In Johannesburg wurden wir auf eine beängstigenden Art willkommen geheissen. Mit dem Mietauto erkundigten wir den Krüger Nationalpark auf eigene Faust und staunten über die Vielzahl und Nähe zu Elefanten, Löwen, Giraffen & co.

„If you want to save your life, take a taxi.“ Diesen Hinweis bekamen wir am Informationsschalter in Johannesburg auf unsere Frage, wie wir denn am besten vom Busterminal zum Flughafen kämen. Wir hatten an eine öffentliche Verkehrsverbindung gedacht, doch schliesslich ist uns unser Leben doch noch etwas wert und wir machten uns auf die Suche nach einem Taxi. Ein offizielles Taxi fanden wir keines und stiegen dann schlechten Bauchgefühls doch zu einem Mann ins Auto, der versprach, uns zum Flughafen zu bringen. Dies erschien uns die bessere Option, als am Busterminal zu bleiben, wo sich immer mehr Männer um uns gruppierten, einander in Zulu Sätze zuriefen und uns misstrauisch beäugten. Im Auto hatten wir jedoch so richtig Angst. Wir fürchteten, unsere Reise würde in einer dunklen Gasse oder einer Township enden. Doch diese Gegenden waren alles nur Abkürzungen, 25 Minuten später konnten wir wieder aufatmen, wir waren am Flughafen angekommen.

Von Tempest Rental Cars nahmen wir unseren Mietwagen in Empfang und dann nichts wie raus aus Johannesburg. Über www.aroundaboutcars.com.co hatten wir für die restlichen sechs Tage ein günstiges Auto gemietet (ca. 160 CHF), einen Elefanten-grauen Tata Indigo, 1.2 Liter, mit Servolenkung, Klimaanlage und elektronische Fensterheber (ein entscheidender Vorteil für Schnappschüsse direkt aus dem Auto). Klein aber überraschend oho (als indische Automarke :-)) und perfekt für unsere Tour.

Wir folgten der N4 nach Osten und schlugen im sehr einfachen Bushpackers in Hazyview unser Lager auf. Von dort aus fuhren wir an einem Tag die Panorama Route über Graskop dem Felsplateau folgend, mit atemberaubender Aussichten in die weite Ebene, besondere Felsformationen vom Blyde Canyon oder ausgewaschene Steinbassins.

Nach Hazyview und später noch für zwei Nächte nach Komatipoort (Krüger View Backpacker, sehr empfehlenswert) waren wir wegen ihrer Nähe zum Krüger Nationalpark gereist. In den Camps im Nationalpark fanden wir nämlich leider keine zahlbaren Übernachtungsmöglichkeiten mehr, sogar die Campingplätze waren alle ausgebucht. Dabei sei eigentlich Nebensaison. Tatsächlich trafen wir nur auf wenige ausländische Touristen, dafür auf umso mehr Südafrikaner. Aber auch Hazyview und Komatipoort eignen sich perfekt als Ausgangsbasis für Safari oder „Game Drive“, wie die Südafrikaner sagen, denn beide liegen nur rund 15km weg von Toren in den Krüger Nationalpark.

So kam es, dass wir den Wecker jeweils um 5:00 Uhr stellten, unser Müesli mit Joghurt und frischen Früchten assen (ja, in Südafrika ist wieder alles erhältlich wie zu Hause) und losfuhren, um pünktlich zur Toröffnung um 6:00 Uhr den Tageseintritt für 180 SRA (ca. 18 CHF) pro Person zu lösen und in den Krüger Nationalpark einzufahren. In der ersten halben Stunde erlebten wir den wunderbarsten Sonnenuntergang, atmeten die würzige Luft ein und lauschten den Vogel- und Tierlauten in der Wildnis. Mit unserem Elefanten-grauen Tata fuhren wir jeden Tag an die 200km im Park, hielten nach Tieren Ausschau und stoppten immer wieder, um sie zu beobachten. Und das ganze zwölf Stunden lang, bis sich der glutroter Sonnenball hinter den südafrikanischen Horizont gesenkt hatte und wir so schnell wie möglich (max. Geschwindigkeit im Park ist 50km/h) Richtung Ausgang düsten, denn um 18:00 Uhr wurden die Tore wieder geschlossen. Und schliesslich wollten wir keine Busse oder gar ein Nationalpark-Verbot riskieren. Mit vom Fahrtwind geröteter Augen und voller glücklicher Eindrücke waren wir dann bereits um 20:00 Uhr im Bett, um am nächsten Tag wiederum um 5:00 Uhr wach zu sein, bereit für den nächsten Nationalpark-Tag.

Insgesamt verbrachten wir drei Tage im Krüger Nationalpark, wobei jeder Tag besser wurde als der nächste. Den ersten Tag brauchten wir, um die besten Zeiten und Aufenthaltsorte der Tiere herauszufinden (Strasse entlang des Sabie-Flusses) und unsere Augen ans Beobachten zu gewöhnen. Am zweiten Tag hatten wir die besten Lichtverhältnisse und die Tiere kamen uns am nächsten, wodurch die spektakulärsten Fotos entstanden (zum Beispiel Giraffe bei Sonnenunter, Löwe direkt neben dem Auto, Nashorn 5m von uns weg). Und am dritten Tag hatten wir die berühmten „Big Five“, Elefant, Büffel, Nashorn, Leopard und Löwe, schon vor 9:00 Uhr gesehen. Von den seltenen Löwen zählten wir sogar zehn Stück an jenem Tag.

Am meisten sahen wir wohl Impalas, eine kleinere Gazellenart, die in grösseren Herden grasten, denen sich auch manchmal ein Zebra oder gar ein Büffel angeschlossen hatte. Wasserböcke und Kudus so gross wie Kühe sahen wir ebenso wie ganze Herden von Zebras und Gnus, immer wieder Giraffen, die meistens in der Nähe der Strasse Blätter von hohen Baumwipfel zupften. Die Elefanten schienen unseren Elefanten-grauen Tata fast als einen von sich zu akzeptieren, denn manchmal überquerten sie gemächlichen Schrittes nur wenige Meter neben uns die Strasse. Hingegen bei Anwesenheit von grösseren Geländewagen verfielen sie in aggressive Gesten, die Ohren aufgespannt und mit dem Kopf wackelnd. Was für riesige graue Tiere, ein ausgewachsenes Männchen kann bis zu 6800kg wiegen. Auch mit den massigen Büffeln war nicht zu spassen, vorsichtig tuckerten wir an ihnen vorbei, wenn sie an der Strasse standen. In Wasserlöcher oder am Flussufer tummelten sich Nilpferde, Krokodile lagen auf der Lauer nach Gazellen, die zum Tränken kamen. Wir freuten uns aber auch über die zahlreichen kleineren Tiere wie Wachtel, Perlhühner, Hornraben, Paviane, Grünmeerkatzen, Streifen- und Zwergmangusten, Ockerfusshörnchen und auch immer wieder lustig die Familien von Warzenschweinen. Wir sahen noch viel mehr Vögel und Säugetieren, von denen wir die Namen nicht kannten. Per Zufall entdeckten wir in einem Baum einen Leopard, der sich dort gemütlich in eine Astgabelung gelegt hatte. Was für ein Glück, von den „Big Five“ sind diese am schwersten zu finden. Kurz nach Sonnenaufgang sahen wir einmal eine Hyäne und kurz nach Sonnenuntergang ein Pärchen Schabrakenschakale, beide seltene Tiere.

Was für tolle drei Tage im Krüger Nationalpark, für uns Tier-Fans ein weiteres Highlight auf unserer Weltreise! Vor allem haben wir gestaunt, wie nahe die Tiere ans Auto kamen. Bei den vielen Touristen im Park haben sie die Scheu wohl bereits verloren. Man bedenke, unsere kleine Kamera hat einen Zoom von maximal 44.4mm, sehr viel lässt sich also damit nicht herholen. Und trotzdem sind und Nahaufnahmen von vielen Tieren gelungen. Übrigens löste sich während unserer Safari-Tour eine Feder vom Zoom-Knopf und wir befürchteten schon, nun sei es für unsere letzten 3 Wochen Weltreise vorbei mit dem Fotografieren. Doch zum Glück funktioniert alles noch, wenn auch etwas umständlicher mit dem Zoom.

Von Komatipoort wählten wir den Rückweg nach Johannesburg spontan durch Swasiland. Uns schien, als hätte der König von Swasiland einfach die Berge eingegrenzt und zu seinem Land erklärt. So hatten wir dort einige Passstrassen zu fahren. Gehalten haben wir nur ein Mal an einem Aussichtspunkt, die übrige Zeit standen wir zu fest unter Spannung, da unsere Tankanzeige Ewigkeiten rot aufleuchtete und eine Tankstelle wollte und wollte einfach nicht kommen! Erst an der Grenze und damit für uns schon wieder beim Verlassen von Swasiland. Nochmals einmal Glück gehabt, wir sind fast 60km auf Spartank gefahren.

Nach einer Übernachtung in Ermelo, weil es gerade gut auf dem Weg lag, haben wir unseren Elefanten-grauen Tata mit 1955km mehr auf der Anzeige am Flughafen in Johannesburg wieder abgegeben. Das war es mit Südafrika, unsere Reise geht nun weiter nach Namibia, hoffentlich wieder mit ganz vielen Tieren!

Miriam y Patrick

5 Kommentare
  1. Lisbeth
    Lisbeth sagte:

    Super Tierfotos (:

    Viel Spaß beim letzten Abschnitt eurer Reise!!!!!!

    Liebe Grüße von Lisbeth

  2. myp
    myp sagte:

    Nachtrag zum Thema Nashorn-Wilderei in Südafrika (Ausschnitt aus Zeitungsartikel, Allgemeine Zeitung – Älteste Tageszeitung Namibias – vom 31. August 2011):
    Die Zahl illegal getöteter Nashörner in Südafrika ist so hoch wie noch nie: In diesem Jahr hätten Wilderer bereits 279 Nashörner erlegt, sagte Umweltministerin Edna Molewa in Pretoria. 2010 waren in Südafrika 333 Nashörner illegal getötet worden. Das waren dreimal so viel wie noch 2007. In diesem Jahr droht eine neue Rekordmarke.(…)
    In Südafrika ist inzwischen sogar das Militär in den Kampf gegen Wilderer miteinbezogen. Immer wieder kommt es zu Schiessereien zwischen Wildhütern und Wilderern. (…)
    Allein im Krüger National Park sind in diesem Jahr schon 169 Nashörner illegal getötet worden. (…) Nach Erkenntnissen der Behörden wildern technisch hoch gerüstete Banden – teilweise mit Hubschraubern und Nachtsichtgeräten – im Auftrag der organisierten Kriminalität.
    Hintergrund der Wildere sind die enormen Preise des Nashorns vor allem in Asien. Über 50’000 EURO kostet nach Expertenangaben auf dem Schwarzmarkt ein Kilo Nashorn. Es wird vor allem in der asiatischen Natur-Medizin verwendet und soll eine aphrodisierende Wirkung haben.
    Rund 70 Prozent der Nashörner in der Welt leben nach Angaben der Naturschutzorganisation WWF in Südafrika.

  3. yo
    yo sagte:

    …wunderbar!!! traue mich fast nicht mehr weiterzulesen – behalte es als leckerli für hie und da;-) superschöne bilder – da kommen erinnerungen hoch, aber solches glück hatte ich damals nicht bei allen tieren – wie schön, wow… muss sehr eindrücklich gewesen sein!!! und was für eine traurige geschichte mit den nashörnern:(… das darf doch einfach nicht sein:(…

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