Mit (unseren) Kindern unterwegs in Myanmar

Myanmar ist nicht das typische Reiseland mit Kindern, aber durchaus machbar. In den zwei Wochen unterwegs sind wir keiner anderen Westener-Familie mit so kleinen Kindern begegnet. Dies erklärt sicher auch die Reaktionen der Einheimischen auf unsere beiden Viereinhalb-Jährigen. Die Menschen blieben stehen auf der Strasse, wenn wir vorbei liefen. Bei Tempelbesuchen oder in Pagoden scharten sich ganze Gruppen um uns, schüchtern lächelnd und fasziniert unsere Kinder betrachtend. Vor allem der Blondschopf Alexis zog die Aufmerksam auf sich. Wenn sein Blick aus den stahlblauen Augen dann noch auf ihren traf, hielten sie beinahe die Luft an vor Faszination.

In Myanmar sind die Menschen viel zurückhaltender und ruhiger als beispielsweise in Thailand. Der Umgang mit «Fremden» ist noch nicht alltäglich. So schauten sie meistens zuerst verstohlen und schüchtern zu uns und unseren Kindern. Wenn wir ihnen dann ein Lächeln zuwarfen, ihnen zunickten oder ein «Hello» in ihre Richtung riefen, erstrahlte ihr Gesicht im breitesten Lächeln. Wer ein Handy hat – was in Myanmar noch lange nicht so allgegenwärtig ist wie sonst in Südostasien – fragte, ob er uns fotografieren durfte. Am liebsten mit Alexis auf dem Bild, der diesbezüglich inzwischen auch lockerer geworden ist und meistens gerne zur Verfügung stand. Wir sind bezüglich Fotos von unseren Kindern offen, überlassen aber den Entscheid jeweils ihnen, ob sie gerade posieren wollen oder nicht.

Unsere Kinder wurden in Myanmar auch nicht einfach angefasst oder an sich gezogen, wie wir das in anderen asiatischen Ländern erlebt hatten. Da das Anfassen am Kopf eines Menschen in Myanmar als respektlos gilt, wurden die Kinder auch nicht immer berührt. Und wenn, beispielsweise nach gefasstem Vertrauen über mehrere Tage im gleichen Hotel, dann ganz sanft mit dem Zeigefinger am Kinn, um den Blick des Kindes in ihre Richtung zu lenken.

In Myanmar haben wir besonders auf die Hygiene geachtet und nur in Restaurants gegessen, wo Shakes oder Eis mit Flaschen-/Mineralwasser hergestellt und Rohkost damit gewaschen wurde. Auf den Streetfood, wie wir ihn sonst in Asien lieben, haben wir ganz verzichtet. Zum Zähneputzen haben wir sowieso überall in Südostasien nur Wasser aus der Flasche benutzt. So sind wir ganz ohne Magenprobleme durch das Land gekommen – was nicht selbstverständlich ist, wie im Austausch mit anderen Reisenden klar wurde.

Auch Unterkünfte haben wir eher bessere und teurere gewählt, wobei sich alles im Rahmen von ca. 50 CHF pro Übernachtung mit Frühstück bewegte für uns zu viert. Budget-artige Hostels gibt es erst wenige in Myanmar. Und für vier Personen wären diese nicht viel günstiger. Auch beim Transport haben wir die teurere Privat-Taxi-Option gewählt statt die günstigeren und viel längeren Busfahrten. Auch da gilt, dass ein Privat-Taxi nicht viel teurer ist als vier Sitze in einem VIP-Bus (Air-Con-Minibus oder Bus mit höherem Standard). So kostete beispielsweise das Taxi für die 6-stündige Fahrt von Inle Lake zurück nach Mandalay umgerechnet 85 CHF – immer von Hoteltür zu Hoteltür. Dabei ist unser Taxi-Driver schon gefahren wie ein Henker und wir haben in den Bergen auch Busse gesehen, die im Höllentempo völlig rücksichtslos die gefährlichsten Überholmanöver versuchten. Absolut gefährlich und wir waren jeweils froh, mit unseren Kindern in einem «geschützten» Auto zu sitzen. Ganz abgesehen von den Platz- und Hygieneverhältnissen in manchen Bussen.

Ja, Myanmar ist noch sehr ursprünglich und traditionell, besonders die Lebensweise der Bevölkerung auf dem Land. Aber gerade das hat uns so gut gefallen und war auch für die Kinder faszinierend. Ethisch gibt es sicher Dafür und Dawider, ein von einer Militär-Junta regiertes Land zu besuchen, wo die Menschenrechte nicht selbstverständlich sind. Sichtbar waren solche Verstösse im Alltag nicht und für Kinder sowieso noch nicht fassbar oder erklärbar. Eine Konfrontation mit der grossen Armut im Land ist aber unausweichlich, wenn Kinder auf der Strasse betteln, Menschen im Müll nach Essbarem und Brauchbarem suchen oder am Strassenrand schlafen.

Myanmar wird sich nach und nach öffnen und weiterentwickeln, wer genau hinschaut oder mit den Menschen spricht, bemerkt die chinesischen Einflüsse jetzt schon. So sind wir sehr dankbar, konnten wir dieses wunderbare Land noch so kennen lernen, erleben und unseren Kindern zeigen.

 

Aus der Apotheke gebraucht haben wir:

– sämtliche Mückenschutzmittel (niemand will Malaria oder Dengue riskieren)

– Fenistil und Feniallerg bei einem Bienenstich in Nicolas Fuss (mieses Karma? Der dritte Bienenstich innerhalb einer Woche bei Nicola!)

– Bebanthen-Salbe zum Nachbehandeln einer Brandwunde, die sich Nicola beim Klettern auf einen Bagger geholt hatte. Bei 40°C im Schatten heizen sich Metallteile so sehr auf.

– Merfen-Spray und Pflaster zum Schützen einer Schnittwunde (Taschenmesser) an Nicolas Zeigefinger und Schürfungen von einem Sturz von Alexis

Ansonsten sind wir zum Glück gesund geblieben. Ein Malaria- oder Dengue-Verdacht hätte die sofortige Ausreise nach Thailand bedeutet, denn in Myanmar ist die gesundheitliche Versorgung für etwas Schlimmeres kaum vorhanden.

 

Aus dem Reisealltag

Am Morge früh
Nicola: Wenn esch dSonne offe?
Miriam: Wie meinsch das, dSonne esch offe?
Nicola: Jo, es heisst jo «Sonneufgang» ond wenn öppis ufgoht, de esch es jo de offe.

Unterwegs im Auto
Alexis: Mini Brüschtli send grösser worde!
Nicola: Jo, weisch, Alexis, der het doch ide Nacht mou sBei weh do, wöu du wachsisch. De send secher ou Brüschtli gwachse!
Alexis: Jo, weni grösseri Brüscht öberchome, werdi stärcher. Wie de Superman!
Nicola: Jo, de het mega Brüscht!

Unterwegs im Pferdewagen
Miriam: Lueget, dört im Riisfäud: e Sidereiher!
Alexis: Was esch e «Zigeretter»?
Miriam: Ned e «Zigeretter», e «Sidereiher». Wie de Fischreiher be öis, aber e wiisse, fiinere. Die het de Goi gärn.
Nicola: Wott er die ned go jage?
Miriam: Nenei, die send ganz säute. Die muess me beschütze.

Unterwegs im Pferdewagen
Nicola: Lueg jetzt! Es chont! Es chooooont!
Alexis: Jo, jetzt lüpfts gad de Schwanz!
Nicola: Ond jetzt chont sRohr use, lueg!
Alexis: I gseh scho sGaggi! Jetzt chonts de gad!
Nicola: Joooo, jetzt, lueg, wie dWorscht usem Rohr chont!
Alexis: Jetzt esch sGaggi abegheit ond es esch scho dore.
Nicola: Jo. Jetzt warte mer weder, bes snöchschte Mou de Schwanz löpft. Es het jo vori vöu Gras gfrässe.
Alexis: Genau, jetzt warte mer.

In der Pagode
Nicola: Mami, i ha no bem Buddha bättet.
Miriam: Aha, guet. Hesch ihm öppis Schöns gseit?
Nicola: Jo, i ha ihm Danke gseit för die schöni Wäut ond das schöne Land ond si schöni Tämpu. Het er de Fröid, wenn er das ghört?Miriam: Jo, do het er secher Fröid.
Nicola: Duet er de ou luege, dass mi nöm so vöu Bienli stäche?

Nach dem Tempelbesuch
Alexis: Mami, a dere Steischlüüdere hani jetzt so Fröid ond gebe fescht Sorg!
Miriam: Das esch schön!
Alexis: Aber i cha haut noni so guet schüsse.
Miriam: Das macht jo nüt, das chasch jo no üebe ond lehre.
Alexis: Genau, i chome jo scho gli id Schueu ond de lehri de das!
Miriam: Das lehrt me ned wörklech ide Schueu…

Abends vor dem Einschlafen
Alexis: Mami, muessi ned Mönch wärde spöter, weni ned wott?
Miriam: Nei, wenn du ned wotsch, muesch ned. Aber wenn du möchtisch, chasch spöter ou Mönch wärde.
Alexis: Cha de Papi ou Mönch wärde?
Miriam: Chönt er scho, wenn er wett. Aber er het jo öis as Familie ond esch vellecht afe chli aut. As Mönch muess me lang id Schueu ond vöu lehre.
Alexis (überlegt kurz): De Papi wär as Mönch ömu no e Schöne!

2 Kommentare
  1. ursula_inauen
    ursula_inauen says:

    Ja,das sind ja wieder herrliche Sprüche von den Jungs,sie sind lustig wie gute Witze. Bald kommt Ihr heim,ich freue mich auf Euch. Ich wünsche Euch eine
    gute HeimReise.ursula

  2. yo de nuevo
    yo de nuevo says:

    …herrlich…!!! Das sind meine Lieblingseinträge jeweils <3 <3 <3 Ja, und das mit der Steinschleuder… ein Waldkindergarten wäre für die beiden total geeignet! <3

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