Im Dschungel am Kinabatangan River

Affen springen von Ast zu Ast in schwindelerregender Höhe, vom Krokodil schauen nur die Augen aus dem bräunlichgrauen Flusswasser, eine riesige Echse verschwindet im Dickicht, die Silhouette eines Nashornvogels im Abendlicht. Und wir mittendrin im Dschungelgeschehen! Genau deswegen sind wir nach Malaysian Borneo gekommen!

Von Kota Kinabalu aus fuhren wir mit dem Bus nach Kota Kinabatangan, stiegen dort um Richtung Kinabatangan Fluss und trafen nach einer Flussüberquerung nach fast sieben Stunden in der Nature Lodge ein. Wir hatten auch diesmal wieder die günstigere Dorm-Variante reserviert, hatten aber den Raum – von den vielen Stechmücken einmal abgesehen – die ganze Zeit für uns alleine.

Die Nature Lodge ist ein einfach gehaltene, kleinere Anlage mitten in der Natur. Folgende Aktivitäten standen täglich auf dem Programm:

06:00: Flussfahrt (ca. 1.5 Stunden)
07:30: Frühstück
09:00: Dschungel-Trekking (ca. 3 Stunden)
12:15: Mittagessen
16:00: Flussfahrt (ca. 2 Stunden)
19:15: Abendessen
20:30: Nacht-Trekking (ca. 1 Stunde)

Selbstverständlich haben wir überall teilgenommen, auch wenn es jeweils am Nachmittag wie aus Kübeln goss, wir beim Dschungel-Trekking Knöchel tief durch den Sumpf waten mussten und abschliessend am ganzen Körper voller Schlammspritzer waren. Die Kleidung klebte vom Schweiss wie auch vom fast Flaschenweise verwendeten Mückenmittel, welches trotzdem nicht alle Insekten abhalten vermochte. Doch wir haben es genossen, Teil dieser Dschungelnatur zu sein!

Zur frühen Morgenstunde sowie am späteren Nachmittag ist am Fluss am meisten los, da um diese Zeit zahlreiche Wildtiere ans Flussufer zurückkehren zwecks Energietanken oder Futtersuche. So tuckerten wir mit dem Boot über den Fluss, dicht entlang der Böschung, immer auf der Suche nach Tieren.

Die Affen kündigten sich durch ihr Geschrei schon von weitem an. Besonders zur Abendzeit bewegte sich jede höhere Baumkrone und grosse Gruppen von Proboscis Nasenaffen sowie Longtail oder Pigtail Makaken taten sich an den Baumfrüchten gütlich oder sprangen durch das Geäst. Über uns hinweg flogen Nashornvögel, Reiher, Fischadler sowie auch schon mal die kleineren wunderschön bunten Eisvögel oder Bienenfresser. Monitorwarane sonnten sich auf den über den Fluss hängenden Ästen.

Schon schwieriger zu entdecken und nur selten anzutreffen sind Elefanten, Krokodile und wildlebende Orang Utans. Wir hatten mit allen dreien Glück. Gleich auf unserer ersten Flussfahrt sahen wir einen ausgewachsenen Orang Utan, wie er hoch oben in einer Baumkrone Äste abbrach und sein Nachtlager vorbereitete. In einem Nebenarm des Kinabatangan Flusses trafen wir auf eine ganze Gruppen von Pygmäen Elefanten, eine der kleinsten Elefantenarten der Welt. Nur wenige Meter vor uns rissen sie Grasbüschel am Flussufer aus und scharten sich beschützend um ein Jungtier, welches aber immer wieder zwischen den dicken Beinen der übrigen Elefanten hervorlugte. Und von einem noch jungen Krokodil sahen wir die glasigen Äuglein und die langgestreckte Schnauze aus dem braunen Flusswasser schauen.

Schon während unserer Anreise hatten wir leer geschluckt: so weit das Auge reichte nur Palmöl-Plantagen, tausende von Hektaren. Ob flussauf- oder abwärts am Kinabatangan River, eher früher als später weicht die dichte Vegetation des Dschungels den Palmöl-Plantagen. Bereits ein Fünftel der malaysischen Provinz Sabah soll aus Palmöl-Plantagen bestehen. Dafür weichen musste Dschungel, Lebensraum von so vielen inzwischen bedrohten Tieren. Mit der Abholzung sei es nun zu Ende, versicherte unser Guide. Der WWF überwache die Situation über einen Satelliten. Dem möchten wir gerne glauben, den Mitgliederbeitrag des WWF zahlen wir nun noch lieber.

Im sanften Licht des Abends tuckerten wir wieder zur Lodge zurück und nach einer Stärkung in Form eines Nachtessens trauten wir uns nochmals zu Fuss auf einen Dschungelpfad. Vögel fanden wir nur noch vom Schein unserer Lampen paralysiert auf Ästen sitzend. In der Dunkelheit waren nun andere Tiere unterwegs, die Affen verstummt. Auf den ersten grossen Skorpion trafen wir schon zwanzig Meter hinter unserer Unterkunft (immer schön die Schuhe ausschütteln vor dem Anziehen!). In einer Pfütze machte sich ein Wasserskorpion an Patricks Stiefel zu schaffen, kam aber nicht gegen die dicke Gummischicht an. Eine Zibetkatze schaute von einem Ast misstrauisch zu uns herüber. Lediglich vor den Spinnen, riesengrossen Tausendfüsslern und den Blutegeln haben wir lieber Abstand gehalten.

Unsere Erwartungen von diesen vier Tagen am Kinabatangan Fluss wurden bei weitem übertroffen! So viele Tiere haben wir gesehen und wussten auf den Flussfahrten manchmal gar nicht, wo hinzuschauen, da es auf beiden Seiten gleich in mehreren Bäumen, am Himmel und auch am Flussufer etwas zu sehen gab! Wildtiere in ihrer natürlichen Umgebung zu sehen, tut der Seele gut!

Auch den Jahreswechsel haben wir inmitten dieser Dschungeltiere verbracht respektive verschlafen. Am folgenden Morgen um 7 Uhr waren wir bereits wieder auf dem Fluss unterwegs und dachten dabei fest an unsere Familien und Freunde zu Hause in Europa, die zu eben diesem Zeitpunkt ins neue Jahr wechselten. Unser Gedanken wenn nicht auch unser Wunsch für das neue Jahr: nicht noch mehr Urwald vernichten lassen durch Palmöl-Plantagen! Wir werden zukünftig mehr darauf achten, welche Produkte Palmöl enthalten.

Happy New Year! Miriam y Patrick

3 Kommentare
  1. Susanne
    Susanne says:

    Danke für eure interessanten Berichte und schönen Fotos! Ihr bringt uns damit immer ein Stück von der „grossen, weiten“ Welt in unsere Stube! Wir wünschen euch ein abenteuerliches, gesundes 2011 und freuen uns über ein Wiedersehen in diesem Jahr! Liebe Grüsse Michael, Susanne & Malin

  2. Käthi
    Käthi says:

    Hallo Miriam y Patrick

    Ich Wünsche euch alles Gute fürs 2011 und für den Rest eurer Reise. Geniesst es weiterhin in vollen Zügen, was glaube ich euch gut gelingt, gemäss der inmmer schönen Berichterstattungen.

    All the best
    Käthi

  3. yo
    yo says:

    oha… musste vorhin beim betrachten der fotos ein paar mal regelrecht aufschreien – huiiiii!!! danke für die tollen fotos und berichte!!! und jöööööööööööööööööööööööh… ihr wisst schon wo;-) und ich finde es toll, dass ihr wegen dem palmöl guckt – das ist so wichtig und jeder könnte das tun, mit so wenig aufwand:( *knuddelwuddel*

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