Happy New Year – Pi Mai Lao

Zwar zufällig, aber zu unserer grossen Freude traf unser Besuch in Laos genau mit Pi Mai zusammen, dem laotischen Neujahr. Eigentlich geht die laotische Neujahrsfeier vom 13. bis zum 15. April, aber die Feierlichkeiten können gut zwei Wochen dauern, liessen wir uns sagen. Ein wichtiger Bestandteil des Festes ist Wasser, denn am offiziellen Umzug werden Segenswünsche in Form von Wasser an die Geistlichen verteilt.

Das Verteilen von Wasser schien uns nebst dem übermässigen Trinken von Bier mit Eiswürfeln und laut hämmerndem Happy-Techno DIE Attraktion schlechthin rund um Pi Mai. Auf den Strassen von Luang Prabang herrschte jeweils am Nachmittag Anarchie und es war unmöglich, vor die Tür zu gehen und nicht bis auf die Haut nass zu werden. Und ich hatte mich wahrlich bemüht, mit dem Rucksack und der in Plastiksäcklein eingewickelten Handtasche an den «Schlachtfeldern» vorbei zu schleichen.

Die Einheimischen standen mit Wassereimern und Gefässen aller Art am Strassenrand und los ging die Wasserschlacht. Ausgerüstet mit Wasserpistolen in allen Grössen, direkt aus dem Mekong gespiesene Schläuchen wurden alle vorbeifahrenden Gefährte bespritzt oder auch Fussgänger komplett eingenässt. Dort ein Eimer voll auf ein Tuk-Tuk, die Wasserkanone volles Rohr auf den Scooter mit den drei Laotinnen, eine Kelle ins offene Beifahrerfenster eines Autos… Niemand wurde verschont, auch Touristen nicht, die verzweifelt ihr Handy oder ihre Kamera in die Höhe hielten. Diese wurden dafür einfach vom Hals an abwärts mit Wasser übergossen.

Immer wieder düsten Motorräder mit Wasserpistolen bewaffneten Beifahrer vorbei oder von der Ladefläche eines Pick-ups wurden Wasserballone auf die Menschen am Strassenrand gepfeffert. Richtig übel wurde es dann, als noch Mehl und rote und grüne Lebensmittelfarbe ins Spiel kamen. Ist die Farbe erst einmal eingetrocknet, bringt man sie kaum mehr von der Haut ab, geschweige denn aus den Kleidern.

Alexis und Nicola waren natürlich vom ersten Tag an voll dabei und beteiligten sich mit den Nachbarskindern von unserem Guest House an einer Wasserschlacht. Mehrmals gingen wir am Nachmittag an die Strasse am Mekong. Sofort waren unsere Zwillinge auch ausgerüstet mit Wassertanks am Rücken oder irgendwelchen Spritz-Waffen und wurden von den Einheimischen miteinbezogen wie deren eigene Kinder. Alexis gefiel natürlich vor allem, dass er auch bei der Fütterungsrunde dazugehörte und er sperrte jeweils seinen Mund auf wie ein hungriges Vogelküken, wenn jedem Kind ein Löffel Fried Rice in den Mund geschoben wurde. Auch wir wurden immer eingeladen auf wässeriges Bier mit Eiswürfeln. Patrick empfand es als ziemlich gewöhnungsbedürftig und ich lehnte sowieso dankend ab.

Solche Wasserschlachten im heissesten Monat des Jahres passen natürlich perfekt. Leider entlud sich die Hitze genau am ersten offiziellen Neujahrstag in einem Gewitter und fortan regnete es jeden Tag einige Stunden. Richtig kalt wurde es trotz des Regens nicht, aber schade um die Feierlichkeiten mit Grill, Musik und Party war es trotzdem, denn alles findet draussen statt.

An manchen Abenden besuchten wir auch eine Art Luna-Park, der zum Neujahr etwas ausserhalb des Ortes aufgebaut worden war. Für umgerechnet 60 Rappen konnten die Kinder diverse Bahnen besuchen. Gut, auf die unsichere Konstruktion einer Achterbahn oder auf das klapprige Riesenrad hätten wir Alexis und Nicola nicht gelassen. Aber Hüpfburgen und Trampolin mögen sie sowieso lieber.

Nicola und Alexis waren die einzigen Westler-Kinder auf dem ganzen Luna-Park. Und wir waren jeweils die einzigen Eltern, die sich in Sichtweite zu den Vergnügungstempeln hingesetzt und auf die Kinder gewartet hatten. Die einheimischen Kinder – egal wie klein – wurden in die Hüpfburg verfrachtet und die Eltern zogen Richtung Markt oder Bars davon. Wohlgemerkt gab es keine Aufsicht. Andere Länder – andere Sitten. Ob nun die totale Freiheit wie in Laos oder die überbehütenden Helikopter-Eltern wie bei uns besser sind, sei dahingestellt.

Beim Trampolin fiel uns ein Junge von vielleicht sieben Jahren auf, der in zerschlissenen Kleidern und viel zu kleinen ausgelatschten Schuhen in einiger Entfernung zuschaute. Wir winkten ihn heran und zögerlich folgte er uns zur Trampolin-Aufsicht (ein Junge etwa im gleichen Alter). Dort bezahlten wir die 5000 Kip Eintritt für den ärmlichen Jungen und sein Gesicht begann zu leuchten, als er von uns ermutigt die Leiter zum Trampolin hochkletterte. So unbeholfen wie er sich dort bewegte, war er im Leben noch nie auf einem Trampolin gewesen. Im Spiel mit Nicola und Alexis gewann er jedoch schnell an Sicherheit und seine Augen strahlten immer mehr. Man kann eben auch im ganz Kleinen für jemanden etwas ganz Grosses tun!

Pi Mai Lao – Happy New Year Laos: Miriam Patrick Nicola Alexis

1 Antwort
  1. Helga
    Helga says:

    Happy Holly Festival lässt grüssen, mit dem gut jährigen souvenir von grünen haaren…😱😵😸

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