Bukit Lawang und Nationalpark Gunung Leuser

Von Kuala Lumpur aus war es wahrlich nur ein Katzensprung bis nach Sumatra/Indonesien – zumindest bis zum Flughafen in Medan. Dort erwartete uns bereits ein Fahrer. Auf einer wahrlich haarsträubenden Fahrt ging es nach Bukit Lawang, dem Tor zum Dschungel. Haarsträubend deshalb, weil sich innerhalb des Stadtgebietes kein Verkehrsteilnehmer weder an die Fahrspur, noch an irgendwelche Verkehrsregeln zu halten schien. Ein einziges Gehupe und Gedränge zwischen Autos, Bussen, Scootern und Fussgänger. In der zeitlichen Hälfte der Strecke wich die Zivilisation den Ölpalmen-Plantagen, die sich bis an den Dschungel hinzogen. Uns kamen sicher an die hundert Trucks entgegen, vollbeladen mit Ölpalmen-Früchten. Das Aussmass dieser Plantagen konnten wir nur erahnen, da es bei unserer Durchfahrt bereits dunkel war und noch dazu ein Gewitter aufzog. Die Strasse war durchsetzt von tiefen Schlaglöchern und Kratern, manchmal auch gar nicht geteert. Wir kamen nur sehr langsam vorwärts und brauchten für die 70 Kilometer rund fünf Stunden. In Bukit Lawang trafen wir schliesslich müde bei Dunkelheit und strömendem Regen ein.

Eine solche Ankunft an einem unbekannten Ort ist unangenehm – vor allem, wenn das Auto in der Dunkelheit am Strassenrand plötzlich anhält und einem anweist, nun noch 30 Minuten zu Fuss zu gehen. Das hatten wir wohl in der Bewertung der gebuchten Unterkunft überlesen. Aber jänu, da mussten wir durch. Also trotz Tropentemperatur die Regenjacken angezogen und die Hüllen über die Rucksäcke gestülpt und Abmarsch. Wir brauchten zwar nur etwa 20 Minuten, waren aber trotzdem ziemlich nass, als wir in unserer vorreservierten Unterkunft Garden Inn eintrafen. Dafür trafen wir dort auf ein sehr nettes Team. Alexis und Nicola gingen sofort strategische Verbindungen mit den Frauen in der Küche ein, die ihnen immer mal wieder eine Banane oder einen Melonenschnitz zusteckten. Und im Garden Inn trafen wir wieder einmal eine Kuschelkatze an: Hari-Miauw. Sie wurde in diesen Tagen heftigst von uns beschmust, vermissen wir doch alle unsere leicht voluminösere Tiger-Katze zu Hause.

Nationalpark Gunung Leuser    

Selbstverständlich waren wir aber nicht wegen der zahmen Tiger nach Sumatra gekommen, sondern wegen der wilden Tiere im Nationalpark Gunung Leuser. Mit einer Fläche von rund 9000 km2 bietet der Park wegen der fortschreitenden Waldrodung auf Sumatra für viele Tierarten bald die letzte Rückzugsmöglichkeit. Beispielsweise für das Sumatra-Nashorn, den Sumatra-Tiger oder den asiatischen Elefanten. Wobei um diese mit sehr viel Glück in freier Wildbahn zu erleben, müsste man ein mehrtägiges Trekking unternehmen Richtung Aceh. Das lag für uns zeitlich nicht drin und wäre auch mit unseren Vierjährigen nicht machbar. Uns genügten Tagestrekkings, denn uns haben hauptsächlich die dort lebenden Orang-Utans in den Nationalpark Gunung Leuser gezogen.

 Orang-Utans im Gunung Leuser

Auf Bukit Lawang waren wir ja durch meine Freundin Stephy gekommen, die selber schon dort gewesen war und das Orang-Utan Rehabilitation Center wärmstens empfohlen hat. Nur dass es die Auswilderungsstation für in Gefangenschaft gehaltene Orang-Utans inzwischen nicht mehr gibt, wie wir vor Ort erfahren haben. Warum, ist gar nicht wirklich bekannt, die Regierung hat das Projekt einfach eines Tages nicht mehr unterstützt und seither liegt alles brach. Nur das verlassene Gebäude, rostige Käfige und das verfallende Viewing Center erinnern noch daran. Die grösste Einnahmequelle ist seither der Tourismus, wobei dieser auch noch auf einem bescheidenen Niveau vor sich hin köchelt. Ausserhalb der Saison jetzt im Januar waren nur wenige Touristen im Ort.

Obwohl es das Orang-Utan Rehabilitation Program heute nicht mehr gibt, halten sich immer noch einst ausgewilderte Orang-Utans in diesem Gebiet auf, was es auch möglich macht, diese schönen Tiere in der Wildnis lebend und trotzdem aus nächster Nähe zu beobachten. Trotzdem: es ist kein Zoo, es ist die Wildnis, und ohne einen Guide darf man nicht in den Park, was auch Sinn macht. Das Gebiet und die Tiere muss man schon kennen, denn es gibt auch gefährliche Orang-Utans, wie beispielsweise die legendäre Mina. 15 Jahre nicht gerade artgerechte Haltung bei einer chinesischen Familie in Medan haben dieses Weibchen geprägt und ihre aggressiven Attacken haben auch schon Guides oder Touristen ins Spital gebracht.

Dschungel-Trekking zu den Orang-Utans

Wer sich im Dschungel auskennt wie fast kein anderer, ist ebenfalls auf Stephys Empfehlung unser Guide Ali. Mit ihm und Aril waren wir an zwei Tagen mehrere Stunden zu Fuss im Nationalpark Gunung Leuser unterwegs und gleich vorweg: das war das Highlight unser bisherigen Reise. Schon als wir zum Nationalparkeingang kamen, sass an der Kontrollstelle ein grosses Orang-Utan-Männchen und die Ranger mussten gerade das Weite suchen. Wir lösten das Nationalpark-Ticket dann später, als wir die Ranger im Urwald antrafen. Und sahen auch das grosse Orang-Utan-Männchen (ohne Namen, da nicht ausgewildert, sondern ein Wildes) wieder. Als wir es eine Weile beobachteten, raschelte es plötzlich über unseren Köpfen und ein Weibchen (Edita) mit seinem ca. 2-jähriges Baby hangelte sich in unsere Nähe herunter. Was für eine überwältigende Freude, diese Tiere so nahe zu erleben. Wir sahen auch zahleiche Makaken, Paviane, sehr zutrauliche Thomas Leaf Monkeys (Punky-Monkey), Flughörnchen und einen wunderschönen Dschungelpfau.

An unserem zweiten Trekking-Tag waren wir erneut mit Ali und Aril den ganzen Tag unterwegs im Dschungel mit Mittagessen und sowieso immer feinen Früchten, die man meistens mit irgendeinem neugierigen Affen teilen muss. Am Mittag war es bei uns ein Pavian und beim Früchte-Znüni eine Orang-Utan-Dame mit ihrem Baby. An jenem Tag hatten wir insgesamt acht Orang-Utans gesehen (darunter auch Pessek mit ihrem Baby – für die Orang-Utan-Insiders ;-)). Davon war einer (ein wildes Männchen) aber nicht so erfreut über unseren Besuch im Dschungel und warf von weit oben in der Baumkrone mit grossen Holzstücken nach uns. Wir mussten einen ziemlichen Umweg machen, ganz steil abwärts laufen und auf der anderen Seite wieder hochklettern. Unsere Guide-Helden Ali mit Alexis auf dem Rücken und Aril mit Nicola.

Unsere Dschungel-Gruppe sah meistens so aus: Ali voraus (Terrain und Sicherheit prüfen, Tiere sichten), dicht gefolgt vom eifrigen Alexis, dann Patrick. Dann meist ein ziemlicher Abstand, bis ich mal näher an der Front bei Alexis und mal näher beim träumenden, Stöcke suchenden, spielenden Nicola kam. Aril bildete den Schluss und gewährte der Gruppe Rückendeckung. Gleichzeitig war er Stock-Versorgung, Unterhaltung, Lauf-Motivation und Träger von Nicola. Alles sehr wichtige Aufgaben, denn das Laufen über mehrere Kilometer auf ziemlich unwegsamem Gelände stand und fiel mit dem lauffaulen Nicola. Dank Arils Unterstützung haben wir aber mehrstündige Trekkings mit Flussüberquerung geschafft und unbezahlbare Eindrücke aus dem Dschungel von Sumatra mitgenommen.

Für uns ging mit diesen Orang-Utan- und weiteren Tierbegegnungen in der Wildnis ein Traum in Erfüllung, vielen Dank Stephy, Ali und Aril! Die zwei Guides haben uns als Familie auch ins Herz geschlossen und kamen am letzten Tag extra am morgen früh zu uns, um uns mit Umarmungen zu verabschieden.

Erfüllt von diesen Dschungeltagen im Gunung Leuser Nationalpark: Miriam Patrick Nicola Alexis

5 Kommentare
  1. yo de nuevo
    yo de nuevo says:

    Da liest man euren wieder mal so unglaublich tollen Bericht und kriegt ja gleich Pipi in den Augen :‘-D Wahnsinn!!! Freue mich über mehr Erzählungen – die Fotos sind ja der Oberhammer… Wirklich, wirklich schön <3 Musste auch sehr lachen über die "leicht voluminösere Tiger-Katze"… ;-D Geniesst es weiterhin!!!

  2. Käthi
    Käthi says:

    Wow sicher ein Erlebnis gewesen für die Jungs diese Tiere hautnah zu besichtigen. Weiterhin viele Neuigkeiten auf eurer Reise zu erleben Lg Käthi

  3. mypcaminando hoch zwei
    mypcaminando hoch zwei says:

    Danke für eure Kommentare, ihr Lieben! Natürlich vermissen wir auch Spiff sehr, der ist nicht vergessen :-*!
    Apropos „leicht voluminöse Tiger-Katze“: wir haben ja ein Foto-Büchlein mit Bildern von zu Hause dabei und darin haben Nicola und Alexis dem Garden-Inn-Team unseren 8-kg-Tiger gezeigt. Die haben ziemlich grosse Augen gemacht, wo sie nur solche Mini-Mager-1kg-Chätzli kennen.

  4. Helga
    Helga says:

    Puh😁 das freut uns 3 doch, dass beide fellknäuel im Tal wohlauf sind😻
    Gruss aus dem -6 kühlen aarau😱

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