Hiroshima – Himeji – Kobe

Von den einsamen Küstenstrassen entlang dem japanischen Meer landeten wir an der Pazifikküste wieder mitten im Geschehen. Diese Teilstrecke unserer Japan-Rundreise bot Stoff zum Nachdenken, aber auch zum in die Weite schauen.

Hiroshima kennen wir aus den Geschichtsbüchern im Zusammenhang mit dem zweiten Weltkrieg und dem Abwurf der Atombombe. Unseren ersten Tag widmeten wir den verschiedenen Denkmälern und dem Museum. Im Friedenspark im Zentrum der Stadt steht der Atombombendom, die Überreste eines der wenigen Gebäude, das trotz der Lage mitten im Epizentrum der Atombombe stehen geblieben ist. Das Kinderdenkmal gedenkt den vielen Schulkindern, die damals ums Leben gekommen sind, und eine Flamme im Park wird so lange brennen, wie es noch Atombomben auf der Welt gibt. Das aktuelle Thema der Atommächte dieser Welt nimmt auch das Museum auf. Ausserdem sind dort die Geschehnisse vom 6. August 1945 auf eine ergreifende Art und Weise dokumentiert und die Schicksalsgeschichten einzelner Personen gehen einem sehr nahe. Trotz vieler Besucher in den Museumshallen herrscht eine bedrückende Stille.

Doch mit Hiroshima werden wir nicht weiter nur die Atombombe assoziieren. Hiroshima ist alles andere als eine verbitterte und nachtragende Stadt, sondern ein pulsierender, kosmopolitischer Ort mit offenen, freundlichen Leuten, Kultur und wunderschöner Natur.

Das Regenwetter hielt uns nicht davon ab, am zweiten Tag mit der Fähre zur Insel Miyajima zu fahren und auf den höchsten Punkt der Insel zu wandern. Bei den 530 Metern Höhe über Waldwege und Treppenstufen wurde einem von alleine wieder warm! Auf Miyajima befindet sich der Itsukushima-Schrein, eine weitere UNESCO-Welterbstätte, mit einem Schreintor im Wasser. Bei unserer Ankunft am Morgen herrschte Ebbe und wir konnten fast bis ganz zum Tor hinlaufen. Bei Flut am Nachmittag schien das Tor dann auf den Wellen zu schweben. Auch einen schönen buddhistischen Tempel haben wir besucht, mit einer Gartenanlage voller Ahornbäumen, deren Blätter sich bereits gelb und rot gefärbt hatten.

Von Hiroshima sind wir weiter nach Himeji weitergefahren, um das berühmteste Schloss des Landes, das auch zu den UNESCO-Welterben zählt, anzuschauen. Doch was für eine Enttäuschung insbesondere für den Burg- und Schlossfan Miriam! Das Hauptgebäude mit den Türmen war fast vollständig eingepackt mit Baugerüsten. Das Schloss wird bis im Jahr 2014 renoviert, erfuhren wir von der örtlichen Touristeninformation. Wie schade! Einen Teil der Schlossanlage konnten wir trotzdem besichtigen, aber ganz so schöne Fotos wie erhofft sind wegen der Renovation nicht entstanden. Immerhin schien zum ersten Mal seit Tagen wieder einmal die Sonne und aus den Schlossfenstern sahen wir den blauen Himmel.

Von Himeji steuerten wir Kobe mit einer ganz bestimmten kulinarischen Mission an. Denn Fleisch-Fans wie Matthias und Patrick können doch nicht aus Japan ausreisen, ohne das berühmte Fleisch der Kobe-Rinder gekostet zu haben. Dieses Fleisch soll das beste der Welt sein und um die aufwändige Fütterung und Haltung der Rinder ranken sich diverse Mythen, wie dass das Tier täglich massiert wird oder mit Sake oder Bier getränkt wird. Was davon wirklich wahr ist, haben wir nicht herausgefunden.

Im Stadtzentrum von Kobe empfahl und eine japanische Passantin ein Restaurant in einem Seitengässlein und es war genau die richtige Wahl. Vier Kobe-Beef-Menus wurden geordert, der Koch stellte sich gleich zu uns an den Tisch und bereitete Gemüse und das Kobe-Steak direkt vor unseren Augen auf der erhitzten Platte zu. Die Fleischstücke waren ein Genuss, sie schmeckten noch besser, als in den kühnsten Fleisch-Träumen ausgemalt. So geschmackvolles und butterzartes Fleisch hatten wir noch nie gegessen! Da musste sogar Miriam, die in den letzten Monaten fast fleischlos gelebt hatte, kosten.

Unsere Japan-Rundreise führt schon wieder langsam zurück nach Tokyo, noch mit einem kleinen Schlenker durch Japans Gebirge.

Mit vollem Bauch und vollem Herz: Miriam y Patrick