dinner am Abend floss jeweils der Reiswein reichlich. Und die Briten sahen wir am nächsten Morgen selten vor dem Mittag, wo sie unserer Gastgeberin Ngyen und ihren Cousinen mitteilten, ihre Abreise um einen weiteren Tag zu verschieben.

In der Bergregion in Nordvietnam leben verschiedene etnische Minderheiten wie die Hmong, die Giay, die Tay oder die Dao. Die Lebensbedingungen dieser Minoritäten sind hart und mit dem Anbau von Reis oder dem Halten einiger Tiere erwirtschaften sie oftmals gerade genug, um mit ihrer Familie in einer Bambushütte zu überleben. Mittlerweile ist der Tourismus eine neue und gute Einkommensquelle geworden. Die Frauen sticken Täschchen, weben Schals, färben Tücher und fertigen Silberschmuck, den sie dann als Souvenirs versuchen zu verkaufen. Egal, wohin man geht, sofort sind ein paar freundlichen Frauen und lachenden Mädchen in traditioneller Kleidung da und begleiten einem. Mit Gesprächen wollen sie ihr Englisch aufbessern und natürlich gerne ihre Produkte an den Mann oder die Frau bringen.

Wenn es gerade nicht regnete und der manchmal sehr dichte Nebel mehr als fünf Meter Sicht zuliess, unternahmen wir Wanderungen in die Umgebung, durch Schlammwege entlang der Reisterrassenfelder, über steinige Pfade durch Bambuswälder zu Wasserfällen. Natürlich auch da sofort wieder in Begleitung der traditionellen Frauen, die aus Zweigen für die Kinder kleine Tierchen falteten oder die Zwillinge auch über Matschpfützen trugen. Und deren Männer, die aussahen wie kleine Jungen und uns mit dem Motorrad in halsbrecherischem Tempo wieder nach Ta Van in unseren Homestay zurückfuhren.

Auch waren wir an einem Tag selber mit zwei Scootern unterwegs, die Jungs dick eingepackt in der Regenkleidung und einem Helm, der gut sass. Da war es für Patrick oder mich schon schwieriger, einen genug grossen Helm zu finden. Wir sind über Schotterstrassen geholpert, um Schlaglöcher herumgekurvt und haben ziemlich Kilometer zurückgelegt. Sprichwörtlich bis uns das Benzin ausging, zwei Mal (die Tankanzeige funktionierte nicht). Aber zum Glück sind entlang des Weges immer wieder improvisierte Tankstellen zu finden, d.h. ein paar Pet-Flaschen mit gepanschtem Treibstoff. Und weiter ging die rasante Fahrt.

Nicola und Alexis waren natürlich immer besonders erfreut, wenn wir auf Wasserbüffel trafen. Auch dass lebendige Hühner einfach am Töff angebunden oder ein Schwein auf den gebastelten Gepäckträger geschnallt wurden, war genug zum Staunen. Das authentischen Dorfleben eben.

Für die Zwillinge war es auch eine Freude, konnten sie sich wieder einmal richtig eindrecken, klettern, Bäche stauen und mit ihren Taschenmessern schnitzen. Wobei wir sie immer im Auge hatten. Und wenn nicht, dann waren es nur ein paar Minuten. Der mit Schweizer Taschenmessern gefällte Papaya-Baum in Nachbars Garten war zum Glück kein Grund zum Nachbarschaftsstreit mit unserer Homestay-Familie. Im Gegenteil, die lokale Bevölkerung war richtig erfreut über unsere Kinder, «like Vietnamese children». Nur wenn ab und zu eine touristische Trekking-Gruppe durch das Dorf pilgerte und unsere Kinder ohne verantwortungsbewussten Erwachsenen zwei Meter daneben auf einem Felsen herumklettern sah, brach bei denen kurz Aufregung aus.

Nach einem herzlichen Abschied von unserer Homestay-Familie und den drei Briten (die sind immer noch geblieben…) ging es über Sa Pa und Lao Cai mit dem Nachtzug wieder zurück nach Ha Noi. Mit eigentlich viel zu vielen gestickten Täschchen, Armbänder, Schlüsselanhängern dabei. Aber es ist ja zur Unterstützung der lokalen Bevölkerung.

Um eine weitere schöne Erfahrung und einige Souvenirs reicher: Miriam Patrick Nicola Alexis