In den drei Schluchten vom Yangtse

Chengdu ist der ideale Ausgangspunkt für einen Abstecher an den Yangtse-Fluss. Das Tal ist spätestens seit dem umstrittenen Bau einer Talsperre, der Drei-Schluchten-Staumauer, weltberühmt. Dadurch stieg der Wasserstand um 175m an, über eine Million Menschen wurden umgesiedelt und die Schäden an Umwelt und Kultur sowie die Risiken können bis heute noch nicht richtig abgeschätzt werden. Nichtsdestotrotz ist die Staumauer ein faszinierendes Bauwerk und die Schluchtenlandschaft wunderschön.

Für die Yangtse-Flussfahrt bieten sich Luxusboote für ausländische Touristen an oder chinesische Boote, wobei letztere deutlich weniger kosten. Zur Schonung unseres Reisebudgets fiel unsere Wahl auf ein chinesisches Boot. Nach der letzten Zugfahrt mit dem Mitfahrer in Handschellen war eigentlich Miriams Bedingung, dass wir auf einem chinesischen Boot eine 2er-Kabine buchen. Die dann natürlich zur grossen Ferienzeit nicht mehr verfügbar war! Aber man muss halt Kompromisse eingehen und wir haben schliesslich eine 4er-Kabine gebucht für drei Tage und zwei Nächte.

So sind wir von Chengdu mit dem Bus nach Chongqing (übrigens die grösste chinesische Stadt mit über 30 Millionen Einwohnern!) und weiter nach Wuzhan gefahren, wo das chinesische Boot in der Dunkelheit auf uns wartete. Gleich nach Ankunft lernten wir unsere beiden Mitbewohner kennen: Cheng und Wang, zwei chinesische IT-Studenten aus Kunming. Beide sprachen ein wenig Englisch und sie haben sich uns sogleich angenommen und sind bis zum Ende der Flussfahrt kaum mehr von unserer Seite gewichen. Sie wollten viel über unser Land wissen, haben uns überall hinbegleitet, für uns übersetzt und waren einfach stolz, uns den anderen chinesischen Gästen zu präsentieren. Von den ca. 300 Gästen auf dem Schiff waren nämlich nur gerade sieben „Weisse“ und somit eine richtige Attraktion.

Mit Cheng und Wang hatten wir wirklich grosses Glück, wenn wir jeweils einen Blick in andere Kabinen erhaschten, wo man vor lauter Rauch die Hand nicht mehr vor den Augen erkennen oder die Rotz- und Spuckgeräusche noch durch die Wand hören konnte.

Mit den gewöhnlichen Vorstellungen von einer Kreuzfahrt hatte die Flussfahrt auf dem Yangtse nicht viel gemeinsam, da es auf dem Boot relativ alt, schmutzig und laut war. Für das Essen mussten wir immer selber sorgen, was unter den herrschenden hygienischen Umständen wohl auch zu unserem Vorteil war. Aber auf dieser Flussfahrt sind wird dem untouristischen und unverfälschten China ein grosses Stück näher gekommen und hatten eine tolle Zeit!

Alleine der Besuch von Sehenswürdigkeiten mit chinesischen Touristen ist ein Erlebnis. Zum einen braucht der chinesische Tourist alles komplett durchorganisiert. Zwischen den Events wird entweder geschlafen oder gegessen, Kommandos von den Tourguides erfolgen über Lautsprecher. Wir haben beispielsweise den Zhang Feng Tempel mitten in der Nacht besucht. Beim Warten auf den Landgang oder beim Umsteigen auf ein kleineres Boot wird nicht rücksichtsvoll angestanden, wie wir das kennen, sondern es geht ein Gerenne, Gedränge, Geschubse und Geschrei los, fast ähnlich einer Massenpanik. Das selbe Benehmen ist beim Einsteigen in einen Bus der Fall oder auch beim Besuchen von Sehenswürdigkeiten. Die grösste Herausforderung auf dieser Flussfahrt war, ein Foto zu knipsen, ohne dass ein chinesischer Tourist durchs Bild rennt oder einem anrempelt. Das Rezept für ein erfolgreiches Überstehen unter Chinesen: einfach alles mitmachen und sich gleich benehmen!

Nein, mit einem Boot voller chinesischer Touristen möchte man definitiv nicht kentern! Und auf dem Yangtse-Fluss erst recht nicht, denn dieser wird nicht zu unrecht auch als „grösste Toilette der Welt“ bezeichnet. Das Wasser ist eine Kloake und so schmutzig, dass es einen schon wundert, ob die kleinen Fischerboote überhaupt noch etwas in ihren Netzen finden. Auch die chinesischen Touristen auf unserem Boot haben ihren Teil beigetragen und beispielsweise nach dem Essen die Plastikfolie vom Hühnerfuss oder den Kartonbehälter der Fertignudeln einfach über Bord geworfen. Hauptverantwortlich für die Verschmutzung soll aber die Industrie sein, welche ihre teils hochgiftigen Abwässer und Abfälle ungefiltert in den Fluss kippen.

Mit unserem grossen Boot sind wir durch die Qutang-Schlucht, die Wu-Schlucht und die Xiling-Schlucht gefahren und mit einem kleineren Boot haben wir einen Abstecher in die drei kleinen Schluchten gemacht. Dort ist der Wasserweg noch enger und die Berge fallen noch steiler. In den bewaldeten Gebieten sollen sich auch Wildaffen tummeln, doch die haben wir durch den Regen und Nebel leider nicht gesehen. Am letzten Tag konnten wir immerhin noch Sonnenschein auf dem Aussichtsdeck des Bootes geniessen. Zuvor hatten wir die Sonne längere Zeit nicht mehr gesehen wegen dem Smog in den Städten und den Regenwolken über dem Yangtse.

Der Abschluss der Flussfahrt bildete ein Besuch der Drei-Schluchten-Staumauer in Sandouping. Es lässt einem schon staunen, wenn man das riesige Bauprojekt aus den Medien kennt und man es dann aus nächster Nähe sehen kann. Die Staumauer ist 2.3km lang und bis 185m hoch und vom Bauwerksvolumen die grösste Staumauer der Welt. Die Energiegewinnung durch die Wasserkraft entspricht etwa 18 Atomkraftwerken. Natürlich gab es bei der Führung ein grosses Loblied auf das ganze chinesische Bauprojekt. Doch die nächsten Jahren werden zeigen, ob die Kritiken aus der ganzen Welt nicht doch auch berechtigt sind.

Von Sandouping sind wir sogleich mit dem Bus nach Yichang und weiter nach Wuhan gefahren, wo wir den nächsten möglichen Nachtzug nach Südchina genommen haben. Und hier bleiben wir nun einmal längere Zeit in der gleichen Region und ruhen uns aus :-).

Ihr lest bald wieder von uns! Auf Wiedersehen in China! Miriam y Patrick

1 Antwort
  1. michu
    michu says:

    Servus zäme

    Es get momänt, woni grad met öich wörd tusche ond de gets desi woni froh be, dass i vor em pc hocke 😉

    Pädle du gsehsch afi rechtig verfilzt us, sötsch mou es „full-body-peeling“ mache!

    Grüss us de chaute ond ränerische schwiiz

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