Mit Fledermäusen und Krokodilen in Battambang

Rund 170 km südlich von Siem Reap liegt Battambang, nach der Hauptstadt Phnom Penh die zweitgrösste Stadt des Landes. Sie wäre auch per Boot erreichbar, aber da während der Trockenzeit der Fluss zu wenig Wasser führt, hatten wir uns für eine Busfahrt entschieden. Der «Deluxe Transport» Mekong Express für 8 Dollar pro Sitz. Für uns gab es noch zwei Sitze, die Jungs durften auf dem Schoss sitzen. Was auf einer Fahrt von 3.5 Stunden trotz Klimaanlage ziemlich anstrengend war, wiegen die beiden doch je 20 kg. Alexis schlief für eine Stunde quer auf meinem Schoss, Nicola döste währenddessen auf dem Bus-Korridor.

Angekommen in Battambang, stürzten sich sofort eine Horde Tuk-Tuk-Fahrer auf uns. Selber gerade etwas überfordert, folgten wir einem, der sich auch gleich als Chauffeur für unsere Ausflüge in den nächsten Tagen anbot. Aber zuerst einmal brachte er uns zu unserem vorgebuchten Hotel etwas ausserhalb der Stadt. Auf diese Unterkunft waren wir wirklich gespannt. Gewisse Zweifel überkamen uns, als wir über Schotterpisten durch trockengelegte Reisfelder holperten und an einem Friedhof vorbefuhren, von dem starker Verwesungsgeruch ausging.

Doch das Hotel Ram Chang erwies sich als top mit dem bisher besten Preis-/Leistungsverhältnis überhaupt auf unserer Reise. Die Nacht kostete umgerechnet 21 CHF und wir hatten ein grosses Zimmer mit zwei Doppelbetten sowie einem eigenen riesigen Badezimmer ganz für uns alleine. Wenige Meter vor der Tür befand sich der Pool, wo Alexis auch endgültig schwimmen lernte. Er schafft nun auch eine Pool-Breite in Hundepaddel-Tauch-Stil und ist so stolz, dass uns Eltern das Herz erst recht aufgeht. Nicola übt inzwischen schon fleissig den «Chöpfler».

Ebenfalls super war das hotelinterne Restaurant. Angefangen beim Frühstück mit feinstem Baguette (da schlägt die frazösische Kolonialvergangenheit des Landes durch) und frischen Fruchtsäften und Kokosnüssen den Tag hindurch bis zu Khmer-Speisen zum Nachtessen für 2-3 US-Dollars pro Gericht. Einfach top!

Fledermaushöhle von Phnom Sampeau

Einmal fuhren wir trotz strömenden Regens (gemäss Tuk-Tuk-Fahrer der erste Regen seit vier Monaten – da hatten wir aber Glück!) zum rund 15 km entfernten Berg Phnom Sampeau, wo sich jeden Abend beim Eindunkeln ein Spektakel sondergleichen abspielt. Aus einer Höhle schwärmen Fledermäuse aus – hunderttausende oder Millionen, man weiss es nicht genau. Wir standen während einer halben Stunde unterhalb der Höhle und die herausströmenden Fledermäuse, dessen Schwarm den Himmel noch zusätzlich verdunkelte, wurden nicht weniger.

In Formationen, wie wir sie höchstens von Vögeln kennen, ziehen die Fledermäuse jede Nacht los und tun sich gütlich an den Insekten und dem Ungeziefern auf den Reisfeldern in der ganzen Region. Es ist denn auch verboten, die Fledermäuse zu fangen oder irgendwie zu stören. Kaum auszudenken, was das Ausbleiben dieser Ungeziefer-Jäger für Folgen auf die Reisernte hätte. Die Gegend rund um Battambang wird nicht umsonst auch «Reisschüssel Kambodschas» genannt.

Krokodile, Schlangen, Frösche & Co.

In der Stadt Battambang besuchten wir auch lokale Märkte. Das ist in jedem Land spannend, kann aber auch für die zarter Besaiteten schnell zu viel sein. So sahen wir nebst der lokalen Spezialität Frösche (ob diese kulinarische Parallele auch noch von der französischen Kolonialzeit stammt?) auch allerlei undefinierbares Fleisch. Leider ziemlich klar definierbar hingegen waren die gegrillten Hunde. Auch Schlangen gab es in jeder Form: getrocknet, frisch ausgenommen oder auch noch lebendig in einem Netz. Alles sehr faszinierend für die Kinder, aber nach diesem Marktbesuch bin ich selber wieder eine Weile auf der vegetarischen Seite.

Unser Tuk-Tuk-Fahrer schlug uns vor, mit den Kindern eine Krokodil-Farm zu besuchen. Für ein Eintrittsgeld von 2 US-Dollars machten wir das auch. Krokodil-Farmen gibt es über ganz Kambodscha verteilt und sie sind nicht etwa mit einem Zoo vergleichbar. Die Krokodile werden gezüchtet für den Export nach Vietnam, China und Thailand, wo das Fleisch gegessen und die Haut zu Lederwaren verarbeitet wird. Die Haltung der Tiere in grossen Becken ist für uns natürlich fern von allem. Nicola und Alexis waren aber fasziniert, konnten sie aus wenigen Metern und mehr schlecht als recht mit einem Geländer gesichert die Urtiere beobachten. Ein junges Krokodil durften sie sogar in der Hand halten.

Rasante Fahrt mit dem Bamboo Train

Eine Fahrt auf dem Bambuszug in Battambang wurde uns ebenfalls empfohlen. Diese Schienentaxis, von den Einheimischen Norry genannt, bestehen aus einem Holzgestell von ca. 2 auf 3.5 m, das auf zwei Achsen gestellt und von einem Benzinmotor angetrieben wird. Früher wurden damit grosse Lasten transportiert, zum Beispiel mehrere hundert Kilosäcke Reis oder bis zu 15 Personen. Heute sind diese Norry eine Touristenattraktion und für 5 US-Dollar pro Erwachsene fahren sie gemächlich auf einem gewissen Gleisabschnitt. Das hörte sich nach Spass an, dachten wir. Wobei wir dann doch auch etwas erschrocken waren, als unser Norry mit sicher 30 km/h über die nicht besonders geradlinigen Gleise ratterte. Aber auch Nicola und Alexis hielten sich gut fest.

Was nun, wenn ein anderes Norry entgegenkommt? Dann wird das eine Norry abgebaut und vom Gleis genommen. Diese klare Regel besagt, dass dasjenige Norry mit der grösseren Fracht immer Vorrang hat. Da hatten wir mit vier Passagieren plus Fahrer so gut wie immer Vorrang, da auf den anderen Norry meistens nur ein oder zwei Touristen fuhren. Selbstverständlich half man einander beim Ab- und wieder Aufbau des Norrys. Insgesamt waren wir mit dem Norry rund eine Stunde unterwegs. Die Fahrt soll vor der Reisernte besonders malerisch sein. Nun bei Trockenzeit war eher die Fahrt an sich als die Aussicht auf trockene Reisfelder das Spezielle.

Übrigens waren wir mit Nicola in Battambang noch beim Friseur und er trägt jetzt noch mehr zur Freude der Einheimischen «Cambodian Style». Etwas gar kurz, aber die Haare wachsen ja zum Glück wieder…

We like Cambodia Style: Miriam Patrick Nicola Alexis

2 Kommentare
  1. Helga
    Helga says:

    Hey. Wieder zurück im bunten Asien! Hab ich beim franz-zmorge wirklich nutella entdeckt? 😋 es bizzeli “Heimat“😄
    Cambodian style steht Nicola sehr gut👏 aber hola, die Jungs sind ja heftig in die Höhe geschossen! Hoffe, ihr seid wieder fit. Wär sehr gespannt auf die katzenratte😱 gewesen. Hihi. Tschüss und hebet sorg

  2. ursula_inauen
    ursula_inauen says:

    Hei Ihr zwei,oder vier.Was Ihr da wieder alles sieht und erlebt,einfach unglaublich.Da würde ich auch wieder Vegetarierinn…😣😧Ich denke,Neuseeland
    war im Vergleich grad langweilig,nein,natürlich nicht,in der Halbzeit ächli Zivilisation hat nicht geschadet,oder??
    Wie Du Miriam Eure täglichen Ereignisse beschreibst,ist grossartig,und äusserst amüsant,zum *gröle*.Danke,und auf weitere Berichte freue ich mich.
    Aber,hand Sorg,so eine Nacht auf einem Plumps…… wollt Ihr ja nicht mehr erleben,,, mit KatzenRatten.Phuuuuu. ToiToiToi ursula aus Luzern,wo es auch
    viele Ratten hat,viele Rattenköder sind in Büschen gesetzt.

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