Nach einem reibungslosen Grenzübertritt besuchten wir als erstes eine Wallfahrtskirche und reisten über Popayán zu den archäologischen Stätten von San Agustín, wo wir auch die erste Bekanntschaft mit den kolumbianischen Soldaten machten.

„Rumichaca ist der einzige sichere Grenzübergang. Und auf keinen Fall nachts reisen!“, wurde uns nahe gelegt für die Grenzüberquerung von Ecuador nach Kolumbien. Von Quito aus waren es fünf Stunden Busfahrt bis nach Tulcán, die Grenzstadt seitens Ecuador. Von einem Taxi liessen wir uns bis zum Grenzübergang Rumichaca chauffieren, holten uns den Ausreisestempel von den ecuadorianischen Behörden, marschierten über die Brücke des Río Rumichaca, holten uns nach Abgabe unserer Fingerabdrücke – das ist doch mal fortschrittlich – den Einreisestempel von den kolumbianischen Behörden et voilà! So einfach kann es gehen!

Ipiales und Santuario de las Lajas
Die vielen Geldwechsler direkt am Grenzübergang waren schnell abgeschüttelt und ein Taxi Colectivo (fährt erst los, wenn es voll ist) brachte uns ins Zentrum von Ipiales, der Grenzstadt seitens Kolumbien. Dort holten wir uns kolumbianische Pesos von einem Geldautomaten, an welchem wir im Gegensatz zu den Geldwechsler auf der Strasse sicher den richtigen Wechselkurs und kein Falschgeld bekamen.

Da sich der Nachmittag bereits dem Ende zuneigte und es in dieser Region angeblich bei nächtlichen Busfahrten öfters zu Überfällen kommt, entschieden wir uns, die Nacht in Ipiales zu verbringen. Typische Traveller Hostals schien es dort keine zu geben, wir sind auch keinen anderen Gringos begegnet. In der Nähe der Plaza Central fanden wir ein Doppelzimmer im Hotel Nogal.

Unser erster Eindruck von der kolumbianischen Bevölkerung war, dass sie noch viel freundlicher und zuvorkommender sind als die Südamerikaner, die wir bis jetzt kennengelernt hatten. Zumindest wenn es um Dienstleistungen und Geschäfte geht. Überall werden wir mit „a la orden!“ (zu Deutsch: zu Diensten!) begrüsst und auch der Mann vom Strassenstand war überaus hilfsbereit und führte uns persönlich zum Hotel oder zum Supermarkt, ohne eine Gegenleistung zu verlangen.

Vor Einbruch der Dunkelheit blieb uns noch eine Stunde Zeit, die Wallfahrtskirche El Santuario de la Virgen del Rosario de las Lajas zu besuchen, eine der meist besuchten Wallfahrtsorte Südamerikas. Uns gefiel der grau-weisse Steinbau nach gotischem Stil und insbesondere die Lage mit der Brücke über die Schlucht des Guiatara-Flusses. Tja, wenn wir schon am ersten Tag in Kolumbien eine Kirche besuchen, muss unsere Aufenthalt in diesem Land unter einem guten Stern stehen!

Popayán
Am folgenden Tag schien die Sonne wieder und wir fuhren mit Bus über Pasto bis in die nächste grössere Stadt Popayán. Wir hatten uns für eine schnellere Fahrt – sechs statt acht Stunden – mit einem etwas teureren Kleinbus entschieden. Tatsächlich dauerte die Fahrt dann wegen einem Platten (Werkzeug war schnell zur Hand: aus einer Munitionskiste) doch ganze zehn Stunden. Die milde angenehme Temperatur veränderte sich unterwegs in feuchte Hitze, der Laub- und Nadelwald verwandelte sich in tropisches Dickicht und Bananenplantagen und die hellbraune Hautfarbe der Bevölkerung wich immer mehr dunkler Haut. Als wir schliesslich in Popayán eintrafen, regnete es in Strömen und bis wir endlich ein Taxi vom Terminal zum Trail Hostal im Stadtzentrum erwischten, war es bereits dunkel.

Da wir am Folgetag nicht schon wieder Stunden in einem Bus sitzen wollten (Zitat Patrick: „sösch gheit mer de öppe de Arsch ab!“), blieben wir einen Tag in Popayán und schauten uns die Stadt an. Im Hostal gab man uns den Rat auf den Weg, uns nur im Zentrum mit den weissen Häuserwänden aufzuhalten, die Aussenquartiere seien nicht sicher. Popayán wird wegen den weissgetünchten Kolonialhäuser auch „La Ciudad Blanca“, die weisse Stadt, genannt. Mit um die 200’000 Einwohnern lebt die Handelsstadt heute vor allem vom Anbau von Zuckerrohr, Mais, Bananen, Kakao und Kaffee in einer äusserst fruchtbaren Vulkangegend. In Popayán assen wir unsere erste feine Arepa (typisch kolumbianischer Maisfladen), tranken für 1.50 CHF einen Krug frisch gepressten Orangensaft und organisierten unsere Weiterreise.

San Agustín
Dass wir mit einem Kleinbus für knapp mehr als hundert Kilometer von Popayán nach San Agustín sechs Stunden brauchten, lässt auf den schlechten Zustand der Strasse schliessen. Die Schotterstrasse war durch den Regen der vergangenen Tagen dermassen aufgeweicht, dass die Hinterachse des Busses mehrmals wegrutschte. Auf einer Höhe von fast 4000m ü. M. änderte die Vegetation in dichten Dschungel. Entlang der Strasse konnten wir mehrere Militärcamps ausmachen, Soldaten mit Sturmgewehren patroullierten und es standen sogar Schützenpanzer im dichten Grün. Patrick war bei dem Anblick dieser übermässigen Militärpräsenz fasziniert, Miriam eher irritiert.

Schliesslich wurde der Bus von einer Gruppe Soldaten angehalten: Checkpoint, alles aussteigen, hiess es, Männer nach rechts, Frauen nach links. Der ganze Bus und das Gepäck wurden durchsucht, die Männer abgetastet und deren Identität überprüft. Auch Patrick musste sich zur Körperkontrolle mit erhobenen Händen an den Bus stellen und musste den Pass zur Prüfung abgeben. Die Soldaten waren alle sehr freundlich und uns als einzige Gringos im Bus beruhigten sie noch, sie seien lediglich als „Präsenz“ in dieser Gegend, um die Stabilität und Sicherheit zu garantieren. Später lasen wir jedoch im Internet, dass erst vor kurzer Zeit in dieser Gegend Anschläge gegeben hatte. Die berüchtigte Guerilla ist inzwischen in die Tiefen des Amazonas-Gebietes zurückgedrängt und holt wohl hin und wieder zu Verzweiflungsschlägen aus. Die allgemeine hohe Präsenz von bewaffnetem Militär sollte uns aber eigentlich beruhigen. Wir durften alle wieder in den Bus einsteigen und weiterfahren.

San Agustín erlebten wir als ruhigen und friedlichen Ort mit sehr freundlichen Bewohnern. Wir wohnten etwas ausserhalb des Dorfes in der Finca „El Maco“. Dass diese Unterkunft von einem Schweizer aufgebaut wurde, erkannten wir beispielsweise an den Moskitonetzen von IKEA, an dem Frühstück mit selbstgebackenem knusprigen Brot und Müesli ebenso wie an den vorwiegend Deutsch sprechenden anderen Gästen. Wir hatte unser eigene kleine Cabaña im Garten und fühlten uns wohl.

Die Gegend um San Agustín ist archäologisch sehr interessant. Ein präkolumbianisches Volk, welches vor 2000 bis 3000 Jahren dort lebte, hat geheimnisvolle Monumente hinterlassen. Eine Schrift hatten sie nicht, Knochen, Holz, Gras und andere vergängliche Materialien sind in dem feuchten Klima längst zerfallen. Geblieben sind beeindruckende Steinskulpturen und -figuren, über deren Entstehung und Bedeutung man heute rätselt. Angeblich war Erich von Däniken vor ein paar Jahren auch in San Agustín auf Forschungsreise.

Wir erkundigten die Figuren mit Jaguarzähnen und Megalithen im Parque Arqueológico zu Fuss und machten einen Reitausflug in die umliegenden Berge, wo wir weitere Steinfiguren und vor allem aber atemberaubende Landschaften vorfanden. Die Pferde waren nicht so einfach unter Kontrolle zu halten, am liebsten preschten sie in Galopp vorwärts. Zum Glück sind wir inzwischen einigermassen geübte Reiter, wir hatten unseren Spass.

Ebenfalls im Zeichen der Pferde stand das Wochenende im Dorfzentrum San Agustín. Mit grossen Augen verfolgten wir eine Reiterparade. Gross und Klein stolzierten durch die Gassen, Vierbeiner und Zweibeiner herausgeputzt, Mann mit Hut und Schnapsflasche, Frau mit Stöckelschuhen und die Handtasche locker über den Sattelknauf geschwungen.

Nach rund einer Woche fühlen wir uns richtig eingetaucht in das kolumbianische Leben und das Land gefällt uns!

Bald wieder „a la orden“ mit dem nächsten Bericht: Miriam y Patrick

 

3 Kommentare
  1. yo
    yo sagte:

    *ROFL*@ jesus-bild… eine erstaunliche ähnlichkeit!!! fehlt nur noch der kranz;-) schön über san augustin und der kirche zu lesen! weiterhin viel spass *knuddelwuddel*

  2. myp
    myp sagte:

    mein bart ist nur so lang weil mein naasenhaare trimmer den gest aufgeben würde müsste er sich durch diesen jungel arbeiten…..hehehehe

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