Bei strömendem Regen sassen wir im Thermalbad und bei strahlendem Sonnenschein ging es auf die hohe See zur Walbeobachtung.

Ursprünglich wollten wir von Nelson aus weiter östlich fahren und zu Fuss die Marlborough Sounds erkundigen. Davon wurde uns jedoch nach dem Erdbeben in Christchurch abgeraten, da sich dort nun die Touristenströme von der Nordinsel stauten. So entschlossen wir uns, dem Weg durch die Berge nach Christchurch zu folgen.

Am ersten Tag schafften wir es bis kurz nach Springs Junction, wo wir auf einem DOC Camp übernachteten. Erneut wurden wir von Sandfliegen fast in den Wahnsinn getrieben. In den Bergen scheinen die Viecher wider Erwarten aggressiver zu sein als am Strand. Am nächsten Morgen wanderten wir einen Teil des Daniells Track, bevor die ersten Tropfen fielen und wir unseren Weg über den Lewis Pass fortsetzten bis nach Hanmer Springs.

Gut erreichbar von Christchurch aus, gilt der Ort als Naherholungsgebiet für die Städter. So war es nicht weiter verwunderlich, dass neben den Touristen auch viele Einheimische dem herrschenden Chaos in Christchurch in den Bergort ausgewichen sind. Ein bezahlbares Bett war ohne Reservation keines mehr zu bekommen, aber unter den aussergewöhnlichen Umständen durften wir im Garten vom Le Gite-Backpacker unser Zelt aufschlagen. Keine sehr angenehme Nacht, denn es regnete ununterbrochen.

Die heissen Quellen von Hanmer konnten wir natürlich nicht auslassen, ein Bad in bis zu 38 Grad warmem Wasser schien bei Dauerregen perfekt. Mit dieser Idee waren wir verständlicherweise nicht alleine und so kämpften wir uns von einem überfüllten Becken zum nächsten. Ganz so idyllisch dargestellt wie auf den Bildern war das Thermalbad von Hanmer Springs also nicht bei den Menschenmassen und Mitch Buchannon-Verschnitten neben jedem noch so kleinen (Beton-)Pool.

Von den Bergen zog es uns nochmals an die Küste der Südinsel, nach Kaikoura, ein beliebter Ort für Robben-, Wal- und Delfinbeobachtungen. Das Wetter hatte sich wieder beruhigt und den blauen Himmel zierten zarte Wolkenmuster. Diesen Sonnentag nutzten wir für einen Spaziergang (und in Patricks Fall ein Nickerchen…) auf der Kaikoura Peninsula. Auf den Felsen und dem Kieselstrand fläzten Robben in der Sonne und liessen sich auch vom Geknipse vieler Touristen nicht stören. Scheinbar waren wir aber nicht nur in einer Robbenkolonie gelandet, sondern mitten in einer Schweizerkolonie. Das ansonsten in Neuseeland viel mehr vertretene Hochdeutsch und Israelisch war für einmal von Züri- und Berndütsch abgelöst.

Bei der Point Sheep Shearing Show waren wir dann allerdings wieder alleine zwischen Englischsprachigen. Der Schafzüchter und einstiger Speed-Shear-Profi Paul Avery zeigt uns mit viel Witz und Schalk, wie das Schaf innert drei Minuten seinen Pelz los wurde. Und dabei hatte er den Prozess absichtlich verlangsamt. Der aktuelle Speedshearing-Rekord liegt angeblich bei 866 Schafen in 8 Stunden! Unglaublich! Paul liess auch durchblicken, dass mit der Schafzucht heutzutage kein grosses Geld mehr zu machen sei. Pro Kilo Wolle seiner Schafrasse Drysdale erhält er 3 NZD, bei einer halbjährlichen Schur ergibt dies 9 NZD, also 18 NZD pro Schaf pro Jahr. Wahrlich kein Vermögen. Der Preis für die Merinoschafwolle läge immerhin bei 15 NZD pro Kilo.

Für den Folgetag hatten wir eine Bootstour zur Walbeobachtung gebucht: ein Spezialangebot der i-Site, wobei die zweite Person nur noch den halben Preis bezahlte. Bei einem Normalpreis von 145 NZD macht das schon etwas aus! Jedoch wollten wir uns die 98%-Chance auf Pottwale nicht entgehen lassen. Wenige Kilometer vor der Küste Kaikouras fällt der Meeresboden über 1000 Meter ab und Strömungen aus arktischen Gewässern bieten den Walen die perfekte Nahrungs- und Lebensgrundlage.

Morgens um 8 Uhr sind wir für drei Stunden mit dem Boot in See gestochen und wir haben noch müde geschmunzelt, als die Reiseleitung mehrmals auf die „one size fits all“-Brechtüten hinwies. Das erste Würgen liess trotz der relativ ruhigen See nicht lange auf sich warten. Wir wurden glücklicherweise von der Seeübelkeit verschont und konnten uns voll auf die Tiere konzentrieren. Und wir kamen wirklich auf unsere Kosten!

Ein Pottwal ist meistens 10 Minuten an der Oberfläche zum Luft holen, bevor er sich mit einem letzten tiefen Atemzug und mit der Schwanzflosse majestätisch aus dem Wasser wieder für fast eine Stunde in die Tiefe verabschieden. Insgesamt haben wir 12 Pottwale gesehen. Wow! Fast noch mehr begeistert waren wir aber von einer riesigen Gruppe Dusky Dolphins. Mehrere hundert Tiere schwammen mit unserem Boot mit, beschleunigten, sprangen hoch, spritzten verspielt Wasser zu uns hoch. Was für ein Fest mit ihnen!

Wie Wale und die Delfine waren wirklich ein krönender Abschluss unserer Neuseeland-Südinsel-Tour!

Miriam y Patrick

2 Kommentare
  1. yo
    yo sagte:

    määääääääh, wie niedlich:-D!!! von wegen keine kraft in den armen – das herzige vieh muss doch bestimmt u schwer gewesen sein!!!

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