Ein kurzer Stopp in der Hauptstadt, noch mehr Busfahren. In Piura wurden wir „gerettet“ von einem Pastor. Man muss schon auch Glück haben auf einer solchen Reise!

Von Lima selber haben wir nicht viel gesehen, Perus Hauptstadt hat uns etwas eingeschüchtert. Unterkunftsmässig haben wir uns dafür etwas besonderes gegönnt: das Best Western Embajadores Hotel. Vier von Miriams ehemaligen Arbeitskollegen haben uns einen Gutschein mit auf die Reise gegeben, der sich weltweit in allen Best Western Hotels einsetzen lässt (Muchas gracias!). Wir waren ganz aus dem Häuschen: wieder einmal eine richtige Matratze, Begrüssungsschöggeli auf dem Bett, eine saubere Toilette zum Hinsetzen, Dusche mit heissem Wasser und haufenweise flaumiger Frottiertücher. Und erst das Frühstücksbuffet! Wie bescheiden man doch wird auf einer solchen Reise :-)!

Das Hotel befand sich im noblen Quartier Miraflores direkt an der steilen Meeresküste. Gespickt mit kleinen Parks, Bars und Restaurants hat es uns dort sehr gut gefallen. Im Gegensatz zum Zentrum rund um den Plaza de Armas fühlten wir uns dort auch am Abend sicher. Viel angeschaut haben wir uns nicht von der Stadt, dafür waren wir wieder einmal im Kino: Piratas del Caribe – Navegando Aguas Misteriosas in 3D! Jack Sparrow wird langsam zu einem richtigen Held à la James Bond!

Mit einem Nachtbus sind wir von Lima weiter in den Norden gefahren. Natürlich wieder mit „Cruz del Sur“. Doch diesmal waren ausser uns keine anderen Touristen im Bus. Wollte denn keiner nach Piura? Warum nicht, haben wir kurz nach unserer Ankunft gut verstanden. Wir sind dort keinen anderen „Gringos“ begegnet.

Grenzstädte sind meistens weder speziell schön, noch besonders sicher, aber Piura übertraf unsere Erwartungen diesbezüglich – in negativem Sinne. Man hätte meinen können, wir wären mit dem Nachtbus bis nach Afrika gefahren: einfache Hütten aus Ästen und Lehm, kleine magere Kinder trieben Ziegenherden über die karge Ebene, die vereinzelten Dornenbüschen hingen voller Plastiksäckchen, die der Wind wohl vom Strassenrand weggeweht hatte, bis sie irgendwo hängen blieben. Die Stadt selber war arm und schmutzig und hinterliess bei uns ein mulmiges Gefühl, dass wir instinktiv unser Hab und Gut enger an uns pressten.

Wir hatten eigentlich vor, direkt einen Bus nach Ecuador zu suchen. An der Gepäckausgabe sprach uns ein älterer Herr an, mit dem sich Miriam schon vor der Abfahrt in Lima kurz unterhalten hatte. Er stellte sich als Pastor Carlos von der Pfarrschule Susana Wesley vor. Er warnte uns vor Überfällen und anderen bösen Machenschaften in Piura und bot uns an, unser Gepäck in der sicheren Schule zwischenzulagern. Das Angebot nahmen wir gerne an. Pastor Carlos führte uns danach zur Busgesellschaft „Loja“, wo wir erst für den folgenden Morgen einen Weitertransport fanden. So hiess es also, eine Nacht in dem gefährlichen Piura zu überstehen.

Pastor Carlos lud uns spontan zu einem Mittagessen ein und bot uns ausserdem an, hinter den sicheren Mauern der Pfarrschule die Nacht zu verbringen. Sie würden in einem Klassenzimmer einfache Betten aufstellen, da sie für ein Seminar am Wochenende noch einige Priester und Schwestern erwarteten. Der einzige Haken: wir würden in unterschiedlichen Zimmern schlafen, denn Mann und Frau im gleichen Raum in einer Missionsschule, das geht natürlich nicht. Natürlich nahmen wir das Angebot trotzdem gerne an.

Pastor Carlos zeigte uns noch das Zentrum von Piura und schickte uns in einem Taxi auf den Handwerkermarkt von Catacaos, nicht ohne die Registrierung des Taxis zu notieren und uns einzuschärfen, vor Einbruch der Dunkelheit um 18.00 Uhr zurück in der Pfarrschule zu sein. Nachher sei es in dem Viertel zu gefährlich.

Die Escuela Parroquial Susana Wesley befindet sich in einem Armenviertel der Stadt Piura und kümmert sich zurzeit um rund fünfhundert Kinder. Der Staat Peru unterstützt die Schule mit drei Lehrkräften, alles übrige wird von Hilfsorganisationen und Kirchen aus Europa unterstützt. Besonders Stolz ist Pastor Carlos auf die Förderung von hochbegabten Kindern, denn die Bildung nebst einem christlichen Wertesystem seien der einzige Weg aus der Armut.

Die Kinder umringten uns neugierig und die Hilfs- und Lehrkräfte in der Escuela Parroquial nahmen uns mit offenen Armen auf und kümmerten sich rührend um uns. Von einer finanziellen Unterstützung unsererseits wollten sie nichts wissen, das sei christliche Nächstenliebe und wir seien ihre Gäste. Und was für dankbare Gäste! Hinter den hohen Mauern der Escuela haben wir einige Stunden Ruhe und wertvollen Schlaf gefunden, bevor wir uns am nächsten Tag weiterreisten.

Mit einem „Feliz viaje y que Dios les bendiga“ wurden wir auf den Weg geschickt Richtung Ecuador. Nach drei Stunden erreichten wir bereits den Grenzübergang. Den Vorgang kannten wir ja bereits: alle aus dem Bus aussteigen, zuerst den nötigen Ausreisestempel holen, weiterlaufen (in diesem Fall wieder über eine Brücke), den nötigen Einreisestempel holen und fertig. Nur dass sich diesmal der ecuadorianische Grenzbeamte weigerte, Miriam einreisen zu lassen, weil man den Ausreisestempel von Peru nicht lesen könne. Also nochmals zurück laufen, sich vom peruanischen Grenzbeamten beschimpfen lassen, bevor er nochmal einen Stempel in den Pass drückte, und wieder nach Ecuador über die Brücke laufen und dann gab es doch noch den erlösenden Einreisestempel nach Ecuador!

Irgendwie war ein wenig der Wurm drin in unserer Peru-Reise, aber dank Pastor Carlos ist doch noch alles gut gekommen! Solche Begegnungen machen das Reisen aus!

Miriam y Patrick

1 Kommentar
  1. yo
    yo sagte:

    *rofl* – blau für die jungs, rosa für die mädchen…;-)…einfach genial:-D! so lieb vom pastor, echt. und dass der peruanische grenzbeamte noch schimpft (wegen seinem schlechten stempel) – the cheeeeek of him!!! immerhin ist alles gut gegangen *freu*:)

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