Mit (unseren) Kindern unterwegs in Sidney

Zuerst einmal sind wir nach Neuseeland mehr denn je Landeier und nicht Stadt-Menschen. Sidney – eine riesige City mit mehreren Millionen Menschen aus aller Welt, mit spiegelnden Hochhäusern, überfüllte ÖV-Systeme, Gedränge auf den Trottoirs, Strassenüberquerungen zum sich Beeilen. Auch Grünanlagen gibt es einige, jedoch sahen wir diese im Stadtzentrum geziert von Karton- und Zeltbehausungen der Obdachlosen. Mit Kindern gilt es, Erklärungsansätze zu finden auf Fragen zu den sichtbaren Unterschieden in der Bevölkerung: «Esch das dört ou e Bättler?», «Werom schloft dä Ma eifach ufem Trottoir?» oder «Werom esch dä Ma so agleit?»

Für uns schienen die Parks weniger geeignet zum Spielen, Spielplätze sahen wir in unserem Quartier eigentlich nur hinter Gittern auf den Schularealen. Auch Kinder im Schul- oder Babies und Kleinkinder waren mit Ausnahmen vom Zoo nur sehr wenige zu sehen. Und dort entweder mit Grosseltern, Nannies oder mit durchtrainierten Size-Zero-Mamas in Fitness-Kleidern. Für sie dürften wohl die jeweils gross angeschriebenen KJ im Supermarkt oder bei allen Takeaways sein. Die Kalorienanzahl ist oft einfacher zu finden als der Preis!

Der Taronga-Zoo gewährte uns als Familie auch in der City einen guten Einblick in die vielfältige Tierwelt Australiens. Nicola und Alexis waren natürlich vor allem fasziniert von all den «bösen» d.h. giftigen Schlangen, gefährlichen Spinnen und Skorpionen, die sie auch auf Sidneys Grünflächen jeden Meter erwartet hätten. Was sie jedoch nicht davon abhielt, auch hier wieder nach Stöcken Ausschau zu halten und diese mitzuschleppen. Gibt es eigentlich einen Ausdruck für diese «Stäcke-Faszination» bei Kleinkindern?

Australien wäre sicher auch eine längere Reise wert, dann wirklich in die Wildnis. Wir als Eltern hätten aber wahrscheinlich keine ruhige Minute, wenn der Nachwuchs durch die Natur pflügt und allerle Tiere im Dickicht aufstöbert. Australien darf ja auch ein ferner Traum bleiben bis in die frühe Erwachsenenzeit – ob allein, oder mit wem auch immer (siehe «Aus dem Reisealltag»).

 

Aus dem Reisealltag

 Auf der Strasse
Miriam: Wenn du gross besch ond guet duesch spare, chasch ou vöu elei go reise.
Alexis: I wott nie elei. Nome met em Mami, em Papi ond em Nico.
Miriam: Irgendwenn besch de gärn ou mou elei. Elei wohne, elei fort go, elei go reise…
Alexis: I wott nie elei wohne, emmer nome bem Mami. Besi so aut be wie de Urgrossvati.

Auf der Strasse
Patrick: Nach Australie chöme mer äuä nömme as Familie, de chöne der met 20i mou elei go.
Alexis: I wott aber ned elei nach Australie.
Miriam: Met wem wotsch de no einisch nach Australie, wenn gross besch?
Alexis: Met em Nico!
Nicola: Genau, das mache mer! De gömer ganz elei zäme nach Australie met öisem Laser-Schwärt ond de Gümeli-Pistole on dem Sackmässer!

Nach dem Abendessen
Patrick: Gömer nochli go spaziere?
Nicola: Vo wo bes wo genau?

Vor dem Friseur
Miriam: So, i go jetzt zom Coiffeur.
Nicola: Machsch de mou e richtigi Frisur?
Miriam: I ha jo scho e Frisur. Oder ned?
Nicola: Das stimmt ned, du hesch nome längi Hoor!
Miriam: Was wär de e gueti Frisur för me?
Nicola: Igeli-Frisur. Ganz chorz. Oder so wie dSteffi ide Kita esch ou schön.

Nach dem Friseur
Alexis: Mami, du hesch jo gar nüt gschnitte!
Miriam: Hm, nor öppe 20 cm…

Im Flugzeug
Nicola: Gäu, Mami, du luegsch ned gärn Monster-Truck ond Superman-Föume, wo sie enand emmer brätsche.
Miriam: Nei, wörklech ned.
Nicola: Gäu, du hesch lieber Föume vo Fee ond Eihörner.
Miriam: Oder so, genau.

Vier Tage Stop-over in Sidney

Sydney Airport, 10 am, und nur noch 10 Stunden Zeitunterschied zur Schweiz. Hatten wir für unsere beiden Rucksäcke schon zusätzliche 260 Dollars bezahlt, waren diese immerhin als erste auf dem Gepäckband.

Ein Taxi brachte uns zur vorreservierten Unterkunft. Wir waren diesmal ziemlich spät gewesen mit einer Reservation und die Auswahl zu einem bezahlbaren Preis (d.h. unter 1000 Dollars für 3 Nächte) fiel ziemlich dürftig aus. So landeten wir im Alishan International Guest Houe an der Glebe Road. Als erstes verlangten wir sogleich einmal ein anderes Zimmer, um zumindest Tageslicht zu haben. Dieser Wunsch wurde uns gewährt, wir bekamen ein 6-Personen-Dorm zugeteilt. Bezüglich Sauberkeit: wäre das Haus in den Tropen gewesen, hätten wir sicher Kakerlaken-Begegnungen gehabt. Die vietnamesischen Besitzer waren jedoch sehr freundlich und hilfsbereit und die multi-kulturelle Glebe Road eine tolle Lage. Mit Sushi, Thai Food und Spring Rolls zu günstigen Preisen konnten wir uns kulinarisch zumindest schon bestens auf Asien einstimmen. Ansonsten genossen wir in Australien auch noch einmal feines knuspriges Brot, frisch gerösteten Kaffee und zu jedem Frühstück 1 kg Erdbeeren (hatten wir schon erwähnt, dass wir Vielfrasse als Kinder haben!?) aus dem Veggie & Fruit Shop gleich in der Nähe unserer Unterkunft.

Den ersten und den letzten Tag verbrachten wir mit dem Erkunden der Gegend zu Fuss, Einkaufen, Arztbesuch (Alexis hat seit einigen Wochen einen «Ausschlag» an den Beinen und wir wollten dies besser in einem westlichen Land abgeklärt haben als in Südostasien. Gemäss der freundlichen Ärztin ist der Ausschlag aber harmlos), Friseur-Besuch (Miriam), Spielen, Schreiben, Film schauen, zur Ruhe kommen in dieser geschäftigen Stadt.

Sidney Harbour und Opera House

Mit dem Bus direkt vor der Haustüre erreichten wir nach rund 30 Minuten Fahrt den Circular Quay, von wo aus wir eines der wohl bekanntesten Gebäude der Welt anschauen konnten: das Opernhaus von Sidney. Oder «Muschelhaus», wie es von Nicola und Alexis genannt wird, gleichen doch die weissen Dächer riesigen Muscheln. Egal wie es genannt wird: aus der Nähe macht das weisse Gebäude einen nicht ganz so prunktvollen Eindruck.

Trotzdem ist es beim Reisen jeweils überwältigend, wenn man Wahrzeichen eines Landes oder einer Stadt nur von Bildern kennt und dann plötzlich direkt davorsteht. So erging es uns auch mit dem Opera House und der Harbour Bridge. Dass es am Circular Quay auch noch ein eindrückliches Kreuzfahrtschiff zu bewundern gab, freute uns alle. Überhaupt ist das Hafenareal von Sidney ein schönes, wenn auch natürlich eher touristisches Viertel.

Harbour Sightseeing und Taronga Zoo

Nebst dem Viertel rund um den Circular Quay ist auch der Darling Harbour von Sidney sehenswert. Mit einem tollen Ausblick von der Brücke auf das Maritim Museum, das den männlichen ¾-Anteil der Familie mit seinen Kriegsschiffen und U-Booten schon nur aus der Ferne beeindruckte. Wir bestiegen im Darling Harbour aber ein anderes Schiff, nämlich einen Katamaran der Firma Eco Hopper, der uns via den Circular Quay auf die andere Seite des Hafens brachte, zum Taronga Zoo. Wenn wir in Australien schon keine Zeit hatten, auf eigene Faust die Wildnis zu erkunden, dann wollten wir uns die Tiere im Zoo ansehen.

Vom Anlegesteg brachte uns eine Seilbahn bis zum Zoo-Eingang ganz oben und so konnten wir bei schönster Aussicht auf Sidney City kreuz und quer durch den Zoo den Hang hinunter spazieren. Im Zoo gäbe es auch Elefangen, Giraffen & Co. zu sehen, aber wir haben uns an jenem Tag vor allem auf die australischen Tiere konzentriert, die wir noch nie live oder in einem anderen Zoo gesehen hatten. So herzig, die schlummernden Kuala-Bären und Wombats, Emus, Wallaby und Kängurus. Nicola und Alexis waren besonders interessiert am Tasmanischen Teufel, weil dieser «emmer so verrockt ond aggressiv» wird. Und trotzdem auch bedroht ist mit einem immer kleineren Lebensraum.

Die Rückfahrt vom Taronga Zoo führte mit dem Katamaran noch einmal am Opernhaus und unter der Harbour Bridge hindurch – diesmal bei Sonnenschein. So zeigte sich Sidney von seiner wirklich schönsten Seite. Wer weiss, vielleicht kehren wir eines Tages doch noch für längere Zeit nach Australien zurück.

Übrigens: Die Visa für Australien hat auch bei der Ausreise niemand kontrolliert.

Goodbye Australia: Miriam Patrick Nicola Alexis

Einreise mit Hindernissen

Ja, auch uns als einigermassen erfahrene Travellers passiert noch der eine oder andere Faux-Pas. Aber alles der Reihe nach.

In Auckland hiess es für uns um 5 Uhr aufstehen. Die Rucksäcke waren gepackt und dank dem fast 13kg schweren verschickten Päckli um einiges leichter als vorher. Das vorbestellte Taxi brachte uns durch den strömenden Regen rechtzeitig zum Flughafen. Soweit verlief noch alles nach Plan.

Am Check-in-Schalter von Virgin Australia lautete die erste Frage: «Do you have a visa for Australia?» «No, we don’t have. Australia is not a banana republic and neither is Switzerland», hätte Patrick am liebsten geantwortet. Stattdessen antworteten wir schön anständig: «No, we don’t have. We don’t need visas for such a short stay in Australia, only visa on arrival. Don’t we..?» Oh doch, wurden wir dann vom Herrn mit rollenden Augen aufgeklärt. Lediglich neuseeländische Pässe erlauben die visafreie Einreise nach Australien. Da waren wir falsch aufgeklärt worden respektive hatten uns selber zu wenig informiert.

Und nun? Wir sahen unseren Flug schon verfallen, in die Stadt zurückkehren und nach einem neuen Flug nach Asien – ohne Zwischenhalt in Australien – suchen. Oder auf die Schnelle ein vermutlich ziemlich teures Express-Visa beantragen. Der Virgin-Australia-Angestellte schickte uns zum Schalter von Air New Zealand, wo uns nach Vorweisen unserer Schweizer Pässe schon nach fünf Minuten Australien-Visas ausgehändigt wurden – für nur 30 NZ-Dollars (ca. 25 CHF) pro Person.

Erleichtert kehrten wir umgehend wieder an den Check-in-Schalter von Virgin Australia zurück, wo eine andere Angestellte das Einreise-Visa mit keinem Wort erwähnte, sondern uns einfach eincheckte. Dafür erwähnte sie etwas anderes, das uns gleich noch einmal leer schlucken liess: unsere Buchung gelte nur für den Sitz, nicht aber für das Gepäck. Jedes eingecheckte Gepäckstück kostete zusätzliche 130 NZ-Dollars, also unsere beiden grossen Rucksäcke zusammen 260 NZ-Dollars. Mehr als der eigentliche Flug-Sitz für uns!! Bugger… Uns blieb kaum etwas anderes übrig, als diesen Betrag sogleich mit der Kreditkarte zu überweisen, wodurch der Flug dann natürlich nicht mehr ganz so günstig war. Well… Die spanische Basura-Reise-Agentur, die uns (von Skyscanner verwiesen) diesen supergünstigen Flug ohne Erwähnen des fehlenden Gepäcks (oder nur im Kleingedruckten) schmackhaft gemacht hatte, wird von uns aber noch etwas zu hören bekommen.

Die Zeit am Flughafen von Auckland reichte dann noch knapp für ein Frühstück. Und weil Nicola am Vortag die beste Schätzung für das Päckli-Gewicht abgegeben hatte (12 kg), durfte er als Gewinner das Restaurant für das Frühstück auswählen. So gab es dann eben schon zum Frühstück Fries und Burger von Burger King. Und auf dem 3.5-stündigen, wegen den Regenwolken etwas holprigen Flug nach Sidney dann noch Tee und Wasser.

Die extra ausgestellten Einreise-Visa für Australien mussten wir übrigens bei der Ankunft in Sidney nirgendwo zeigen.

Welcome to Australia! Miriam Patrick Nicola Alexis