Mandalay – Here we are, Myanmar!

Mandalay – allein der Klang dieses Namens löst Fernweh aus.

Nach einem holprigen und mit Air Asia zum ersten Mal unpünktlichen Flug waren wir froh, in Mandalay wieder festen Boden unter den Füssen zu haben. Durch den Zoll kamen wir mit unseren ausgedruckten E-Visa problemlos und auch diesmal schafften es unsere grossen Rucksäcke verlässlich auf das Gepäckband.

Im Bus sind wir eine Stunde bis ins Stadtzentrum gefahren. Schon auf dieser Strecke zeigte sich klar, dass sich Myanmar noch auf einem anderen Entwicklungsstand befindet als die bisher bereisten Länder. Ochsenkarren zogen schwere Lasten entlang der Strasse, wo nur wenige Autos, Busse oder Motorräder fuhren. Durch das Fenster sahen wir einen Umzug mit bunt geschmückten Ochsenkutschen und sogar ein schön dekorierter Elefant, auf dem ein kleiner Junge wie ein Prinz tronte. Später erfuhren wir, dass diese religiöse Zeremonie dem Jungen auf dem Elefanten galt, weil dieser nun für eine Weile als Mönch in ein Kloster geht. Alle Jungen oder Männer in Myanmar verbringen mindestens einmal im Leben eine gewisse Zeit im Kloster. Das ist doch mal eine gute Alternative zum Militär!

Unser Hotel namens «The Home» befand sich mitten im Zentrum der 1.5 Millionenstadt. Vor unserem Fenster nisteten die Stadttauben und das hohe Fiepen der Jungtiere war bis in unser Zimmer zu hören. Am Tag unserer Ankunft reichte die Zeit gerade mal noch für einen Spaziergang um den Block und ein Nachtessen bei einem nahen indischen Restaurant. Der von Betelnuss-Ausspucken rot gefärbte Boden, die hunderte von Fliegen überall und dass unser bestelltes Essen innert einer Minute auf dem Tisch stand, liessen bei dieser Mahlzeit gewisse Zweifel aufkommen. Wenn wir dieses Nachtessen ohne Magendarm-Folgen überstehen sollten, dann sind unsere Mägen stabil für Myanmar, sagten wir uns. Alle vier haben es «sauber» geschafft.

Mandalay – Betonstadt und goldene Tempel
Die einstige Königsstadt Mandalay ist heute ein wichtiges Wirtschaftszentrum von Myanmar. Nichtsdestotrotz sucht man Wolkenkratzer im Stadtbild (noch) vergebens. Schlichte mehrstöckige Betonbauten dominieren das Zentrum. Weil unsere Jungs in den Städten zu Fuss immer recht unmotiviert sind, liessen wir uns von einem Taxi-Fahrer die Stadt zeigen.

Mandalay gilt als Zentrum des Handwerks, jede Handwerkszunft hat ihr Viertel. Wir besuchten die Holzschnitzer, die aus dem harten Teakholz Buddha-Statuen und ganze Bilder fertigten. Den vom Steinstaub bedeckten Steinmetz sahen wir zu, wie sie aus weissem Marmor Figuren schliffen und mit Goldfarbe bemahlten. Jade wurde zu Schmuck verarbeitet, in Silberplatten ganze Geschichten von Hand beschlagen mit allerlei Werkzeug. Junge Frauen mit Thanakha-Paste auf den Wangen beugten sich über feine Närarbeiten. Mit Handarbeit und einfachen Werkzeugen braucht die Herstellung dieser Kunstwerke Tage, ja manchmal auch Wochen oder Monate. Aber es tut gut, zu sehen, wie in Myanmar die Handarbeit noch geachtet und wertgeschätzt wird, das Land ist noch nicht so sehr von billigem chinesischem Ramsch überschwemmt.

Alexis und Nicola gefiel es vor allem beim Silberschmied, wo sie mit Hammer, Meissel, Nägel und anderen Werkzeugen unter Anleitung selbst Hand anlegen durften.

Wir besuchten die Mahamuni-Pagode, wo gläubige Männer in langen Schlangen warteten, um einen uralten Buddha mit Blattgold zu bekleben. Die Frauen sind nicht zugelassen in diesen heiligsten Teil der Pagode. Sie durften sich draussen zum Beten hinknien und per Live-Übertragung auf Bildschirmen das Blattgold-Kleben mitverfolgen.

Wir besuchten den Mandalay Hill und Sagaing. Der ganze Hügel ist heilig und darf nur barfuss betreten werden. Das wurde zeitweise ziemlich heiss unter unseren Fusssohlen, wenn wir die vielen Treppenstufen aus Stein erklimmen wollten oder über weite Flächen schwarzen und weissen Marmorplatten gingen. Dort hiess es, entweder nur die weissen erwischen oder noch besser: Schatten finden.

Inwa
Über einen Fluss sind wir mit dem Fährboot nach Inwa getuckert. Abgeschnitten vom Festland, geht das Leben dort noch gemächlich seinen Gang und dem haben wir uns angepasst. Mit einem der vielen Pferdewagen, die direkt bei der Bootsanlegestelle warten, haben wir uns herumkutschieren lassen. Vorbei an Reisfeldern, wo gerade geerntet und das trockene Gras auf Ochsenkarren aufgetürmt wurde, über schmale und holprige Wege entlang Bananengärten und Kokospalmen. Wieder schauten wir einige Tempel, Kloster oder Ruinen an, wobei manchmal nur von aussen, da Nicola und Alexis seit Angkor eine «Tempel-Überdosis» haben. Dafür wurden wir sofort umringt von den Einheimischen, die wegen unserer Kinder von überall her gerannt kamen. Die Aufmerksamkeit ist uns mit Kindern unterwegs in Myanmar sicher!

Amarapura
Vor dem Mittag sahen wir den Novizen und Mönchen der Maha Gandayon Monastery zu beim Essen fassen. Es sollen mehr als tausend Mönche sein, die in diesem Klosterkomplex unweit von Amarapura leben. Täglich um 10:30 Uhr stellen sie sich in einer Zweierreihe an vor der Essensausgabe. Das war für uns sehr eindrücklich zu sehen und für unsere Kinder vor allem auch, weil alles fast in kompletter Stille ablief. Kein Schreien und Schubsen und schon vorher mit Essen beginnen. Erst nach einem laut gesprochenen Gebet kam Leben in die grosse Menschenmenge. Plötzlich tauchten ein paar kleine Kinder in zerlumpten Kleidern auf die bei den Mönchen um Essensgaben bettelten (und diese auch bekamen) oder sich zu den wenigen Touristen stellten. Die Bonbons von Nicola und Alexis rissen sie fast zu gierig an sich. Wobei schnell klar war, warum, denn von überall her tauchten immer mehr Kinder auf, die wir enttäuscht abziehen lassen mussten. Ja, Myanmar ist noch einmal eine Armutsstufe tiefer als unsere bisher mit den Kindern bereisten Länder.

In Amarapura schlossen wir den Tag dann auch wieder ab. Eine 1.2 km lange Brücke aus Teak-Holz führt über den Taungthaman-See. Auf dieser Brücke ohne Geländer war es mit den Kindern gar nicht einmal ungefährlich, denn mit uns waren so viele Einheimische unterwegs, dass es an manchen Stellen fast zum Gedränge kam. Vor allem wenn sich ein blutender Strassenhund durch die Menge schob, mit dem natürlich niemand in Berührung kommen wollte. Wir haben mit Blick auf die U-Bein-Brücke bei Sonnenuntergang noch eine frische Kokosnuss resp. ein Bier genossen.

Ja, die ersten Eindrücke von Myanmar lassen dieses Land zu einem unserer Lieblings-Reiseländer werden!

Wir freuen uns auf alles, was noch kommt: Miriam Patrick Nicola Alexis

4 Kommentare
  1. Helga
    Helga says:

    Hihi – siehst, wärst jetzt auch feuerläuferin, dann hätten dir die platten unter den fusseli nix ausgemacht🔥🎆🙋😁
    Die Stadt sieht schön farbig aus. Und wirklich noch ursprünglich. Ein weiteres Abenteuer steht bevor! Hebet sorg😘

  2. mypcaminando hoch zwei
    mypcaminando hoch zwei says:

    He he, stimmt, die Tempelgänge zu mittäglicher Stunde glichen wirklich einem Feuerlauf! Fehlte nur noch der Hexen-Rock ;-)! Ganz liebi Füür-Grüess

  3. yo de nuevo
    yo de nuevo says:

    die fotos sind wunderschön (wie alle anderen ja auch – aber diese sind irgendwie spezieller^^) – da macht es einem auch fast wieder gluschtig 😉

  4. mypcaminando hoch zwei
    mypcaminando hoch zwei says:

    Myanmar ist wirklich eine Reise wert, liebe YO, wobei natürlich ganz, ganz anders als deine grüne Insel ;-). Vielleicht kommt ja das weitere Fernweh irgendwann wieder mehr..? Abrazos

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