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Kahurangi, Abel Tasman und Golden Bay

„Die Sonnengegend Neuseelands“ wird das Gebiet im Norden der Südinsel nicht umsonst genannt. Wir haben den Küstenabschnitt zu Fuss und zu Wasser erforscht und kamen eine Woche lang in den Genuss von ganz viel Sonnenschein und keinem Tropfen Regen.

Kahurangi Nationalpark

Die Strecke von Greymouth an der Westküste bis Motueka an der Nordküste wollten wir durch eine Übernachtung auf einem DOC Camp und Wanderungen in der Umgebung unterbrechen. Dass die DOC Camps meistens abgelegen sind, war uns bekannt. Aber so sehr abgelegen wie der Siberia bei Tapawera im Kahurangi National Park, das hätten wir nicht erwartet. Die Fahrt in das Tal erschien uns wie Stunden, vorbei an vereinzelten Farmen, durch Bäche und „Fords“. Nach weiteren zehn Kilometern besonders schmaler und kurviger Kieselstrasse erwarteten wir eigentlich nur noch Fuchs und Hase, die sich Gut Nacht wünschten.

Statt dessen wurden wir in der letzten Kurve vor dem DOC Camp Siberia von einem Mann in Leuchtweste angehalten und konnten hinter ihm eine ganze Gruppe uniformierter Personen ausmachen sowie eine Kolonne Range Rover, ja gar ein Helikopter der Air Force New Zealand, der gerade im Begriff war zu landen. Was war denn hier los! Der uniformierte Mann klärte uns schnell auf. Ein Wanderer war seit mehreren Tagen vermisst, sie durchkämmten bereits seit 36 Stunden mit Bodentruppen und aus der Luft das ganze Berggelände. Bisher erfolglos.

Patrick nutzte die Pause, um sich den Helikopter aus der Nähe anzuschauen. Für Miriam war der Entschluss bereits gefasst, dass es keine Wanderung geben sollte durch ein abgelegenes Gelände, welches Suchtrupps durchkämmten nach einer wahrscheinlich abgestürzten Person und in einem Berggebiet mit Gewitteraussichten. Den mühsamen Weg zurück auf die Hauptstrasse wollten wir uns trotzdem nicht sofort wieder antun und wir sind die Nacht auf dem DOC Camp geblieben. An und für sich ein schöner Ort, wenn die Sandfliegen nicht wären, die in Schwärmen auf uns losgingen und sich vom Insektenspray „Off!“, den wir noch immer aus Indonesien mitführten, nicht im geringsten abschrecken liessen. Am nächsten Morgen wurden wir von Rotorenlärm von inzwischen zwei Hubschraubern geweckt. Also weiter ging’s.

Abel Tasman Nationalpark

Der Abel Tasman Nationalpark erstreckt sich mit 23’000 ha Wald- und Buschland vom Meer bis an den Takaka Hill. Bei einheimischen und ausländischen Touristen gleichermassen beliebt ist aber vor allem die Küste, wo bewaldete Hügelkämme und Felsnasen von goldgelben Sandstränden und Wattlagunen unterbrochen sind.

Miriam hatte von ihren Arbeitskollegen bei Qnamic zum Abschied einen Gutschein für einen Tag Kajak im Abel Tasman Nationalpark bekommen. Auf dieses Abenteuer freuten wir uns natürlich sehr, schliesslich sind wir auch in der Schweiz immer mal wieder mit dem Ruderboot auf der Aare anzutreffen. Dass dies zwei verschiedene Paar Schuhe sind, sollten wir schnell herausfinden.

Während unter Patricks Kollegen das Briefing für eine Aarefahrt aus einem „Chlapf ad Ohre“ und „Täuchle im eisigen Wasser“ besteht, nahmen es die Leute von Kaiteriteri Freedom Kajak sehr genau. Nach langer Warterei und einer völlig übertriebenen Einleitung von fast drei Stunden durften wir endlich ins Wasser mit dem Kajak, doch ans selbständige Lospaddeln war noch nicht zu denken. Zuerst mussten wir einige der Rudermanöver, die wir bereits im Trockenen durchgespielt hatten, nochmals wiederholen. Kindergarten… Aber immer schön bei Laune bleiben!

Schliesslich durften wir alleine losziehen, wir kämpften uns den Paddelweg über das fast flache Meer, aber gegen den Wind, vorbei an hohen Felsen. Wir konnten frei jeden Nationalparkstrand ansteuern, den wir wollten, und wagten uns sogar zu Adele Island hinaus, auf der sich ein Vogelschutzgebiet befindet und die Kormorane von den Felsen auf uns Kajakpaddler herab abschauten. Schön, wenn uns das Paddeln auch ganz schön schaffte!

Der Rückweg an den Strand, wo wir das Kajak wieder abgeben mussten, erwies sich nochmals als eine besondere Herausforderung. Wellen brachten unser Kajak ganz schön ins Wanken, die Strömung trieb uns prompt in die entgegengesetzte Richtung und die Sonne brannte erbarmungslos auf uns nieder. Völlig erschöpft erreichten wir schliesslich wieder das Ufer. Da ist eine Aarefahrt doch gemütlicher. Aber die Kulisse vom Abel Tasman Nationalpark mit dem dichten Buschwerk, den feinsandigen Buchten ist perfekt zu entdecken mit dem Kajak!

Von der Landesseite haben wir den Park ebenfalls erkundet, auf der Strecke des berühmten Great Walks als Zweitagesmarsch. Mit dem Wassertaxi liessen wir uns bis zur Tonga Bucht chauffieren, von wo aus wir mit einer Zeltübernachtung in Anchorage bis nach Marahau dem Coastal Walk folgten. Ein einfacher, leider auch etwas überbevölkerter Weg, wo man sicher alle fünf Minuten ein „Hi“ oder „How do you do“ zugerufen bekommt. Fast wie in den Schweizer Bergen mit dem „Grüezi“. Aber man kann es keinem Verübeln, der Weg bot immer wieder Aussicht auf weisse Sandbuchten, über die wir bei Ebbe auch eine Abkürzung nehmen konnten.

Golden Bay

Von Miriams Freundin Jeannine hatten wir den Tipp bekommen, noch weiter in den Norden zu fahren. Der sollte mindestens genau so schön sein wie der Abel Tasman, abzüglich der vielen Touristen. Von Marahau sind wir der Küste gefolgt nach Takaka und Collingwood, eine gemütliche Hippie- und Aussteigergegend hinter einer kurvigen Passstrasse. In der Nähe von Pakawau haben wir im The Innlet eine Unterkunft gefunden, welche diesen gelassenen Freigeist wie in einer grossen Wohngemeinschaft vereinte: The Innlet. Wir stellten unser Zelt im Garten auf und haben noch zwei Mal um eine Nacht verlängert, so gut hatte es uns gefallen.

Wir waren wandern in der Nähe vom Farewell Spit, einer kilometerlangen Sanddüne, die sichelförmig ins Meer hinaus ragt, am Cape Farewell, dem nördlichsten Punkt der Südinsel, sowie am Wharariki Strand, der uns mit dem einsamen Sandstrand und den rund geschliffenen Felsen am allerbesten gefallen hatte. Bei Ebbe ging das Wasser soweit zurück, dass wir zu einem grossen Felsen hinlaufen konnten, wo junge Robben in grossen Gruppen in Wasserpools herumtollten. Auch da hätten wir wieder Stundenlang zuschauen können!

Miriam hat sich einem Yoga-Abend der Einheimischen angeschlossen, welcher von einem älteren Mann mit langem Bart und noch viel längeren grauen Dreadlocks geleitet wurde. Aus all den Haaren leuchteten stechend blaue Augen. Nach zwei Stunden Verrenkungen, tief Ein- und Ausatmen sowie Harmoniesitzung um eine Kerze wurde Miriam mit den Worten verabschiedet: „You have strong legs, a strong heart, but you have to work on your arms and your back.“ Alles klar, ein Tag Kajak war noch nicht genug!

Während Miriams Yoga-Seminar zog Patrick bei Ebbe mit einem Eimer dem Strand entlang und sammelte Miesmuscheln ein, die wir zurück im The Innlet in einem grossen Topf dämpften und verspeisten. Frischer kann es fast nicht sein und geschmeckt hat es wunderbar!

Mit Umarmungen wurden wir im The Innlet verabschiedet von Roberto und Dani, zwei Deutschen, die sich mit ihrer Arbeit Kost und Logis erarbeiten, von Allen, einem 78jährigen Engländer, der mit dem Motorroller und Zelt alleine Neuseeland bereist, von Katharina, eine Allgäuerin, die bald in Chur eine neue Stelle antritt, und Marlen und Franz aus Österreich, mit denen wir uns prompt in der nächsten Stadt, Nelson, gleich wieder verabredeten.

Aus diesem neuseeländischen Sunshine State nehmen wir ganz viel Sonnenschein mit!

Miriam y Patrick

3 Kommentare
  1. Mättu
    Mättu says:

    Neuseeland rückt immer weiter nach oben auf der Ferienliste. Traumhaft! Und wie immer super Fotos. Mr Miagi im Heli erinnert mich irgendwie ans A-Team 🙂

    Zum Glück wart ihr weit weg vom Epizentrum!

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