Faule Tage in den Yungas

Auf der „Ruta de la Muerte“ hatte Patrick die Yungas als eine neue, tropische Seite Boliviens entdeckt, so dass wir spontan entschieden, dort noch ein paar Tage fern vom Lärm und Staub der Grossstadt zu verbringen.

Die Bergkette der Cordillera trennt das trockene La Paz von den tropischen Ausläufern des Amazonas. Die Yungas sind Berg- und Nebelwälder mit tief eingeschnittenen Tälern und Schluchten zwischen 1000 und 3600 Meter, von Menschen dünn besiedelt, dafür an Fauna und Flora umso reicher. Das Örtchen Coroico liegt auf 1750m Höhe und ist von Hügeln mit Kaffee-, Zitrus-, Bananen- und Cocaplantagen umgeben. Genau der richtige Ort, um ein paar Tage auszuspannen, fanden wir, und der Idee schlossen sich auch Gudrun und Christof an. Im Internet waren wir auf die Eco-Lodge „Sol y Luna“ gestossen, wo wir für 130 Bolivianos (ca. 16 CHF) pro Person ein eigenes Häuschen mitten im tropischen Garten reserviert hatten.

Für die 100 Kilometer lange Fahrt vom Terminal Villa Fatima in La Paz bis nach Coroico teilten wir uns einen Toyota Minivan mit einer vierköpfigen Familie. Obwohl wir nur dem asphaltierten Teil der „Ruta de la Muerte“ folgten und in der Hälfte auf die neu gebaute Strasse wechselten, durchfuhren wir während den rund zweieinhalb Stunden Fahrt nicht nur mehrere Klima- und Vegetationszonen, sondern unser Befinden wechselte ebenfalls zwischen heiss und kalt. Am Rande des Abgrundes wagte unser Fahrer immer wieder riskante Überholmanöver, schwenkte ohne Vorwarnung auf den rutschigen Kies, holperte über Erdhaufen, da die Strasse Abschnittweise von Schlammlawinen und Erdrutschen bedeckt war.

Am Tag unserer Ankunft hing der Nebel besonders tief und Regen verwandelte die Strassen von Coroico in Rutschbahnen. Wir wollten uns von einem Taxi bis zur Eco-Lodge „Sol y Luna“ fahren lassen, da diese rund dreihundert Meter oberhalb des Ortes liegt. Doch die quasi profillosen Reifen des Taxis drehten auf dem nassen Kopfsteinpflaster durch, bis wir seitwärts wegrutschten und erst am Trottoirrand wieder Halt fanden. Da war kein Hochkommen auf vier Rädern und so blieb uns nichts anderes übrig, als unsere Rucksäcke sowie Nahrungsmittel für die folgenden Tage zu schultern und uns zu Fuss hoch zu schleppen. Die abgelegene Lage vom „Sol y Luna“ weit oben am Hang hatten wir in jenem Moment zwar verwünscht, aber schliesslich machte es genau diese aus, dass es uns dort so gut gefiel.

Unsere Cabaña lag mitten im tropischen Garten und bot eigentlich Platz für bis zu sieben Personen. Wir bezogen pärchenweise ein grosszügiges Schlafzimmer, verbrachten die meiste Zeit aber auf der Terrasse in den gemütlichen Sesseln, in der Hängematte oder im Liegestuhl mit Lesen, Schreiben, Diskutieren, Planen, Musizieren. Patrick hatte sich in La Paz eine Panflöte gekauft und ist nun fleissig am üben. Auch eine gut ausgerüstete Küche stand uns in der Cabaña zur Verfügung, die wir ausgiebig nutzten zum Drinks mixen und kochen.

Abends schliefen wir bei offenem Fenster zum Gezierpe der Grillen ein und am Morgen weckte uns der Gesang der Vögel aus dem Wald. Wir haben Kolibris sowie andere bunte Vögel beobachtet und Eichhörnchen auf den Avocadobäumen gesehen. Mit jedem Tag wurde das Wetter wärmer und sonniger, brachte jedoch auch kleine lästige Stechinsekten mit sich, ähnlich den Sandfliegen, mit denen wir in Neuseeland Bekanntschaft geschlossen haben. Lange Hose und Pulli oder jede Menge Insektenmittel „Off!“ waren also trotz feuchtwarmem Wetter Pflicht. Nachts hörten wir manchmal kleine Propellerflugzeuge. Ob diese Coca von den versteckten Dschungelanbauten illegal nach Kolumbien brachten, um die Ware dort zu verfeinern und weltweit zu verteilen?

Vier Nächte sind wir in den Yungas geblieben und haben wider unserer Vorsätze keine längere Wanderung unternommen (obwohl man eine Einkaufstour im entfernten Dörfchen Coroico auch schon fast darunter zählen könnte…), sondern sind einfach nur auf der faulen Haut gelegen. Die Entspannung ist auf der Rückfahrt nach La Paz in einem Toyota Familyvan wieder der Anspannung gewichen. Bei der kleinsten Bodenwelle schlug von den hinten komplett durchgeschlagenen Stossdämpfer Metall auf Metall. Der Fahrer hielt sich trotzdem konsequent an seine überhöhte Geschwindigkeit. Dabei hatten wir uns extra für die teurere, luxuriöse Transportvariante für 25 Bolivianos (ca. 3.10 CHF) pro Person entschieden statt für 15 Bolivianos (ca. 1.90 CHF). Doch wir sind wieder heil in La Paz angekommen, das ist die Hauptsache! Und schön war’s aber wirklich in den Yungas!

Miriam y Patrick

2 Kommentare
  1. yo
    yo says:

    …es ist einfach immer ein vergnügen eure berichte zu lesen:-D!!! danke dafür!!! ich hätte mir wohl im van ins höschen gemacht;-) respekt dass ihr das so überstanden habt:)!!!

  2. myp
    myp says:

    Juhu, du bist zurück auf unserer Webseite nach einer langen Pause! Freut mich riesig! Abrazos y besitos,
    Miriam

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