Auf der Fahrt vom Taman Negara / Kuala Tahan bis zu unserer nächsten Station in den Cameron Highlands haben wir unzählige Mercedes Trucks überholt, alle bis ans Maximum beladen mit riesigen Baumstämmen. Auch wir als Forst-Laien können uns in etwa denken, wie alt diese abgeholzten Urwaldriesen gewesen sein müssen und dass dies nichts mit Waldpflege oder nachhaltiger Holzwirtschaft zu tun hat. Nebst der Urwaldabholzung wurde auf dieser ca. 200 km langen Fahrtstrecke auch das Ausmass des Ölpalmen-Businesses in Malaysia noch einmal deutlich. Abgesehen von den Steilhängen war unsere Strasse jeweils links und rechts mit Ölpalmen-Plantagen gesäumt und wir überholten auch mit Ölfrüchten beladene Lastwagen.

Ansonsten trafen wir auf dieser sehr kurvigen Strasse, die sich von Jerantut bis Tanah Rata in den Cameron Highlands richtiggehend in die Höhe schraubt, nicht viele Fahrzeuge. Und auch kaum Siedlungen. Und erst recht keine Tankstelle. Uiuiui, mit unserem Mietauto fuhren wir wirklich auf dem letzten Tropfen, die Benzinlampe leuchtete während 50 km rot auf. Patrick fuhr schon dermassen sparsam, indem er bei einer leichten Abwärtsneigung der Strasse jeweils den Gang rausnahm, um den Verbrauch möglichst gering zu halten. Als schliesslich direkt nach dem Ortsschild «Benta» eine Petronas-Tankstelle auftauchte, wischte Patrick erleichtert seine schweissigen Hände ab und ich verdrückte nach den langen Kilometern der Anspannung mit drei Bissen das immer mitgeführte «Notfall-Snickers». Den 42-Liter-Tank volltanken kostete übrigens aufgerundete 16 CHF.

Die Zwillinge hatten von dem Nervenkitzel nicht viel mitbekommen, sie verschliefen diese Etappe auf dem Rücksitz.

Cameron Highlands – Im Labyrinth der Teeplantagen

Die Cameron Highlands sind das malaysische Hochland, hauptsächlich Waldgebiet auf 1500 bis 1800 m. ü. M. und mit vielem Gemüse- und Obstanbau, neuerdings mit Erdbeer-Hype. Der Erdbeeranbau hat aber nicht viel gemeinsam mit dem uns bekannten in der Schweiz, die meisten Früchte werden auf ideale Erntehöhe in kleinen Töpfen unter Plastikplanen gezogen. Januar ist sowieso auch in Malaysia nicht Erdbeer-Saison und wir warten lieber auf die feinsten roten Früchte vom Küngoldinger Erdbeerfeld nächsten Juni nach unserer Rückkehr. Nichtsdestotrotz: die asiatischen und die arabischen Touristen in den Cameron Highlands fahren auf die Erdbeeren ab und geben auch gerne viele Ringgit für halbgrüne und vermutlich nicht besonders geschmacksintensive Früchte aus dem Treibhaus aus. Gleich daneben können sie für ein paar weitere Ringgit die Plüschversion davon als Souvenir mit nach Hause nehmen.

Die Teeplantagen haben uns in den Cameron Highlands besser gefallen. Seit bald hundert Jahren werden in dem optimalen Klima die Hänge mit Teepflanzen bewirtschaftet und in den Teefabriken direkt vor Ort verarbeitet. Einst noch alles Handarbeit, werden heute auch eine Art Mäher/Rasierer eingesetzt, der über die Teepflanzenreihen gezogen wird, sowie Seilwinden zum Hochhieven der prallgefüllten Säcke. Wir haben uns die Boh Tea Factory angeschaut und im Tea House in Eile einen garteneigenen heissen Tee und Alexis und Nicola Eistee genossen (ausserdem noch ein Stück Erdbeerkuchen für die Jungs, damit sie wenigstens ein bisschen Erdbeere kosten konnten). Für viel mehr zeitintensive Teekultur reicht es nicht mit Kindern. Dafür eignen sich die teebepflanzten Hänge, die auch offen sind für Wanderungen, perfekt als «Versteckis- und Fangis-Areal» für Nicola und Alexis. Wir sind sogar einmal am Abend vor dem Eindunkeln noch extra zu einer Teeplantage gefahren, weil bei den Zwillingen offenbar noch zu viel Energie vorhanden war vor dem Schlafen gehen. Das Reisen macht erfinderisch und flexibel!

Gunung Bringchang, mit 2032 m. ü. M. der höchste Gipfel in den Cameron Highlands, könnte man auf einer Wanderung besteigen oder aber über eine steile und löcherige Strasse hochfahren. Wegen der Kinder haben wir die zweite Variante gewählt und ich kam wegen der Strassenverhältnisse noch einmal ähnlich ins Schwitzen wie beim fast leeren Tank. Mehrmals musste ich aussteigen, um Patrick die genaue Fahrposition der Hinter- und Vorderräder zu dirigieren, damit wir nicht in irgendeinem Loch steckenblieben. Alexis und Nicola, je aus einem Autofenster lehnend, hatten ebenfalls die Aufgabe, Löcher zu erkennen oder Hupzeichen zu lauschen, falls uns hinter einer Kurve ein Auto entgegenkommen sollte. Wir hatten es geschafft, auf dem rostigen, wackeligen Aussichtsturm schöne Fotos gemacht und sind mit glühenden Bremsen wieder die gleiche steile Löcher-Strasse hinuntergeschlichen. Wir hoffen mal, es gibt bei der Mietwagen-Rückgabe keine Unterbodenkontrolle…

An einem weiteren Tag in den Cameron Highlands haben wir eine Butterfly Farm besucht, einen Schmetterlingsgarten, an dem die Zwillinge ihren Spass hatten. Die zum Teil handflächengrossen Schmetterlinge so nahe zu erleben, war wirklich etwas Besonderes. Die Haltung der übrigen Kleintiere liess uns eher leer schlucken. Weiter haben wir im buddhistischen Tempel Tam-Poh in Brinchang für unsere Liebsten zu Hause und auf der ganzen Welt Kerzen und Räucherstäbchen entzündet.

Erwähnenswert von unseren Tagen in den Cameron Highlands ist noch unsere Unterkunft Bala’s Holiday Chalet . Wir hatten nichts gebucht und sind auf der Suche nach einem schönen Ort zum Bleiben in Tanah Rata und Binchang herumkutschiert. Es gibt dort alles und in grosser Anzahl: «very low budget»-Unterkünfte, kleine Guesthouses, grosse Ressorts. Wir wollten lieber etwas abseits wohnen und sind schliesslich einem Schild den Hügel hinauf gefolgt und so zu Bala’s Holiday Chalet gekommen. Das alte Kolonialgebäude, einst eine Schule für die Kinder britischer Einwanderer, wurde von einem indischen Geschäftsmann mit sehr viel Liebe zum Detail in ein schmuckes Guesthouse umgebaut. Als der Chef persönlich uns die Zimmer zeigte, haben wir uns in das Gebäude und den britischen Charme (Rosamunde Pilcher lässt grüssen…) verliebt und sind drei Nächte geblieben. In Tanah Rata haben wir auch zwei Mal sehr fein indisch gegessen (Naan Bread und Tandoori Chicken) und einmal in Brinchang die lokale Spezialität «Steamboat» probiert, bei dem allerlei Fleisch, Gemüse und Tofu in einem heissen Suppentopf in der Tischmitte auf glühenden Kohlen gekocht wird. Das «Steamboat» ist ähnlich unserem Fondue Chinoise, wobei die Fleischqualität definitiv eine andere ist. Ein bisschen Lammfleisch und die ganze Brühe hat nach Hammel geschmeckt.

Ipoh – Kindertag mit voller Dröhnung im Lost World of Tambun

Um die Fahretappen etwas kürzer zu halten, haben wir uns nach den Cameron Highlands für einen Zwischenstopp keine 100 km von Tanah Rata entfernt entschieden: in Ipoh. Die Stadt war einst sehr reich wegen des Zinnvorkommens in der Umgebung. Trotz fallender Zinnpreise sind beim Einfahren in die Stadt immer noch viele Mienen auszumachen – übrigens die meisten in chinesischer Hand.

Von der Stadt selber haben wir nichts gesehen, sondern für einmal einen richtigen Kindertag eingelegt à la Einheimische mit einem Besuch im Lost World of Tambun, einem Vergnügnungspark/Wasserpark/Zoo/Tiger-Tal/Freizeitpark/Freilichtmuseum/Spa/etc.. Der Tageseintritt für die ganze Familie hat rund 55 CHF gekostet (zum Vergleich: die Übernachtung in Ipoh in einem guten, sauberen, sicheren Hotel hat für uns vier 28 CHF gekostet), also ziemlich viel Geld für malaysische Verhältnisse. Aber es wird einem auch einiges geboten. Im Vergnügungsparkt konnten wir Karussells und eine kleine Achterbahn nutzen. Für die meisten Bahnen waren die Zwillinge jedoch noch knapp zu klein (ab 6 Jahren oder 1.10m), da sind sie sehr strikt. Wir haben uns die Tiger-Fütterung angeschaut, die unter lauter Techno-Musik und Lautsprecherkommentaren stattfand und bei den malaysischen Zuschauern auf tobendes Gejohle stiess und uns sehr befremdet hat. Arme sibirische Tiger… Überhaupt war der Park-Besuch wie eine Feldstudie der Einheimischen. Wir waren die einzigen «Gringos».

Fast überall im Park dröhnte Techno-Musik aus den Lautsprechern. Im Zoo kann fast jedes Tier gegen Geld gestreichelt und gefüttert werden (ausser die gefährlichen und die giftigen), sogar die Giraffe. Die meisten Tiere werden einzeln gehalten, weder in einem grossen noch in einem naturnahen Gehege. Kein Wunder hat uns der Tapir bei unserem Blick über das Gehege direkt das Hinterteil zugewendet und seinen «Piss-Sprutz» auf Patrick gerichtet.

Alexis und Nicola hatten den grössten Spass beim Baden, vor allem im Kinderbad mit zahlreichen Rutschen und einem Piratenschiff mit Wasserkanonen. Natürlich auch alles unter Beschallung aus grossen Lautsprechern. Patrick konnte im Wasser auch die Tapir-Pisse abwaschen. Ich bin gar nicht erst ins Wasser  gegangen, da ich schon in voller Kleidung (Träger-Oberteil und knielange Hosen) mehr Haut gezeigt habe als sämtliche anderen Frauen in Bade-Montur. Mich im Bikini hätte das Bad wohl nicht ertragen.

Nebst dem fahlen Beigeschmack in Anbetracht der Tierhaltung ist Lost World of Tambun sehr schön und in einer wunderschönen Naturkulisse mit Karstbergen eingebettet. Besonders die Zwillinge hatten einen tollen Spass-Tag. Der übrigens noch mit einem Nachtessen bei McDo abgerundet wurde.

Als nächste und (fast) letzte Station in Malaysia steuern wir nun noch die Insel Penang an. Bis dann, Selamat tinggal: Miriam Patrick Nicola Alexis

1 Kommentar
  1. Gudrun Strigl
    Gudrun Strigl sagte:

    Wow! Die Bilder von der Tee Plantage sind einfach nur wunderschön!! Die Jungs sind so herzig! Die Schmetterlinge sind „mega“ 🙂

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