Von den ersten Entdeckern wurden die Galapagos als Hölle auf Erden beschrieben mit schwarzer Landschaft und speienden Drachen. Für uns sind die Galapagos ein Paradies ursprünglicher Natur und einzigartiger Lebewesen.

Lange hatten wir hin und her überlegt: sollten wir uns eine Reise auf die Galapagos-Inseln leisten? Es würde unser Reisebudget stark belasten, aber andererseits hatten wir die letzten Monate so günstig gelebt, dass es sich wieder ausgleichen dürfte. Schliesslich einigten wir uns darauf, dass wenn wir ein gutes Last-Minute-Angebot für eine Galapagos-Kreuzfahrt finden sollten, dann buchen wir dies.

Wir erkundigten uns in Cuenca in Reisebüros, recherchierten parallel dazu im Internet und holten verschiedene Angebote ein. Und schliesslich bekamen wir ein so einmalig gutes Last-Minute-Angebot von einer vertrauenswürdigen Schweizer Reisespezialisten für Ecuador (handmade-travel – sehr empfehlenswert, vor allem mitten in einem undurchsichtigen Netz ecuadorianischer Anbieter!), dass wir sofort zugriffen: 8 Tage Vollpension-Kreuzfahrt auf einem Luxus-Katamaran, Maximalkapazität von 16 Gästen, Landausflüge mit englischsprachigem Naturführer auf den Inseln Santa Cruz, Isabela, Fernandina, Bartolomé, South Plaza, San Cristóbal, Española und Floreana, täglich Schwimm- und Schnorchelmöglichkeiten. Und den ganzen Luxus bekamen wir für weniger als die Hälfte des Normalpreises, juhu :-)!

Von Guayaquil aus sind wir also mit der Fluggesellschaft AeroGal zu den rund tausend Kilometer entfernten Galapagos-Inseln geflogen. Das Naturparadies mit vulkanischem Ursprung gehört zum UNESCO Weltkulturerbe und 97% der Landfläche sowie 99% der Gewässer stehen unter Nationalparkschutz. Bekannt sind die Inseln durch Charles Darwin geworden, der bei einem Besuch 1835 entdeckte, dass auf den verschiedenen Inseln zum Beispiel Schildkröten mit unterschiedlichem Panzer oder aber pro Insel verschiedene Arten von Drosseln vorkamen, worauf er schliesslich seine Evolutionstheorie basierte. Der Name „Galapagos“ stammt übrigens von der endemischen Riesenschildkröten, deren Panzer wie ein Sattel – auf Spanisch „Galápago“ – geformt ist.

Im Vorfeld hatten wir uns schon Sorgen gemacht, wir wären mit unseren Rucksäcken und Trekkingkleidung für ein luxuriöses Kreuzfahrtschiff nicht angemessen ausgerüstet, doch glücklicherweise war die Stimmung auf dem Seaman-Katamaran sehr entspannt. Auf dem Schiff lief man sowieso barfuss herum und für die Landausflüge schien Trekkingausrüstung genau das richtige. Nach mehreren Landausflügen und Baden im Meerwasser hüpften wir am Abend meistens nur kurz unter die Dusche, zogen irgendetwas Bequemes an, bedienten uns am feinen Abendessenbuffet und verzogen uns nach dem Dessert sowieso gleich wieder in die Kabine. Sei es vor Müdigkeit direkt zum Schlafen, oder aber weil die Seaman nachts sowieso meistens am fahren war und je nach Wellengang heftig ins Schwanken kam. Seekrankheit lässt sich am besten vermeiden, indem man mit geschlossenen Augen liegt.

In einer Kabine wie der unseren hielten wir uns ausserdem noch so gerne auf: wir hatten eine der nur zwei überaus geräumigen Oberdeckkabinen mit Doppelbett und eigenem Bad und die Heinzelmännchen an Bord räumten jedes Mal, wenn wir nur schnell beim Frühstück, auf dem Sonnendeck oder bei einem Land- oder Schnorchelausflug waren, wieder alles auf, drapierten die Badetücher, leerten Mülleimer. Immer war alles aufgeräumt und sauber. Wir konnten unser Glück kaum fassen und gewöhnten uns sehr schnell an die Luxus-Annehmlichkeiten in den acht Tagen an Bord der Seaman!

In der ersten Hälfte der Reise waren wir übrigens sieben Schweizer von den sechzehn Gästen, in der zweiten Hälfte dann noch zu viert mit einem sehr netten und lustigen Ehepaar aus St. Gallen im Alter unserer Eltern. Mit ihnen schotteten wir uns gegen den Rest der Gruppe ab, alles Amerikaner und Kanadier bis auf einen pensionierten holländischer Chirurg, der am Tisch jeweils seinen Dessertteller ausleckte, und zwei Spanierinnen, die selbst bei Schnorchelaktivitäten den Kopf mehr über Wasser hatten, damit sie weiter schwatzen konnten.

Was haben wir nicht alles an Landschaften und Tieren gesehen während diesen acht Tagen! Jede Insel ist einzigartig in der Landschaftsgestaltung ebenso wie die dort lebenden Tieren. Auf den noch jüngeren Inseln wie Fernandina, Isabela oder auch Bartolomé in der Nähe vom Vulkanhotspot wanderten wir über dunkle Strände oder schwarze Lavafelder, wo höchstens Kakteen, Lavaechsen und einige Vögel überleben können. In Bracklagunen entdeckten wir ein Grüppchen Flamingos, in Meeresnähe wärmten sich ganze Haufen von Meeresechsen am Sonnenlicht auf oder bedienten sich unter Wasser an Algen, für uns gut sichtbar unter der Oberfläche.

Andere Inseln wie Santa Cruz oder Teile von Isabela überraschten mit einem fast tropisch grünen Hochland, wo wir die Riesenschildkröten in freier Wildbahn fanden. Diese gemütlichen Riesen ebenso wie die grossen gelben oder rötlichen Landleguane oder aber die schwarzen Meeresechsen, die von den Entdeckern damals als Drachen bezeichnet wurden, da sie Salzwasser aus ihrer Nase sprühen, könnten direkt aus dem Zeitalter der Dinosaurier stammen.

Faszinierend ist auch die Vogelwelt der Galapagos, die berühmten kleinen Darwin-Finken, die Galapagos-Tauben, die Möwen, Pelikane, die majestätischen Albatrosse mit einer Flügelspannweite von bis zu drei Metern, die Fregattvögel, flugunfähige Kormorane oder aber die Tölpel, allen voran die Blaufuss-Tölpel. Die Tiere kennen keine Scheu und wir konnten nur mehrere Meter direkt an ihnen und ihrem Nest vorbeilaufen und fotografieren, so viel wir wollten. Selbstverständlich ohne Blitz. Das wäre auch eine gute Schätzfrage gewesen: wie viele Fotos knipsen wir auf den Galapagos-Inseln! So viel sei gesagt: die Anzahl hier auf der Webseite machen keine fünf Prozent aus.

In der Meeresenge zwischen den Inseln Isabela und Fernandina sahen wir während der Fahrt vom Katamaran aus auch eine Gruppe Orcas auf der Jagd nach Seehunden, mehrere Pottwale ganz nahe am Boot sowie eine grosse Gruppe Delfine, die eine ganze Weile unserem Katamaran folgten und sich von unseren Pfiffen und Händeklatschen noch zu Sprüngen vor dem Bug animiert fühlten. Ihr könnt euch vorstellen, dass tagsüber während der Fahrt nicht viel mit Lesen oder gar Schlafen war, nein, wir hielten immer angestrengt Ausschau nach Tieren im Wasser und wurden dafür auch noch einmal in der Nähe von Floreana belohnt, wo wir erneut Wale sowie Manta-Rochen entdeckten, die übermütig aus dem Wasser sprangen. Einfach toll!

Fast überall trafen wir auf Seelöwen, sowohl auf den bewohnten Inseln wie Santa Cruz oder San Cristóbal, oder aber auch auf den unbewohnten Inseln wie Española faulenzten die Mütter mit ihren Jungtieren, während ein riesiges Männchen, von den Ecuadorianer auch „Beach Master“ genannt, den Strandabschnitt patroulierte. Mehr als einmal blockierten die Seelöwen den Weg und unser Guide musste sie mit Händeklatschen vertreiben. Im Nationalpark darf man sich nämlich nicht einfach frei bewegen, sondern es gilt, als Gruppe im Gänsemarsch dem vorgegebenen Rundweg zu folgen.

Die Seelöwen waren auch bei den täglichen Schnorchelgängen unsere Favoriten. Oft kamen sie neugierig zu uns geschwommen, beäugten uns zuerst aus sicherer Entfernung und freuten sich dann aber riesig über ein „Fangen-Spiel“. Natürlich erwischte man sie sowieso nie, denn was sie an Land unbeholfen wirken, machen sie unter Wasser um ein mehrfaches Wert. Sie freuten sich besonders, wenn Patrick jeweils beim Schnorcheln in die Tiefe abtauchten, umkreisten ihn, schwammen ihn direkt an und bogen nur wenige Zentimeter vor seinem Gesicht in eine andere Richtung ab, tauchten in Loopings, ja schienen direkt zu Tanzen unter Wasser. Wäre das Wasser nicht so kalt gewesen, hätten wir Stundenlang schnorcheln können!

An manchen Stellen pfeilten auch Pinguine durchs Wasser auf der Jagd nach Fisch, wir sahen mehrere Rochen, Riffhaie, sogar einmal ein Hammerhai und ein Manta, konnten an Algenplätzen den Meeresschildkröten aus nächster Nähe beim Fressen zuschauen. Ach, wie hätte wir uns gewünscht, das Unterwassergehäuse für unser Kamera dabei zu haben, aber das hatten wir aus Platzgründen bereits aus Neuseeland nach Hause geschickt. So behalten wir diese einzigartigen Bildeindrücke halt lediglich in unserer persönlichen Erinnerung.

Wie noch so vieles mehr von den Galapagos-Inseln, einem der schönsten Orte auf der Welt, zu dem es Sorge zu tragen gilt!

Natur- und Tierfreunde: Miriam y Patrick

 

12 Kommentare
  1. Mättu
    Mättu sagte:

    Wow so toll! Habe schon das ganze Wochenende auf diesen Bericht gewartet und die tollen Fotos 🙂

  2. Nina
    Nina sagte:

    wow eimol meh wonderschöni föteli ond gueti bricht. ich has höt äntli gschafft nach em indie urlaub woni einigi vo eune bricht verpasst han alles noche zläse…jetzt beni weder up to date ond met vell ferneweh bepackt 🙂
    gniesseds wiiterhin…lg us luzern, nina

  3. myp
    myp sagte:

    Vielen Dank euch allen! Galapagos ist wirklich ein Natur- und Tierparadies und auf den unbewohnten Inseln kommt bald einmal ein Robinson Crusoe-Feeling auf! Obwohl man auf den wenigsten Inseln wirklich stranden moechte, da es kaum Suesswasser gibt…

    @ Matt: wir haben ein paar Mal an dich gedacht, was man noch fuer viele Fotos haette machen koennen mit deiner Kamera-Ausruestung! Galapagos waere definitiv auch einmal ein Reiseziel fuer euch! Muesstest halt ein paar Tage auf Internet verzichten koennen ;-)!

    Saludos, Miriam y Patrick

  4. Eveline & Patric
    Eveline & Patric sagte:

    Hallo zäme

    Nach unserem Treffen auf dem Markt in Otavalo haben wir gleich mal eure Seite bestaunt – unglaublich, was ihr alles erlebt habt. Für die vielen Infos sind wir dankbar und werden sicher das eine oder andere mal froh um die Tipps sein 🙂

    Liebe Grüsse und weiterhin eine schöne & erlebnisreiche Zeit

    Eveline & Patric

  5. myp
    myp sagte:

    Hola Eveline und Patric
    Wie schön dass ihr euch meldet! Unsere Begegnung in Otavalo war wirklich lustig und da ihr die selbe Route in umgekehrter Richtung am Bereisen seid, helfen wir gerne mit Tipps! Ihr erhaltet gleich noch ein separates E-Mail und wir sind gespannt auf euren Blog!
    Liebe Grüsse nach Quito,
    Miriam und Patrick

  6. yo
    yo sagte:

    …was für ein unglaublicher ort!!! ich musste bei so vielen fotos quietschen, staunen, lachen… und überhaupt – unglaublich schön! und diese echsen erst, richtige drachen *uaaaaaaaaaah* :-D!!!!!!!!!! aaaaaaaah… totaaaaal schön, wirklich:)!!! ich mag es euch von herzen gönnen:)!!! und ihr habt mich gleich auf eine idee gebracht – bei eurer rückkehr wartet dann eine kleine überraschung auf euch;-)…

  7. myp
    myp sagte:

    @ yo: Dass die Echsen deine Lieblinge sind, wusste ich, und musste bei ihnen auch immer an sie denken! Hast du sie eigentlich mal gemalt? Noch mehr Überraschung? Hui…
    Also wenn immer ihr Gelegenheit hätte auf eurer Reise: Galapagos lohnt sich allemal, die Natur und die Tiere sind einfach einmalig schön dort!

  8. yo
    yo sagte:

    @miriam: nein, gemalt habe ich schon ewigkeiten nicht mehr, wann auch:(? aber die haben mich nun wirklich dazu inspiriert…:)!!! hm… jetzt reut es mich eigentlich gerade ein bisschen, da unsere route gar nicht da durch geht… auch, als ich kürzlich „up“ gesehen habe und eine doku über die tepui – venezuela liegt auch nicht aufm programm… hmmmm…was machen wir eigentlich auch die ganze zeit? habe das gefühl wir haben so wenige länder auf der liste… *g* aber ich behalte es auf jeden fall im hinterkopf:)!!! :-*

  9. myp
    myp sagte:

    @yo: lieber weniger Länder auf der Liste und dafür jedes Land mehr erleben! Wir haben ja eigentlich auch nicht soooooo viele Länder besucht für die lange Zeit, aber es hat gut gepasst.
    Und anpassen kann man immer noch spontan, wir können dir sonst genug Tipps geben, wie man auch kurzfristig die billigsten Flüge findet ;-)!

  10. yo
    yo sagte:

    @miriam: also tipps für kurzfristige billige flüge sind jederzeit willkomme – gerne auch per mail, dann isses gespeichert;-) ja, aber wenn man eure schöne länderliste anschaut… über 12 länder, also im schnitt ca. 1 land pro monat… schon schön:) mal schauen… wirst jedenfalls auf dem laufenden gehalten;-)

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