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Eine Woche in der Gobi

Waren wir froh, wieder von Ulaan Baatar wegzukommen und in die unendlichen Weiten der mongolischen Natur einzutauchen! Zuerst ging es mehrere hundert Kilometer Richtung Süden, wo uns die seit Kindheit faszinierende Wüste Gobi erwartete. Das Abenteuer Mongolei geht weiter!

Patrick hat ab sofort ein neues Lieblingsauto: den Toyota Landcruiser, 4.5 Liter, 6 Zylinder, Turbodiesel, Starrachse, manuelle Differentialsperre, mit Schnorchel und super Bodenfreiheit. Oder anders: das Auto von unserem neuen Fahrer, Reiseführer und auch Freund Bimba. Er selber sprach nicht ganz so gut Englisch, aber mit einer Mischung aus Russisch, Englisch und Mongolisch verstanden wir uns bestens.

Einen ersten Halt auf dem Weg in den Süden machten wir im Nationalpark mit den Ruinen von Mandschiir Khiid, einem von vielen buddhistischen Klöstern, das während der Sovietbesetzung zerstört wurde. Die felsige Umgebung erinnerte einmal mehr an die Schweiz, über unseren Köpfen zogen Adler ihre Kreise und auf der Wiese hoppelte ein dickes Murmeltier davon. Idyllisch!

Danach wurde die Landschaft schon bald ebener und karger, die weissen Jurten wurden seltener, ebenso verschwanden die Ziegen- und Schafherden und machten den Kamelen Platz. Auch die Temperaturen wurden wärmer und wir übernachteten zum ersten Mal im Zelt am Fluss Ongi. Oder besser gesagt mitten im Flussbett vom Ongi, denn dieser führt nur selten Wasser und die windgeschützte, flache Kieselebene war wie gemacht, um ein Zelt aufzustellen.

Ansonsten suchten wir uns meistens Übernachtungsmöglichkeiten bei Nomadenfamilien und ihren Tieren. Diese sind einerseits viel günstiger als die Touristen-Camps mit fast jedem erdenklichen Komfort und zudem bekommen wir so auf authentische Weise den arbeitsintensiven und für uns beeindruckenden Alltag der mongolischen Nomaden hautnah mit. Gegessen haben wir manchmal mit den Nomadenfamilien oder ansonsten auch auf dem Gaskocher selber etwas zubereitet.

Die mächtige Wüste Gobi erstreckte sich nach einem Bergmassiv vor uns. Und wie mächtig die Natur der Gobi war, lernten wir sehr schnell kennen. In Bayan Zag, einer Art Oase inmitten wunderschöner rötlicher Felssteinformationen, wo grosse Funde von Dinosaurierfossilien gemacht wurden, fegte in der Nacht ein Sandsturm über die Wüste. Wir fürchteten schon, unsere Jurte würde den Böen nicht standhalten. Bimba stellte extra sein Auto schützend vor unsere Jurte, um den schlimmsten Winddruck aufzufangen. Am nächsten Tag hatten wir überall Sand, in unseren Kleidern, im Essen und an Orten, die ihr gar nicht wissen wollt. Aber immerhin, der Wind hatte sich wieder gelegt.

Doch das Wetter schlug schon bald wieder um. Wir waren gerade in einem gebirgigen Nationalpark am Wandern, immer auf der Suche nach Bartgeiern und Wildschafen, als sich zwischen den zackigen Bergen etwas zusammenbraute. Zwar machten wir uns sofort auf den Rückweg zum Auto, doch das Unwetter war schneller. Innert wenigen Minuten verdunkelte sich der Himmel, erst fielen einzelne Regentropfen, dann prasselten richtige Sturmfluten auf uns nieder, Donner krachten, Blitze zuckten und das Regenwasser verwandelte sich in Hagelkörner. Wir waren nass bis auf die Haut und fuhren schlotternd zurück zu unserer Jurte in Bayan Zag.

Der Regen wollte nicht mehr aufhören, hielt eine weitere Nacht und einen Tag an. Auch nicht als wir in Hongor Els eintrafen, bei den riesigen Sanddünen, die wir aber im Regen und Nebel gar nicht richtig sehen konnten. Zuerst waren wir bitter enttäuscht und wären am liebsten unter den Regenwolken hindurch an einen anderen Ort gefahren. Aber weiterfahren konnten wir vorläufig nicht, bei dem Wasser waren einige Strassen in der Wüste zu reissen Bächen und gar Flüssen geworden und vorläufig nicht passierbar.

So verbrachten wir den Tag in unserer Jurte, wo an machen Stellen das Wasser zwar auch schon durch den dicken Filz aus Schafwolle sickerte. Glücklicherweise waren wir bei einer sehr netten Nomadenfamilie untergekommen und wir beobachteten gespannt ihre Arbeit mit den Herdentieren. Um unsere Jurte herum schnupfte und zupfte eine Ziegen- und Schafherde, eine Gruppe junger Kamele war unweit des Lagerplatzes angebunden und weinte nach ihren Müttern, die tagsüber irgendwo in den Dünen weidete. Wer den mongolischen Film „Die Geschichte vom weinenden Kamel“ kennt, kann sich das herzzerreissende Geräusch vorstellen.

Mit unserer kulturellen Sicht scheint die Tierhaltung teilweise brutal, wenn beispielsweise die Kameljungen oder auch Fohlen mit dem Kopf am Bein so befestigt werden, damit sie nicht beim Muttertier trinken können. Sie werden erst dann von den Nomaden freigelassen, wenn die ihren Anteil Milch gemolken haben. In Hongor Els haben wir auch Aruul aus Kamelmilch gekostet. Und eine Art Rührei gefüllt mit Kamelfleisch aufgetischt bekommen, von dem sogar Miriam (zugegebenermassen unwissentlich…) gegessen hat.

Glücklicherweise erstrahlte der Himmel über Hongor Els am zweiten Tag in klarem blau nur mit vereinzelten Schäfchenwolken. Den Tag nutzten wir für einen Reitausflug mit den Kamelen und für einen Aufstieg auf den höchsten Kamm der Sanddünen. Was für eine Aussicht sich uns offenbarte!

Richtig warm war es aber immer noch nicht. Und das in der WÜSTE Gobi, wo wir uns eigentlich auf wärmere Temperaturen gefreut hatten. Die Temperaturen waren das eine, das andere die Wassermengen, welche die ansonsten sandigen Strassen in gefährliche Schlammpisten verwandelten. Dies auch noch Tage später, denn angeblich hatte es in der Gobi seit Jahren nicht mehr so viel geregnet wie in diesen drei Tagen.

Doch Bimba meisterte mit seinem Landcruiser alle Hindernisse gekonnt und ruhig. Ein Mal ein Rad gewechselt wegen Platten, mal schnell den Ersatzradhalter neu angeschraubt, als sich dieser gelöst hatte, ja sogar einen anderen Jeep aus dem Sumpf gezogen, obwohl mehrmals die Gefahr drohte, selber stecken zu bleiben.

Ja, die Wüste Gobi hat ihre Kräfte gezeigt und auch hier gilt: Patrick wollte Abenteuer und davon bekamen wir eine ganze Menge! Doch so beeindruckend wie die Gobi für uns ist, so wunderschön bleibt sie auch in Erinnerung!

Miriam y Patrick

 

6 Kommentare
  1. yo
    yo says:

    BIMBAAAAAAAAAAAAAAAAAAA:-)!!!!!!!!!!!!!!! absolut tolle fotos:)!!! vor allem die echse, die kuschelnden ziegen und kamelhocker-patrick gefielen mir:) hihi:) und eure berichte bringen einem eh alles viel näher… tausend dank dafür:)!!!

  2. Annemarie
    Annemarie says:

    Hallo Ihr zwei Lieben, so tolle Bilder…. ach diese Weiten, Tiere und die totalglücklichen Gesichter der Menschen dort…. es freut mich, für euch, dass ihr dies alles erleben könnt. Hätte nie gedacht, dass in der Mongolei so tolle „Schlitten“ unterwegs sind. Herzlichen Dank für die Karte, die heute eingetroffen ist. Habe grosse Freude. Zwei Monate sind schon vorbei, ich glaube für euch zu schnell oder? Macheds guet, ich denke viel an euch. Liebe Grüsse

  3. Annelies
    Annelies says:

    Hallo ihr Lieben

    So tolle Fotos! Ich freue mich an den schönen Bildern und an den interessanten Reiseberichten. Diese Weite, diese Natur da bekommt man fast schon Fernweh. Geniesst die Zeit und das Reisen, ihr werdet ein Leben lang davon zehren.
    Liebe Grüsse

  4. myp
    myp says:

    Ihr Lieben, Danke für eure Kommentare und dass ihr so mit uns reist :-)! Wir zehren jetzt schon von den vielen tollen Erlebnissen! Liebe Grüsse!

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