In Nasca haben wir aus der Luft auf Vogelbilder hinunter geschaut und in Paracas vom Meer zu den tausenden von Vögeln auf den Islas Ballestas hochgeblickt. Und ein weiteres Kapitel zum Bus fahren in Südamerika mit neu gewonnenen Erkenntnissen.

Busfahren zum Ersten
Von Arequipa nach Nasca hatten wir für den Morgen einen Tauro-Bus gebucht, der uns dann in einen Pluma-Bus umbuchte, welcher schon mit Verspätung losfuhr und entlang des Weges so oft hielt und weiter Leute aus- und vor allem einsteigen liess, dass sich auf der Strecke fast vier Stunden Verspätung ansammelten. Bei der Fahrt durch die Wüste war es in dem Bus bestimmt vierzig Grad und wir lagen wie die toten Fliegen in unseren Sitzen. Kaum verschwand am Abend die Sonne, wurde es wiederum bitterkalt und Kakerlaken huschten aus allen Ecken hervor. Wäh!

Die Zeit wollte und wollte nicht vergehen und schliesslich traf die Situation ein, die man in Südamerika eigentlich vermeiden sollte: zu nächtlicher Stunde in einer neuen Stadt ankommen. Nasca hätten wir überhaupt verpasst, wenn wir nicht selber aufmerksam die Plakate am Strassenrand im Auge behalten hätten. Schliesslich wurden wir irgendwo am Strassenrand ausgeladen, wo sich einzelne Gestalten und inoffiziellen Taxifahrer sofort auf uns stürzten. Ein Mann mit fettigem Pferdeschwanz namens Luis beantwortete sämtliche unserer Fangfragen schliesslich so, dass wir in sein Auto einstiegen und uns zur Unterkunft „Inti Huasi“ fahren liessen.

Später lasen wir in einem Reiseforum, dass man einen Betrüger und Frauenbelästiger namens Luis (die Beschreibung passte haargenau!) in Nasca meiden sollte… Wir blieben trotzdem dort in einem ringhöhrigen Zimmer und buchten bei Luis auch die überteuerte Flugtour für den Folgetag. Denn das war immer noch besser, als sich um ein Uhr nachts den Gefahren der Strassen Nascas auszusetzen. Trotz der zirpenden Kakerlake, die sich wohl aus dem Bus in unserem Gepäck verkrochen hatte, sowie einem wahren Furz-Orchester von einem Mann, der im Vorraum schlief, fielen uns irgendwann die Augen zu. Diese Ankunft in Nasca gehört bestimmt nicht zu unseren schönsten Reiseerlebnissen.

Mystische Nasca-Linien
Ein neuer Tag und die Welt sah wieder etwas besser aus! Wir mögen zwar bei Luis für die Rundflüge über die Nasca-Linien zu viel bezahlt haben, aber dafür liess sich alles an einem Morgen abwickeln und wir konnten den ungemütlichen Ort schnell wieder verlassen!

Nasca ist ein kleineres Wüstenstädtchen, das seinen Aufschwung lediglich den Nasca-Linien zu verdanken hat. Touristen strömen an diesen Ort, um sich die mystischen Linien, Trapeze und Figuren anzuschauen, von denen niemand die Entstehung genau kennt. Wegen ihrer Grösse sind die so genannten Scharrbilder nur aus der Höhe zu erkennen und im Halbstundentakt starten Kleinflugzeuge mehrerer Gesellschaften über die nahegelegene Nasca-Ebene. Erst vor wenigen Monaten war der letzte Flugzeugabsturz, der für alle Insassen tödlich endete. Seither wurde aufgeräumt bei den Fluganbietern und nun wäre alles auf dem neusten technischen Stand, das Benzin in Ordnung und nun würden auch ein Pilot und ein Co-Pilot mitfliegen (vorher war der Pilot, Co-Pilot und Guide ein und die selbe Person). Also völlig ungefährlich, wurde uns versichert.

Soweit so gut. Patrick gab das OK für unsere 6-Plätzer Cessna C207A der Gesellschaft „Air Majoro“ und mit insgesamt acht Personen ging es also in die Luft. Über den Kopfhörer versuchten wir aus dem Rauschen die Kommentare des Co-Pilotes herauszuhören, welche Figur wir gerade überflogen, immer einmal auf der rechten Seite, dann ein starker Schlenker und dasselbe noch einmal für die Passagiere auf der linken Seite. Wirklich eindrücklich, diese Linien, Bahnen und Trapeze, die sich hunderte von Metern schnurgerade über die Steinwüste ziehen. Und erst die Bilder von Händen, Baum, Kolibri, Kondor, Affe, Hund, ja sogar einem Menschen in Raumanzug.

Entdeckt wurden die Linien und Scharrbilder erst in den Zwanzigerjahren, als erste kommerzielle Flugzeuge über die Wüste flogen und Passagiere einzelne Bilder ausmachten. Entstanden sind sie zwischen 800 vor und 300 nach Christus durch die Entfernung der obersten Gesteinsschicht (daher der Name „Scharrbilder“) und über Sinn und Zweck wird bis heute spekuliert. Sportarena? Drachenstartbahnen? Oder doch nicht von dieser Welt? Ein wenig beeinflusst von Erich von Däniken gefällt uns die Theorie mit der Verbindung zu Ausserirdischen. Er meint nämlich, es könnte eine Landebahn für Raumschiffe gewesen sein. Was wäre sonst auch die Bedeutung vom Scharrbild der Figur im Raumanzug? Auf jeden Fall sehr geheimnisvoll, diese Nasca-Linien, was wohl auch ihre Faszination ausmacht.

Es holperte und schwankte ganz schön in der Cessna und für Miriam wurde es bald einmal zu viel, von der Wüstenebe auf die Karte, auf die Kamera und wieder hinunter auf die Scharrbilder zu schauen. Während Patrick noch lange hätte so weiter fliegen können, war Miriam mehr als froh, nach nur dreissig Minuten wieder Boden unter den Füssen zu haben.

Busfahren zum Zweiten
Nach dem Flug kümmerten wir uns sogleich um den Weiterreise. Für den Weitertransport Richtung Norden wurden wir an die Busgesellschaft „Cruz del Sur“ verwiesen. Diese war uns zwar schon an anderen Orten in Peru ausgefallen, doch da sie meist doppelt so viel kostete wie andere Gesellschaften, hatten wir sie bisher gemieden. Doch nach der Fahrt von Nasca nach Paracas war klar: für alle weiteren Langstreckentransporte in Peru nur noch „Cruz del Sur“! Die Unterschiede sind frappant und jeden zusätzlichen Soles wert! Folgende Hauptunterschiede zu den übrigen Busgesellschaften seien hier kurz aufgeführt:

Zuverlässigkeit: einigermassen pünktliche Losfahrt, verlässliche Fahr- und Ankunftszeit.

Sauberkeit: Kapuze auf ist nicht mehr Pflicht und man muss sich nicht fürchten, Kakerlaken oder andere Krabbeltiere als Andenken mitzunehmen. Ausserdem ist das Klo wirklich vorhanden und bedenkenlos auch für die Frau benutzbar. Mit Wasserspülung!

Zusatzservice: Decken, Kissen sowie warme Mahlzeiten à la Flug-Catering sind im Preis inbegriffen. Ausserdem die neusten Filme (statt nur Brutalo- und Baller-Filme von Raubkopien rund um die Uhr), manchmal Wifi (Juhu!), Heizung oder Lüftung (ja, ist nicht selbstverständlich). Ein Stewart ist rund um die Uhr für die Fahrgäste da.

Sicherheit: Hier muss man nicht auf der ganzen Fahrt seine Wertsachen an sich gepresst halten, denn in diesem Bus fahren vor allem die Touristen und die bessergestellten Einheimischen (was ein Diebstahl nicht ausschliesst, aber das Risiko ist trotzdem geringer). Alle Fahrgäste werden beim Einstieg gefilmt, jedes Gepäckstück wird etikettiert und nur gegen Beleg am Zielort ausgehändigt.
Ausserdem muss man sich nicht fürchten vor Überfällen, denn es steigen nicht an jeder Ecke Leute von der Strasse zu. Die Busfahrt wird über GPS überwacht und bei einem ungeplanten Halt sofort eine Patrouille aufgeboten.
Es sind immer zwei Chauffeure an Bord und wechseln sich im 4-Stunden-Rhythmus ab. Also keine Mörderfahrten von zwölf Stunden und mehr, nur durchzuhalten mit vollen Cocablätter-Backen.

Besonders der erste und der letzte Punkt machten uns richtiggehend zu „Cruz del Sur“-Fans, alles andere ist angenehmes Beigemüse. Kein Wunder sassen fast nur „Gringos“ (Touristen) mit uns im Bus. Und in den anderen Bussen hatten wir uns vorher jeweils gefragt, ob wir eigentlich die Einzigen seien auf dieser Strecke! Natürlich nicht, nur setzen sich die wenigsten in die Einheimischen-Busse, wenn auch „Cruz del Sur“ fährt.

Ruhige Oase Paracas und Wildnis auf den Islas Ballestas
Nächster Halt: Paracas, ein verschlafenes kleines Örtchen am Meer, das vor allem von den Peruanern selber als Reiseziel genutzt wird. Wir entscheiden uns für ein nagelneues und sauberes Zarcillo-Bungalow (50 Soles) mit Meeressicht über die Strasse hinweg direkt am „Cruz del Sur“-Terminal. Das Zentrum Paracas war bequem zu Fuss zu erreichen und wir genossen die Sonnenstrahlen und die ruhige und friedliche Atmosphäre an der Promenade.

Der fischreiche Küstenabschnitt bietet dank dem Humboldtstrom Meeressäugern und Vögeln einen wichtigen Lebensraum und bei unserem Ausflug zu den Islas Ballestas, die als Galapagos Perus gelten, erleben wir dies mit allen Sinnen. Die Inseln kündigten sich schon von Weitem durch die Luft an: mit dem Geruch nach Vogelscheisse. Kein Wunder, die kleine Inselgruppe soll die grösste Seevogelkonzentration der Erde vorweisen. Der Abbau von Guano (Vogelkot) verhalf der Region einst zu Reichtum. Heute wird Guano-Dünger künstlich hergestellt und die Inseln haben diesbezüglich an Bedeutung verloren. Dafür lockt die Unberührtheit immer mehr Touristen an.

Die Inseln dürfen nicht betreten werden und so kurvten wir mit einem Boot an den Felsen vorbei, durch von den Wellen ausgeschliffene Tunnel und Höhlen. Guanotölpel stürzten sich ins Meer auf der Jagd nach Fisch, jeder noch so kleine Felsvorsprung schien von irgendeinem Vogel besetzt, Kormorane färbten den Himmel schwarz, als sie in Scharen zum Flug aufbrachen. Nebst den Vögel leben auch Humboldt-Pintuine und grosse Seelöwen-Kolonien rund um die Inseln. Auf dem Rückweg nach Paracas sahen wir ausserdem eine Gruppe Delfine in unmittelbarer Nähe unseres Bootes. Einfach nur schön! Wo Tiere sind, gefällt es uns!

Die Bootsfahrt führte auch noch beim „Candelabro“ vorbei, einem weiteren riesigen Scharrbild in Form eines Kerzenleuchters, an einem Wüstenhang unmittelbar an der Küste. Auch über die Bedeutung dieses Werkes wird bis heute gerätselt, obwohl es deutlich jünger sei als die Scharrbilder in Nasca.

Von Nasca aus ging es weiter nach Lima und auch wenn die Busfahrt nur dreieinhalb Stunden dauert: natürlich mit „Cruz del Sur“.

Miriam y Patrick

6 Kommentare
  1. Lisbeth
    Lisbeth sagte:

    Hey Miriam und Patrick (:

    Sehr schöner Bericht und Fotos, wie immer!!!
    Ich bin ganz beeindruckt von den Nascas. Toll!
    Mir würde auch schlecht werden beim Fliegen…

    Was für Fangfragen stellt man denn um herauszufinden
    ob jemand ein vertrauenswürdiger Taxifahrer ist???
    Das würde mich interessieren 😀

    Liebe Grüße von der Lisbeth

  2. myp
    myp sagte:

    Hola Lisbeth!
    Dankeschön! Ja, dieses Mystische rund um Nasca würde dir sicher auch gefallen!
    Fangfragen für den vertrauenswürdigen Taxifahrer? Am besten hat man sich vorher schon schlau gemacht über Internet, stellt sich als ahnungsloser, naiver Tourist hin und fragt dann Dinge, die man schon weiss, zum Beispiel in Nasca: Wie bucht man am besten die Flüge? Was kosten sie? Wann fährt der nächste Bus? Ja ist denn das andere Hostal wirklich teurer? Wie viel? Ja warum genau ist das denn so gefährlich? Und so weiter und so fort.
    Und einfach immer den gesunden Menschenverstand walten lassen. Menschen einschätzen, lernt man gut auf so einer Reise :-)!
    Liebe Grüsse nach Deutschland!
    Miriam und Patrick

  3. Daniel
    Daniel sagte:

    Ein schoener Bericht zu Nazca und den Sehenswuerdigkeiten dort. Nur kann ich eure Aussagen ueber Luis und das Inti Wuasi nicht ganz nachvollziehen. Ich war auch gerade erst dort. Die Touren, die sie fuer mich organisiert haben waren keineswegs ueberteuert. Ich hab 80 Dollar fuer den Flug ueber die Linien bezahlt und hab beim herumfragen niemanden gefunden der weniger bezahlt haette. Vor einigen Jahren konnte man diese Fluege noch billiger bekommen, dafuer sind dann auch regelmaessig Chesnas abgestuerzt. Seitdem aber die Regierung dafuer gesorgt hat, dass diese unsicheren Fluege eine Ende haben, sind die Preise um bis zum dreifachen angestiegen, da nur noch 4 Anbieter fliegen duerfen. Ein Frauenbelaestiger mag Luis vieleicht sein, aber zeig mir mal einen jungen Mann in Peru, der das nicht ist. 😀

  4. myp
    myp sagte:

    Hallo Daniel
    Da hattest du aber einen guten Deal, wir haben 120 Dollars pro Person bezahlt und bis zu dem Preis brauchte es rund eine halbe Stunde Feilschen. Nichtsdestotrotz hat es sich auf jeden Fall gelohnt und für eine verbesserte Sicherheit bezahlt man gerne mehr.
    Dir weiterhin gute Deals 🙂 und unvergessliche Peru-Abenteuer!
    Miriam und Patrick

  5. yo
    yo sagte:

    ihr lieben – ihr schafft es einfach immer wieder, einem zu beeindrucken… wow… was man sich damals immer so alles vorgestellt hat beim betrachten dieser nasca linien und postkarten und überhaupt – und jetzt wart ihr selbst da und ich hänge an „euren lippen“ – einfach spannend:-D!!! lisbeth hat meine frage bereits gestellt – wegen fangfragen;-) guter tip… werde mir auch cruz del sol merken;-)!!! danke für die tollen fotos und tollen berichte – einfach spitze:-D!!! *knuddelz*

  6. myp
    myp sagte:

    @yo: auf so einer Reise lernt man, wieder mehr auf sein Bauchgefühl, auf die Instinkte zu vertrauen und „schult“ diese auch richtig. Du wirst schon selber sehen, ganz, ganz bald :-)…2 Wochen!!
    *Knuddelz*

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