Cali, Salento und Medellín

Viele Stunden Busfahren auf der StreckePopayán – Cali – Armenia – Salento – Pereira – Medellín – Cardagena. Zwei kolumbianische Grossstädte, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und dazwischen die Seele baumeln lassen an einem lauschigen Ort in Kolumbiens Kaffeeregion.

Cali – schnell wieder weg
Cali gilt als Party- und Salsastadt schlechthin und soll ausserdem die schönsten Frauen Südamerikas bieten. Wir konnten weder die Schönheit der Stadt, noch die der Frauen richtig erkennen. Dies kann mit unserer Ankunft am Busterminal zu tun haben, wo wir von Passanten darauf hingewiesen wurden, wir sollten nicht zu Fuss gehen, es sei zu gefährlich. Oder aber mit unserem Hostal-Zimmer (Pelican Larry – nicht empfehlenswert), welches einer nackten Zelle mit zwei Betten glich und wo direkt vor dem Fenster bist spät in die Nacht getrunken, gekifft und gejohlt wurde. Oder vielleicht doch mit der offensichtlichen Armut der Stadt, mehrheitlich dunkelhäutige und so viele bettelnde Menschen, die uns verfolgten, wovon sich einer sogar direkt vor unseren Füssen auf den Boden warf. Oder dass wir „Landeier“ einfach langsam genug von südamerikanischen Grossstädten haben, die sich doch irgendwie alle ähnlich sind.

Cali ist mit etwas mehr als zwei Millionen Einwohner die drittgrösste Stadt Kolumbiens.
Einen gewissen weltweiten Bekanntheitsgrad hat die Stadt auch durch das Cali-Kartell erreicht, neben dem Medellín-Kartell um Pablo Escobar vor ca. 20 Jahren eines der mächtigsten Drogenkartelle der Welt. Angeblich spielt eine hohe Gewaltrate und Kriminalität im Zusammenhang mit Drogen in der Stadt heute noch eine grosse Rolle.

Unser Besuch in Cali war kurz und bündig. Wir sind von Popayán mit dem Bus angereist mit Ankunft am Nachmittag. Zu Fuss sind wir durchs Zentrum spaziert nach San Antonio und haben dort gleich wieder Kehrt gemacht, um vor Einbruch der Dunkelheit zurück im Hostal zu sein. Immerhin haben wir dort mit Ralf aus der Schweiz wieder einmal eine nette Reisebekanntschaft gemacht. Am folgenden Morgen sind wir wieder in den Bus gestiegen und über die von Militärposten gesäumte Hauptstrasse nach Armenia und von dort weiter nach Salento gefahren.

Salento – Kolumbiens Kaffeeregion

Genau das haben wir nach Cali gebraucht: einen entspannenden Aufenthalt fernab von einer Grossstadt, mitten im schönen Grün auf Kolumbiens Zentralkordillere. Das milde Klima und die Höhe machen diese Region zu einer der angenehmsten und fruchtbarsten Kolumbiens. Die Hänge sind saftig grün und ganze Hügelketten dicht mit Kaffee-Pflanzen bedeckt. Salento selber ist ein kleines Dorf mit bunten Häuserfassaden, wo inzwischen der vor allem einheimische Tourismus nach dem Kaffee die zweitwichtigste Einnahmequelle bildet.

In Salento hatten wir wieder einmal einen Glücksgriff gelandet mit einer Unterkunft, die Eco-Farm und Hostal La Serrana, welches 1,5 km ausserhalb des Dorfes liegt. Wir hatte unser Zimmer weitere 300m weg vom La Serrana-Gebäude in einer wunderschönen Hacienda, wo absolute Ruhe herrschte. Von unserem grossen Zimmerfenster aus sahen wir beim Aufwachen als erstes die Kolibris an den Blumen und vor dem Einschlafen als letztes die Glühwürmchen im Garten herumschwirren. Wir sind vier Nächte geblieben.

Kaffee-Fincas haben wir uns keine angeschaut, da wir von unseren Besuchen in Indonesien und noch einmal in Peru inzwischen wissen, wie die Bohne von der Pflanze in die Tasse kommt. Dafür waren wir im Valle de Cocora unweit von Salento, so zu sagen die Wiege des kolumbianischen Nationalbaums: die Wachspalme. Sie kann bis zu 60m hoch werden und mit einem dünnen Stamm und dazu verhältnismässig kurze, vom Wind gebeutelte Palmwedel zogen sich den Talhängen entlang. Im 19. Jahrhundert wurde das Wachs zur Herstellung von Kerzen gewonnen, heute mit künstlicher Wachsherstellung hat die Wachspalme diesbezüglich ihre Bedeutung verloren und tritt rein ästhetisch in Erscheinung.

Wir sind an einem Tag durch das Tal bis in den Nebelwald gewandert, wo wir bei einer Tasse heisser Schokolade unseren Blick kaum von den Kolibris abwenden konnten, die an Trinkstellen mit Zuckerwasser in Hausnähe schwirrten. Die Kolibris sind in freier Natur so schnell, dass es schier unmöglich ist, diese mit einer Kamera einzufangen. Umso faszinierter fanden wir die verschiedenen Kolibri-Rassen an den Trinkstellen, die wir für einmal aus nächster Nähe beobachten und auch fotografieren konnten.

Medellín – Stadt des ewigen Frühlings

Nach Calí hatten wir unsere Vorbehalte gegenüber kolumbianischen Grossstädten, doch Medellín hat uns positiv überrascht. Wenn man bedenkt, dass ebenso wie in Calí die Stadt vor nicht all zu langer Zeit im Drogenkrieg noch gefährlicher war als heutzutage Bagdad, ist den Stadtpräsidenten der Sprung in die Moderne gut gelungen.

Besonders das öffentliche Verkehrsnetz mit einem absolut sauberen und sicheren (das mag an den zig Sicherheitsbeamten liegen an jeder Station…) überirdischen Metro-System hat uns beeindruckt. So haben wir die Stadtszenen grösstenteils aus dem Fenster gesehen, sei es grossartige Kirchen oder den Botero-Platz mit den dicken Skulpturen, schillernde Einkaufsmalls, gepflegte Grünflächen, aber auch den Kloaken-Fluss, entlang welchem Obdachlose in Kanalröhren ihr Lager aufgeschlagen hatten und dessen Gestank sich bis in die Lüftung des Metro-Wagens schlich. Die Armensiedlungen Medellíns ziehen sich die Berghänge hoch und diese gesehen haben wir diese ebenfalls durch ein Fenster, nämlich vom Metrocable, einer im Metro-Ticket inbegriffenen Seilbahn.

Was uns noch faszinierte in Medellín, sind die gegenseitige Verbundenheit, die Unterstützung und der Stolz der Stadt und dem Sänger Juanes. Er singt über die Menschen und das Leben in Medellín und unterstützt seine Heimatstadt nicht nur finanziell mit zahlreichen Projekten, sondern hat seinen Wohnsitz selber immer noch in Medellín. Angeblich spaziert er gerne ohne Leibwächter und Starallüren durch das Viertel El Poblado. Was Juanes für Medellín ist, so ist Shakira die Stimme und der selbe gute Geist für ihre Heimatstadt Barranquilla, wo sie die Ärmsten der Armen mit Sozialprojekten fördert.

Zu Fuss und ohne Leibwächter 😉 erkundigten auch wir das Viertel El Poblado sowie die Nähe der Metro-Station La Floresta, wo sich unsere Unterkunft The Yellow House befand. Von den Besitzern, einem ausgewanderten Franzosen und seiner kolumbianischen Frau, wurde wir zu einem Paisa-Menü eingeladen, ein Eintopf aus roten Bohnen, Chorizo (grobe Bratwurst), Chicharron (Schweinebauchspeck) in einer Biersauce, dazu Reis. Eine solche nette Einladung kann man schlecht ausschlagen und Miriam als bald Nicht-Fleisch-Esser würgte auch das eine oder andere Wurststück herunter. Worauf der Magen die ganze Nacht rebellierte und Miriam am Folgetag flach lag beziehungsweise sich in Toilettennähe aufhalten musste, statt weitere Teile von Medellín anzuschauen. Den Nachtbus für die Weiterfahrt hatte wir zu jenem Zeitpunkt bereits gebucht, eine Verlängerung des Aufenthaltes in Medellín war also nicht mehr möglich.

Der Spuk war nach einem Tag schon wieder vorbei und die dreizehn Stunden Busfahrt von Medellín nach Cardagena konnten wir ohne „Zwischenfälle“ hinter uns bringen. Nun sind wir also von den frühlingshaften 20°C bis 25°C in Medellín in die schwülen 30°C bis 35°C von Cardagena gefahren. Aber beklagen wollen wir uns auf keinen Fall, schliesslich sind wir jetzt an der Karibik!

Mehr dazu im nächsten Bericht! Hasta pronto,

Miriam y Patrick

 

7 Kommentare
  1. yo
    yo says:

    …schön… eure meinung bestätigt alles was ich von medellin gehört habe <3 ich glaube aber dass eher die bohnen am zwischenfall schuld waren;-) viel spass in cartagena:-D und grüsst jack sparrow mal schön von mir;-) (vielleicht dürft ihr da das faultier tragen… achtung – nase!!! 😉 )

  2. Christine & Marcel
    Christine & Marcel says:

    Hey ihr 2,

    ihr seid ja noch immer in Südamerika! Nachdem ihr Ecuador ziemlich anders erlebt habt als wir verfolgen wir eure intensive Reise in Kolumbien weiter – vor allem eure herrlich Fotos schüren den Neid, nicht mehr in Südamerika zu sein! Dazu der Bericht von Kaffeeplantagen, Haciendas, Städte mit ewigem f
    Frühling… Wir sind jetzt schon auf unsrer Weltreisezielgeraden: noch zwei Wochen Kanada und dann zum Abschluss nach New York – hoffentlich befasst ihr euch nicht auch schon mit so viele Heimatgedanken… Viel Spaß weiterhin noch und alles Gute von Christine & Marcel

  3. myp
    myp says:

    @Yo: Jaja, das kolumbianische Essen scheint nicht so meins, dabei dachte ich, mein Magen sein nach 11 Monaten reisen inzwischen an alles gewöhnt :-(.
    Nach Jack Sparrow – mit oder ohne Faultier – halte ich natürlich immer Ausschau, bisher aber ohne Erfolg. Habe ja auch meinen eigenen Piraten dabei :-D!
    Besitos, Miriam

  4. myp
    myp says:

    @ Christine & Marcel: Kolumbien ist wirklich empfehlenswert, es würde euch sehr gefallen! Aber wer weiss, ein anderes Mal? Auch wenn ihr bald nach Hause reist, wird dies sicher auch nicht eure letzte Reise gewesen sein! Geniesst euren Abschluss in NY noch y hasta luego!
    Miriam y Patrick

  5. yo
    yo says:

    @yo: jetzt musst du nur noch deinen eigenen piraten davon überzeugen dudelsack zu spielen und sich gelegentlich mal gold anmalen zu lassen… oder so…;-)

  6. myp
    myp says:

    @yo: …genau, oder so! Siehst du da gewisse Ähnlichkeit? Ach, du wirst mir fehlen, ohne dich sind alle Piraten / Dudelsack-Spieler / Golden Boys doof :-(!
    *Knuddel*

  7. yo
    yo says:

    @miriam: ach was… sabbern kann man auch ohne mich;-)… *ggg* du kannst dich ja dann an piratenanlässen austoben und nach witzigkeiten ausschau halten und dann mit mir darüber tratschen:-D!!! das geht bekanntlich ja auch per feder;-) aber ja – du wirst mir auch fehlen:( (und mir kommt apropos schon wieder ein brüller in den sinn, den ich dir dann unnnnnnnbedingt erzählen muss… :-D!!!!!!)

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