Das Reisen als Familie in Malaysia ist ziemlich praktisch, weil die Malaysier selber auch mit der ganzen Kinderschar reisen. Es ist also relativ normal, dass Kinder überall mit dabei sind und man wird nirgendwo schräg gemustert. Und gerade weil die Einheimischen als Familie oder meist auch noch mit Grosseltern, Tanten, Onkel etc. reisen, sind auch in allen grösseren Hotels Familienzimmer buchbar oder für fast jedes Zimmer ohne Aufpreis Extrabetten bestellbar. Das macht für uns das Übernachten in Hotels gut leistbar anstelle von Hostels und Budget-Unterkünften, wo wir selbst in Schlafräumen pro Person, d.h. für vier Personen, Volltarif bezahlen müssten.

Da gerade in Stadtnähe alle Malaysier relativ gut Englisch sprechen, haben Erwachsene und auch Kinder öfters direkt den Kontakt mit Nicola und Alexis gesucht. Gerade zu Alexis haben sie mehrmals gesagt «such beautiful blue eyes» oder «I wish I had your eyes». Einige haben sich aber auch einfach zum Selfie machen neben die Kinder gestellt. Vor allem Alexis wurde das dann zu viel und er hat sich vehement gegen jedes Anfassen gewehrt – verständlich. Sogar Nicola hat gemeint, er möge das nicht immer. Mit einer abweisenden Hand- und Kopfbewegung unsererseits haben sich aber alle auch abgewendet.

Dass Alexis und Nicola Zwillinge sind, ist kaum jemandem auf den ersten Blick aufgefallen, auch wenn sie einmal genau gleich angezogen waren. Die Einheimischen oder auch andere asiatische Touristen kleiden ihre unterschiedlich alten Kinder gerne genau gleich ein oder manchmal kommt auch eine ganze Familie im Einheits-Tenue daher. Es gibt sogar Kleidergeschäfte, die extra darauf ausgerichtet sind, die ganze Familie einheitlich zu kleiden. Zum Beispiel mit dem Hahnen-T-Shirt für Papa, Hühner-Shirt für Mama, Bibeli-Shirt für Buben und anderes Bibeli-Shirt für Mädchen (bald kommt das chinesische Jahr des Hahns). Das selbe mit andere Tier-Sujets, Herzchen, Wappen, Sprüchen etc. Spannend, zu sehen, aber für uns selber setzen wir doch mehr auf Individualität.

Allem in allem ist Malaysia ein ideales Einstiegsland zum Reisen mit Kindern mit schöner Natur, sehr freundlichen Menschen, vielseitiger Kultur, spannendem Essen, Sauberkeit und Sicherheit.

Sprachlich
«Kanak-kanak» heisst «Kinder» auf Malaiisch. Ein spezielles und in unserem sprachlichen Ohr nicht besonders schönes Wort. Wir haben uns aber an die zahlreichen «Kanak-kanak»-Schilder entlang unserer Fahrroute gewöhnt und das Wort schliesslich so liebgewonnen, dass wir auch unser Toyota-Gefährt «Kanak-Kanak» getauft und fortan nur noch so genannt haben.

Aus der Apotheke gebraucht haben wir:

  • Similisan-Chügeli bei Grippe und Erkältung sowie Dafalgan-Pülverli gegen Fieber von Nicola in Melakka
  • Umckulaboe gegen den Husten von Nicola und Alexis in Melakka (kein Wunder bei den durch Klimaanlagen heruntergekühlten Gebäude)
  • Fenistil zur Behandlung der zahlreichen Mückenstiche aus dem Taman Negara und für Alexis Bienenstich in George Town sowie danach noch Feniallerg, weil der grosse Zeh und der Fuss auch am nächsten Morgen noch rot und angeschwollen waren

Aus dem Reisealltag

Auf der Strasse
(Eine Frau mit einem Gesicht voller Pickel kommt uns entgegen)
Alexis: Mami, lueg mou! Wo die Frou wohnt, hets äuä mega vöu Mugge!

Auf der Strasse
(Eine mit einem Niqab verschleierte Frau kommt uns entgegen)
Nicola: Mami, lueg, die Frou het nome dOuge blutt!

Im Pool
Nicola: Mami, lueg! E Toucher im Pool!
Miriam : Das esch kei Toucher, das esch e Frou am Schwümme.
Nicola: Aber die Frou het doch e Toucherazug a!
Miriam: Das esch es Burkini, de Badazug vo de muslimische Froue.

Im Restaurant
Alexis: Mami, hesch du do nöi Chräbu?
Miriam: Nei, das send kei Chräbu, das send Faute.
Alexis: Gönd de Faute ou weder einisch wäg?
Miriam: Leider ned…

Auf der Strasse
Nicola: Wenn de Polizist Strossechind gseht, was macht er met dene?
Alexis: De bringt er sie zom Dokter, dört bechöme sie e Sprütze ond wärde igschlöferet. Wöu es het zvöu vo dene, me cha ned aui rette.
Miriam: Nei, das macht me ned met Mönsche! Nor Tier wärde igschlöferet, Strossehönd oder Chatze. Das esch scho trurig gnue.

Auf der Strasse
Nicola: Mami, lueg! Das gseht us wie Mönsche-Gaggi!
Miriam: Das esch ou Mönsche-Gaggi…

Auf der Strasse
Nicola: E Sackratte!
Miriam: Die heisse ned «Sackratte», das esch e ganz e normali Ratte.
Nicola: Aber de Papi het gseit, die heisse Sackratte!
Miriam: Aber do het de Papi Chabis verzöut.
Patrick: Das esch ömu ou loschtig! Aber stimmt, es esch Chabis gsi.
Nicola: Ond i ha gmeint, die heisse wörklech «Sackratte», wöu sie emmer so vöu seckle!

Im Auto
Nicola & Alexis im Chor:
Boppe, boppe Hämmerli,
dStäge uf is Chämmerli,
dStäge uf is Tuubehus,
flüge aui Tuube us,
wöu dört hets es Chinese-WC met meine Gaggi-Huufe ufem Rand.
Boppe, boppe Hämmerli,
Chinese-Rand-Kacker-WC-Chämmerli!

Im Dschungel
Alexis: Nico, jetzt red mou ned so vöu, sösch gseh mer nie es Tier!

Im Dschungel
Nicola: Jetzt semmer mou aui ganz ruhig, dass mer Tier gsehnd. Niemer seit öppis!
… (5 Sekunden)
Nicola: Mami, lueg emou die blaue Blueme!
Miriam: Hesch ez ned ganz ruhig wöue si?
Nicola: Auso guet, ab jetzt seit gar niemer meh öppis!
… (10 Sekunden)
Nicola: Dä Vogu tönt mega loschtig!
Miriam: Hesch ned du säuber gseit, niemer döf rede? I gloube, das chasch du gar ned: emou gar nüt rede.
Nicola: Stimmt, das chani ned. I muess eifach emmer rede!

Im Dschungel
Alexis: Werom heisse die Gluet-Igel?
Patrick: Die heisse «Bluetegel», wöu sie düend Bluet ussuuge. Ned Gluet.

Im Tempel
Nicola: Mami, gseht de Buddha ou bes nach Bottenwil?
Miriam: I dänke scho, jo. Werom?
Nicola: Ou wenn du emmer seisch, i söu ned äne luege, dueni ez do extra no ganz vöu armi ond chranki ond verletzti Lüt aluege, dasi die ned vergisse. Ond weni sie de ned vergässe ha, weissi weder, wie guet dass mers händ zBottenwil

Palau Pinang, Malaiisch für die Insel Penang, ist vom malaysischen Festland aus für uns bequem über eine Autobrücke erreichbar. Wir hatten ein Hotel reserviert mitten im Stadtzentrum von George Town. Die Gegend schien uns etwas heruntergekommen, doch das Hotel Neo+ Penang war sauber, sicher und für uns sehr praktisch mit einem gesicherten Parkplatz für unser Mietauto, unser Zimmer im 16. Stock mit Frühstück im 2. Stock zu einem attraktiven Preis sowie mit einem Pool im 25. Stock, an dem sich bei den nun wieder heissen Temperaturen über 30°C vor allem die Zwillinge erfreuten. In jenem Pool tat Alexis auch seine ersten eigenen Hundeschwumm-Metern. Er eifert in Sachen Schwimmen seinem Bruder also fleissig nach.

Gleich am Ankunftstag wurden wir beim Herumlaufen in der Stadt von einem Fahradrikscha-Fahrer angesprochen: für 40 Ringgit (ca. 10 CHF) wollte er uns als ganze Familie eine Stunde lang durch George Town kutschieren. Weil die Zwillinge sowieso gerade maulten wegen zu vielem Laufen, haben wir gerne eingewilligt. Wobei ich ernsthafte Sorgen um den Gesundheitszustand des alten, schlaksigen Männleins hatte, das uns zu viert auf seinem museumsreifen Drahtgestell herumfahren wollte. Und diese Mund-zu-Mund-Beatmung hätte ich als «Hygiene-Hyper» definitiv nicht machen wollen! Doch das Männlein erwies sich als erstaunlich zäh und brachte uns auch über mehrspurige, dicht befahrene Kreuzungen zu sämtlichen Sehenswürdigkeiten im Zentrum von George Town. Sein nuschelndes Englisch verstanden wir zwar kaum, aber wir haben ein paar Stopps gemacht und uns gemerkt, wo wir noch einmal für ein ausführlicheres Erkunden zurückkehren wollten. Dann aber zu Fuss oder mit dem Taxi, was in George Town auch relativ günstig ist. Später haben wir übrigens gesehen, dass so gut wie alle Rikschafahrer so alte, spindeldürre und zähe Männlein sind. Und unser erstes Taxi hatte auch bereits 487’000 km auf dem Buckel!

Hühnerfuss zum Frühstück in George Town

Wir besuchten die Stadtteile Little India und China Town zu einem späteren Zeitpunkt noch alleine, um auch in die unzähligen Lädelchen hineinzuschauen und fein zu essen. Tandoori Chicken und frisches Naan-Brot gehört inzwischen sogar zu Nicolas Lieblingsessen (aktuell ist es auf Gleichstand mit Apfelwähe!). Bei einem Dim-Sum-Frühstück in China Town zeigte Alexis mit wässerigem Mund auf Hühnerfüsschen und wir liessen ihn diese chinesische Delikatesse probieren. Hühnerfuss – also vom «Kniegelenk» abwärts abzüglich die Klauen – wird selbst vom «Fast-Alles-Fresser» Patrick mit einem leichten Schaudern verschmäht, aber Alexis kaute genüsslich auf dem knochigen Teil herum und sogar Nicola probierte ein «Hühnerwadli». Ich hielt mich bei jener Mahlzeit an den dazu servierten Grüntee.

In China Town haben wir für umgerechnet 2 CHF Nicolas Haare schneiden lassen. Und wir sind auch endlich fündig geworden mit offiziellen Booster-Kindersitzen für das Auto und haben sogleich zwei Stück erstanden für knapp 30 CHF. Diese können wir in Malaysia noch einsetzen und dann mit nach Neuseeland nehmen, wo Kindersitze im Auto dann wieder wie in der Schweiz Pflicht sind. Damit sparen wir schon die Kindersitzmiete von täglich 20 NZ-Dollar oder den Neukauf, der in Neuseeland bestimmt teurer wäre als in einer malaysischen China Town. Platz im Rucksack sollten wir bis dann auch wieder haben, da wir in Malaysia noch ein Souvenir-Paket in die Schweiz verschicken wollen.

Kein Penang Hill, dafür Kek-Lok-Si mit Schlange

An einem Tag wollten wir den Penang Hill erkundigen, der ein Naherholungsgebiet mit schöner Sicht auf George Town und die weitere Umgebung versprach. Die Zahnradbahn auf den Hügel wurde gerade der halbjährlichen Wartung unterzogen und fiel als Transportmittel für uns aus. Die rund 3 km steilen Wanderweg bei 35°C konnten wir den Kindern und auch uns nicht zumuten. Also versuchten wir es mit dem Auto, Patrick hatte am Vorabend eine Fahrstrecke ausfindig gemacht. Diese entpuppte sich jedoch nach den ersten paar hundert Meter als offensichtlicher Wanderweg, der an Schmalheit und Steilheit die Horrorstrecke von den Cameron Highlands noch übertraf. Zum Glück gab es eine Stelle zum Wenden. Den Ausflug zum Penang Hill konnten wir also streichen von unserer Besuchsliste.

Stattdessen steuerten wir eine grosse buddhistische Tempelanlage am Hang an, die wir bei der Anfahrt schon von weitem gesehen hatten: der Kek-Lok-Si. Eigentlich vielmehr ein Tempelkomplex mit Gärten, Gängen und verschiedenen Tempeln auf mehreren Ebenen. Und leider auch mit vielen Verkaufsständen mit allerlei Ramsch, Bauerweiterungen mit Beton, Plastik, blinkende Led-Lichterketten, künstlich angelegte Wasserfälle und Vogelgezwitscher aus dem Lautsprecher. Der Kek-Lok-Si ist sehr eindrücklich, jedoch tut einem die Verschandelung und das Verramschen der heiligen Stätte in der Seele weh.

Für Nicola und Alexis sind Tempelbesuche auf andere Art und Weise interessant. Sie mögen das Kerzen und Räucherstäbchen entzünden für unsere Liebsten daheim, Wunschbänder (Wishing Ribbons) anknüpfen, ab und zu eine Tempelkatze streicheln, nach Geheimgängen suchen in der Pagode der Zehntausend Buddhas. Und im Garten beim höchsten Bronze-Buddha mit irgendwelchen Stöcken und Pflanzenranken spielen und herumstreunen. Patrick und ich sassen dösig im Schatten und liessen die Zwillinge gewähren, bis sie aufgeregt ankamen: «E Schlange ufem Boum!» Ja, klar, dachten wir, sie sind mitten im Spiel, der Garten ist voller Tierfiguren… Aber schliesslich gaben wir ihrem Insistieren nach und gingen mit. Und tatsächlich: eine Schlange. Eine Viper, giftig, glaubte ich mit meinen bescheidenen Schlangenkenntnissen zu erkennen. Und wirklich: das Nachschauen im Internet zurück im Hotel bestätigte es: eine grüne Tempelviper/Tempelotter, Bisse können tödlich enden. So können wir uns den Ausflug zum Snake Temple (den gibt es wirklich auf Penang) gleich sparen, soll dieser inzwischen doch erst recht zu einem touristischen Jahrmarkt mit kaum Schlangen (oder zumindest nicht die einheimischen Tempelottern) verkommen sein. Ach ja, und die Kinder lassen wir nun auch nicht mehr einfach so im Unterholz spielen.

Strandtag am Batu Ferringhi

Um von der Insel Penang noch mehr als nur Stadt und Stadtnähe zu sehen, sind wir an einem Tag mit unserem Mietauto an einen Strand im Nordosten gefahren: Batu Ferringhi. Wobei die aneinander gereihten Resorts, Hotels, Restaurants und in die Höhe gebauten Luxus-Appartments nicht sehr weit entfernt scheinen von einer Stadt. Auch den Strand selber würden wir nicht für einen längeren Urlaub wählen. Zwar ein schöner Sandstrand mit genug Schatten durch die hohen Bäume und Gebäude, perfekt zum Muscheln suchen, für die Zwillinge schön zum Spielen und die halbe Uferböschung niederreisen, aber das Meer schien uns nicht besonders sauber. Batu Ferringhi ist bei Einheimischen sowie auch Touristen beliebt für Wassersportaktivitäten und das wiederum hatte einen gewissen Unterhaltungswert für uns. Chinesen düsten auf Jet-Skis vorbei und am Himmel entdeckten wir komplettverschleierte arabische Touristinnen an Gleitschirmen, die von Motorbooten gezogen wurden. Aber ein Tag am Batu Ferringhi hat uns dann auch genügt.

Zurück nach Kuala Lumpur Airport

Mit Penang ist unser Roadtrip durch Malaysia nun bald zu Ende. Morgen steht uns ein langer Fahrtag (400 km) bevor mit einer Übernachtung in der Nähe des Kuala Lumpur Airports. Am Samstagvormittag geben wir unser Mietauto am Flughafen ab und am Nachmittag verlassen wir das schöne Malaysia. Eigentlich fast etwas zu früh, denn das Chinese New Year Ende Januar in Malaysia zu erleben, wäre sicher auch etwas Besonderes gewesen. So konzentrieren wir uns wie gewohnt auf unsere Jahresrechnung mit 2017, das für uns schön auf Reisen und von zu Hause mit sehr guten gesundheitlichen Neuigkeiten aus der Familie begonnen hat. Gerade könnten wir die halbe Welt umarmen, dass es von Malaysia bis in die Schweiz reicht!

Glücklich, wenn es zu Hause gut geht und freudig auf unsere weitere Reise: Miriam Patrick Nicola Alexis

Immer wieder werden wir gefragt, wie wir uns unterwegs eigentlich organisieren, wie wir die Route entscheiden, was wir vorausbuchen und so weiter. Deshalb an dieser Stelle einmal ein paar Worte dazu.

Mit dem Vorausplanen und -buchen halten wir uns an folgenden Grundsatz: so wenig wie möglich, so viel wie nötig. Wobei mit Kindern nun schon mehr vorausgedacht und geplant werden muss, weil mit hungrigen, übermüdeten Kindern an einem noch unbekannten und vielleicht unsicheren Ort eine Reihe von schäbigen Unterkünften abklappern, kann einem die Reisefreude schnell verderben.

Für die 2 Wochen in Thailand, Katanoi, hatten wir Flug und Unterkunft von der Schweiz aus organisiert und uns vorab im Internet informiert über Preise für Transport, Essen, Ausflüge etc. Das ist immer sehr sinnvoll und man fühlt sich besser vorbereitet – gerade in Ländern mit verhandelbaren und meist höheren «Gringo-Preisen».

Nach Malaysia hatten wir den Flug und die ersten Nächte in Kuala Lumpur bereits von der Schweiz aus organisiert sowie ein Mietauto reserviert. Alles Weitere lief «freestyle» und jeweils spontan nach eigenen Recherchen oder persönlichen Empfehlungen. Wir haben den neusten Lonely Planet «South East Asia on a Shoestring» mit dabei, der allerdings wegen des grossen Länderumfangs nur sehr oberflächliche Ideen gibt zum jeweiligen Land. In die Tiefe haben wir online recherchiert, denn in Asien ist in den meisten Unterkünften «free wifi» mit dabei – mal mit schwacher, mal mit sehr guter Verbindung. Wenn die Zwillinge abends etwas früher schlafen als Patrick und ich (was nicht immer der Fall ist…) oder aber wenn ich morgens als Erste wach bin (was eigentlich immer der Fall ist…), wird diese Zeit genutzt zum Besprechen, Recherchieren, Planen, Buchen und Schreiben.

Hilfreichster Link für Flugbuchungen:

www.skyscanner.de

Hilfreichste Links für Unterkünfte (alle mit einem verlässlichen Bewertungssystem):

www.booking.com

www.hostelworld.com

www.hostelbookers.com

Für uns als Familie eignet sich www.booking.com am besten, da wir vergleichsweise günstige Familienzimmer buchen oder Hotelzimmer mit Extrabetten ausstatten können, während wir in einem Hostel/Jugendherberge/Guesthouse pro Person (d.h. alles  mal 4) rechnen müssten.

Hilfreichste Links für Ausflüge/Transport/Preisvergleiche:

www.tripadvisor.com

Zusätzlich geben die online haufenweise vorhandenen Reiseblogs (in unserem Fall speziell von Familien mit kleineren Kindern) immer gute Hinweise und Ideen, was es am jeweiligen Ort zu unternehmen und erkundigen gibt.

Auch wenn beim Reisen als Familie deutlich weniger Zeit zum Recherchieren und Planen bleibt: Backpacker-Reisen als Familie ist gar nicht so schwer, man muss sich nur trauen! Schliesslich geht es um die Erfüllung von Träume, so auch unsere…

…weitere Reiseplanung: Sumatra – ein Reisetraum wird wahr!

Ja, richtig gelesen im Titel, wir fügen vor unserem Weiterflug nach Neuseeland noch einen kleinen Abstecher nach Sumatra ein. Sumatra, Pirateninsel, Indonesiens Naturparadies, tsunami- und erdbebengeplagt. Vor allem aber nebst Borneo der letzte Rückzugsort von freilebenden Orang-Utans. Und genau deswegen reisen wir nach Sumatra.

Der Orang-Utan ist nicht nur Alexis Lieblingstier, sondern für uns alle ein wunderbares, schützenswertes Geschöpf der Natur. Patrick und ich haben auf unserer letzten Reise bereits auf Borneo Orang-Utans in freier Wildbahn gesehen (Im Dschungel am Kinabatangan River), auf Sumatra soll dies aber noch näher möglich sein. Auf wärmste Empfehlung einer anderen Orang-Utan-Freundin (Danke, liebe Stephy!) haben wir nun einen Flug nach Medan, Sumatra gebucht, was von Kuala Lumpur nur 45 Flugminuten entfernt liegt und dank Air Asia preislich in unser Budget passt. Von Flughafen Medan aus werden wir ca. 3 Stunden per Auto bis zu einem indonesischen Dorf namens Bukit Lawang chauffiert, das Tor zum Nationalpark Gunung Leuser. In Bukit Lawang gibt es auch ein Orang-Utan Rehabilitation Center, also eine Auswilderungsstation für unsere rothaarigen Verwandten, und genau dort soll es sehr wahrscheinlich sein, auf Dschungeltrekkings diesen Tieren zu begegnen. Eine Guide-Empfehlung haben wir von Stephy auch schon erhalten und dank modernen Medien bereits mit ihm Kontakt aufgenommen. Auch ein Hotel haben wir reserviert. Da wir nur wenige Tage in Bukit Lawang bleiben (4 Nächte, 3 volle Tage), ist es sicherer, wenn alles vororganisiert ist.

Nach diesem Abstecher nach Indonesien (ihr werdet dann im Blog davon lesen) fliegen wir von Medan wieder zurück nach Kuala Lumpur und haben ein paar Stunden am Flughafen zu überbrücken. Dann geht es weiter mit einem laaaaaangen Air Asia-Flug (ca. 12 Stunden ohne onboard entertainment – wie werden wir das schaffen!?) nach Auckland, Neuseeland. Damit verabschieden wir uns von Asien – aber nur vorläufig. Ungefähr Mitte März kehren wir wieder zurück, um noch ein paar weitere Länder Südostasiens zu bereisen. Was genau, wie und wann, legen wir dann wahrscheinlich erst während unserer Neuseeland-Zeit zurecht.

Vorfreudig auf alle weiteren Reiseabenteuer: Miriam Patrick Nicola Alexis

Auf der Fahrt vom Taman Negara / Kuala Tahan bis zu unserer nächsten Station in den Cameron Highlands haben wir unzählige Mercedes Trucks überholt, alle bis ans Maximum beladen mit riesigen Baumstämmen. Auch wir als Forst-Laien können uns in etwa denken, wie alt diese abgeholzten Urwaldriesen gewesen sein müssen und dass dies nichts mit Waldpflege oder nachhaltiger Holzwirtschaft zu tun hat. Nebst der Urwaldabholzung wurde auf dieser ca. 200 km langen Fahrtstrecke auch das Ausmass des Ölpalmen-Businesses in Malaysia noch einmal deutlich. Abgesehen von den Steilhängen war unsere Strasse jeweils links und rechts mit Ölpalmen-Plantagen gesäumt und wir überholten auch mit Ölfrüchten beladene Lastwagen.

Ansonsten trafen wir auf dieser sehr kurvigen Strasse, die sich von Jerantut bis Tanah Rata in den Cameron Highlands richtiggehend in die Höhe schraubt, nicht viele Fahrzeuge. Und auch kaum Siedlungen. Und erst recht keine Tankstelle. Uiuiui, mit unserem Mietauto fuhren wir wirklich auf dem letzten Tropfen, die Benzinlampe leuchtete während 50 km rot auf. Patrick fuhr schon dermassen sparsam, indem er bei einer leichten Abwärtsneigung der Strasse jeweils den Gang rausnahm, um den Verbrauch möglichst gering zu halten. Als schliesslich direkt nach dem Ortsschild «Benta» eine Petronas-Tankstelle auftauchte, wischte Patrick erleichtert seine schweissigen Hände ab und ich verdrückte nach den langen Kilometern der Anspannung mit drei Bissen das immer mitgeführte «Notfall-Snickers». Den 42-Liter-Tank volltanken kostete übrigens aufgerundete 16 CHF.

Die Zwillinge hatten von dem Nervenkitzel nicht viel mitbekommen, sie verschliefen diese Etappe auf dem Rücksitz.

Cameron Highlands – Im Labyrinth der Teeplantagen

Die Cameron Highlands sind das malaysische Hochland, hauptsächlich Waldgebiet auf 1500 bis 1800 m. ü. M. und mit vielem Gemüse- und Obstanbau, neuerdings mit Erdbeer-Hype. Der Erdbeeranbau hat aber nicht viel gemeinsam mit dem uns bekannten in der Schweiz, die meisten Früchte werden auf ideale Erntehöhe in kleinen Töpfen unter Plastikplanen gezogen. Januar ist sowieso auch in Malaysia nicht Erdbeer-Saison und wir warten lieber auf die feinsten roten Früchte vom Küngoldinger Erdbeerfeld nächsten Juni nach unserer Rückkehr. Nichtsdestotrotz: die asiatischen und die arabischen Touristen in den Cameron Highlands fahren auf die Erdbeeren ab und geben auch gerne viele Ringgit für halbgrüne und vermutlich nicht besonders geschmacksintensive Früchte aus dem Treibhaus aus. Gleich daneben können sie für ein paar weitere Ringgit die Plüschversion davon als Souvenir mit nach Hause nehmen.

Die Teeplantagen haben uns in den Cameron Highlands besser gefallen. Seit bald hundert Jahren werden in dem optimalen Klima die Hänge mit Teepflanzen bewirtschaftet und in den Teefabriken direkt vor Ort verarbeitet. Einst noch alles Handarbeit, werden heute auch eine Art Mäher/Rasierer eingesetzt, der über die Teepflanzenreihen gezogen wird, sowie Seilwinden zum Hochhieven der prallgefüllten Säcke. Wir haben uns die Boh Tea Factory angeschaut und im Tea House in Eile einen garteneigenen heissen Tee und Alexis und Nicola Eistee genossen (ausserdem noch ein Stück Erdbeerkuchen für die Jungs, damit sie wenigstens ein bisschen Erdbeere kosten konnten). Für viel mehr zeitintensive Teekultur reicht es nicht mit Kindern. Dafür eignen sich die teebepflanzten Hänge, die auch offen sind für Wanderungen, perfekt als «Versteckis- und Fangis-Areal» für Nicola und Alexis. Wir sind sogar einmal am Abend vor dem Eindunkeln noch extra zu einer Teeplantage gefahren, weil bei den Zwillingen offenbar noch zu viel Energie vorhanden war vor dem Schlafen gehen. Das Reisen macht erfinderisch und flexibel!

Gunung Bringchang, mit 2032 m. ü. M. der höchste Gipfel in den Cameron Highlands, könnte man auf einer Wanderung besteigen oder aber über eine steile und löcherige Strasse hochfahren. Wegen der Kinder haben wir die zweite Variante gewählt und ich kam wegen der Strassenverhältnisse noch einmal ähnlich ins Schwitzen wie beim fast leeren Tank. Mehrmals musste ich aussteigen, um Patrick die genaue Fahrposition der Hinter- und Vorderräder zu dirigieren, damit wir nicht in irgendeinem Loch steckenblieben. Alexis und Nicola, je aus einem Autofenster lehnend, hatten ebenfalls die Aufgabe, Löcher zu erkennen oder Hupzeichen zu lauschen, falls uns hinter einer Kurve ein Auto entgegenkommen sollte. Wir hatten es geschafft, auf dem rostigen, wackeligen Aussichtsturm schöne Fotos gemacht und sind mit glühenden Bremsen wieder die gleiche steile Löcher-Strasse hinuntergeschlichen. Wir hoffen mal, es gibt bei der Mietwagen-Rückgabe keine Unterbodenkontrolle…

An einem weiteren Tag in den Cameron Highlands haben wir eine Butterfly Farm besucht, einen Schmetterlingsgarten, an dem die Zwillinge ihren Spass hatten. Die zum Teil handflächengrossen Schmetterlinge so nahe zu erleben, war wirklich etwas Besonderes. Die Haltung der übrigen Kleintiere liess uns eher leer schlucken. Weiter haben wir im buddhistischen Tempel Tam-Poh in Brinchang für unsere Liebsten zu Hause und auf der ganzen Welt Kerzen und Räucherstäbchen entzündet.

Erwähnenswert von unseren Tagen in den Cameron Highlands ist noch unsere Unterkunft Bala’s Holiday Chalet . Wir hatten nichts gebucht und sind auf der Suche nach einem schönen Ort zum Bleiben in Tanah Rata und Binchang herumkutschiert. Es gibt dort alles und in grosser Anzahl: «very low budget»-Unterkünfte, kleine Guesthouses, grosse Ressorts. Wir wollten lieber etwas abseits wohnen und sind schliesslich einem Schild den Hügel hinauf gefolgt und so zu Bala’s Holiday Chalet gekommen. Das alte Kolonialgebäude, einst eine Schule für die Kinder britischer Einwanderer, wurde von einem indischen Geschäftsmann mit sehr viel Liebe zum Detail in ein schmuckes Guesthouse umgebaut. Als der Chef persönlich uns die Zimmer zeigte, haben wir uns in das Gebäude und den britischen Charme (Rosamunde Pilcher lässt grüssen…) verliebt und sind drei Nächte geblieben. In Tanah Rata haben wir auch zwei Mal sehr fein indisch gegessen (Naan Bread und Tandoori Chicken) und einmal in Brinchang die lokale Spezialität «Steamboat» probiert, bei dem allerlei Fleisch, Gemüse und Tofu in einem heissen Suppentopf in der Tischmitte auf glühenden Kohlen gekocht wird. Das «Steamboat» ist ähnlich unserem Fondue Chinoise, wobei die Fleischqualität definitiv eine andere ist. Ein bisschen Lammfleisch und die ganze Brühe hat nach Hammel geschmeckt.

Ipoh – Kindertag mit voller Dröhnung im Lost World of Tambun

Um die Fahretappen etwas kürzer zu halten, haben wir uns nach den Cameron Highlands für einen Zwischenstopp keine 100 km von Tanah Rata entfernt entschieden: in Ipoh. Die Stadt war einst sehr reich wegen des Zinnvorkommens in der Umgebung. Trotz fallender Zinnpreise sind beim Einfahren in die Stadt immer noch viele Mienen auszumachen – übrigens die meisten in chinesischer Hand.

Von der Stadt selber haben wir nichts gesehen, sondern für einmal einen richtigen Kindertag eingelegt à la Einheimische mit einem Besuch im Lost World of Tambun, einem Vergnügnungspark/Wasserpark/Zoo/Tiger-Tal/Freizeitpark/Freilichtmuseum/Spa/etc.. Der Tageseintritt für die ganze Familie hat rund 55 CHF gekostet (zum Vergleich: die Übernachtung in Ipoh in einem guten, sauberen, sicheren Hotel hat für uns vier 28 CHF gekostet), also ziemlich viel Geld für malaysische Verhältnisse. Aber es wird einem auch einiges geboten. Im Vergnügungsparkt konnten wir Karussells und eine kleine Achterbahn nutzen. Für die meisten Bahnen waren die Zwillinge jedoch noch knapp zu klein (ab 6 Jahren oder 1.10m), da sind sie sehr strikt. Wir haben uns die Tiger-Fütterung angeschaut, die unter lauter Techno-Musik und Lautsprecherkommentaren stattfand und bei den malaysischen Zuschauern auf tobendes Gejohle stiess und uns sehr befremdet hat. Arme sibirische Tiger… Überhaupt war der Park-Besuch wie eine Feldstudie der Einheimischen. Wir waren die einzigen «Gringos».

Fast überall im Park dröhnte Techno-Musik aus den Lautsprechern. Im Zoo kann fast jedes Tier gegen Geld gestreichelt und gefüttert werden (ausser die gefährlichen und die giftigen), sogar die Giraffe. Die meisten Tiere werden einzeln gehalten, weder in einem grossen noch in einem naturnahen Gehege. Kein Wunder hat uns der Tapir bei unserem Blick über das Gehege direkt das Hinterteil zugewendet und seinen «Piss-Sprutz» auf Patrick gerichtet.

Alexis und Nicola hatten den grössten Spass beim Baden, vor allem im Kinderbad mit zahlreichen Rutschen und einem Piratenschiff mit Wasserkanonen. Natürlich auch alles unter Beschallung aus grossen Lautsprechern. Patrick konnte im Wasser auch die Tapir-Pisse abwaschen. Ich bin gar nicht erst ins Wasser  gegangen, da ich schon in voller Kleidung (Träger-Oberteil und knielange Hosen) mehr Haut gezeigt habe als sämtliche anderen Frauen in Bade-Montur. Mich im Bikini hätte das Bad wohl nicht ertragen.

Nebst dem fahlen Beigeschmack in Anbetracht der Tierhaltung ist Lost World of Tambun sehr schön und in einer wunderschönen Naturkulisse mit Karstbergen eingebettet. Besonders die Zwillinge hatten einen tollen Spass-Tag. Der übrigens noch mit einem Nachtessen bei McDo abgerundet wurde.

Als nächste und (fast) letzte Station in Malaysia steuern wir nun noch die Insel Penang an. Bis dann, Selamat tinggal: Miriam Patrick Nicola Alexis

Tut das gut, nach den Städten wieder einmal grün und braun um uns herum zu haben! Von Melakka aus sind wir über 300 km auf Nebenstrassen ins Landesinnere von Malaysia gefahren mit dem Ziel, in zwei Tagen das Dschungel-Gebiet Taman Negara zu erreichen. Das Fahren auf den verkehrsarmen Strassen hat so flüssig geklappt und die Zwillinge auf ihren mit Kissen aus dem Chinesen-Supermarkt selbstgebauten Booster-Sitzli haben so gut mitgemacht, dass wir die rund 6 Stunden Fahrt schliesslich sogar an einem Tag geschafft haben.

Ab der Stadt Jerantut führt eine 70 km lange, fast schnurgerade Strasse nur in den Dschungel hinein bis nach Kuala Tahan, das Tor zum Nationalpark Taman Negara. Zumindest war das einmal so. Heute ist stattdessen mindestens drei Viertel der Strecke beidseitig von Ölpalmen-Plantagen gesäumt. Und wo noch Urwald ist, werden weitere Schneisen in das Unterholz gehauen, um auch dieses Land noch zu erschliessen. Die Waldabholzung in Malaysia gibt uns zusammen mit den Ölpalmen-Plantagen schon zu denken…

Da wir ja mit einer Fahrt von zwei Tagen gerechnet hatten, mussten wir nach unserer verfrühten Ankunft in Kuala Tahan eine Unterkunft für eine Nacht suchen. Was kein Problem war, die Möglichkeiten zum Übernachten in Kuala Tahan sind zahlreich, wobei die meisten Angebote wohl im «very low standard» anzusiedeln wären, den Hütten mit «Rooms»- oder «Guest House»-Beschriftungen nach zu beurteilen. Wir sind nach einigem Herumfahren und -schauen im ziemlich neuen, fast leeren Xscape Resort geblieben. Dort hat man uns einen «New Year Discount» gewährt, so, dass wir für ein grosszügiges und schönes Holzhäuschen inklusive dem reichhaltigen Frühstück für uns alle vier weniger als 40 CHF zu bezahlen hatten. Und einen Pool gab es auch noch, in den Alexis und Nicola am Abend noch schnell hüpfen konnten.

Das wahre Highlight einer Unterkunft erwartete uns dann am nächsten Tag. Unser Mietauto blieb für 4 Tage in Kuala Tahan stehen mit einem vollen Kofferraum und wir hatten nur das Nötigste in zwei Rucksäcke gepackt und liessen uns mit einem Knatter-Boot auf die andere Flussseite bringen. Dort beginnt der Nationalpark Taman Negara, das älteste Waldgebiet unserer Erde, das seit über 130 Millionen Jahren besteht und im Gegensatz zu anderen Urwäldern nie von Vulkanausbrüchen, Erdbeben oder anderen Naturkatastrophen zerstört und auch von grosseren Klimaveränderungen verschont worden war. Rund 4400 Quadratkilometer sind heute als Nationalpark geschützter Urwald.

Im Mutiara Resort im Taman Negara

Nebst dem Park Headquarter befindet sich nur noch ein Hotel auf der Flussseite des Taman Negara, nämlich das Mutiara Resort. Nicht gerade Budget-Preisklasse, aber die 3 Nächte wollten wir uns leisten, weil wir bereits wussten, dass wir mit den Kindern keine organisierten Dschungeltouren machen, sondern selber auf Erkundigungstour gehen wollten. So ist man flexibel nach Lust und Launen der Kinder, ohne andere zu stören oder dort auch noch Rücksicht nehmen zu müssen. Ausserdem zahlen auch Kinder meist den vollen Preis für Ausflüge und so wird es schnell einmal teuer für vier Personen.

Im Mutiara Resort bewohnten wir ein Holz-Häuschen am Ende der Anlage und hinter unserer Terrasse begann sogleich der Dschungel. Den Dschungelrand hinter der Terrasse bearbeiteten die Zwillinge jeweils gerne mit ihren Taschenmessern. Ein Haustierchen hatten wir auch, eine grosse, flauschige Fledermaus, die kopfüber im Dachstuhl der Terrasse hing und mit ihren süssen silbernen Knopfaugen immer wachsam unseren Bewegungen folgte.

Es soll auch schon vorgekommen sein, dass ein Tapir durch das Hotelgelände gelaufen kam, wie Fotos an der Lobby bezeugen. Doch nun wurde dieser schon eine Weile nicht mehr gesehen. Es ist Regenzeit, d.h. Paarungszeit für Tapire, und er habe sich wohl irgendwo weiter drin im Dschungel auf Partnersuche gemacht, hiess es.

Tierbegegnungen hatten wir einige innerhalb der Hotelanlage. Beim Frühstück stolzierte ein Pfauenweibchen zwischen den Tischen umher und an der Lobby zeigte sich immer gerne ein imposanter und wunderschöner Nashornvogel (Hornbill). Täglich mehrmals kamen die Affen zu Besuch (also immer schön alles rund um das Haus wegräumen!). Einen grossen Waran hatten wir zwischen den Hotel-Häusern entdeckt.

Frühstück hatten wir im Unterkunftspreis inklusive, die übrigen Mahlzeiten im Hotel empfanden wir als zu teuer. Das Mittagessen bestand daher bei uns meistens aus Picknick unterwegs oder Noodle Hot Pot. Und für das Abendessen haben wir uns von einem Taxi-Boot (1 RM pro Person, d.h. ca. 25 Rappen) auf die andere Flussseite nach Kuala Tahan bringen lassen, wo wir auf einem der «Floating Restaurants» (improvisierte Restaurants auf Flössen, die am Flussufer fest vertäut waren) zu günstigen Preisen fein gegessen hatten.

Unterwegs im Taman Negara

Zu Fuss haben wir den Dschungel selber erkundigt, den Zwillingen haben wir wieder einige Kilometer abverlangt (bis 5 km pro Tag). Aber mit genügend Motivatoren in Form von Bonbons, Marshmallows etc. im Rucksack, ist mit ihnen jede Distanz machbar.

Eines Morgens waren wir vor allen anderen Leute unterwegs zu einer seichten Stelle am Fluss, wo ohne Gefahr durch die starke Strömung gebadet werden konnte. Das haben Patrick und die Zwillinge dann auch gemacht. Mich hat das braune, trübe Wasser nicht so gereizt. Und erst recht nicht die Blutegel, die sich danach am Flussufer auf alles Kleiderlose stürzten. Nicola und Alexis haben wir ohne Blutegel durchgebracht, aber Patrick hatten sie ganz schön erwischt an den Füssen. Für den nächsten Dschungel-Trek wird er wieder geschlossene Schuhe tragen!

An einem anderen Tag sind wir zu den Canopy Walks gewandert, um nachher in 40 m Höhe auf Hängebrücken über rund 300 m zu laufen. Ganz schön mutig, unsere Jungs sehr forsch voraus. Patrick sowieso. Nur ich kam mit genügend Abstand und zittrigen Beinchen hinterher und war froh, als wir wieder festen Boden unter den Füssen hatten.

Tiere haben wir nicht so viele gesehen, ausser vielen Affen aus nächster Nähe, Schmetterlinge so gross wie Fledermäuse, Dschungel-Eichhörnchen, Echsen, einmal ein Mouse Deer (eine Reh-Art so klein wie eine Katze). Das kann daran liegen, dass jetzt in der Regenheit allgemein nicht viele Tiere am Rand des Taman Negaras unterwegs sind. Oder dass es dort überhaupt nicht mehr so viele Tiere gibt. Oder vielleicht auch an der Lautstärke unserer Zwillinge, wenn wir unterwegs waren. Einmal sind wir zur Dämmerung zu einer Tierbeobachtungsstelle gelaufen, wo schon andere «Gringos» warteten. Nach kurzer Zeit sind wir wieder gegangen, weil mit dem Gezappel und Husten von Alexis und Nicola (sie sind erkältet durch die Klimaanlagen im ganzen Lande) sicher kein einziges Tier aufgetaucht wäre und wir die bösen Blicke der anderen sogar in der Dunkelheit gespürt haben. In diesen vier Tagen im Taman Negara haben wir keine neuen Freunde gefunden…

Trotzdem, mit Alexis Worten: «Dört wetti weder mou äne, das het mer so guet gfaue!» Aber Malaysia hat noch viel mehr zu bieten und nun sind wir bereits wieder mit unserem Mietauto unterwegs in die nächste Region.

Von Mücken (und Blutegel) geplagt, aber von der Natur erfüllt: Miriam Patrick Nicola Alexis

Mit sauberen Scheiben sind wir in Melakka angekommen, eine Küstenstadt 150 km südlich von Kuala Lumpur, einstiger Piratenhafen mit portugiesischer, niederländischer und britischer Kolonialgeschichte. Davon sind noch wenige Gebäude und die Festungsmauern übrig – mit Kanonen, woran Alexis und Nicola natürlich Gefallen fanden.

Die Strasse von Melakka, der wichtigste Seeweg Südostasiens da kürzester Seeweg zwischen Ostasien und Arabien resp. Europa, ist übrigens heute noch Piratengebiet.

Unsere Unterkunft mit Begegnung der mehrbeinigen Art

In Melakka wohnten wir in einem Appartment im Mahkota Hotel, einer riesigen Anlage bestehend aus mehreren Blocktürmen mit Appartments und Zimmern, Pools, Tennis- und Minigolf-Anlage, Wasch- und Bügelstation und so weiter und so fort. Drücken wir es mal so aus: das Hotel hat seine besten Jahre hinter sich. Längst! Was im Internet toll aussah, entpuppte sich vor Ort als schäbig, siffig oder gleich kaputt. Das Jacuzzi war längst nicht mehr in Betrieb (falls es überhaupt mal war) und die angepriesene Kinderwasserrutschbahn (u. a. für uns das ausschlaggebende Argument für die Buchung) war auch gesperrt wegen Verfall. Waschmöglichkeit mussten wir uns in der Stadt suchen, die Maschinen waren «out of service». Und wer auf dieser Minigolf-Anlage mit weniger als sieben Schlägen die zentimeterhohe Bröckelmauer rund um das Loch überwindet, muss ein Vollprofi sein.

Unser Appartment verfügte über Küche und Wohnzimmer (mit Spuckverbot auf einem chinesischen Hinweisschild), zwei Bädern und zwei Schlafzimmer. Letztere mit einem so fleckigen Teppich, dass ich auch in der Wohnung die Flip-Flops anbehielt. Die Sauberkeit liess definitiv zu wünschen übrig. Wenigstens keine zwei- oder mehrbeinigen Besucher, tröstete ich mich. Wobei sich das mit den mehrbeinigen ein Tag später auch noch korrigierte.

Wir haben in unserem Leben schon einige Kakerlaken-Begegnungen gehabt, aber diese gehörte zu den grösseren Exemplaren (man spreize Daumen und Zeigefinger so weit wie möglich auseinander: das ist die Grösse des Tieres, halb Körper, halb Fühler). Patricks massivem Trekking-Schuh ist sie dann trotzdem erlegen. Und blieb übrigens trotz täglicher Zimmerreinigung bis am letzten Tag im Bad liegen – so viel zur Putzgenauigkeit…

Alexis und Nicola haben sich sogleich mit ihren in China Town erworbenen Spielzeug-Waffen (Laserschwert und Holz-Gümmeli-Pistole) an der Tür auf die Lauer gelegt. Dieses Spaltmass von mehreren Zentimetern lässt wahrlich freien Zutritt für Kakerlaken und Grösseres!

Kunterbunt und traditionell in Malakka

Malakka ist eine schöne Stadt und ein Teil davon sogar zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt. Nebst Klettern auf Festungsmauern und Kanonen hätten wir den kunterbunten, aufwändig dekorierten Fahrradrikschas im historischen Zentrum von Malakka stundenlang zuschauen können! Charakteren wie «Hello Kitty», «Pokémon» oder auch «Frozen» scheinen besonders beliebt zu sein. Für ein paar (verhandelbare) Franken kann man sich damit vom einen Ende des historischen Zentrums ans andere bringen lassen – je nachdem begleitet von Cartoon-Musik aus dem dazugehörigen Lautsprechersystem oder sicher von winkenden vorwiegend malaysischen Touristen am Wegrand. Den Spass mussten wir uns natürlich auch gönnen. Es waren nur sehr wenige nicht-asiatische Touristen unterwegs, wir sind aufgefallen und waren auch Foto-Sujets der anderen. Besonders Alexis wurde immer wieder auf seine «beautiful eyes» angesprochen, Nicola war jedoch jeweils zugänglicher für ein gemeinsames Foto.

Nebst Fahrradrikscha-Transport waren wir jeden Tag lange zu Fuss unterwegs. Für uns am Spannendsten in Malakka war China Town und der dadurch führende Jonker Walk mit seinen Nebengässchen. Tempel reihen sich an kleine Häuschen und kleine Türen führen in eine Art Höhlensystem mit lauter Shops. Für 5 CHF assen wir in China Town zu viert zu Mittag – aber gut, man durfte nicht heikel sein mit einem Stapel Plastikstäbchen «for use» auf dem klebrigen Tisch und als Toilette nur ein Loch im Boden, wo das Geschäft mit einem Eimer Wasser selber runtergespült wird. Aber beim Reisen sinken auch die eigenen Standards plötzlich.

In Melakka haben wir viel eingekauft (das können wir ja nun praktisch ins Auto laden und gegen Ende unserer Malaysia-Zeit eine Poststelle aufsuchen), haben die Stadt, insbesondere China Town und auch wieder klimatisierte Malls zu Fuss erkundigt und auch das alte Jahr verabschiedet. Die Silvesternacht auf dem Jonker Walk lassen wir aus, weil uns sintflutartige Regenfälle gerade nicht nach draussen ziehen. Stattdessen haben wir uns zur Feier des Tages in einer nahen Mall sehr feinen Sea Food gegönnt.

Nicola lost in Melakka

Nach den anstrengenden Tagen in Kuala Lumpur ging es uns in Melakka schon viel entspannter. Trotzdem: mit zwei wilden Jungs gibt es immer viel zu schauen und aufzupassen. Und plötzlich liess sich das «Wo ist das Kind?» nicht mehr mit einem erleichterten «Ah, ja, da!» beantworten. In einem grossen Kleidergeschäft in einer Mall war Nicola plötzlich nicht mehr auffindbar. Wir haben zuerst in dem Geschäft selber alles abgesucht, dann die Security-Männer hinzugezogen. Keine Spur von Nicola. Schliesslich haben wir vor dem Kleidergeschäft weitergesucht und ein Mann aus einem anderen Shop wies uns darauf hin, unser «Boy» (wir als einzige Nicht-Asiaten fallen auf) wäre hier entlang gelaufen Richtung Hauptausgang resp. Info-Desk – mit einem anderen Mann. Die malaysischen Malls sind gigantisch gross (hundert Läden, Shops und Bars). Wir also mit Alexis an der Hand nichts wie los in diese Richtung zum Info-Desk. Und wer sitzt dort auf dem Info-Desk? Unser Nicola. Der natürlich beim Anblick vom in Tränen aufgelösten Mami auch losweinte. Was für ein Schrecken und was für eine Erleichterung!

Nicola scheint jedenfalls keinen Schaden davongetragen zu haben. Er ist etwas mehr Mami-anhänglich, aber das passt ganz gut, denn das Mami ist seit diesem Erlebnis auch wieder etwas mehr «Gluggere». Eine malaysische Familie hatte ihn zum Info-Desk gebracht und er hatte in Englisch die Fragen nach seinem Namen, Alter und Herkunft schön beantwortet – es war alles notiert in den Unterlagen am Info-Desk. Nicht schlecht, unser Vierjähriger! Trotzdem soll er dieses Können nicht noch einmal unter diesen Umständen unter Beweis müssen – dieses und auch im neuen Jahr nicht!

Malaysia ist Mitteleuropa 7 Stunden voraus und daher sind wir schon vor euch im neuen Jahr. Frohes neues Jahr, ihr Lieben zu Hause und überall auf der Welt! Möge 2017 euch viele freudige Überraschungen (oder zumindest welche mit gutem Ausgang) bringen!

Herzlichst aus Melakka: Miriam Patrick Nicola Alexis

Jetzt sind wir also mit einem eigenen Fahrzeug unterwegs in Malaysia: ein silberner Toyota Vios, Automat, gerade gross genug für uns vier und das Gepäck (es sei denn, wir gehen noch weiter auf Shopping Tour). Nach einigen Irrwegen mit unserem schweren Rucksack-Gepäck am Kuala Lumpur International Airport hat uns ein hilfsbereiter Malaysier schliesslich zu der versteckten Rental Car Firma geführt. Mit der Reservation per Internet noch von der Schweiz aus hat also alles geklappt, prima.

Es konnte los gehen im Linksverkehr, Patrick am Steuer. Gleich als erstes betätigte er natürlich die Scheibenwischer anstelle des Blinklichtes (die Schalter sind bei einem linksgesteuerten Auto auch umgekehrt). Das wird fortan noch öfters passieren, deswegen: mit sauberen Scheiben durch Malaysia. Aber solange es bei dieser Verwechslung bleibt und nicht auf die falsche Seite in eine Einbahnstrasse oder ein Kreisel eingebogen wird, ist es ja nicht weiter tragisch.

Patrick hatte das links fahren schnell raus und innert Kürze waren wir vom Flughafen auf der Autobahn Richtung Süden. Die Autobahn in Malaysia ist gebührenpflichtig und funktioniert mit Mautstellen. Das haben wir auch gut hinbekommen. Die malaysische Sprache ist für uns nicht so schwierig zu verstehen. So haben wir uns an der Mautstelle einfach in der Reihe «Tiket» angestellt. Auch die Orientierung ohne Navi-System geht ganz gut dank der gut verständlichen Beschilderung – sogar für jemanden wie mich, wo doch Orientierung nicht gerade meine Stärke ist.

Wir waren noch keine 5 km unterwegs, ging auf dem Rücksitz schon die erste Keilerei los. Kindersitze sind in Malaysia nicht vorgeschrieben und bei den Mietpreisen unseres Autovermieters (2 Kindersitze hätte noch einmal einer Tagespauschale der Autos entsprochen und zum Kaufen haben wir bisher keine gefunden…) haben wir schliesslich entschieden, es eben wie die Einheimischen auch ohne Kindersitze zu probieren. Das war wohl, als müssten die Revierkämpfe auf dem Rücksitz neu ausgefochten werden. In die Sicherheitsgurte lässt sich schliesslich ziemlich weit zum Bruder herüberhangeln und diese Grenzen wurden beidseitig grosszügig ausgelotet.

Für die Zwillinge ist es auch ziemlich langweilig auf dem Rücksitz, sitzend sehen sie von der Höhe her kaum aus dem Fenster. Wir werden für die weiteren Fahrten eine Art «Sitz-Aufsatz» bauen. Von Kuala Lumpur bis nach Melakka haben Nicola und Alexis sowieso nicht viel verpasst. Die einzige Abwechslung bot ein überfahrener Affe. Ansonsten war die 150km-Autobahnstrecke fast nur gesäumt von Ölpalmen-Plantagen soweit das Auge reicht. Das Palmöl-Business oder eher die Rodung des Regenwaldes für die Ölpalmen-Plantagen hat uns bereits auf der letzten Reise sehr beschäftigt (siehe Im Dschungel Am Kinabatangan River) – damals ebenfalls in Malaysia auf Borneo. Auf dem malaysischen Festland scheint es noch extremer zu sein.

Unser Miet-Toyota bleibt nun erst einmal ein paar Tage auf dem Hotel-Parkplatz von Melakka stehen. In dieser Südmalaysischen Stadt feiern wir nämlich Neujahr.

Wir haben den Durchblick mit den sauberen Scheiben: Miriam Patrick Nicola Alexis

Eine noch unbekannte Grossstadt zu zweit zu erkunden, ist anstrengend. Eine noch unbekannte Grossstadt zu zweit mit zwei vierjährigen Kindern zu erkunden, ist aaaaaanstrengend! Da ist die Haupt- und Millionenstadt Malaysias keine Ausnahme. Aber alles der Reihe nach.

Von Katanoi in Thailand mussten wir früh los, um 6 Uhr waren wir bereits am Flughafen von Phuket, Pünktlich um 8 Uhr ging es mit einer gut gefüllten Air Asia-Maschine (Airbus A320) in 1 Stunde 15 Minuten Richtung Süden bis nach Kuala Lumpur. Alexis und Nicola waren enttäuscht wegen des fehlenden Entertainment-Systems, aber diese kurze Flugzeit konnten wir soweit gut mit Selbstunterhaltung überbrücken. Die wahre Herausforderung mit dem 11-Stunden-Billigflug mit Air Asia nach Neuseeland steht uns erst noch bevor…

Vom Flughafen in Kuala Lumpur ging es mit dem Taxi auf einer stündigen Fahrt mitten in die City. Alexis und Nicola haben die vorbeiziehenden Ölpalm-Plantagen und Hochhausbaustellen verschlafen und sind erst bei Ankunft vor dem Hotel Impiana aufgewacht. In diesem 14-stöckigen Hotel-Block hatten wir bereits im Vorfeld ein Zimmer mit Bad reserviert. Mit ziemlich engen Platzverhältnissen, stellten wir vor Ort fest. Warum allerdings ein pompöser Schreibtisch im Zimmer ebenso viel Platz einnimmt wie ein Doppelbett und es in dem Zimmer insgesamt drei Telefonanschlüsse gibt (einer davon direkt neben der Toilette…mit Lautsprecherfunktion!), war uns ein Rätsel. Hinter den riesigen Schreibtisch haben wir schliesslich noch ein Zusatzbett stellen lassen, wo Nicola (bewegt sich und «rangget» nachts immer) geschlafen hat. Im Doppelbett fanden Patrick und ich mit Alexis (liegt nachts sehr ruhig) in der Mitte Platz.

Ein Highlight war sicher der Infinity Pool im 4. Stock mit Sicht auf die Petronas Towers. Die Petronas Towers mit ihren 452m Höhe galten von ihrer Fertigstellung 1998 bis 2004 als höchstes Gebäude der Welt. Inzwischen wurden sie aber längst überholt von chinesischen und arabischen Bauwerken. Den Zwillingen ist das so lang wie breit: im Pool waren wir jeden Tag anzutreffen. Nicola hat seinen Hundeschwumm perfektioniert und Alexis paddelt inzwischen mit einem Flügeli munter drauf los.

Das Wetter während unserer drei Tage in Kuala Lumpur war tropisch warm, wobei sich die Luftfeuchtigkeit täglich nachmittags zum Regen staute und sich in einem Gewitter entlud. Der tropischen Hitze kann man in Kuala Lumpur sowieso problemlos entkommen, denn die grossen Hotel-Blocks, Büro- und Appartment-Gebäude sowie die riesigen Shopping Malls sind durch ein überirdisches, klimatisiertes Gangsystem miteinander verbunden. Von unserem Hotel aus konnten wir durch diese klimatisierten Gänge in diverse mehrstöckige Shopping Malls gelangen, ohne je an die frische Luft gekommen zu sein. Die Shopping Malls sind DAS Freizeitvergnügen der Städter schlechthin, dort scheint sich die ganze Stadtbevölkerung zu konzentrieren. Für uns waren diese mit eher teuren Marken-Läden ausgestatteten Malls einfach nur gigantisch und faszinierend mit dem kitschigen Weihnachtstreiben. Aber auch sehr anstrengend mit Alexis und Nicola in einer so grossen Menschenmenge, ist doch jeder animierte Bildschirm eine Ablenkung. Und davon gab es reichlich. Dann wieder Hunger, Durst, dringend Toilette, Prügelei mit dem Bruder, mag gar nicht mehr laufen… WO IST DAS KIND?!? Ausserdem hat diese von meiner Arbeit bedingte Hygiene-Schulung bei mir wohl eine gewisse Bakterien-Paranoia hinterlassen. Irgendwann habe ich aber dann das «nicht anfassen», «nicht aufheben», «nicht mit dem Mund berühren» aufgegeben, sonst wären wir nonstop nur am Kommandieren gewesen. Ach ja, und 20-minütige Trotzanfälle wegen Schuhe nicht anziehen wollen, gehen übrigens auch bei der Auswahl von nur zwei Paar Schuhen.

Kaum waren wir jeweils zum Ausruhen zurück im Hotelzimmer, reichte die Energie dann trotzdem noch sehr gut zum auf dem Bett herumtoben. Wir haben uns auch in die grosse Parkanlage mitten im Stadtzentrum zurückgezogen (sofern man im Zentrum einer Millionenstadt von Rückzug sprechen kann), wo Alexis und Nicola den grossen Spielplatz oder den offenen Plansch-Pool unsicher machen konnten. Bis wieder das tägliche Gewitter aufzog.

Sightseeing in Kuala Lumpur war mit den Zwillingen nur beschränkt möglich, aber das war auch nicht unser Ziel. Der Aufstieg zu den Petronas Towers war uns zu teuer (110 CHF). Stattdessen haben wir für die Hälfte das KL Aquarium besucht, das nur ein paar Gehminuten von unserem Hotel entfernt lag. Besonders gefallen hat uns dort das Tunnel-Aquarium, durch das Besucher auf einem Förderband stehend «durchgeschleust» wurden. Über uns schwammen unter anderem Adlerrochen, Ammenhaie und Karettschildkröten. Das Highlight für Nicola als Hai-Fan war allerdings das Becken mit einem zahmen Leopardenhai, den er kaum mehr aufhören wollte zu streicheln.

Malaysia gilt als Schmelztiegel der Kulturen und das bildet sich auch im Essensangebot ab. Zwei Mal waren wir japanisch essen (Sushi, Ramen), einmal nepalesisch (Momos), dann auch mal bei Starbucks frühstücken und zum Mittagessen beim gelben M. Patrick und die Zwillinge hauten genüsslich Burger, Chicken Nuggets und Pommes rein. Ich brachte das Bild der offenen Beinwunde eines Bettlers nicht aus dem Kopf und der Appetit war mir dadurch für eine Weile vergangen. Am letzten Abend gab es doch noch malaysische Küche: Nasi Lemak (Reis mit Poulet, Gurkenscheiben, getrocknete Sardellen, geröstete Erdnüsse, hartgekochten Eiern und reichlich scharfem Sambal). Für umgerechnet 7 CHF wurden wir vier gut satt.

Morgen holen wir unser Mietauto ab und freuen uns, fortan den grossen Menschenmassen wieder etwas zu entkommen und auf selbständige, individuelle Pfade bzw. Strassen zu gelangen. Das hoffen wir zumindest, mal sehen, wie gut wir uns in die malaysische Fahrweise mit dem Linksverkehr einfügen. Immerhin ist die malaysische Sprache in Lateinschrift und die Schilder somit für uns lesbar.

Angestrengt von der Grossstadt: Miriam Patrick Nicola Alexis