Der erste Bericht zu Ecuador hat eine Weile auf sich warten lassen. Hier sind nun unsere ersten vier Stationen vom Hochland bis an die Küste Ecuadors.

Loja
„Aguita o juguito, amiguito?“ Ein Wässerchen oder ein Säftchen, mein Freundchen, hiess es von den zahlreichen Verkäufern, die gleich nach der Grenze zu uns in den Bus stiegen. Willkommen in Ecuador, dem Land der spanischen Verniedlichung!

Gegen Abend kamen wir mit dem Bus von Piura an und haben uns sofort auf die Suche nach einer Unterkunft gemacht. Was sich gar nicht so einfach gestaltete, weil die meisten Reisenden gar nicht in Loja bleiben, sondern entweder den benachbarten Ferienort Vilcabamba ansteuern oder sogleich nach Cuenca weiterreisen. Nachdem wir von unseren Bolivien-Reisegspänli Christine und Marcel mitbekommen hatten, dass ihnen am helllichten Tag und quasi unter dem Hintern weg im Bus von Loja nach Cuenca ihre Spiegelreflex-Kamera und die Sonnenbrille gestohlen wurden, wollten wir eine Nachtbusfahrt erst recht nicht riskieren. So verbrachten wir die Nacht im Hotel Saraguros in Loja und fuhren am folgenden Tag nach Cuenca, unser Handgepäck immer schön auf dem Schoss.

Cuenca
Cuenca gilt als besonders malerische Stadt und hat uns mit dem übersichtlichen und zu Fuss begehbaren Zentrum sehr gut gefallen. Miriams Freundinnen Sandra und Danielle hatten dort vor vier Jahren als Voluntärinnen gearbeitet und Miriam besuchte damals Sandra, kannte sich also im Ort schon ein wenig aus. Wir sind auch in die gleiche Unterkunft zurückgekehrt wie damals, ins Hostal Turista del Mundo. Das Besitzerehepaar Wilson und Esperanza konnten sich noch erinnern und bei der Erinnerung an „Sandrita y Danielle“ hat Esperanza uns gleich mit Tränen in den Augen in die Arme geschlossen.

Leider erreichten uns in Cuenca auch traurige Nachrichten aus der Heimat. Miriams Onkel war an Krebs gestorben und einige Tage darauf auch noch das 92jährige Grosi. Darunter hat unsere Reisefreude etwas gelitten und die Lust auf Sightseeing oder andere Aktivitäten war uns vergangen. Das Wetter stimmte mit unserem Gemütszustand überein, der Himmel zeigte sich grau in grau und jeden Tag fiel Regen.

Wir haben es uns trotzdem nicht nehmen lassen, den Nationalpark El Cajas zu bewandern. Francisco, ein guter Cuenca-Freund von Sandra, hat sich sehr lieb um uns gekümmert und mit ihm sind wir an zwei Tagen wandern gegangen. An beiden Tagen wurden wir verregnet, aber sich an der frischen Luft in der freien Natur zu bewegen, hat gut getan. Zum Trocknen brauchten unsere Schuhe dann weitere zwei Tage.

Ansonsten haben wir uns das schöne Stadt mit den majestätischen Kathedralen angeschaut, wir waren auf dem Markt, haben selber gekocht und waren auch ein paar Mal mit Francisco auswärts essen oder etwas trinken. Und vor allem haben wir uns um unsere Weiterreise gekümmert und ein echt tolles Last Minute-Angebot für eine Galapagos-Kreuzfahrt gefunden. Wie wir uns freuten! Bis zum Abflug ab Guayaquil blieben uns noch ein paar Tage und wir entschieden uns, einen Abstecher nach Baños zu machen und von dort aus weiter an die Küste zu reisen.

Baños
Von Baños wussten wir gar nicht richtig, was wir erwarten sollten. Wir hatten von anderen Reisenden nur schon sehr viel Positives davon gehört und auch in den Reiseführern ist man sich scheinbar einig, dass eine Ecuador-Reise unbedingt in die grünen Täler nach Baños führen sollte.

Mit dem „Hostal La Chimenea“ hatten wir einen Glücksgriff mit einer Unterkunft gelandet. Für nur 8.5 USD (ca. 7.10 CHF) pro Person konnten wir ein grosszügiges Zimmer mit eigenem Bad und Balkon unser nennen und für nochmals 8.5 USD pro Person kamen wir drei Morgen hintereinander in den Genuss von einer ortstypischen Dampfkabine. Dreiviertelstunde dauert die ganze Session, während der man sich abwechselnd in einer hölzernen Dampfkabine aufwärmt, wobei der Kopf oben heraus schaut, und sich mit eiskaltem Wasser wieder abkühlt. Bei drei Wiederholungen fährt man mit einem nassen Tuch nach genauer Vorschrift seinen Blutbahnen nach, dann setzt man sich ins kalte Wasser und zum Abschluss wird man mit einem erst harten Wasserstrahl erneut der Blutzirkulation entlang abgespritzt. Herrlich, wie entspannend und gleichzeitig ein erfrischender und aufweckender Start in den neuen Tag!

Ausserdem erkundigten wir hoch zu Ross den Fuss des Vulkans Tungurahua. Dieser veranlasste nach einem Ausbruch im Jahre 1999 die Evakuation der gesamten Umgebung und kommt seither nicht mehr zur Ruhe. Auch 2010 stiess der Vulkan eine zehn Kilometer hohe Aschewolke aus und obwohl sich der 5000m hohe Vulkangipfel bei unserem Besuch in Wolken hüllte und eigentlich „ruhig“ war, bemerkten wir auch die feine Ascheschicht, die Baños auf rund 1800m ü. M. immer wieder sanft einstäubt.

Die Thermalbäder, die ihre Existenz ebenfalls dem Vulkan verdanken (oder der heiligen Jungfrau, je nachdem welcher Theorie man Glauben schenken will), sind für viele einheimische Touristen der eigentliche Grund eines Besuches in Baños. Wir hatten uns zwei solche öffentlichen Bäder angeschaut, aber nachdem Hautschuppen oder andere menschliche Anzeichen auf den Pools schon richtige Schichten hinterlassen hatten, entschieden wir uns doch gegen ein solches Badevergnügen. Wer weiss, was man sich sonst noch aufgelesen hätte!

Dafür haben wir uns am Wochenende den ecuadorianischen Touristen angeschlossen und sind mit einer Chiva, einem offenen Bus, die „Ruta de las Cascadas“ (Strasse der Wasserfälle) entlang gerumpelt. Die drei Tunnels durch den Felsen wurden auf der Fahrt ebenso sensationell angepriesen wie jeder einzelne Wasserfall. Und wiederum fast bei jedem Wasserfall gab es Angebote für den Nervenkitzel wie Bungy-Jumping, Canopy oder eine Fahrt mit der Tarabita, kleine, mit umgebauten Lastwagenmotoren betriebene Seilbahnen. Ohne Netz und doppelten Boden, dafür günstig (1 US-Dollar pro Fahrt) und vollgestopft mit genügend Menschen. Uns wurde schon beim Zuschauen mulmig. Aber die Ecuadorianer genossen das Spektakel und liessen sich als Souvenir noch so gerne gleich vor Ort ihr Foto in der Tarabita auf einen Teller drucken.

Guayaquil
Guayaquil ist mit zweieinhalb Millionen Einwohnern Ecuadors grösste Stadt und gilt nicht als besonders schön, dafür als gefährlich. Umso beruhigter konnten wir nach der sechsstündigen Busfahrt von Baños sein, als wir bereits am Busbahnhof von einem Einheimischen mit Schweizer Wurzeln abgeholt wurden: Marcel, ein weiterer Kontakt von Carlos (Vater von Miriams Freundin Stephanie). Marcel wohnt seit bald dreissig Jahren in Ecuador und wir durften bei ihm und seiner kolumbianischen Frau Gloria in einer wunderschönen Wohnung in einem sicheren Quartier (zwei bewachte Checkpoints bis zur Wohnung) wohnen.

Und nicht nur das, wir waren auch Gäste in ihrem Restaurant „La Maison de la Fondue“. Ja, richtig gelesen, Marcel führt in Guayaquil erfolgreich ein Restaurant mit Schweizer Spezialitäten. Die Zutaten sind alle ecuadorianischer Herkunft, doch die Rezepte ebenso wie die die karierten Tischdecken oder das „Sennenkutteli“ vom Kellner stammen aus unserer Heimat. Selbstverständlich haben wir das Fondue mit ecuadorianischem Käse gekostet und es hat einfach nur gut geschmeckt! Ebenso wie die Schweizer „Chäs- und Fleischplatte“ (mit richtigem „Tête de moine“), die Rösti und der „Schüblig“, hmmm!

Doch nicht nur vom feinen Essen können wir schwärmen, sondern auch von der liebenswürdigen Gastfreundschaft von Gloria und Marcel. Früher war Marcel Besitzer einer Teeplantage im ecuadorianischen Dschungel und davor hatte er auch schon einige Zeit in Peru, Kolumbien und Nigeria gearbeitet. Und hatte für uns natürlich jede Menge lustige, aber auch traurige, ja gar schockierende Geschichten auf Lager. Ausserdem stellte sich am letzten Abend nach einem Blick auf das Familienfoto heraus, dass Patrick Marcels Sohn kennt. Dieser hat das gleiche Stammlokal wie Patrick, den Oxx in Zofingen. Wie klein die Welt doch ist!

Die Stadt Guayaquil haben wir uns an einem Tag angeschaut mit einem Besuch in einem historischen Park und am Nachmittag einem Spaziergang dem Malecón, die berühmte Vorzeige-Spazierpromenade einem Meeresarm entlang. Wir stiegen auch die vierhundert Stufen auf den Cerro Santa Anna hoch und schauten uns den Sonnenuntergang über der Stadt an. Obwohl in Ecuador zur Zeit die kalte Jahreszeit herrscht, empfanden wir die tropischen 30°C tagsüber und die warme Brise in den Abendstunden als sehr angenehm. Aber wir können uns gut vorstellen, dass die warme Jahreszeit in Guayaquil wirklich unangenehm feucht-heiss sein muss!

Von Guayaquil ging es für uns weiter mit dem Flugzeug auf die Galapagos-Inseln, die 1000km und anderthalb Flugstunden vom Festland entfernt liegen. Wie die kleinen Kinder freuten wir uns auf dieses Naturparadies! Wieder einmal Ferien ;-)!

Miriam y Patrick