Ruhe, Sonne, Meer, ursprüngliche Natur mit vielen Tieren, liebe Menschen, tropische Früchte, kühles Bier, feines Essen, ein schönes, sauberes Cottage: was braucht man mehr, um sich auf den Philippinen wohlzufühlen?

Den Tagesrhythmus bestimmt die Sonne, die morgens zwischen fünf und sechs Uhr auf- und abends zwischen fünf uns sechs Uhr wieder untergeht. Die Temperatur bleibt konstant tropisch, unsere Jacken, Jeans, Merino-Kleidung, ja sogar die Schuhe ausser den Flipflops bleiben getrost verstaut. Momentan ist der Übergang von der Regen- in die Trockenzeit und fast täglich ziehen Gewitter über Palawan, für uns ein wahres Lichterschauspiel am Himmel, da es über den anderen Inseln viel mehr Regen gibt, während auf Chindonan weiter die Sonne scheint. Die Luftfeuchtigkeit ist hoch, wir mussten bereits einmal die Rucksäcke nass schrubben, weil sich nach zwei Wochen Herumstehen ein Pilz gebildet hatte.

Nach Sonnenuntergang sitzen wir am Pier, geniessen die abendliche Ruhe mit dem Tagebuch (Miriam), Mangoshake (Miriam) oder einem Bier (Patrick), bis wir schliesslich ans Dinner-Buffet gerufen werden. Obwohl wir die ersten Tage die einzigen Gäste im Chindonan Island Resort waren, wurde alles andere als auf Sparflamme gefahren. Lonas Ehemann Per ist ein begeisterter Hobbykoch und zaubert zusammen mit seiner einheimischen Küchenhilfe Rebecca jeden Abend ein wahres Festessen auf den Tisch. Nach unserer ersten Woche und mit zunehmender Gästeschar übernahm Amanda aus Coron die Rolle des Küchenchefs und ihre Kost steht der von Per in nichts nach.

Zum Dinner gehört immer eine Suppe als Vorspeise (unser Favorit: würzige Ingwer-Chili-Suppe), Reis in irgendeiner Variation sowie Kartoffeln, Karotten, Bohnen, Spinat, Aubergine, Bananenherz oder welches Gemüse gerade erhältlich ist auf dem lokalen Markt. Ausserdem immer ein Fleischgang mit nur den besten Stücken vom Rind, Schwein oder Huhn fein gewürzt mit entsprechender Sauce und ein Fischgang resp. Seafood wie Makrele, Tuna, Kalamari, Muscheln, Riesencrevetten oder unser Favorit Rocklobster-Schwänze. Alles natürlich frisch aus dem Meer und von all dem mehr als genug. Patrick war sich noch Tage später reuig, als eines Abends gar ein Hummer übrigblieb, weil wir uns schon so überessen hatten.

Wir lassen es uns wirklich gut gehen auf Chindonan und geniessen es sehr, sind wir nun eine Weile am gleichen Ort, können tagelang am Strand verweilen, auf der Insel herumwandern, den Dschungel erkundigen, im Meer paddeln, schnorcheln, tauchen, lesen, schreiben, Reiseeindrücke verarbeiten, über das Leben im Allgemeinen nachdenken. Fernseher und Internet gibt es nicht auf Chindonan Island, Handy-Empfang knapp, Strom über einen Generator jeweils während der Nacht, kein heisses Wasser, keine Klimaanlage.

Patrick ist tagsüber oft anzutreffen in der Hängematte unter den Palmen, wenn er nicht gerade versucht, sich mit stetem Barfuss laufen zusätzliche Hornhaut anzutrainieren oder mit der Machete eine Kokosnuss zu öffnen. Sein Ziel: „Bis wir wieder abreisen, klettere ich so flink auf die Palme wie die Einheimischen und hole mir die Kokosnuss selber!“ Miriam geniesst die Ruhe beim Lesen, Schreiben oder Flaggen-Aufnäher auf den Rucksack nähen auf der Cottage-Terrasse oder dem Pier.

Mit dem kleinen Paddel-Banca haben wir uns an einem Tag den Weg durch die Mangroven gebahnt in die Nachbarsbucht, wo die Einheimischen wohnen. Dort scheint die Zeit vor mehreren Jahrzehnten stehen geblieben zu sein. Einfache Behausungen, die Bildung liefert der Dschungel und das Überleben als Teil davon. Ehen werden noch von den Eltern arrangiert und als kürzlich einmal eine 13jährige ihr erstes Kind erwartete, berieten die Erwachsenen, dass der werdende Vater die werdende Mutter heiraten und der Familie der Braut zwei Säcke Reis und ein Schwein als Gegenleistung liefern musste.

Virgie, die im Chindonan Island Resort manchmal aushilft und gut Englisch spricht, hat uns bei den Einheimischen herumgeführt. Mit von der Partie waren auch immer eine Schar Kinder, fasziniert von unserer Körpergrösse und der hellen Hautfarbe und natürlich begeistert von den Süssigkeiten, die wir mitbrachten. Angeblich sehen sie nicht mehr als ein Mal im Jahr Weisse. Die Einheimischen luden uns stolz ein auf einen Becher Palmwein, dem süssen Saft von angeritzten Palmblüten, und strahlten uns dabei an mit mehr Lücken als Zähne, alles bereits angebräunt von den Tabak ähnlichen Blätter, die sie tagein, tagaus kauen.

Am Korallenriff in der Bucht direkt vor dem Chindonan Island Resort sind wir oft am Schnorcheln. Nebst den üblichen bunten Rifffischen wie beispielsweise Drücker-, Papageien- und Clownfische trafen wir vor allem auf viele Meeresschnecken (Nudibranch) und neben den Schildkröten Miriams neue Lieblingstiere unter Wasser: Seepferdchen! Gut getarnt im Seegras haben wir ein paar Anläufe gebraucht, um sie selber ausfindig zu machen. Obwohl das Berühren von Tieren unter Wasser normalerweise Tabu ist, wurde uns versichert, mit den Seepferdchen könne man unbesorgt spielen, solange man sie wieder an ihren ursprünglichen Platz zurücksetzt. Das muss man uns nicht zwei Mal sagen! Die Hand zum Seepferdchen ausgestreckt und sie kringeln ihr Schwänzchen um einen Finger und halten sich so fest. Herzallerliebst – man kann sie im wahrsten Sinne des Wortes „um den Finger wickeln“!

Auch an Land gibt es genug Tiere zu beobachten. Gleich am Tag unserer Ankunft kam eine fast 1 Meter lange Eidechse am Strand geschwommen und tappte schwerfällig in ihre Höhle in den Felsen. Auf der Terrasse unserer Cottage sahen wir eine Schlange im Dach verschwinden, auf der Jagd nach nach Geckos, die bei Einbruch der Dunkelheit an Lichtquellen den Insekten auflauern. Auf Chindonan gibt es nicht nur die kleinen Geckos, sondern jedes Cottage ist zugleich auch Revier von einem bis zu 30cm grossen, bunten Gecko, dem man die lauten „O-O“-Rufe gar nicht zutrauen würde. Scheue Papageien und andere bunte Vogelarten hören wir zu jeder Tageszeit und hoch oben in den Bäumen des Dschungels soll es auch Affen geben. Diese haben wir aber noch nicht zu Gesicht bekommen, dafür diejenigen auf der Nachbarinsel Sangat.

Ja, auf Chindonan Island gefällt es uns! Von den ursprünglichen reservierten drei Tagen haben wir auf eine Woche verlängert, dann auf zwei Wochen und schliesslich sind wir ganze vier Wochen geblieben.

Ausgeruht: Miriam y Patrick

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