Eine noch unbekannte Grossstadt zu zweit zu erkunden, ist anstrengend. Eine noch unbekannte Grossstadt zu zweit mit zwei vierjährigen Kindern zu erkunden, ist aaaaaanstrengend! Da ist die Haupt- und Millionenstadt Malaysias keine Ausnahme. Aber alles der Reihe nach.

Von Katanoi in Thailand mussten wir früh los, um 6 Uhr waren wir bereits am Flughafen von Phuket, Pünktlich um 8 Uhr ging es mit einer gut gefüllten Air Asia-Maschine (Airbus A320) in 1 Stunde 15 Minuten Richtung Süden bis nach Kuala Lumpur. Alexis und Nicola waren enttäuscht wegen des fehlenden Entertainment-Systems, aber diese kurze Flugzeit konnten wir soweit gut mit Selbstunterhaltung überbrücken. Die wahre Herausforderung mit dem 11-Stunden-Billigflug mit Air Asia nach Neuseeland steht uns erst noch bevor…

Vom Flughafen in Kuala Lumpur ging es mit dem Taxi auf einer stündigen Fahrt mitten in die City. Alexis und Nicola haben die vorbeiziehenden Ölpalm-Plantagen und Hochhausbaustellen verschlafen und sind erst bei Ankunft vor dem Hotel Impiana aufgewacht. In diesem 14-stöckigen Hotel-Block hatten wir bereits im Vorfeld ein Zimmer mit Bad reserviert. Mit ziemlich engen Platzverhältnissen, stellten wir vor Ort fest. Warum allerdings ein pompöser Schreibtisch im Zimmer ebenso viel Platz einnimmt wie ein Doppelbett und es in dem Zimmer insgesamt drei Telefonanschlüsse gibt (einer davon direkt neben der Toilette…mit Lautsprecherfunktion!), war uns ein Rätsel. Hinter den riesigen Schreibtisch haben wir schliesslich noch ein Zusatzbett stellen lassen, wo Nicola (bewegt sich und «rangget» nachts immer) geschlafen hat. Im Doppelbett fanden Patrick und ich mit Alexis (liegt nachts sehr ruhig) in der Mitte Platz.

Ein Highlight war sicher der Infinity Pool im 4. Stock mit Sicht auf die Petronas Towers. Die Petronas Towers mit ihren 452m Höhe galten von ihrer Fertigstellung 1998 bis 2004 als höchstes Gebäude der Welt. Inzwischen wurden sie aber längst überholt von chinesischen und arabischen Bauwerken. Den Zwillingen ist das so lang wie breit: im Pool waren wir jeden Tag anzutreffen. Nicola hat seinen Hundeschwumm perfektioniert und Alexis paddelt inzwischen mit einem Flügeli munter drauf los.

Das Wetter während unserer drei Tage in Kuala Lumpur war tropisch warm, wobei sich die Luftfeuchtigkeit täglich nachmittags zum Regen staute und sich in einem Gewitter entlud. Der tropischen Hitze kann man in Kuala Lumpur sowieso problemlos entkommen, denn die grossen Hotel-Blocks, Büro- und Appartment-Gebäude sowie die riesigen Shopping Malls sind durch ein überirdisches, klimatisiertes Gangsystem miteinander verbunden. Von unserem Hotel aus konnten wir durch diese klimatisierten Gänge in diverse mehrstöckige Shopping Malls gelangen, ohne je an die frische Luft gekommen zu sein. Die Shopping Malls sind DAS Freizeitvergnügen der Städter schlechthin, dort scheint sich die ganze Stadtbevölkerung zu konzentrieren. Für uns waren diese mit eher teuren Marken-Läden ausgestatteten Malls einfach nur gigantisch und faszinierend mit dem kitschigen Weihnachtstreiben. Aber auch sehr anstrengend mit Alexis und Nicola in einer so grossen Menschenmenge, ist doch jeder animierte Bildschirm eine Ablenkung. Und davon gab es reichlich. Dann wieder Hunger, Durst, dringend Toilette, Prügelei mit dem Bruder, mag gar nicht mehr laufen… WO IST DAS KIND?!? Ausserdem hat diese von meiner Arbeit bedingte Hygiene-Schulung bei mir wohl eine gewisse Bakterien-Paranoia hinterlassen. Irgendwann habe ich aber dann das «nicht anfassen», «nicht aufheben», «nicht mit dem Mund berühren» aufgegeben, sonst wären wir nonstop nur am Kommandieren gewesen. Ach ja, und 20-minütige Trotzanfälle wegen Schuhe nicht anziehen wollen, gehen übrigens auch bei der Auswahl von nur zwei Paar Schuhen.

Kaum waren wir jeweils zum Ausruhen zurück im Hotelzimmer, reichte die Energie dann trotzdem noch sehr gut zum auf dem Bett herumtoben. Wir haben uns auch in die grosse Parkanlage mitten im Stadtzentrum zurückgezogen (sofern man im Zentrum einer Millionenstadt von Rückzug sprechen kann), wo Alexis und Nicola den grossen Spielplatz oder den offenen Plansch-Pool unsicher machen konnten. Bis wieder das tägliche Gewitter aufzog.

Sightseeing in Kuala Lumpur war mit den Zwillingen nur beschränkt möglich, aber das war auch nicht unser Ziel. Der Aufstieg zu den Petronas Towers war uns zu teuer (110 CHF). Stattdessen haben wir für die Hälfte das KL Aquarium besucht, das nur ein paar Gehminuten von unserem Hotel entfernt lag. Besonders gefallen hat uns dort das Tunnel-Aquarium, durch das Besucher auf einem Förderband stehend «durchgeschleust» wurden. Über uns schwammen unter anderem Adlerrochen, Ammenhaie und Karettschildkröten. Das Highlight für Nicola als Hai-Fan war allerdings das Becken mit einem zahmen Leopardenhai, den er kaum mehr aufhören wollte zu streicheln.

Malaysia gilt als Schmelztiegel der Kulturen und das bildet sich auch im Essensangebot ab. Zwei Mal waren wir japanisch essen (Sushi, Ramen), einmal nepalesisch (Momos), dann auch mal bei Starbucks frühstücken und zum Mittagessen beim gelben M. Patrick und die Zwillinge hauten genüsslich Burger, Chicken Nuggets und Pommes rein. Ich brachte das Bild der offenen Beinwunde eines Bettlers nicht aus dem Kopf und der Appetit war mir dadurch für eine Weile vergangen. Am letzten Abend gab es doch noch malaysische Küche: Nasi Lemak (Reis mit Poulet, Gurkenscheiben, getrocknete Sardellen, geröstete Erdnüsse, hartgekochten Eiern und reichlich scharfem Sambal). Für umgerechnet 7 CHF wurden wir vier gut satt.

Morgen holen wir unser Mietauto ab und freuen uns, fortan den grossen Menschenmassen wieder etwas zu entkommen und auf selbständige, individuelle Pfade bzw. Strassen zu gelangen. Das hoffen wir zumindest, mal sehen, wie gut wir uns in die malaysische Fahrweise mit dem Linksverkehr einfügen. Immerhin ist die malaysische Sprache in Lateinschrift und die Schilder somit für uns lesbar.

Angestrengt von der Grossstadt: Miriam Patrick Nicola Alexis

7 Kommentare
  1. Gudrun
    Gudrun sagte:

    hallo ihr lieben! wie schön es doch ist immer wieder neue, aufregende berichte von eurer reise zu lesen! und erst die bilder ansehen und bestaunen! ich muss lisa auf dem globus immer zeigen, wo euer derzeitiger aufenthalt ist 🙂 sie möchte dann auch immer zu euch reisen. die kinder und ich, wir haben es geschafft zu weihnachten so einigermaßen wieder gesund zu sein. leider hat es dann christof so richtig erwischt und er konnte gar nicht mit uns weihnachten feiern 🙁 trotzdem war der weihnachtsabend wunderbar und die kinder waren voller freude. so schön, weihnachten mit kleinen kindern. da ist der zauber wieder da!
    nun haben wir ferien und bespielen die neuen spielsachen (auch christof, der baut seine neuen technik lego fahrzeuge 😉 ). miriam, ich werde dir über waht’s app ein paar fotos schicken. wir wünschen euch weiterhin eine gute reise und ganz viele tolle eindrücke und erlebnisse!

  2. Rahela
    Rahela sagte:

    Liebe Miriam und Familie, einfach spannend, von euren Abenteuern zu lesen. Weiterhin viel Vergnügen! Schön, dass die Daheimgebliebenen doch ein bisschen dabei sein können. Liebe Grüsse, Rahela

  3. yo de nuevo
    yo de nuevo sagte:

    Wow… Das klingt ja spannend und ich geniesse jeden Satz von euch – es ist alles immer so informativ und spannend formuliert dass es eine wahre Freude ist! Freue mich immer auf die Fortsetzung 😊Herzlich Grüsse aus dem Bus in die grüne abgelegene ruhige Pampa – wohl das pure Gegenteil von KL 😄 💚💛💓💛💚

  4. mypcaminando hoch zwei
    mypcaminando hoch zwei sagte:

    Merci, tu de nuevo! Wie wir KL hast du nun die grüne Pampa wohl auch bereits wieder hinter dir gelassen. Gutes Ankommen zurück in der Realität, feliz año nuevo! Besitos, gemela :-*

  5. mypcaminando hoch zwei
    mypcaminando hoch zwei sagte:

    Danke, liebe Rahela, schön, verfolgst auch du unsere Reise! Gerade sind wir im Tee-Anbaugebiet Malaysias – das würde dir auch gefallen :-)!
    Frohes neues Jahr und liebe Grüsse, Miriam & Familie

  6. mypcaminando hoch zwei
    mypcaminando hoch zwei sagte:

    😉 Alternative zum Sonntagabend-Tatort? Pünktlichkeit können wir allerdings nicht garantieren, bei uns sind die Wochentage fast nebensächlich. Nur „fast“, weil die Malaysier begeisterte „Wochenend-Ausflügler“ sind und man Samstag/Sonntag immer mit einer grossen Menschenmenge fast überall rechnen muss. Liebi Grüess, Miriam Patrick Nicola Alexis

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