Heisskalte Tage in Sibirien

Dank einem überaus warmen Empfang am Bahnhof von Irkutsk hat uns auch dieser Ort trotz strömendem Regen und gerade mal 13°C bei Ankunft gut gefallen. Nach der Hitze in Moskau war uns ein wenig Abkühlung in Sibirien ganz willkommen. Vor allem aber freuten wir uns nach den russischen Grossstädten auf die Natur!

Von einer Bekanntschaft über drei Ecken wurde uns zugesichert, jemand würde uns am Bahnhof in Irkutsk abholen. Und so war es dann auch tatsächlich: in strömendem Regen am frühen Morgen warteten Mikhail und seine Tochter Taja auf uns. Taja lernt Deutsch in der Schule und übersetzte fleissig und mit Begeisterung hin und her.

Mikhail und Taja organisierten für uns eine geeignete Unterkunft in Irkutsk, was in Zeiten der Hochsaison gar nicht so einfach war. Ausserdem haben sie uns ihre Stadt gezeigt, uns zu einer Vorstellung mit Baikalrobben ausgeführt, uns zum ersten Omul (Fisch aus dem Baikalsee) eingeladen und uns überhaupt bei allen bürokratischen und organisatorischen Hürden geholfen. Dank ihnen haben wir uns sehr schnell wohl gefühlt!

Nach zwei Tagen in Irkutsk sind wir mit einer Mashryuta (Mini-Bus Modell SsangYong Istana) über holprige Strassen und Sandpisten voller Schlaglöcher auf die Insel Olchon im Baikalsee gefahren. Die Fahrt hat insgesamt 6 Stunden gedauert und ist ohne Pannen über die Bühne gegangen. Ein Radwechsel oder sonstige kleine Reparaturen scheinen ansonsten mit auf den Weg zu gehören.

Auf Olchon sind wir zwei Wochen geblieben. Der Baikalsee ist das grösste Süsswasserreservoir der Welt und wird nicht zu Unrecht „Perle Sibiriens“ genannt. Mit fast 700km Länge, 80km an der breitesten Stelle und bis 1700m maximale Tiefe ist das Wasservermögen immens. Gerade auch wegen dieser Tiefe erreicht die Wassertemperatur auch im Sommer kaum mehr als 12°C, ausser in einigen geschützten Buchten. Schon nur wenn man am Ufer entlang spaziert, ist die Kälte vom See her spürbar.

Doch wie es sich für einen richtigen Überlebenskämpfer wie Patrick gehört, schreckt auch das kälteste Wasser nicht ab vor einem Bad. Schliesslich ist man wahrscheinlich nur ein Mal im Leben am Baikalsee! Insgesamt war Patrick vier Mal im Baikalsee baden. Miriam hat immerhin die Füsse ins Wasser gehalten und dann sicher eine Stunde gebraucht, um sich wieder einigermassen aufzuwärmen.

Der Hauptort der Insel Olchon heisst Kuzhir. Kuzhir ist kaum mehr als eine Ansammlung von Holzhäusern und Sandpisten. Geteerte Strassen gibt es auf der ganzen Insel keine. In Kuzhir haben wir in einem Zimmer bei einer russischen Familie gewohnt und die Mahlzeiten und übrigen Annehmlichkeiten (Bsp. eine Toilette mit Wasserspülung oder vor allem auch die Banya) im Nikita’s Homestead genossen, einer Art Hippi-Kommune, die Unterkünfte vergibt.

In der ersten Nacht hatten wir nur ca. 10°C in unserem Holzzimmerchen. Nachher stand eine Kiste voller Holz vor unsere Tür und Patrick hat jeden Abend vor dem Schlafen gehen den kleinen Metallofen eingeheizt und wir hatten es richtig gemütlich in der guten Stube.

Auf Olchon gibt es erst seit dem Jahr 2005 Strom und alles ist noch sehr einfach gehalten. Wir hätten es sogar noch etwas ursprünglicher erwartet, doch wahrscheinlich seit Nikita’s Homestead im Lonely Planet erwähnt ist und seit die Russen mit ihren Autos die ganze Insel befahren können, wird Olchon in den warmen Sommermonaten richtiggehend überschwemmt. Leider hat dies auch zur Folge, dass die weiten Wiesen und Wälder und der Strand insbesondere rund um Kuzhir voller Plastikabfälle, Dosen und Glasscherben (ja, tatsächlich oft von Vodka-Flaschen!) sind.

Doch wer sich auf die Suche macht, findet auch den ursprünglichen Charme und das naturbelassene Olchon. Wir waren oft zu Fuss unterwegs und sind viel wandern gegangen, über die Klippen dem See entlang, durch den Wald oder über die weiten Grasebenen. Um Tiere zu sehen, muss man die Augen gut offen halten. Im Wald haben wir nur Kühe angetroffen, auf den Wiesen kleine Hörnchen ähnlich den Murmeltieren und das Highlight waren ein Adlerpärchen auf der Jagd.

Ansonsten haben wir uns auch den einen oder anderen Tag am Strand gegönnt, sogar in Badehose und Bikini wenn mal kein Wind wehte. In den zwei Wochen hat es nur an zwei Tagen geregnet. Dann war es aber auch eisig kalt und wir haben uns wohl irgendwo im Durchzug erkältet. So kam unsere gepackte Apotheke immerhin auch schon zum Einsatz. Wenn der kalte Wind vom Baikalsee her nicht wäre, wäre tagsüber immer um die 25°C. Dabei sei dieses Jahr ein äusserst kalter Sommer in Sibirien, sonst hätten sie jeweils auch um die 30°C oder mehr.

Über dieselbe holprige Strecke ging es mit der Mashryutka wieder zurück nach Irkutsk, wo wir den Luxus eines Hotels mit Wi-Fi und einem zum Zimmer gehörenden Badezimmer mit eigener Dusche noch einmal richtig auskosten. Die letzten Einkäufe (WC-Papier, Knabbereien) sind getätigt und wir sind bereit für die nächste Zugfahrt heute Abend. Wir hoffen auf eine reibungslose Grenzüberquerung und freuen uns sehr auf die Mongolei!

Bis zum nächsten Bericht kann es eine Weile dauern, je nachdem, wann wir wieder Internet haben. In Ulan Bataar, der Hauptstadt der Mongolei, sind wir erst in rund einem Monat.

Doswidanje Russland und Doswidanje ihr Lieben! myp

5 Kommentare
  1. myp
    myp says:

    Zur Info: hier folgen irgendwann noch Fotos, aber im Moment krieg ich das irgendwie nicht hin in Sibirien und bin auf den weltbesten Webmaster in der Schweiz angewiesen! Also einfach später nochmals nachschauen, die Fotos folgen noch…

    Grüessli, Miriam

  2. yo
    yo says:

    …booooooooooooooooh, so spannend:)!!! danke danke danke für die tollen berichte *ichwillmeeeeeeeeehr* 😉 gute reise, hoffentlich klappt alles gut beim grenzübergang (und hoffentlich so lange wie ich meinen wetteinsatz angegeben habe ;-P) und grüsst alle ganz lieb – hebets guet & gute weiterreise:)!!! *knuddelwuddel*

  3. michu
    michu says:

    ahhh…. esch cool was der so erläbet, esch wörklech spannend! ich plange of wiiteri gschechte. i goh jetzt mou of dom. rep. juhuuuuuu……
    lg zepis

  4. jeannine
    jeannine says:

    so… genial, eueri reisebricht mit amüsanta illustrationa und was ihr ALLES ERLEBEND!!! und immer dradänka: *d’welt isch do zum aluega* 😉 *cordials salids*

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