Ha Long Bay und Lan Ha Bay

Die fast 2000 Kalksteininseln, die in der Ha Long Bay aus dem Meer ragen, waren ein weiteres Fernweh-Reiseziel von uns. Auf einer viertägigen Schiff- und Inseltour sind wir in der Halong- und in der Lanha-Bucht auf Entdeckungstour gegangen.

Von Ha Noi hat uns ein Bus in vier Stunden bis zum Hafen unweit von Ha Long City gefahren, wo an die hundert Cruise-Boote vor Anker liegen. Viele Touristen unternehmen Tages-Rundfahrten in der Halong-Bucht. Doch wir hatten eine Übernachtung auf dem Imperial Legend Cruise Boat gebucht, einem 3-Stern-Kreuzfahrtschiff für maximal 20 Gäste. Uns gehörte eine Kabine mit einem Doppel- und einem Einzelbett sowie eigenem Badezimmer.

Mini-Kreuzfahrt in der Ha Long Bay

Auf dem Boot hielten wir uns aber meistens auf Deck auf, schliesslich waren wir der Landschaft wegen dort. Nicola und Alexis fanden die Kulisse mit den Kalksteinfelsen nicht allzu spannend. Sie hatten das Deck schnell zu ihrer persönlichen Kampf-Arena erklärt. Für Mama und Papa hiess das, Friedensrichter zu spielen oder zumindest Schadensbegrenzer und früher oder später auch einmal Tröster zu sein, statt gemütlich Cocktail-schlürfend die bizarren Formen der Kalksteininseln zu bewundern und die Gedanken schweifen zu lassen.

Bei der Besichtigung der Sung Sot Cave (Surprising Cave) waren wir froh, verstand zwischen dem Russisch, Chinesisch, Englisch und Französisch niemand Schweizerdeutsch, um das Geplapper unserer Kinder von fliegenden Fäusten, Schlägen, Gewehren und Löcher im Bauch richtig einzuordnen. Die Höhle selber war sehr beeindruckend, wie sie sich in immer grössere Kammern öffnete und mit den beleuchteten Stalaktiten und Stalagmiten wie ein riesiges unterirdisches Theater wirkte. Wobei die Menschenmassen, die sich entlang der schmalen Treppen drängelten, den Zauber des Ortes schon auch geschmälert hatten.

Ebenso auf der Ti Top Island, auf der über eine steile Treppe eine Aussichtsplattform erreicht werden konnte, die eine wunderschöne Sicht auf die Halong-Bucht – wenn auch voller Boote – offenbarte. Am Sandstrand der Insel konnte man auch Baden und Alexis zeigte seine neu erworbenen Schwimmkünste zum ersten Mal im Meer zusammen mit Papi. Nicola empfand das Wasser als zu kalt. Und spätestens als wir den einen oder anderen Bader mit Quallen-Verletzungen sahen, liessen wir das Baden ganz bleiben.

Auf der Mini-Kreuzfahrt durften wir am Abend mit der Crew nach Tintenfischen angeln. Uns ging allerdings kein Tintenfisch an den Haken, aber die Vietnamesen hatten den einen oder anderen rausgezogen. Alexis und Nicola begannen mangels Action an der Bambus-Angel bald einmal nach Plastik zu angeln. Denn Müll schwimmt leider in der Halong-Bucht ziemlich viel vorbei. Als die Kinder dann auf dem schaukelnden Schiff später bald einmal eingeschlafen waren, gönnten Patrick und ich uns auf Deck doch noch den einen oder anderen Cocktail in ruhiger, friedlicher Atmosphäre mit Sicht auf die Lichter der anderen Schiffe und auf den Mond und einzelne Sterne. Herrlich!

Bungalow in der Lan Ha Bay

Am zweiten Tag holte uns ein kleineres Schiff ab und brachte uns in die Lan Ha Bay vorbei an Floating Villages mit schwimmenden Fischfarmen. Eingebettet auf einer Kalksteininsel mit Sandstrand liegt das Cat Nam Resort. Dort hatten wir für zwei Nächte ein Bungalow gebucht und die Zwillinge konnten wieder einmal nach Herzenslust im Sand buddeln (und sich kämpfend darin wälzen…), nach Krebsen jagen (und mit Steinen erschlagen…) und mit Stöcken herumstochern (und damit auf einander losgehen…). Auch eine angeschwemmte Qualle sorgte für Aufregung und weitere Abenteuer-Fantasien. Bei Ebbe konnten wir bis auf die unbewohnte Nachbars-Insel laufen und mit angeschwemmter Fischerschnur hatten wir schnell zwei Angeln gebastelt und Korallenstücke angebunden.

Das Essen auf dem Schiff wie auch im Cat Nam Resort war hervorragend. Uns hat besonders der fangfrische Sea Food geschmeckt. Gebackene Krabbe, Fisch an einer Koriander-Sauce, Tintenfisch oder Krevetten frisch vom Grill, gebackene Austern… Gaumenfreuden in Mengen, so viel wir wollten. Da konnte sogar der Nimmersatt Alexis seinen Hunger stillen und Nicola entdeckte neben Reis und Pommes Frites auch den Genuss einer frischen Auster.

Mit neuen Eindrücken von einer einmalig schönen Landschaft sind wir per Boot und ab dem Hafen wieder mit dem Bus nach Ha Noi zurückgekehrt. Am Samstag verlassen wir das schöne Vietnam, das uns positiv überrascht und sehr gut gefallen hat, schon wieder. Unser Weiterflug nach Laos, Luang Prabang, ist gebucht.

Plan-Änderung für die Weiterreise

Dadurch, dass die Mini-Kreuzfahrt in der Ha Long Bay mit unseren Kindern nicht wirklich entspannend war, werden wir unsere weiteren Reisepläne etwas anpassen. Wir hätten eigentlich vorgehabt, Laos über den Landweg wieder zu verlassen und dafür während zwei Tagen mit dem Slow Boat den Mekong hinauf zu gondeln.

Aber zwei Tage auf einem nur mit Holzbänken ausgestatteten, meist überbuchten Boot unsere Kinder zu bespassen und auf sie aufzupassen, so dass sie in ihrem Bewegungsdrang nicht über Bord gehen, ist für uns alle zu anstrengend. Ganz zu schweigen von der Ungewissheit einer Grenzüberquerung auf dem Landweg. Also werden wir wohl dann fliegen. Nach Thailand wahrscheinlich und dann weiter nach Myanmar, we will see.

Gebucht ist mittlerweile der Heimflug in die Schweiz: am Sonntag, 28. Mai 2017 werden wir ab Bangkok nach Zürich fliegen. Nicht mit einem Null-Service-Billigflug, sondern schön national-stolz mit Swiss mit einem kompletten Entertainment-Paket. Die Zwillinge freuen sich am meisten darauf.

Bye bye Vietnam, see you again one day! Miriam Patrick Nicola Alexis

Mit (unseren) Kindern unterwegs in Vietnam

Unsere Zwillinge sind auch nach vier Monaten noch nicht reise-müde. Noch kein einziges Mal, seit wir unterwegs sind, hat einer von ihnen geweint aus Heimweh. Klar, sie vermissen die Oma und das Hatice-Huhn und andere nahe Menschen und Tiere. Aber vom Heimflug und erst recht vom beginnenden Kindergarten im August wollen beide noch gar nichts hören.

Zurück in Asien sonnen sich die beiden Vierjährigen wieder in voller Aufmerksamkeit der Einheimischen. Auch in Vietnam begleiteten uns Rufe des Entzückens durch die Strassen, auf Märkten wurden die Zwillinge von den Marktfrauen angefasst, an sich gezehrt, gedrückt und mit Knabbereien beschenkt. Nicola hatte daraufhin die Unart angefangen, beim Vorbeilaufen auch andere Leute einfach anzufassen oder in den Hintern oder den Bauch zu pieksen (was Asiaten ganz lustig finden, Gringo-Touristen aber ganz und gar nicht). Auf unseren Tadel hin meinte er, das würden die anderen ja mit ihm auch machen. Diese Logik ist natürlich nachvollziehbar.

Nicht nur in Vietnam, sondern auch in den anderen asiatischen Ländern scheint es Gang und Gäbe, die eigenen kleinen Kinder mit zur Arbeit ins Restaurant, ins Hotel oder auf den Markt mitzunehmen und mit einem Handy oder einem Tablet zu beschäftigen. Die Kinder klicken sich dann stundenlang durch irgendwelche mehr oder eher weniger kinder-gerechte Sendungen. Was Nicola und Alexis natürlich sofort auch spannend fanden und sich jeweils unaufgefordert neben die einheimischen Kinder stellten.

Nicola und Alexis haben nun auch gelernt, die Aufmerksamkeit der Erwachsenen für sich zu nutzen. Und zwar, indem sie sich neben die Vietnamesen, die meistens auch am Handy herumspielten, stellten mit den Worten «Can I watch a movie, please?» und schon gewannen sie Kontrolle über deren Handy. So liess sich Nicola noch so gerne in die Wange kneifen und auch Alexis beklagte sich nicht, wenn ihm über die blonden Haare gestreichelt wurde. Uns als vergleichsweise strikte Eltern bezüglich Medienkonsum der Kinder passte das natürlich gar nicht. Vor allem, wenn dann beim zweiten Hinschauen ein paar Minuten später statt des besprochenen Tom & Jerry-Cartoons irgendwelche Ballerfilme über den kleinen Bildschirm flimmerten. Aber dieses Thema wird uns wohl auf der Reise und auch darüber hinaus noch länger beschäftigen.

Im Norden Vietnams herrschen übrigens um diese Jahreszeit sehr angenehme Temperaturen um die 20°C, in der Bergregion noch kühler. Nach den 30-40°C in Kambodscha war das auch mit Kindern wieder einmal ganz angenehm und der Tag musste nicht um die Mittagshitze herumgeplant werden.

Noch eine kleine Anekdote zum Schluss: Wie in den Nachbarländern stehen auch in Vietnam in vielen Häusern und Geschäften kleine tempelartige Geisterhäuser, vor denen meist besonders wertvolle und feine Opfergaben liegen, um die Geister zu besänftigen. Für Nicola und Alexis war es jeweils unverständlich, wieso die Geister stapelweise Cola-Büchsen bekommen sollten. «De Buddha söus ned gäh», meinte Alexis sogar einmal mit Schmollmund. «De Buddha het jo vöu zvöu ond duet ned guet teile. Mer hätte vöu meh Fröid amene Goggi!» Bis eine Religion oder ein Geisterkult verstanden wird, kann es noch dauern. Falls dieser Prozess überhaupt je abgeschlossen ist im Leben.

Aus der Apotheke gebraucht haben wir:

  • Merfen-Spray zum Desinfiszieren von Schnitten im Fuss durch Austern

Aus dem Reisealltag

Am Morgen
Alexis: Weni ide Nacht ame öppis vo mer tröime, esch de Nicola ou emmer i mim Troum debi.

Am Abend
Alexis: De Nico söus ned gäh, so dass du nome no met mer duesch schmuse!
Miriam: Aber i schmuse jo ou met em Papi gärn.
Alexis: De söus de Papi ou ned gäh!
Miriam: Aber i schmuse doch so gärn! Met wem döfi de no schmuse?
Alexis: Met aune, wo du möchtisch schmuse, die söus ned gäh. Nome met mer söusch du schmuse!

Beim Frühstück
Miriam: Was esch de das Wiisse uf dim Täuer?
Alexis: Kakerlaki.
Miriam: Was esch de Kakerlaki?
Alexis: Das Gmües, wo mer dehei ou scho im Hochbeet händ gha met em Salot.
Miriam: Aha, meinsch du Kohlrabi?
Alexis: Jo genau!

Beim Wandern in der Ha Long Bay
Deutscher Tourist: Ist das anstrengend! Ist es noch weit bis nach oben?
Nicola: Nein, nein, du bist gleich doben!

Am Nachtmarkt
Alexis: Das T-Shirt gfaut mer! (hält es vor sich hin) Ond es würd mer ou passe.
Nicola (an die Verkäuferin gewandt): How much is this?
Verkäuferin (lacht): one hundred thousand.
Nicola: Mami, esch das guet?
Miriam: Nei, das esch vöu ztüür.
Nicola (überlegt, dann wieder an die Verkäuferin gewandt): fifty!
Verkäuferin (lacht noch mehr): No, cannot!
Nicola (dreht sich weg und zieht Alexis mit): Bye bye!

Im Hotel
Patrick: Was händ ehr gluegt be dem Ma ufem Handy?
Alexis: De Verdammte.
Patrick: Was esch das, de Verdammte?
Alexis: Du seisch doch ame, das esch e Verdammte. E verdammte Mischt!

Im Hotel
Miriam: So, gömer jetzt is Bett?
Nicola: Mer müend zersch no aui öisi Waffe zämesammle.
Alexis: Ersch nach öisem Kampf chöne mer is Bett.
Miriam: Ich wünsche mir Weltfrieden…

Bergregion rund um Lao Cai – Sa Pa – Ta Van

Inmitten malerischer Landschaft mit weidenden Wasserbüffeln in den terrassierten Reisfeldern: dort haben wir fast eine Woche verbracht.

Von Ha Noi aus sind wir mit dem Nachtzug die 350 km in den Norden bis nach Lao Cai an der chinesischen Grenze gefahren. In diesem engen, aber kuscheligen 4er-Zugabteil fühlten wir uns sofort daheim. Zwar waren die Betten bretthart, aber das sanfte Ruckeln während der Zugfahrt wiegte die Kinder wie auch uns Grosse schnell in den Schlaf. Für Patrick und mich wurden wieder Erinnerungen an die Transsib-Reise vor bald sieben Jahren wach. Relativ gut ausgeschlafen trafen wir am nächsten Morgen früh in Lao Cai ein. In weiser Voraussicht hatten wir noch in Ha Noi für die Zwillinge Daunenjacken gekauft (of course original «The North Face» für umgerechnet 13 CHF). Es herrschten knapp über 10 °C und auch in den folgenden Tagen wurde es nie mehr als 20°C warm.

Ein Taxi brachte uns in einer weiteren Stunde Fahrt bis nach Sa Pa, einem ziemlich touristischen Städtchen, wo man sich noch einmal mit warmen Regenkleidern ausstatten kann, bevor man auf ein mehrtägiges Trekking startet. Denn dafür ist die Region in Nordvietnam bekannt, für Trekkings. Der höchste Berg Vietnams, der Fansipan, befindet sich ebenfalls in dieser Region. Während unserem Aufenthalt blieb der Gipfel allerdings immer hinter einer dichten Nebelschicht versteckt.

Mit den Kindern waren natürlich Wanderungen von durchschnittlich 15 Kilometer nicht möglich. Um trotzdem das authentische Dorfleben in den Bergregionen mit den ethnischen Minderheiten kennenzulernen, haben wir uns für ein Homestay in so einem Dorf entschieden. In Ta Van wohnten wir bei einer Familie im Anh Duc Homestay. Wir hatten zwar unser eigenes Bungalow im Garten, genossen aber sämtliche Mahlzeiten zusammen mit der Familie. Wobei bis zum Schluss nicht ganz klar war, wer nun genau die Schwestern, Brüder, Cousinen, Tanten, Grossvater und so weiter sind, weil jeden Tag wieder andere Gäste mit am Tisch sassen.

Ebenfalls mit uns im Homestay waren die junge Briten Luke, Tom und Luke, die mit dem Motorrad einen Road Trip durch Vietnam machen. Nach dem ausgezeichneten Family Dinner am Abend floss jeweils der Reiswein reichlich. Und die Briten sahen wir am nächsten Morgen selten vor dem Mittag, wo sie unserer Gastgeberin Ngyen und ihren Cousinen mitteilten, ihre Abreise um einen weiteren Tag zu verschieben.

In der Bergregion in Nordvietnam leben verschiedene etnische Minderheiten wie die Hmong, die Giay, die Tay oder die Dao. Die Lebensbedingungen dieser Minoritäten sind hart und mit dem Anbau von Reis oder dem Halten einiger Tiere erwirtschaften sie oftmals gerade genug, um mit ihrer Familie in einer Bambushütte zu überleben. Mittlerweile ist der Tourismus eine neue und gute Einkommensquelle geworden. Die Frauen sticken Täschchen, weben Schals, färben Tücher und fertigen Silberschmuck, den sie dann als Souvenirs versuchen zu verkaufen. Egal, wohin man geht, sofort sind ein paar freundlichen Frauen und lachenden Mädchen in traditioneller Kleidung da und begleiten einem. Mit Gesprächen wollen sie ihr Englisch aufbessern und natürlich gerne ihre Produkte an den Mann oder die Frau bringen.

Wenn es gerade nicht regnete und der manchmal sehr dichte Nebel mehr als fünf Meter Sicht zuliess, unternahmen wir Wanderungen in die Umgebung, durch Schlammwege entlang der Reisterrassenfelder, über steinige Pfade durch Bambuswälder zu Wasserfällen. Natürlich auch da sofort wieder in Begleitung der traditionellen Frauen, die aus Zweigen für die Kinder kleine Tierchen falteten oder die Zwillinge auch über Matschpfützen trugen. Und deren Männer, die aussahen wie kleine Jungen und uns mit dem Motorrad in halsbrecherischem Tempo wieder nach Ta Van in unseren Homestay zurückfuhren.

Auch waren wir an einem Tag selber mit zwei Scootern unterwegs, die Jungs dick eingepackt in der Regenkleidung und einem Helm, der gut sass. Da war es für Patrick oder mich schon schwieriger, einen genug grossen Helm zu finden. Wir sind über Schotterstrassen geholpert, um Schlaglöcher herumgekurvt und haben ziemlich Kilometer zurückgelegt. Sprichwörtlich bis uns das Benzin ausging, zwei Mal (die Tankanzeige funktionierte nicht). Aber zum Glück sind entlang des Weges immer wieder improvisierte Tankstellen zu finden, d.h. ein paar Pet-Flaschen mit gepanschtem Treibstoff. Und weiter ging die rasante Fahrt.

Nicola und Alexis waren natürlich immer besonders erfreut, wenn wir auf Wasserbüffel trafen. Auch dass lebendige Hühner einfach am Töff angebunden oder ein Schwein auf den gebastelten Gepäckträger geschnallt wurden, war genug zum Staunen. Das authentischen Dorfleben eben.

Für die Zwillinge war es auch eine Freude, konnten sie sich wieder einmal richtig eindrecken, klettern, Bäche stauen und mit ihren Taschenmessern schnitzen. Wobei wir sie immer im Auge hatten. Und wenn nicht, dann waren es nur ein paar Minuten. Der mit Schweizer Taschenmessern gefällte Papaya-Baum in Nachbars Garten war zum Glück kein Grund zum Nachbarschaftsstreit mit unserer Homestay-Familie. Im Gegenteil, die lokale Bevölkerung war richtig erfreut über unsere Kinder, «like Vietnamese children». Nur wenn ab und zu eine touristische Trekking-Gruppe durch das Dorf pilgerte und unsere Kinder ohne verantwortungsbewussten Erwachsenen zwei Meter daneben auf einem Felsen herumklettern sah, brach bei denen kurz Aufregung aus.

Nach einem herzlichen Abschied von unserer Homestay-Familie und den drei Briten (die sind immer noch geblieben…) ging es über Sa Pa und Lao Cai mit dem Nachtzug wieder zurück nach Ha Noi. Mit eigentlich viel zu vielen gestickten Täschchen, Armbänder, Schlüsselanhängern dabei. Aber es ist ja zur Unterstützung der lokalen Bevölkerung.

Um eine weitere schöne Erfahrung und einige Souvenirs reicher: Miriam Patrick Nicola Alexis

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Ha Noi

In einer noch unbekannten Grossstadt zu einer Unzeit anzukommen und unmotiviert mitten auf der Strasse ausgesetzt werden, ist auf Reisen eigentlich schon zu zweit eine Stresssituation. Und mit kleinen Kindern erst recht. Es ist aber zum Glück auch diesmal alles gut gegangen. Und die folgenden Tage konnten wir Ha Noi noch bei Tageslicht erkunden und fanden alle vier Gefallen an der vietnamesischen Hauptstadt.

Insbesondere das Old Quarter hatte es uns angetan. Wir wohnten mitten in diesem charmanten Altstadtviertel, wo wir uns gemütlich mit der Fahrradrikscha durch das Gedränge von Scootern und Autos chauffieren liessen oder aber zu Fuss auf Erkundigungstour waren. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen. Zwar sind ziemlich breite Trottoirs vorhanden, aber dort sitzen die Einheimischen auf Miniaturstühlchen beim Tee oder aber Scooters sind parkiert. Die Häuser sind so eng gebaut, dafür schier unendlich tief, wie Blicke in schmale Gänge offenbarten.

An einigen Strassen werden nur Bambusleitern verkauft, an anderen wiederum Textilien, wieder eine Strasse weiter sind die Scooter-Werkstätten – alles strikt getrennt und spezialisiert. Laden nur mit Knöpfen wechseln sich mit Ständen voller Reissverschlüsse ab. Auch sämtliche Markenlabels zum selber auf- oder annähen sind erwerblich. Oder gleich die in Vietnam hergestellten Markentextilien zu einem Spottpreis. Garküchen zeichnen das Strassenbild sowie Händlerinnen mit den für Vietnam typischen Spitzhüten, die Früchte, Blumen oder Gebäck zum Kauf anbieten.

Nicola und Alexis standen mit glänzenden Augen vor den Läden voller billiger chinesischer Spielzeuge, so dass wir uns doch noch zu einer Superman- und einer Batman-Figur haben hinreissen lassen. Unsere Jungs unterziehen sicher jedes Spielzeug einer ziemlichen Belastungsprobe, aber dass die Figuren keine 24 Stunden gehalten haben, spricht wirklich nur für Ramsch. Jänu.

Wir waren auf dem Kleidermarkt, um Hosen der immer grösser werdenden Zwillinge zu ersetzen. Auf den Stoffbergen werden Mittagsschläfchen gehalten oder direkt daneben vom Handy Karaoke abgelesen und lauthals gesungen. Für Unterhaltung bei den Kindern, während wir durch die Shirt- und Hosenberge wühlten, war gesorgt. Eigentlich hatten wir in Kambodscha schon ziemlich viel an Souvenirs und Kleidern eingekauft, aber in Vietnam wird wohl nochmals einiges dazu kommen. Mit der Bestätigung aus der Heimat, dass inzwischen auch die zwei aus Malaysia geschickten Pakete heil angekommen seien, sind wir guter Dinge mit der Paketpost aus Asien. Bevor wir Vietnam verlassen, wird noch einmal eine grosse Box gefüllt und abgeschickt.

Meinen Geburtstag haben wir auch in Ha Noi gefeiert, vielen Dank für die vielen Glückwünsche von überall her. Auch an jenem Morgen sind wir im Altstadtviertel herumspaziert und am Nachmittag hatte ich eine Spa-Auszeit für mich alleine mit einer Gesichtsbehandlung und einer Hot Stone Massage. Patrick war diesmal besonders grosszügig mit seinem Geschenk: fast 1 Million vietnamesische Dong hatte er beim Spa für mich springen lassen. Umgerechnet heisst das, die 3-stündige Behandlung hat 40 CHF gekostet 😉. Als Geburtstagskuchen musste dieses Jahr ein Snickers reichen.

In Vietnam bleiben wir insgesamt zwei Wochen und die Tage in Ha Noi haben wir dazu genutzt, für diese Zeit in Nordvietnam ein nicht allzu straffes Programm aufzustellen und die Transporte, Unterkünfte etc. zu organisieren. Einmal geht es nördlich von Ha Noi, dann kurz wieder in die Hauptstadt, danach noch etwas südlich, bevor wir wieder von Ha Noi aus das Land verlassen.

Wir freuen uns auf alle unsere Vietnam-Abenteuer: Miriam Patrick Nicola Alexis

Reise von Phnom Penh nach Hanoi

Kambodscha wollte uns offenbar nicht so bald gehen lassen. Aber wir haben es schliesslich doch noch nach Vietnam geschafft. Über diese abenteuerliche Weiterreise berichten wir hier etwas ausführlicher.

Per Flugzeug

Eigentlich wäre es ganz einfach gewesen: ein Flug von Phnom Penh um 16.05 Uhr mit Zwischenstopp in Siem Reap und planmässige Ankunft in Hanoi um 19.30 Uhr, von wo uns der vorbestellte Fahrer ins reservierte Hotel in der Altstadt bringen sollte, pünktlich zu einem ersten vietnamesischen Znacht. Soweit der Plan. Es sollte anders kommen.

Als uns am Flughafen von Phnom Penh mitgeteilt wurde, wir sollten trotz gleicher Airline in Sieam Reap das Flugzeug wechseln und nochmals mit dem ganzen Gepäck neu einchecken, dachten wir schon: reicht dafür die eine Stunde Zwischenlandung? Aber bei der Cambodia Angkor Air konnten wir offenbar froh sein, wenn das Flugzeug überhaupt abhebt, den andere ihrer Flüge waren gecancelt worden.

Wir hoben ab in die Luft, allerdings mit anderthalbstündiger Verspätung erst um 17:30 Uhr. An Bord versicherte man uns, den Anschluss in Sieam Reap würden wir trotzdem erwischen, schliesslich sei es ja die gleiche Airline. Unser Gepäck werde mit Priority schnell abgehandelt und man würde uns gleich in Empfang nehmen und ans internationale Terminal für den Weiterflug nach Vietnam eskortieren.

Natürlich lagen unsere Rucksäcke längst nicht als erste auf dem Gepäckband und auf uns wartete auch niemand. Also selber das Gepäck und die Jungs auf einen Wagen geladen und im Eiltempo ans internationale Terminal gerannt. Um festzustellen, dass unser Flieger nach Hanoi – surprise, surprise – längst abgeflogen war. Und nun?

Wir fragten uns am Flughafen von Siem Reap selber durch und schafften es schliesslich sogar, unser Ticket der Cambodia Angkor Air umzuwandeln in ein Ticket der Vietnam Airlines, die an jenem Abend ebenfalls noch nach Ha Noi flogen. Dafür musste ich lediglich ein Dokument unterschreiben: eine Verzichtserklärung auf eine on-board-Mahlzeit. Eigenartig. Zumal es dann für uns alle doch noch etwas zu Essen gab, als wir in der halbleeren Maschine nach Ha Noi sassen. Zum Glück, Alexis wäre sonst nach eigenen Angaben verhungert, bekommt er doch immer so wenig zu Essen. Mittlerweile war es spät und die Zwillinge schliefen schon im Flugzeug eine Runde.

Im Taxi

Am Flughafen in Ha Noi angekommen, hatten wir nach Vorzeigen unseres online beantragten Invitation Letters und Entrichten von 25 US-Dollars pro Person die Visa für Vietnam in der Tasche. Durch den Zoll kamen wir schnell und unser Gepäck war auch vollzählig. Mit 3-stündiger Verspätung konnten wir allerdings nicht mehr erwarten, dass unser zum Abholen bestellte Fahrer immer noch ausharrte. Und so reihten wir uns in die Schlange der offiziellen Taxi-Geselschaft ein und es konnte losgehen Richtung Altstadt. Der schon ältere Fahrer sprach kein einziges Wort Englisch und Patrick lotste ihn mittels GPS auf unserem Handy zum Hotel, während Nicola und Alexis auf meinem Schoss eine halbe Stunde schliefen.

Dieser lange und anstrengende Reisetag hatte uns einiges an Nerven gekostet und wir waren froh, bald im Hotel zu sein. Doch was nun? Rund 1 km von unserem Hotel entfernt hielt das Taxi abrupt an und mit der Geste von verschränkten Armen und einem vietnamesischen Wortschwall gab uns der Taxi-Fahrer zu verstehen, er würde nun nicht mehr weiterfahren. Wir sollten den Betrag auf dem Taxometer bezahlen und aussteigen. Hier und jetzt, an einer Hauptstrasse voller Nachtleben.

Zu Fuss

So standen wir also nachts um 23 Uhr mit zwei grossen Rucksäcken, zwei Kinderrucksäcken, einem Handgepäck-Rucksack, einer schweren Souvenir-/Fress-Tasche und zwei weinenden Vierjährigen, die ebenfalls getragen werden wollten, in einer asiatischen Grossstadt am Strassenrand und wussten gar nicht recht, wie wir nun das Hotel finden sollten. Der Handy-Akku tendierte gegen Null. Was blieb uns also anderes übrig, als uns zu Fuss schwer beladen mit den heulenden Kindern an der Hand durch das Samstagabendgetümmel im Ausgangsviertel auf die Suche zu unserem Hotel zu machen? Das war einer dieser Down-Momente, wie es sie auch auch auf Reisen gibt. Momente des Zweifelns und des Hinterfragens, warum man sich so etwas eigentlich antut.

Aber solche Momente gehen zum Glück auch schnell wieder vorbei. Und meisten ergibt sich genau in solchen Momenten irgendetwas besonders Positives. Wir fragten uns also durch die Menge an Feiernden und Betrunkenen an der Bar Street und trafen zufällig auf einen Franzosen. Der wollte unser Hotel kennen und uns mit seinen Promille intus tatsächlich noch hinführen. Auch bestand er darauf, ein Kind zu tragen. Trotz seinem ziemlichen Alkoholpegel vertrauten wir seinen Worten und folgten ihm. Mit Nicola auf dem Arm und unter Gestöhne «mais c’est pas normal, il pèse une tonne!» schwankte der Franzose vor uns her und schliesslich erreichten wir das reservierte Old Town Hotel. Was für eine Erleichterung!

Um 23:59 Uhr lagen die Jungs im Bett in unserem grossen, ruhigen Zimmer und schliefen umgehend. Patrick und ich brauchten noch etwas länger, um den Tag zu verarbeiten und uns wieder positiv auf Vietnam einzustimmen.

Alles ist noch einmal gut gegangen! Miriam Patrick Nicola Alexis