Wir hatten den Auftrag, in vier Tagen ein Auto von Christchurch nach Auckland zurück zu bringen. Gefühlsmässig ging unsere Neuseeland-Zeit dadurch schon zu Ende, auch wenn uns nochmals vier Tage in Auckland blieben.

Ein paar Tage nach dem Erdbeben in Christchurch konnten wir doch noch telefonisch abklären, wo wir unseren Miet-Subaru abgeben und wo das Relocation-Auto abholen sollten. Die Filialen in der Nähe der Innenstadt waren geschlossen, wir wurden zum Flughafen umgeleitet, welcher 12 Kilometer vom Zentrum entfernt lag.

So haben wir vom eigentlichen Ausmass des Erdbebens, abgesehen von beschädigten Strassen und Brücken sowie Warnschilder auf dem Weg zum Flughafen, nichts gesehen. Auf eine fast beschämende Weise schön empfanden wir aber einen Regenbogen über Christchruch, den wir bei unserer Anfahrt erblickten – genau eine Woche nach dem verheerenden Erdbeben. Ein Symbol von Hoffnung für die Menschen im Stadtgebiet?

Wir holten zuerst das Relocation-Auto beim Vermieter Britz ab: ein Ford Falcon, 4 Liter, 6 Zylinder-Reihenmotor, weit über 200 PS und alles andere als sparsam im Verbrauch. Britz ist einer der grösseren Auto- und Campervan-Vermieter Neuseelands und die Autoübernahme forderte das Ausfüllen einiger Formularen, bevor wir uns auf den Weg machen konnten. Obwohl dieses Relocation-Angebot die Fährkosten beinhaltete und wir pro Tag nur 5 NZD als Miete zu bezahlen hatten, mussten wir jeweils beim Tanken leer schlucken. Immerhin lagen über 1000 Kilometer zwischen Christchurch und Auckland und ein Liter Benzin kostet um die 2.10 NZD, also ca. 1.45 CHF. Der Tank fasste 70 Liter. Autsch!

Auf einer Nebenstrasse luden wir unser ganzes Hab und Gut vom Subaru in den Ford und brachten den Subaru zurück zu Roadtrip Rentals. Dort gab es trotz dem abgewetzten Reifenprofil, der defekten Vorderbremse und einem durchgeschlagene Stossdämpfer kein Theater, sondern alles lief völlig unkompliziert und locker. Roadtrip Rentals ist wirklich zu empfehlen!

Von Christchurch aus folgten wir der Küstenstrasse bis nach Picton, wo wir am Abend die Interislander-Fähre gebucht hatten. Eine Pause lag zeitlich nicht drin. Lediglich um 12:51 Uhr hielten wir in der Nähe von Kenguru am Strassenrand, um mit zwei landesweiten Schweigeminuten den Opfern des Erdbebens in Christchurch zu gedenken.

Man hätte meinen können, ein Ford mit Jahrgang 2004 sei ein verlässliches Fahrzeug. In Picton liess sich jedoch die Beifahrertüre plötzlich nicht mehr schliessen. Mit einem Schraubenzieher hätte Patrick die Türe selber reparieren können, doch mit dem Schweizer Taschenmesser war nicht an alle Schrauben heranzukommen. Eine Garage aufzusuchen, lag zeitlich nicht drin, da wir unsere Fähr-Ticket nicht verfallen lassen wollten. So klebten wir die Tür zu und riefen aus einer Telefonzelle während der Fährfahrt die Pannenhilfe an. Diese versprach, bei unserer Ankunft in Wellington auf uns zu warten.

Die Fährfahrt dauerte rund drei Stunden und um 22 Uhr trafen wir schliesslich in Wellington ein. Kia Ora – Willkommen auf der Nordinsel! Bei beissendem Wind und schummriger Beleuchtung harrten wir am einsamen Hafen weitere anderthalb Stunden aus, bis die Pannenhilfe endlich eintraf. Der Kabelzug vom Türschloss war mit dem richtigen Werkzeug schnell wieder eingehängt. Das war offensichtlich nicht das erste Mal passiert, wie die deutlich sichtbaren Reparaturspuren bewiesen. Für uns ein wichtiges Detail, sonst hätten wir für den Schaden aufkommen müssen.

Von Neuseelands Hauptstadt Wellington haben wir ausser dem windigen Hafenareal nichts gesehen. Zu nächtlicher Stunde fuhren wir weiter bis zum nächsten DoC-Camp in der Nähe von Otaki, wo wir nach 1 Uhr nachts nicht einmal mehr das Zelt aufbauten, sondern sogleich im Auto schliefen.

Die limitierten Kilometer sowie die auf vier Tage beschränkte Zeit für die Rückführung des Fords liessen keinen Platz für Schlenker an die Küste oder abgelegene Gebiete. Wir waren gezwungen, dem State Highway 1 bis nach Auckland zu folgen. Vorbei am Tongariro Nationalpark kamen wir nicht einmal in den Genuss von der angeblich so schönen Vulkanlandschaft am Horizont. Die Temperaturen auf der Nordinsel waren zwar sowohl am Tag wie auch in der Nacht einige Grade wärmer, doch der Himmel zeigte sich während unserer Fahrt grau in grau und regnerisch.

Übernachtet haben wir ausserhalb von Taupo am Waikato, dem längsten Fluss Neuseelands. Dieser wird von mehreren heissen Quellen gespiesen und einen dieser Warmwasserbäche nutzten wir am nächsten Morgen zum Baden. 120 Kilometer vor Auckland schliefen wir in Huntly nochmals auf einem Campingplatz und am folgenden Tag brachten wir zuerst unser ganzes Gepäck ins Bamber House, unsere Unterkunft für die restlichen Tage in Auckland, bevor wir den Ford zur Mietstelle zurück brachten. Zu beanstanden gab es zum Glück nichts.

Die verbleibenden vier Tage in Auckland haben wir vor allem organisatorisch genutzt: Wäsche waschen, Camping-Ausrüstung sortieren, Paket bis aufs letzte Gramm ausnutzen und verschicken, Webseite updaten :-), Tickets ausdrucken, die ersten Tage in Südamerika planen und so weiter.

Das Stadtgebiet von Auckland ruht auf rund 60 erloschenen Vulkanen und vom Mount Eden, dem höchsten dieser einstigen Krater (193m), haben wir uns eine Übersicht über die doch recht grosse Stadt verschafft. Auckland ist eine multikulturelle Metropole mit 1,5 Millionen Einwohner. Hier leben mehr Polynesier als irgendwo sonst auf der Welt sowie ein grosser Prozentsatz Asiaten, wie wir bei unserem Spaziergang an die Queenstreet im Stadtzentrum schnell merken sollten. Teilweise kamen wir uns vor wie auf unserer Reiseroute zurückversetzt nach Japan oder China.

Einen sehr schönen Ausflug in die Waitakere Ranges hat uns Yvonne, die Cousine von Carlos, beschert. Mit einem Schweizer Vater (einem Käser) war sie selber schon mehrmals in unserer Heimat und wusste viele Anekdoten zu beiden Nationalitäten zu erzählen. Bei garstigem Wetter sind wir einem Wanderweg der Steilküste entlang gefolgt, haben uns in Piha bei Kaffee und heisser Schokolade aufgewärmt und am schwarzen, ethidiumbromidhaltigem Strand den Kopf geschüttelt über die Surfer, die sich dort mutig in die kalten Wellen wagten. Schade blieb uns nicht mehr Zeit mit Yvonne! Aber da wir noch kaum etwas von der Nordinsel gesehen haben, möchten wir eines Tages sowieso nochmals zurückkehren!

Auf Wiedersehen oder wie die Maori sagen würden: e noho ra!

Miriam y Patrick

3 Kommentare
  1. yo
    yo sagte:

    schade hattet ihr fast keine zeit mehr, den norden zu erkunden:( „das nächste mal“ klingt aber schon mal gut;-) tausend dank für alle eindrücke über neuseeland und vor allem für die wunderschönen bildern:)!!! ich wünsche euch eine wunderbare weiterreise nach chile – möchets guet:)!!! *knuddel*

  2. Gotti
    Gotti sagte:

    Habe eure homepage in NZ ein wenig vernachlässigt, Arbeit…. Ich wünsche euch guten Flug in die andere Richtung und auch für dort alles alles Gute. Liebste Grüsse

  3. myp
    myp sagte:

    Danke, Zwilling und Gotti! Gute Wünsche für den Flug können wir brauchen für diese lange Strecke: fast 11 Stunden bis nach Buenos Aires, dort 15 Stunden Aufenthalt, dann nochmals 4 Stunden bis nach Santiago de Chile. Aber dies war die günstigste Option. Patrick wäre lieber mit einem Frachter nach Südamerika gefahren :-/…
    Miriam

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