Am heutigen Datum vor genau einem Jahr haben wir die Schweiz verlassen. Was haben wir in den 365 Tagen nicht alles erlebt! Und unsere Reise ist noch nicht zu Ende. Zumindest nicht ganz, aber der Heimflug ist gebucht.

Wie doch die Zeit vergeht! In den ersten drei Reisemonate in Russland, der Mongolei und in China schienen sich die Tage noch in die Länge zu ziehen. Doch spätestens ab Japan und dann sicher auf den Philippinen, wo vier Wochen auf der gleichen kleinen Insel im Nu vorbei waren, nahm die Zeit eine andere Geschwindigkeit an. Indonesien, über Weihnachten und Neujahr kurz in Malaysia-Borneo und wieder zurück nach Indonesien, Bali, wo wir schliesslich wahrhaftig auf der anderen Seite der Erdkugel, nämlich in Neuseeland strandeten.

Und seit Anfang März haben wir uns vom südlichsten Zipfel Südamerikas über Chile, Bolivien, Peru, Ecuador bis nach Kolumbien gearbeitet. Dort wollte und wollte die Zeit zwar auf manchen Überland-Busfahrten nicht vorbei gehen, doch rückblickend sind auch die fünf Monate verflogen. Heute sind wir wieder in Buenos Aires, wo unser Südamerika-Abenteuer begann und mit dem heutigen Tag endet. Und damit ist ein ganzes Reisejahr komplett.

Am Anfang unserer Reise hätten wir uns noch nicht vorstellen können, dass wir vom Reisen je genug bekommen können. Schliesslich erfüllen wir uns mit der Weltreise einen gemeinsamen grossen Lebenstraum und bekanntlich sind die schönsten Momente im Leben diejenigen, wo Träume zur Realität werden. Das können wir bestätigen.

Doch langsam häufen sich die Anzeichen, dass ein Jahr Weltreise eigentlich genug für uns ist:

  • Ein Tempel ist einfach nur ein Tempel (Asien) und eine Kirche ist einfach nur noch eine Kirche (Südamerika), ob diese nun die ältesten, grössten, am meisten besuchten Bauwerke sind. Wir haben schon sooooo viele Tempel und Kirchen der Superlative gesehen, unser Barometer der Aufnahmefähigkeit zeigt gegen Null.
  • Wir sehen das türkisblaue Meer zwar immer noch. Die Müllberge, das Verkehrschaos und andere Ärgernisse drängen sich aber immer mehr in unseren Blickwinkel.
  • Dem nächsten Taxifahrer, der uns den dreifachen Preis verlangt oder mit uns zehn Mal um den Block fährt, damit der Taximeter weiter ansteigt, springt Miriam an die Gurgel.
  • Wir flippen fast aus, wenn eine Bäckerei knuspriges Brot anbietet und wollen uns nur noch davon ernähren.
  • Miriam träumt schon von Toilettenbrillen so sauber, dass man sich wieder einmal hinsetzen könnte. Baño Compartido in Südamerika heisst, dass im Abfalleimer (und manchmal auch in der Dusche…) gut sichtbare Spuren sämtliche „Aktivitäten“ der vorherigen Nutzer verraten, in allen Braun-, Gelb-, Rot- und manchmal auch Weisstönen. Bäh!
  • In Patricks Bart verfängt sich schon so viel Essen, dass dies locker als Proviant für eine zehn stündige Busfahrt reicht. Der für die Rasur vorgesehene Nasenhaar-Trimmer ist längst an seine Grenzen gestossen.
  • Patricks Haare reichen weit über die Schultern, im nassen Zustand sogar bis Mitte Rücken. Es wäre an der Zeit, die Spliss-Spitzen zu schneiden.
  • Schlafen auf durchgeleierten Matratzen, fleckigem Bettzeug oder in Hängematten so stark Schweiss getränkt, dass man darauf Reis anpflanzen könnte, verliert langsam ihren Reiz.
  • Unsere Trekkingschuhe haben kaum mehr Profil, die von Miriam mussten schon zwei Mal genäht werden. Die Innensohlen hatten wir ein Mal in Chile ersetzt.
  • Patricks Jeanshose wurde im Schritt bereits zwei Mal genäht, einmal auf den Philippinen und dann noch einmal in Peru. Miriam hat keine Jeans mehr dabei. Von Patricks Unterhosen ist noch eine einzige ohne Loch, eine Notfall-Unterhose gab es vom Wühltisch in Bogotá.
  • 1 Paar Schuhe, 1 Paar Flipflops, zwei Hosen, einige T-Shirts und Pullover. Unsere Kleidung kennt keine Abwechslung und wir sind ausser in der Wildnis immer under dressed. Beim Gedanken an die Kleiderkisten zu Hause mit all den schönen Sachen drin fühlen wir uns wie kurz vor Weihnachten.
  • Vom vielen Rucksack tragen ist uns das Gepäck-Gewicht so vertraut, wir würden sogar das Fehlen einer schmutzigen Socke „erfühlen“.
  • Nach 10 Stück gefälschten Ray-Ban-Sonnenbrillen, die zerbrochen, verrostet, matt oder einfach „verschwunden“ sind, wäre es wieder einmal an der Zeit für mehr Qualität. Für alle diese Verschleiss-Brillen zusammen haben wir nicht mehr als einen Drittel einer Original-Brille bezahlt.
  • Miriam zeigt erste Anzeichen von Reue, viel zu wenige Souvenirs eingekauft zu haben.
  • In den Duty Free Zone an Flughäfen ist unser Highlight, wieder einmal Parfüm aufzutragen.
  • Unsere interne Rangliste der Reisenden, die uns am meisten auf die Nerven gehen, nimmt bereits ein solches Ausmass an, dass wir sie nicht mehr im Kopf behalten können. Die Rangliste gibt es auf Anfrage nach unserer Rückkehr.

Aber natürlich ist der Hauptgrund für ein Ende unserer doch so freudigen und einzigartigen Weltreise, weil wir unsere Familien (und Katzen) und unsere Freunde einfach wahnsinnig fest vermissen!

Weitere Reiseplanung
Mit unserem spontanen Abstecher noch nach Afrika wird sich die Zeitdauer unserer Weltreise nun doch auf fast vierzehn Monate erstrecken. Seit wir Karen und John aus Südafrika auf unserer China-Reise kennenlernten, haben wir die Flugverbindungen von Südamerika nach Südafrika beobachtet. Und schliesslich ein günstiges Angebot (ca. 400 CHF, Malaysian Airways) gefunden und den Flug von Buenos Aires nach Kapstadt gebucht.

Wie wir vom Norden Südamerikas wieder in Argentiniens Hauptstadt gelangen, haben wir uns damals noch keine Gedanken gemacht. Die günstigere Busfahrt von 170 Stunden haben wir aus Zeitüberlegungen ausgeschlossen, in diese zusätzlichen sieben Tage wollten wir lieber noch mehr von Kolumbien kennenlernen. Doch diese Busverbindung Bogota – Buenos Aires gibt es wirklich. Nun bezahlen wir für einen Flug mit LAN von Bogotá nach Buenos Aires (über Lima und eigentlich noch weiter nach Iguazu, doch die letzte Strecke haben wir einfach verfallen lassen) zwar etwas mehr als für den Kontinentenwechsel nach Südafrika…

Am 1. August 2011 treffen wir in Südafrika ein und werden ein paar Tage bei Karen und John in Kapstadt bleiben. Anschliessend reisen wir mit ihnen zusammen für eine Woche durch ihr Heimatland. Wohin, womit und wie es danach weitergeht, wissen wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Der nächste Fixpunkt wird unser Heimflug in die Schweiz sein, und zwar am 5. September 2011 ab Windhoek, Namibia. Der Flug über Johannesburg und Doha wird uns zwar fast zwanzig Stunden kosten, aber hey, auch das war ein günstiges Angebot für rund 500 CHF. Am Flughafen Zürich treffen wir am Dienstagnachmittag, 6. September 2011 ein.

Uns bleiben also jetzt noch fünf Wochen Afrika, genauer Südafrika und Namibia als krönender Abschluss einer wirklichen Weltreise über Europa, Asien, Australien Südamerika und Afrika. Das werden unsere strapazierte Ausrüstung und unsere manchmal nicht weniger strapazierten Nerven schon noch aushalten!

Wir haben jetzt schon die Wettbewerbe für unsere letzten Reiseländer aufgeschaltet. Ihr könnt ab sofort eure Schätzungen abgeben zu Win South Africa und zu Win Namibia und wir bringen euch ein Geschenk aus diesen Reiseländern mit nach Hause. Viel Glück!

Nun freuen wir uns sehr auf das Wiedersehen mit Karen und John als erster Schritt mit einem Gefühl von „Heimkehr“. In wenigen Stunden geht unser Direktflug nach Kapstadt und bis dahin feiern wir unser Weltreise-Jahresjubiläum noch in Buenos Aires!

Prost, Miriam y Patrick

6 Kommentare
  1. Mättu
    Mättu sagte:

    Das Jahr esch ergendwie so schnell vergange 🙂 Zum Glück händ mer euch bald weder bi eus :)))) Gniessed no die ledschde 4 Woche!

  2. yo
    yo sagte:

    …*ROFL* – zu risiken und nebenwirkungen lesen sie die packungsbeilage und fragen sie ihren arzt oder apotheker… tausend dank für die „symptome“ – ihr habt meine bauchmuskeln wirklich gekitzelt;-) wünsche euch einen angenehmen flug und eine superschöne zeit in afrika:-D!!! *knuddelwuddel*

  3. Monica
    Monica sagte:

    Ich finds guet dass ihr bald hai chömet – wird langsam höchsti Ziit! 🙂 Miss you.

  4. Christiane
    Christiane sagte:

    Hallo ihr zwei Lieben,

    viele der Anzeichen kann auch ich sehr gut nachempfinden und trotzdem habe ich mich noch nicht satt gereist. Wir sind inzwischen in Sydney und geniessen den Flair hier und uebrigens, wir waren auch in der Oper, naja und ebenfalls underdressed 🙂

    Wir wuenschen euch auf jeden Fall ganz viel Spass in Suedafrika und ein sicheres Heimkommen.

    LG
    Christiane

  5. sam
    sam sagte:

    herzlichen glückwunsch zum jubiläum und geniesst die restlichen tag und wochen wie wenn’s die ersten wären. uhambo oluhle (oder so), sam

  6. Lisbeth
    Lisbeth sagte:

    Da bekomm ich ja Gänsehaut beim Lesen…

    Ihr seid nun in Südafrika und ich wünsche
    euch eine tolle Zeit 😀
    Was mache ich nur, wenn es keine neuen Reiseeindrücke
    mehr hier auf der Webseite zu lesen gibt? Es wird
    mir fehlen!

    Aber dafür gibt es dann wieder echte Briefe aus
    der Schweiz.

    Viel Spaß in Afrika!!!
    Lisbeth

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