Mit sauberen Scheiben sind wir in Melakka angekommen, eine Küstenstadt 150 km südlich von Kuala Lumpur, einstiger Piratenhafen mit portugiesischer, niederländischer und britischer Kolonialgeschichte. Davon sind noch wenige Gebäude und die Festungsmauern übrig – mit Kanonen, woran Alexis und Nicola natürlich Gefallen fanden.

Die Strasse von Melakka, der wichtigste Seeweg Südostasiens da kürzester Seeweg zwischen Ostasien und Arabien resp. Europa, ist übrigens heute noch Piratengebiet.

Unsere Unterkunft mit Begegnung der mehrbeinigen Art

In Melakka wohnten wir in einem Appartment im Mahkota Hotel, einer riesigen Anlage bestehend aus mehreren Blocktürmen mit Appartments und Zimmern, Pools, Tennis- und Minigolf-Anlage, Wasch- und Bügelstation und so weiter und so fort. Drücken wir es mal so aus: das Hotel hat seine besten Jahre hinter sich. Längst! Was im Internet toll aussah, entpuppte sich vor Ort als schäbig, siffig oder gleich kaputt. Das Jacuzzi war längst nicht mehr in Betrieb (falls es überhaupt mal war) und die angepriesene Kinderwasserrutschbahn (u. a. für uns das ausschlaggebende Argument für die Buchung) war auch gesperrt wegen Verfall. Waschmöglichkeit mussten wir uns in der Stadt suchen, die Maschinen waren «out of service». Und wer auf dieser Minigolf-Anlage mit weniger als sieben Schlägen die zentimeterhohe Bröckelmauer rund um das Loch überwindet, muss ein Vollprofi sein.

Unser Appartment verfügte über Küche und Wohnzimmer (mit Spuckverbot auf einem chinesischen Hinweisschild), zwei Bädern und zwei Schlafzimmer. Letztere mit einem so fleckigen Teppich, dass ich auch in der Wohnung die Flip-Flops anbehielt. Die Sauberkeit liess definitiv zu wünschen übrig. Wenigstens keine zwei- oder mehrbeinigen Besucher, tröstete ich mich. Wobei sich das mit den mehrbeinigen ein Tag später auch noch korrigierte.

Wir haben in unserem Leben schon einige Kakerlaken-Begegnungen gehabt, aber diese gehörte zu den grösseren Exemplaren (man spreize Daumen und Zeigefinger so weit wie möglich auseinander: das ist die Grösse des Tieres, halb Körper, halb Fühler). Patricks massivem Trekking-Schuh ist sie dann trotzdem erlegen. Und blieb übrigens trotz täglicher Zimmerreinigung bis am letzten Tag im Bad liegen – so viel zur Putzgenauigkeit…

Alexis und Nicola haben sich sogleich mit ihren in China Town erworbenen Spielzeug-Waffen (Laserschwert und Holz-Gümmeli-Pistole) an der Tür auf die Lauer gelegt. Dieses Spaltmass von mehreren Zentimetern lässt wahrlich freien Zutritt für Kakerlaken und Grösseres!

Kunterbunt und traditionell in Malakka

Malakka ist eine schöne Stadt und ein Teil davon sogar zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt. Nebst Klettern auf Festungsmauern und Kanonen hätten wir den kunterbunten, aufwändig dekorierten Fahrradrikschas im historischen Zentrum von Malakka stundenlang zuschauen können! Charakteren wie «Hello Kitty», «Pokémon» oder auch «Frozen» scheinen besonders beliebt zu sein. Für ein paar (verhandelbare) Franken kann man sich damit vom einen Ende des historischen Zentrums ans andere bringen lassen – je nachdem begleitet von Cartoon-Musik aus dem dazugehörigen Lautsprechersystem oder sicher von winkenden vorwiegend malaysischen Touristen am Wegrand. Den Spass mussten wir uns natürlich auch gönnen. Es waren nur sehr wenige nicht-asiatische Touristen unterwegs, wir sind aufgefallen und waren auch Foto-Sujets der anderen. Besonders Alexis wurde immer wieder auf seine «beautiful eyes» angesprochen, Nicola war jedoch jeweils zugänglicher für ein gemeinsames Foto.

Nebst Fahrradrikscha-Transport waren wir jeden Tag lange zu Fuss unterwegs. Für uns am Spannendsten in Malakka war China Town und der dadurch führende Jonker Walk mit seinen Nebengässchen. Tempel reihen sich an kleine Häuschen und kleine Türen führen in eine Art Höhlensystem mit lauter Shops. Für 5 CHF assen wir in China Town zu viert zu Mittag – aber gut, man durfte nicht heikel sein mit einem Stapel Plastikstäbchen «for use» auf dem klebrigen Tisch und als Toilette nur ein Loch im Boden, wo das Geschäft mit einem Eimer Wasser selber runtergespült wird. Aber beim Reisen sinken auch die eigenen Standards plötzlich.

In Melakka haben wir viel eingekauft (das können wir ja nun praktisch ins Auto laden und gegen Ende unserer Malaysia-Zeit eine Poststelle aufsuchen), haben die Stadt, insbesondere China Town und auch wieder klimatisierte Malls zu Fuss erkundigt und auch das alte Jahr verabschiedet. Die Silvesternacht auf dem Jonker Walk lassen wir aus, weil uns sintflutartige Regenfälle gerade nicht nach draussen ziehen. Stattdessen haben wir uns zur Feier des Tages in einer nahen Mall sehr feinen Sea Food gegönnt.

Nicola lost in Melakka

Nach den anstrengenden Tagen in Kuala Lumpur ging es uns in Melakka schon viel entspannter. Trotzdem: mit zwei wilden Jungs gibt es immer viel zu schauen und aufzupassen. Und plötzlich liess sich das «Wo ist das Kind?» nicht mehr mit einem erleichterten «Ah, ja, da!» beantworten. In einem grossen Kleidergeschäft in einer Mall war Nicola plötzlich nicht mehr auffindbar. Wir haben zuerst in dem Geschäft selber alles abgesucht, dann die Security-Männer hinzugezogen. Keine Spur von Nicola. Schliesslich haben wir vor dem Kleidergeschäft weitergesucht und ein Mann aus einem anderen Shop wies uns darauf hin, unser «Boy» (wir als einzige Nicht-Asiaten fallen auf) wäre hier entlang gelaufen Richtung Hauptausgang resp. Info-Desk – mit einem anderen Mann. Die malaysischen Malls sind gigantisch gross (hundert Läden, Shops und Bars). Wir also mit Alexis an der Hand nichts wie los in diese Richtung zum Info-Desk. Und wer sitzt dort auf dem Info-Desk? Unser Nicola. Der natürlich beim Anblick vom in Tränen aufgelösten Mami auch losweinte. Was für ein Schrecken und was für eine Erleichterung!

Nicola scheint jedenfalls keinen Schaden davongetragen zu haben. Er ist etwas mehr Mami-anhänglich, aber das passt ganz gut, denn das Mami ist seit diesem Erlebnis auch wieder etwas mehr «Gluggere». Eine malaysische Familie hatte ihn zum Info-Desk gebracht und er hatte in Englisch die Fragen nach seinem Namen, Alter und Herkunft schön beantwortet – es war alles notiert in den Unterlagen am Info-Desk. Nicht schlecht, unser Vierjähriger! Trotzdem soll er dieses Können nicht noch einmal unter diesen Umständen unter Beweis müssen – dieses und auch im neuen Jahr nicht!

Malaysia ist Mitteleuropa 7 Stunden voraus und daher sind wir schon vor euch im neuen Jahr. Frohes neues Jahr, ihr Lieben zu Hause und überall auf der Welt! Möge 2017 euch viele freudige Überraschungen (oder zumindest welche mit gutem Ausgang) bringen!

Herzlichst aus Melakka: Miriam Patrick Nicola Alexis

9 Kommentare
  1. Gudrun
    Gudrun sagte:

    Ihr Lieben! Ein gutes neues Jahr 2017 wünschen wir euch! Ganz viel Liebe, Gesundheit, Glück und Zufriedenheit! Weiterhin viele, viele unvergessliche Eindrücke und Erlebnisse auf eurer Reise! Schön, dass wir virtuell ein wenig teilhaben dürfen!
    Viele, viele Bussis und Umarmungen!

  2. Andreas Betschart
    Andreas Betschart sagte:

    Sali Zäme!

    Wünsche euch äs schöns, tolls und erlebnisrichs neus Jahr und witerhin viel Spass uf eurä Reis!

    Grüessli Andreas

  3. Käthi
    Käthi sagte:

    Happy New Year an euch alle. Noch viele schöne Erlebnisse auf eurer Reise wünschen Käthi und René (ohne Nicola lost) was für ein Schreck…..

  4. Helga
    Helga sagte:

    Hallöle
    Ui! Da hat euch Nicola schon grad mal gefordert. Aber gratuliere zu der vorausdenkenden Vorbereitung!
    Eigentlich wollte ich nur was wegen den kakerlaken sagen, aber ich nehme an das wisst ihr. Auch ich hatte immer wieder fingerlange Besucher in meiner Wohnung. Anfangs hab ich sie auch mit dem Schuh platt gemacht, sofern sie mich nicht in die Flucht schlugen 😱 dann hat man mich aufgeklärt, wenn mit “schipschip“ erschlagen, diese dann heiss abspülen, denn jede kakerlake trägt immer Eier in sich und so verstreut man sie in der Wohnung oder eben Auto… und so wirst die Brut nie los😤 na dann weiterhin viel spass und hebet sorg😘

  5. Carlos Marbach
    Carlos Marbach sagte:

    Feliz 2017 para todos.

    safety first, die twins m ü s s e n mit einer Infokarte ausgerüstet sein. Adresse des Hotels oder focus person in jedem Land, CH Tel. Nr, etc.
    Bei Hotelwechsel oder Landwechsel jeweils updaten, etc.
    Aber wem sage ich das???
    Weiterhin viel Vergnügen.

    Carlos

  6. mypcaminando hoch zwei
    mypcaminando hoch zwei sagte:

    Bääh, die „Schipschip“ werden mit diesem Wissen noch ekliger! Unsere „Nachmieter“ im Hotel werden das Problem haben, denn die erschlagene Kakerlake blieb ja trotz täglicher Zimmerreinigung bis zu unserer Abreise liegen und wird so auch dem nächsten Hotelgast sicher noch erhalten bleiben…
    E liebe Gruess in die Schweizer Kälte

  7. mypcaminando hoch zwei
    mypcaminando hoch zwei sagte:

    Feliz 2017 también para ustedes!
    Safety first, wem sagst du das! Wir geben unser Bestes! Und die Kinder haben seither auch „Versteckis-Verbot“ in Kleiderläden und Bazars – das war nämlich eines ihrer Lieblingsspiele und man sieht, wie es enden kann!
    Liebe Grüsse und nehmt uns ein bisschen mit nach Ecuador! Saludos a Ximena!
    Miriam y los 3 chicos

  8. mypcaminando hoch zwei
    mypcaminando hoch zwei sagte:

    Vielen Dank, Käthi und René! Auch euch Happy New Year mit vielen schönen Erlebnissen!
    Liebe Grüsse immer noch aus Malaysia, Miriam Patrick Nicola Alexis

  9. mypcaminando hoch zwei
    mypcaminando hoch zwei sagte:

    Queridos 4 Austriacos, vielen Dank für eure guten Wünsche und schön, seid ihr auch aus der Entfernung so nahe mit dabei!
    Mein Bruder ist übrigens jetzt gerade in Patagonien, wo wir uns vor 6 Jahren kennengelernt haben! Das gleiche Hostel war aber leider schon ausgebucht…
    Abrazos y besitos, los 4 Suizos viajando el mundo 🙂

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