Phnom Penh und Kratie – Grossstadt und Naturerlebnis

Phnom Penh, die Hauptstadt Kambodschas, ist mit seinen 2 Millionen Einwohnern im Vergleich zu anderen asiatischen Grossstädten beinahe überschaubar. Für uns war es trotzdem das typische asiatische Chaos mit Moped- und Tuk-Tuk-Gehupe, Verkehrssmog, sengendem Asphalt, rauchigen Garküchen und unzähligen Menschen zu jeder Tag- und Nachtzeit.

Immerhin: seit wir mit den Kindern reisen, legen wir besonderen Wert auf die sorgfältige Auswahl unserer Unterkunft. Und mit dem Sla Boutique Hostel in Phnom Penh war es uns auch diesmal gelungen, im Grossstädtechaos eine sichere, saubere Rückzugsoase mit dem freundlichsten und hilfsbereitesten Personal überhaupt zu finden. Wir hatten ein Dorm-Room mit zwei Etagenbetten und eigenem Badezimmer für uns.

Zwar befanden sich bereits in der Nebenstrasse auch einschlägige Bars und fragwürdige Massagestudios, aber nach Warnungen von unterschiedlichen Seiten waren wir sowieso spätestens zur Dunkelheit ab 18 Uhr zurück im Hostel.

Was macht man in Phnom Penh mit kleinen Kindern? Die Killing Fields oder das Genozid-Museum fallen schon einmal weg. Auch der Royal Palace oder das Nationalmuseum schien uns mit unseren Kindern nicht geeignet. Eine Sonnenuntergangs-Bootstour mit den Zwillingen ist auch nicht wirklich romantisch. So haben wir eine kinderfreundliche Stadtrundfahrt mit dem Tuk-Tuk gemacht und sind durch die Märkte gestreift. Auch haben wir unweit unseres Hostels eine französische Bäckerei entdeckt. So kam Nicola das erste Mal auf Reisen in den Genuss von etwas Ähnlichem wie seine geliebte «Öpfuweihe». Und wir von feinstem Baguette-Sandwich «au fromage» und «au jambon». Comme en France.

Abstecher nach Kratie

Wir als Tierliebhaber haben für seltene Tiere ja schon die eine oder andere Strecke auf uns genommen. Ab Phnom Penh wollten wir ebenfalls einen Extra-Umweg machen: nach Kratie in Nord-Kambodscha, wo noch die letzten Mekong-, also Süsswasser-Delfine leben.

Von Phnom Penh liegt Kratie etwa 350 km entfernt und wir haben wieder einiges an Zeit investiert zur Recherche des geeigneten Transportmittels. Von den grossen Busgesellschaften wurde uns abgeraten und die Aussicht auf eine 6-8 stündige Busfahrt mit unseren Bewegungs-Jungs in einem überfüllten, nicht-klimatisierten, röhrenden Rost-Busses graute uns. Obwohl sich die Zwillinge jeweils erstaunlich schnell von einem solchen Reisetag erholen, aber wir Eltern als non-stop geforderte Unterhalter/Essens-Versorger/Motivatoren/WC-Sucher/Tröster/Hygiene-Aufsicht leiden auch am Folgetag noch von den Nachwirkungen. Also prüften wir auch wieder die Option eines Privat-Taxis. Wollten wir wirklich so luxuriös reisen?

Wir wollten! Im Gespräch mit den Tuk-Tuk-Fahrern vom Sla Boutique Hostel hatte uns einer den Vorschlag gemacht, er würde uns gerne mit seinem Auto fahren und dort die zwei Nächte mit uns bleiben. Weil es sein grosser Wunsch wäre, auch einmal die Mekong-Delfine zu sehen. Wir haben die Kosten zusammen durchgerechnet und ihm schliesslich zugesagt. So konnten wir nicht nur komfortabel reisen, sondern einem Kambodschaner auch noch einen persönlichen Wunsch in seinem eigenen wunderschönen Land erfüllen und finanziell seine Familie mit den drei Kindern unterstützen. Die Taxi-Fahrt mit Mr. Liem hat übrigens dann nur 4.5 Stunden gedauert – mit kurzem Lunch-Stopp irgendwo entlang des Weges. Die Fahrt ging auch ohne Konstant-Gehupe und todesmutigen Überholmanövern ganz flott.

Auf den Spuren des Mekong-Delfins

In der Kleinstadt Kratie am Ufer des Mekongs wohnten wir im Hotel River Dolphin etwas ausserhalb vom Zentrum. Aber mit dem Tuk-Tuk ist man ja bekanntlich überall schnell. Und wir hatten einen Pool, was mit den Jungs immer toll ist. Weniger toll fanden wir die Schar Kinder, die im Hotel Gartenarbeit verrichteten statt in der Schule zu sein. Aber so sei das eben mit «poor families» in diesem Land, hiess es auf unser Nachfragen. Immerhin hatten sie sich über unsere Süssigkeiten gefreut. Und sie durften am Abend auch einmal eine Runde im Pool baden.

In Kampi, 15 km nördlich von Kratie, ist der beste und bald einzige Ort, um die Mekong-Delfine, Irrawaddy Dolphins, zu sehen. Von den stark bedrohten Tieren soll es nur noch rund 80 Exemplare geben – es ist wirklich traurig. Statt hier im Detail auf die Gründe und Umwelt-Zusammenhänge einzugehen: auf der Seite des WWF kann Genaueres nachgelesen werde. Der WWF ist auch vor Ort in der Region aktiv. Alleine dafür, dass wir dies mit eigenen Augen gesehen haben, zahlen wir unsere Familien-Mitgliedschaft zukünftig noch lieber ein.

Mit dem Boot sind wir während einer Stunde auf dem Mekong herumgetukkert und gerudert und zu unserer grossen Freude haben wir mehrere der Irrawaddy-Delfine gesehen. Für einmal ist es wohl von Vorteil, in der Trockenzeit in Kambodscha zu sein. Denn dann ist der Mekong viel schmaler, die Pools im extra für die Delfine geschützten Flussabschnitt nicht so tief und die Tiere viel besser an der Oberfläche sichtbar. Die Delfine mit dem runden Gesicht (ähnlich dem Beluga-Wal) und der kleinen Rückenflosse tauchten so nahe an unserem Boot auf, dass wir ihr Atmen hören konnten.

Die Zwillinge waren an jenem Tag zwar wieder einmal ziemlich auf Krawall gebürstet und untereinander sehr streitig, so dass auf dem Mekong nicht wirklich friedliche Beobachtungs- und Geniesserstimmung aufkam, aber das Erlebnis wird uns trotzdem in schöner Erinnerung bleiben. Und wer weiss, ob es überhaupt noch Irrawaddy-Delfine geben wird, wenn Nicola und Alexis einmal erwachsen sind uns selber auf Reisen gehen.

Mit dem Besuch der Irrawaddy-Delfine reiht sich ein weiteres unvergessliches Erlebnis in unsere Kambodscha-Erinnerungen ein. Nun ist es bereits Zeit, weiter zu reisen und noch andere Länder Südostasiens zu erkundigen. Zurück in Phnom Penh bleibt uns eine Nacht, dann fliegen wir nach Hanoi, Vietnam.

Bestimmt nicht das letzte Mal in Kambodscha gewesen: Miriam Patrick Nicola Alexis

Mit (unseren) Kindern unterwegs in Kambodscha

Zum ersten Mal auf unserer Reise waren wir in Kambodscha mitten im Backpacker-Strom gelandet. Und natürlich weit und breit die einzigen mit Kindern. Von den anderen jüngeren Backpackern ernteten wir eher mitleidige Blicke und Kommentare, könnten wir uns ja nun mit Kindern nicht mehr die Nächte um die Ohren schlagen – und das ausgerechnet bei dem günstigen Alkohol hier (Bier ab 50 Cent, Cocktail ab 2.5 US-Dollar). Die älteren Backpacker gratulierten uns zu diesem mutigen Vorhaben und waren überzeugt, dass es unsere Kinder und uns als Familie nur bereichern könne.

Was wohl die lokale Bevölkerung von uns dachte? Mehrheitlich sprachen sie kaum Englisch und wir natürlich kein Khmer. Fest steht, dass insbesondere die Frauen und die Kinder mit unverhüllter Begeisterung auf unsere Zwillinge reagierten. Wenn wir im Tuk-Tuk vorbeidüsten, sprangen Kinder auf die Strasse und winkten uns nach, als wären wir Berühmtheiten. Beim Vorbeilaufen riefen sie «Hello!» und wollten «Gimme Five» machen.

In den Märkten wurde den Zwillingen über die Haare gestreichelt, in den Arm geknufft oder neckisch auf den Hintern geklapst – alles unter enzückten «Baby! Baby!»-Ausrufen. Alexis mochte dieses Übermass an Aufmerksamkeit nach wie vor nicht, er blieb immer in Bein-Nähe von Mami und Papi. Nicola – mit der neuen Frisur «Cambodia Style» wurde von den Einheimischen auch liebevoll «Pineapple» genannt – war hin- und hergerissen zwischen Spass und Übermass an Berührungen.

Bezüglich Hygiene waren es eher die Sorgen von Gluggere-Mami Miriam. In Kambodscha kamen Feuchttücher und Hygiene-Gels sowie die Einweg-Essstäbchen wieder voll zum Einsatz. Und ansonsten hatten wir Wert auf eine sichere und saubere Unterkunft gelegt und dafür gerne auch etwas mehr bezahlt.

Geben und Teilen: dies vorzuleben und an unsere Kinder weiterzugeben, ist uns als Eltern wichtig. Nicola und Alexis sehen auf dieser Reise mit eigenen Augen, dass es längst nicht allen Menschen so gut geht wie uns in der Schweiz. Wo sie vor ein, zwei Monaten noch Mühe hatten, etwas von ihren Süssigkeiten abzugeben, ist es inzwischen für sie Selbstverständlichkeit geworden. Wenn wir am Morgen unseren Rucksack für den Tag gepackt hatten, wollten sie auch immer aus ihrer «Süssigkeiten-Box» zusätzliche Bon-Bons oder Lolli-Pops einpacken, um diese den Kindern unterwegs zu verschenken. Oder wenn wir einem Bettler auf der Strasse begegneten, wiesen sie uns darauf hin, diesem noch etwas Geld zu geben. Alexis hatte sich aber noch nicht getraut, selber eine Gabe in ein dafür bereitgestelltes Gefäss zu legen. Nicola hingegen hatte kein Problem damit, näher zu den Menschen heranzutreten, auch wenn diese nur mit Lumpen umhüllt waren oder ihnen Gliedmassen fehlten.

Bekanntlich verarbeiten Kinder ihre Erlebnisse mit Spielen. So erstaunt es nicht, wurden der Hai, der Orang-Utan und die zwei seit Neuseeland ebenfalls mitreisenden Plüsch-Kiwis manchmal zu Mienen-Opfern. Für diese noch nicht allzuweit zurückliegende Vergangenheit des Landes gibt es auch heute noch viele Zeugen. Mit den Kindern haben wir uns diesem dunklen Kapitel der Geschichte nicht näher gewidmet, obwohl es im ganzen Land Killing Fields, Höhlen voller Totenschädel, Folter-Gefängnisse und Genozid-Museen zu besichtigen gäbe.

Trotz der traurigen Vergangenheit oder der unübersehbaren Armut der Bevölkerung: die Menschen sind so offen und freudig uns fremden Gästen gegenüber. Das war bestimmt nicht unser letzter Besuch in Kambodscha!

Aus der Apotheke gebraucht haben wir:

  • Sämtliche Mückenmittel
  • Fenistil zur Behandlung der Mückenstiche
  • Umckaloabo und Similisan-Chügeli zur Behandlung der Klimaanlage-Erkältungen
  • Merfen-Spray bei Knie-Aufschürfungen
  • Mittel gegen Fieber, Erbrechen, Durchfall für Kinder und Erwachsene an Einheimische verschenkt in Floating Village Kampong Luong

Aus dem Reisealltag

Im Tuk-Tuk
Nicola: Weisch, Mami, i ha dOuge zue ned zom Schlofe. I be eifach chli am Chille.

Im Taxi
Alexis: Mami, du hesch emmer meh Chnoche. So chame gar nöm so bequem uf der ligge.

Im Hotel
Miriam: Lönd mi doch no gschwind öppis lo fertigschriebe…
Nicola: Wetsch öis mängisch am liebschte zrogg nach Bottewiu schicke?
Miriam: Nei, ufe Mond möchti öich mängisch am liebschte schicke!
Nicola: Aber dört stärbe mer! Dört chöne mer jo ned schnuufe!

Auf der Strasse
Nicola: Alexis, lueg, mega cool! Dä Ma hocket ufemne Roubrätt ond get met de Händ a!
Miriam: Jo, hesch gseh, werom er ufem Roubrätt hocket? Er het kei Bei. So cool esch das nämlech ned.
Nicola: De het äuä ned glost ond esch eifach ufs Fäud gloffe ond de ufene Miene gstande…

Auf dem Markt
Nicola: Mami, werom het de Bättler ohni Gäud ou Chleider a ond esch ned blott?
Miriam: Blott darf niemer veuse, aui müend Chleider alegge.
Nicola: Aber dSöili send jo ou blott!
Alexis: Das send dänk ou Tier ond mer send Mönsche!

Auf dem Markt
Cambodia-Lady (zum vorbeilaufenden Patrick): Madam, want to have a look?
Patrick (dreht sich um): Me?
Cambodia-Lady (lacht): Ooooh, sorry, sorry! Long hair I mean you lady!

Im Restaurant
Cambodia-Lady (zu Nicola): Baby! Your haircut like pineapple!

Kampong Luong – Dorf auf dem Wasser

«Travel off the beaten track» wollten wir mit einem Abstecher der besonderen Art: ein Besuch mit Übernachtung in einer der Floating Villages auf dem grossen Tonlé Sap-See. Solche Besuche werden auch am Siem Reap angeboten. Diese sollen aber nicht mehr echt, sondern extra für die Touristen aufrechterhalten sein. Wir wollten das unverfälschte Floating Village-Erlebnis mit allen Vor- und Nachteilen – und das fanden wir auch.

Taxi statt Bus

Nach der nicht optimalen Busfahrt zu viert auf zwei Sitzen hatten wir die Transport-Optionen in Kambodscha einmal genauer recherchiert und waren darauf gekommen, dass für uns zu viert ein Privattaxi nicht viel teurer käme als vier Sitze bei einer besseren Bus- oder Minivan-Gesellschaft. Ganz zu schweigen von der Bequemlichkeit, da die ganze Strecke auf einmal, ohne Bus-Umsteigen oder Tuk-Tuk-Hassle gemacht werden kann.

So hatten wir vom Hotel in Battambang ein Taxi für uns organisieren lassen, das uns in zwei Tagen – mit Stopp in Kampong Luong – nach Phnom Penh bringen sollte (etwas über 300 km). Am Morgen stand wie abgemacht ein kambodschanischer Herr mit seinem Auto vor der Tür, der aber offenbar zum ersten Mal hörte, wohin er uns bringen und dort noch eine Nacht auf uns warten sollte. Er sprach kein einziges Wort Englisch und wir waren nicht sicher, ob er wirklich verstanden hatte, worum es ging. Aber vom Hotel versicherten sie uns, es würde klappen. Wir sollten nur Vertrauen haben.

Vertrauen brauchten wir vor allem bei seiner Fahrweise, bemerkten wir relativ schnell. Mit bis zu 130 km/h bretterten wir durch das Land, inklusive diverser Überholmanöver zum Luft anhalten und apruptem Bremsstopp wegen Wasserbüffel auf der Strasse. Dabei galt es für unseren Fahrer, nebst schier ununterbrochenem Hupen gleichzeitig drei Mobiltelefone zu bedienen, die auch manchmal alle drei schrillten.

Wo sind wir?

Nach 2.5 Stunden – vermutlich kambodschanische Rekordzeit – erreichten wir über Pursat schliesslich Krakor. Dort bogen wir in eine Staubstrasse ein, gesäumt von ärmlichen Blechhütten. Überall lag Plastikmüll. Kinder aller Altersstufen spielten auf der Strasse statt in der Schule zu sein, wie es um diese Tageszeit eigentlich üblich wäre. Dort, wo unser Fahrer schliesslich anhielt, währten wir uns immer noch in einem Slum. Weit und breit keine anderen Touristen. Ob wir wohl richtig sind? Immerhin am Wasser, wo Boote ent- und beladen wurden.

Sofort kam eine Frau angesprungen und wollte uns die Bootsfahrt zur Floating Village verkaufen. Also doch richtig. Wir erkundigten uns nach einer Homestay-Möglichkeit zum Übernachten. «Yes, yes», hiess es, und wir luden unsere Rucksäcke vom Taxi um auf ein Langboot.

Unser Taxi-Fahrer gab einem Mann der Gruppe seine Karte – man solle ihn morgen anrufen, um welche Zeit er uns wieder abholen könne. Wir hatten ihm erst die Hälfte des Fahrpreises bezahlt und hofften, die Aussicht auf die zweite Hälfte sei Motivation genug, am nächsten Tag auch wieder aufzukreuzen. Kopfschüttelnd und lachend zog er von dannen. Für ihn war wohl ziemlich ungläubig, dass wir, die sich ein Privattaxi leisten konnten, an so einem einfachen, ärmlichen Ort übernachten wollten.

Kampong Luong – das Dorf auf dem Wasser

Der Tonle Sap ist der grösste Süsswassersee Südostasiens – zumindest zur Regenzeit, wo er auf 12’000 km2 anschwillt und bis 14 m tief ist. Während der Trockenzeit misst der ganze See nicht mehr als 2 bis 3 m Tiefe und seine Fläche schrumpft auf ca. 3000 km2. Aus diesem Phänomen entstanden sind die schwimmenden Dörfer mit Häusern auf Bambus und heutzutage auch leeren Fässern, für die der Wasserstand keine so grosse Rolle spielt. Ein solches Dorf namens Kampung Luong hatten wir also angesteuert mit dem Langboot und waren erstaunt, dass wirklich alles vorhanden ist wie bei einem richtigen Dorf: zahlreiche Wohnhäuser inklusive Stall für Hühner und Schweine, diverse Läden, Restaurants, Tankstelle, Werkstatt, Schule, Festhalle, Kirche resp. Tempel – einfach alles auf Flössern erbaut. Von überall her winkten uns Kinder und frendliche Erwachsene zu. Bei der Rundfahrt durch das Dorf war nicht genau zu erkennen, ob sie für uns die Attraktion waren oder wir für sie. Alles in allem könnte Kampong Luong sehr idyllisch sein, wäre das bräunliche Wasser nicht auch voller Müll gewesen. Auch die Toiletten von jedem Floss entleeren sich natürlich direkt in den See. Und auf der Rundfahrt tauchte direkt neben unserem Boot plötzlich ein aufgedunsener, behaarter Tierkörper auf: ein toter Hund. Aber eben: so ist das unverfälschte «Floating Village»-Leben.

Eines der letzten Häuser steuerte unser Langboot-Chauffeur schliesslich an: hier könnten wir übernachten, hiess es.

 Homestay in Kampong Luong

Eine junge Frau mit ihrem Baby hiess uns willkommen. Sie sprach ein paar Brocken Englisch und wärmte unser Herz sowieso sofort mit ihrem offenen Lachen. Das Zimmer mit einer einfachen Matratze am Boden und darüber gespanntem Moskito-Netz kostete 6 US-Dollar. Bei dem Preis leisteten wir uns gleich zwei Zimmer. Patrick und Alexis teilten sich eines, Nicola und ich das andere.

Nicola und Alexis fühlten sich wie überall sofort wohl. Sie nahmen ihre paar Spielsachen hervor und spielten zusammen und mit dem kleinen Jungen. Für Patrick und mich war es völlig genug, zu sitzen und dem vorbeiziehenden Leben in der Floating Village zuzuschauen. Als das Gemüse-/Frucht-Boot vorbeikam, kauften wir Wassermelone und Mango als frisches «Zvieri» ein und unsere Gastgeberin kaufte später beim Fleisch-Boot etwas Hühnchen und einen Fisch. Diese verarbeitete sie am Abend zusammen mit Reis und Gemüse in unser Nachtessen.

Mit der Hygiene hatten wir unsere Bedenken, besonders beim Seewasser. Die Einheimischen baden im Tonlé Sap, waschen sich und ihre Kleider damit, kochen sogar mit dem Wasser. Wahrscheinlich war irgendwo in unserem Nachtessen auch Tonlé-Sap-Wasser dabei. Auf jeden Fall wechselten Patrick und ich uns nachts auf der Toilette ab. Und dieses Plumpsklo wäre wahrlich nicht ein Ort, den man sich freiwillig für Durchfall aussuchen würde. Dazu kam noch die nächtliche Begegnung mit einer Ratte, die grösser war als jede bisher in Asien angetroffene Katze.

Immerhin: Nicola und Alexis hatten klebrig bei über 30°C (wir hatten das Nicht-Duschen dem Seewasser vorgezogen) einigermassen gut geschlafen und blieben auch von Durchfall verschont. Sie wären gerne noch länger auf der Floating Village geblieben. Patrick und ich waren hingegen froh, als wir am Morgen mit zittrigen Beinen das Langboot wieder bestiegen und an Land zurück zum Blechhütten-Hafen fuhren. Wo eine halbe Stunde später unser frisch-geduschter und wohlriechender Taxi-Fahrer uns vier verschwitzte und unausgeschlafene Travellern wieder ins Auto lud. Um im gewohnten Höllen-Tempo die 150 km bis nach Phnom Penh zu brettern.

Um eine Erfahrung reicher: Miriam Patrick Nicola Alexis

Mit Fledermäusen und Krokodilen in Battambang

Rund 170 km südlich von Siem Reap liegt Battambang, nach der Hauptstadt Phnom Penh die zweitgrösste Stadt des Landes. Sie wäre auch per Boot erreichbar, aber da während der Trockenzeit der Fluss zu wenig Wasser führt, hatten wir uns für eine Busfahrt entschieden. Der «Deluxe Transport» Mekong Express für 8 Dollar pro Sitz. Für uns gab es noch zwei Sitze, die Jungs durften auf dem Schoss sitzen. Was auf einer Fahrt von 3.5 Stunden trotz Klimaanlage ziemlich anstrengend war, wiegen die beiden doch je 20 kg. Alexis schlief für eine Stunde quer auf meinem Schoss, Nicola döste währenddessen auf dem Bus-Korridor.

Angekommen in Battambang, stürzten sich sofort eine Horde Tuk-Tuk-Fahrer auf uns. Selber gerade etwas überfordert, folgten wir einem, der sich auch gleich als Chauffeur für unsere Ausflüge in den nächsten Tagen anbot. Aber zuerst einmal brachte er uns zu unserem vorgebuchten Hotel etwas ausserhalb der Stadt. Auf diese Unterkunft waren wir wirklich gespannt. Gewisse Zweifel überkamen uns, als wir über Schotterpisten durch trockengelegte Reisfelder holperten und an einem Friedhof vorbefuhren, von dem starker Verwesungsgeruch ausging.

Doch das Hotel Ram Chang erwies sich als top mit dem bisher besten Preis-/Leistungsverhältnis überhaupt auf unserer Reise. Die Nacht kostete umgerechnet 21 CHF und wir hatten ein grosses Zimmer mit zwei Doppelbetten sowie einem eigenen riesigen Badezimmer ganz für uns alleine. Wenige Meter vor der Tür befand sich der Pool, wo Alexis auch endgültig schwimmen lernte. Er schafft nun auch eine Pool-Breite in Hundepaddel-Tauch-Stil und ist so stolz, dass uns Eltern das Herz erst recht aufgeht. Nicola übt inzwischen schon fleissig den «Chöpfler».

Ebenfalls super war das hotelinterne Restaurant. Angefangen beim Frühstück mit feinstem Baguette (da schlägt die frazösische Kolonialvergangenheit des Landes durch) und frischen Fruchtsäften und Kokosnüssen den Tag hindurch bis zu Khmer-Speisen zum Nachtessen für 2-3 US-Dollars pro Gericht. Einfach top!

Fledermaushöhle von Phnom Sampeau

Einmal fuhren wir trotz strömenden Regens (gemäss Tuk-Tuk-Fahrer der erste Regen seit vier Monaten – da hatten wir aber Glück!) zum rund 15 km entfernten Berg Phnom Sampeau, wo sich jeden Abend beim Eindunkeln ein Spektakel sondergleichen abspielt. Aus einer Höhle schwärmen Fledermäuse aus – hunderttausende oder Millionen, man weiss es nicht genau. Wir standen während einer halben Stunde unterhalb der Höhle und die herausströmenden Fledermäuse, dessen Schwarm den Himmel noch zusätzlich verdunkelte, wurden nicht weniger.

In Formationen, wie wir sie höchstens von Vögeln kennen, ziehen die Fledermäuse jede Nacht los und tun sich gütlich an den Insekten und dem Ungeziefern auf den Reisfeldern in der ganzen Region. Es ist denn auch verboten, die Fledermäuse zu fangen oder irgendwie zu stören. Kaum auszudenken, was das Ausbleiben dieser Ungeziefer-Jäger für Folgen auf die Reisernte hätte. Die Gegend rund um Battambang wird nicht umsonst auch «Reisschüssel Kambodschas» genannt.

Krokodile, Schlangen, Frösche & Co.

In der Stadt Battambang besuchten wir auch lokale Märkte. Das ist in jedem Land spannend, kann aber auch für die zarter Besaiteten schnell zu viel sein. So sahen wir nebst der lokalen Spezialität Frösche (ob diese kulinarische Parallele auch noch von der französischen Kolonialzeit stammt?) auch allerlei undefinierbares Fleisch. Leider ziemlich klar definierbar hingegen waren die gegrillten Hunde. Auch Schlangen gab es in jeder Form: getrocknet, frisch ausgenommen oder auch noch lebendig in einem Netz. Alles sehr faszinierend für die Kinder, aber nach diesem Marktbesuch bin ich selber wieder eine Weile auf der vegetarischen Seite.

Unser Tuk-Tuk-Fahrer schlug uns vor, mit den Kindern eine Krokodil-Farm zu besuchen. Für ein Eintrittsgeld von 2 US-Dollars machten wir das auch. Krokodil-Farmen gibt es über ganz Kambodscha verteilt und sie sind nicht etwa mit einem Zoo vergleichbar. Die Krokodile werden gezüchtet für den Export nach Vietnam, China und Thailand, wo das Fleisch gegessen und die Haut zu Lederwaren verarbeitet wird. Die Haltung der Tiere in grossen Becken ist für uns natürlich fern von allem. Nicola und Alexis waren aber fasziniert, konnten sie aus wenigen Metern und mehr schlecht als recht mit einem Geländer gesichert die Urtiere beobachten. Ein junges Krokodil durften sie sogar in der Hand halten.

Rasante Fahrt mit dem Bamboo Train

Eine Fahrt auf dem Bambuszug in Battambang wurde uns ebenfalls empfohlen. Diese Schienentaxis, von den Einheimischen Norry genannt, bestehen aus einem Holzgestell von ca. 2 auf 3.5 m, das auf zwei Achsen gestellt und von einem Benzinmotor angetrieben wird. Früher wurden damit grosse Lasten transportiert, zum Beispiel mehrere hundert Kilosäcke Reis oder bis zu 15 Personen. Heute sind diese Norry eine Touristenattraktion und für 5 US-Dollar pro Erwachsene fahren sie gemächlich auf einem gewissen Gleisabschnitt. Das hörte sich nach Spass an, dachten wir. Wobei wir dann doch auch etwas erschrocken waren, als unser Norry mit sicher 30 km/h über die nicht besonders geradlinigen Gleise ratterte. Aber auch Nicola und Alexis hielten sich gut fest.

Was nun, wenn ein anderes Norry entgegenkommt? Dann wird das eine Norry abgebaut und vom Gleis genommen. Diese klare Regel besagt, dass dasjenige Norry mit der grösseren Fracht immer Vorrang hat. Da hatten wir mit vier Passagieren plus Fahrer so gut wie immer Vorrang, da auf den anderen Norry meistens nur ein oder zwei Touristen fuhren. Selbstverständlich half man einander beim Ab- und wieder Aufbau des Norrys. Insgesamt waren wir mit dem Norry rund eine Stunde unterwegs. Die Fahrt soll vor der Reisernte besonders malerisch sein. Nun bei Trockenzeit war eher die Fahrt an sich als die Aussicht auf trockene Reisfelder das Spezielle.

Übrigens waren wir mit Nicola in Battambang noch beim Friseur und er trägt jetzt noch mehr zur Freude der Einheimischen «Cambodian Style». Etwas gar kurz, aber die Haare wachsen ja zum Glück wieder…

We like Cambodia Style: Miriam Patrick Nicola Alexis

Siem Reap und die Tempel von Angkor

Welcome to Cambodia! 8.5 Stunden Flug ab Sidney und nochmals 2 Stunden Flug ab Kuala Lumpur (wo wir noch einmal durch die ganze Immigration und durch das Check-In mussten, aber immerhin diesmal kein Gepäck mehr zusätzlich bezahlen) sind wir auf kambodschanischem Boden gelandet. Diesmal waren wir auch korrekt informiert über die Möglichkeit eines Visas on Arrival und das bekamen wir am Flughafen von Siem Reap auch problemlos, nachdem wir pro Person drei Formulare ausgefüllt und 120 US-Dollars entrichtet hatten und unsere Pässe durch elf beamtisch-beschäftigte Händepaare gewandert waren.

Schon am Flughafen wurden wir von einem Tuk-Tuk abgeholt, und ja: wir hatten zu viert mit allem Gepäck in dem von einem Honda-Scooter gezogenen Gefährt Platz. Und schon waren wir mitten in den lauten, staubigen, geschäftigen Strassen von Siem Reap, mit anderen Tuk-Tuk, vielen Scootern, Velos, überladenen Anhängern, Menschen, Hunden, Hühnern, Kühen, Strassenhändler…das volle Leben. Welcome to Southeast Asia – wir lieben es!

Wohlgefühlt in Siem Reap

Wir hatten eine Unterkunft reserviert, ein 4er-Zimmer im Babel Guesthouse. Einst von Norwegischen Travellern gegründet, setzt es auf langfristige Zusammenarbeit mit allen Angestellten und auf nachhaltigen Tourismus. Sie fördern diverse Umwelt- und Bildungsinitiativen in Kambodscha und ermöglichen so auch Reisenden, ihren Footprint möglichst gering zu halten. Eine tolle Sache! Zwei kleine Beispiele von vielen: man kann Trinkwasser auffüllen, statt immer wieder Pet-Flaschen zu kaufen (wir haben ja deswegen bereits auf der ganzen Reise unsere Refill-Bottles mit dabei) oder es werden Bambus-Röhrli statt Plastik-Strohhalme sowie biologisch abbaubare Verpackungen verwendet.

In einem anderen Guesthouse in der selben Strasse konnten wir den Pool auskosten und dazu frische Fruchtsäfte schlürfen oder ein kühles Bier. Patrick fühlt sich in Kambodscha im Bier-Paradies, wo das Gezapfte nur 1 US-Dollar kostet und an anderen Orten in der Stadt auch bis auf 0.50 oder gar 0.25 US-Dollars runtergeht. Bei fast 40 °C im Schatten verträgt es so natürlich noch genüsslicher das eine oder andere Bier.

Zum Babel Guesthouse gehört auch ein Restaurant, wo wir jeweils ausgezeichnet zu Abend assen und lokale Köstlichkeiten wie das Khmer Curry oder Fish Amok genossen. Nach den langen Tagen schliefen Nicola und Alexis schon fast am Tisch ein und es wäre nicht gut gewesen, mit ihnen noch einmal ins Zentrum an den Night Market oder an die Pub Street loszuziehen.

Herumgekommen in Siem Reap

Weshalb waren denn unsere Tage in Siem Reap so lange? Natürlich wegen DER Attraktion der Stadt, des Landes, ja ganz Südostasien: die gigantischen Tempelanlagen von Angkor, die wir uns anschauten.

Der Tuk-Tuk-Fahrer Phorn, der uns bereits vom Flughafen abgeholt hatte und zum Babel Guesthouse-Team gehört, war während vier Tagen der unsere. Noch an unserem Ankunftstag fuhren wir mit ihm am späteren Nachmittag zum Ticket Office, um uns einen 3-Tages-Pass für den Archäologischen Park von Angkor zu holen. Ticket-Optionen sind 1 Tag, 3 Tage oder 7 Tage, wobei wir die mittlere Option wählten. Kostenpunkt für die 3 Tage (uns Sonnenuntergang am Tag des Ticket-Erwerbs, d.h. eigentlich fast 4 Tage): seit dem 1. Februar fast verdoppelt auf 67 US-Dollar pro Person – unsere Kinder zum Glück noch gratis. Für dieses Land ein wahnsinnig hoher Betrag. Der es aber für uns allemal wert war.

Vom Ticket-Office brachte uns Phorn mit dem Tuk-Tuk gleich noch weiter und pünktlich auf den Sonnenuntergang zum berühmtesten Tempel von Angkor: Angkor Wat. Auch wenn hunderte anderer Touristen wie Ameisen über das Gelände wuselten, war das Gefühl doch überwältigend, plötzlich direkt vor diesem weiteren Reise-Fernweh-Ort zu stehen. Einfach nur wow!

Am nächsten Morgen früh um 5 Uhr ging es ebenfalls wieder mit Phorn und seinem Tuk-Tuk los zu Angkor Wat. Mit der Zeitverschiebung von Australien her waren wir sowieso noch so eingestellt, dass diese frühe Tagwacht selbst für Nicola und Alexis kein Problem darstellte. Und für ein paar andere hundert Touristen offenbar auch nicht, wie wir dann vor Ort bei Angkor Wat schnell feststellten. Wobei sich diese grossen Menschenmengen vor allem bei den Hauptattraktionen und den Hauptansichten der Tempelanlagen konzentrierten. Sobald wir beispielsweise auf die Rückseite gelangten oder das Areal weitläufig umwanderten, waren plötzlich nicht mehr so viele Touristen dort.

Um unsere Angkor-Besuche kurz zusammenzufassen: wir haben alle Tempel des kleinen und des grossen Circuits besucht, jedoch nicht in der üblichen Reihenfolge und abgesehen von Angkor Wat auch nicht zu den Stosszeiten. Mit den Kindern haben wir an allen Tagen darauf geschaut, wegen der Hitze früh unterwegs zu sein und uns jeweils den eigenen Spazierweg durch die Anlagen gesucht. Wobei unsere Favoriten eher die weniger bekannteren Tempel (auf dem Grand Circuit), teilweise mystisch im Wald verborgen und mit den beeindruckenden Wurzel-Überwucherungen waren.

Für Nicola und Alexis waren es spätestens ab dem zweiten Tag wohl einfach zu viele Steinhaufen und der Entdeckergeist war nach dem ersten oder zweiten Tempel des Tages erschöpft. Zwar konnten wir siee mit der eigenen Kamera noch einmal voller Eifer mitziehen. Was Kinder mit ihrer Detail-Sicht der Dinge immer Interessantes entdeckten! Oder wer hat auch schon gesehen, dass jede tierische Steinskulptur auf dem Angkor-Gelände auch über ein prima nachgebildetes steinernes «Füdleloch» verfügt? Die Fotos auf den Speicherkarten der gelben und der blauben Kamera könnt ihr euch nun in etwa vorstellen…

Mit den Zwillingen haben wir viele Spiel- und Essenspausen eingelegt. Gerade Letzteres ist im Park überall möglich, weil die fahrenden Händler mit feinsten exotischen Früchten, Spiesschen und natürlich Souvenirs überall am Strassenrand standen. Hier einmal eine frische Kokosnuss, dort saftige Ananas oder Mango – köstlich! Ausserdem hat Phorn manchmal kurz auf unsere lauffaulen Nachkommen aufgepasst, während sie eine «Ameisi-Autobahn» auseinanderlenkten oder ein Wurzelwerk hochkletterten. Und wir konnten noch einmal kurz in Ruhe einen Tempel besichtigen.

So oder so: spätestens am Mittag waren wir jeweils wieder zurück in der Stadt Siem Reap, wo wir mit Phorn noch irgendwo fein essen gegangen sind, bevor wir nach einer kurzen Siesta im Babel Guesthoue fortan wieder den nachbarlichen Pool belagerten und erfüllt von den vielen Tempel-Eindrücken noch mehr Fruchtsäfte oder Bier schlürften. Geht es uns nicht gut?

Kambodscha und die Tempel von Angkor sind jetzt schon ein persönlicher Reise-Höhepunkt von Patrick und mir. Schaut euch am besten die Fotos an – ich habe versucht, die «unpersönlichen Steinhaufen» bei einer minimalen Anzahl zu belassen. Viel Spass!

Mit neu aufgeblühter Reisefreude in Kambodscha: Miriam Patrick Nicola Alexis