Unsere Zwillinge sind auch nach vier Monaten noch nicht reise-müde. Noch kein einziges Mal, seit wir unterwegs sind, hat einer von ihnen geweint aus Heimweh. Klar, sie vermissen die Oma und das Hatice-Huhn und andere nahe Menschen und Tiere. Aber vom Heimflug und erst recht vom beginnenden Kindergarten im August wollen beide noch gar nichts hören.

Zurück in Asien sonnen sich die beiden Vierjährigen wieder in voller Aufmerksamkeit der Einheimischen. Auch in Vietnam begleiteten uns Rufe des Entzückens durch die Strassen, auf Märkten wurden die Zwillinge von den Marktfrauen angefasst, an sich gezehrt, gedrückt und mit Knabbereien beschenkt. Nicola hatte daraufhin die Unart angefangen, beim Vorbeilaufen auch andere Leute einfach anzufassen oder in den Hintern oder den Bauch zu pieksen (was Asiaten ganz lustig finden, Gringo-Touristen aber ganz und gar nicht). Auf unseren Tadel hin meinte er, das würden die anderen ja mit ihm auch machen. Diese Logik ist natürlich nachvollziehbar.

Nicht nur in Vietnam, sondern auch in den anderen asiatischen Ländern scheint es Gang und Gäbe, die eigenen kleinen Kinder mit zur Arbeit ins Restaurant, ins Hotel oder auf den Markt mitzunehmen und mit einem Handy oder einem Tablet zu beschäftigen. Die Kinder klicken sich dann stundenlang durch irgendwelche mehr oder eher weniger kinder-gerechte Sendungen. Was Nicola und Alexis natürlich sofort auch spannend fanden und sich jeweils unaufgefordert neben die einheimischen Kinder stellten.

Nicola und Alexis haben nun auch gelernt, die Aufmerksamkeit der Erwachsenen für sich zu nutzen. Und zwar, indem sie sich neben die Vietnamesen, die meistens auch am Handy herumspielten, stellten mit den Worten «Can I watch a movie, please?» und schon gewannen sie Kontrolle über deren Handy. So liess sich Nicola noch so gerne in die Wange kneifen und auch Alexis beklagte sich nicht, wenn ihm über die blonden Haare gestreichelt wurde. Uns als vergleichsweise strikte Eltern bezüglich Medienkonsum der Kinder passte das natürlich gar nicht. Vor allem, wenn dann beim zweiten Hinschauen ein paar Minuten später statt des besprochenen Tom & Jerry-Cartoons irgendwelche Ballerfilme über den kleinen Bildschirm flimmerten. Aber dieses Thema wird uns wohl auf der Reise und auch darüber hinaus noch länger beschäftigen.

Im Norden Vietnams herrschen übrigens um diese Jahreszeit sehr angenehme Temperaturen um die 20°C, in der Bergregion noch kühler. Nach den 30-40°C in Kambodscha war das auch mit Kindern wieder einmal ganz angenehm und der Tag musste nicht um die Mittagshitze herumgeplant werden.

Noch eine kleine Anekdote zum Schluss: Wie in den Nachbarländern stehen auch in Vietnam in vielen Häusern und Geschäften kleine tempelartige Geisterhäuser, vor denen meist besonders wertvolle und feine Opfergaben liegen, um die Geister zu besänftigen. Für Nicola und Alexis war es jeweils unverständlich, wieso die Geister stapelweise Cola-Büchsen bekommen sollten. «De Buddha söus ned gäh», meinte Alexis sogar einmal mit Schmollmund. «De Buddha het jo vöu zvöu ond duet ned guet teile. Mer hätte vöu meh Fröid amene Goggi!» Bis eine Religion oder ein Geisterkult verstanden wird, kann es noch dauern. Falls dieser Prozess überhaupt je abgeschlossen ist im Leben.

Aus der Apotheke gebraucht haben wir:

  • Merfen-Spray zum Desinfiszieren von Schnitten im Fuss durch Austern

Aus dem Reisealltag

Am Morgen
Alexis: Weni ide Nacht ame öppis vo mer tröime, esch de Nicola ou emmer i mim Troum debi.

Am Abend
Alexis: De Nico söus ned gäh, so dass du nome no met mer duesch schmuse!
Miriam: Aber i schmuse jo ou met em Papi gärn.
Alexis: De söus de Papi ou ned gäh!
Miriam: Aber i schmuse doch so gärn! Met wem döfi de no schmuse?
Alexis: Met aune, wo du möchtisch schmuse, die söus ned gäh. Nome met mer söusch du schmuse!

Beim Frühstück
Miriam: Was esch de das Wiisse uf dim Täuer?
Alexis: Kakerlaki.
Miriam: Was esch de Kakerlaki?
Alexis: Das Gmües, wo mer dehei ou scho im Hochbeet händ gha met em Salot.
Miriam: Aha, meinsch du Kohlrabi?
Alexis: Jo genau!

Beim Wandern in der Ha Long Bay
Deutscher Tourist: Ist das anstrengend! Ist es noch weit bis nach oben?
Nicola: Nein, nein, du bist gleich doben!

Am Nachtmarkt
Alexis: Das T-Shirt gfaut mer! (hält es vor sich hin) Ond es würd mer ou passe.
Nicola (an die Verkäuferin gewandt): How much is this?
Verkäuferin (lacht): one hundred thousand.
Nicola: Mami, esch das guet?
Miriam: Nei, das esch vöu ztüür.
Nicola (überlegt, dann wieder an die Verkäuferin gewandt): fifty!
Verkäuferin (lacht noch mehr): No, cannot!
Nicola (dreht sich weg und zieht Alexis mit): Bye bye!

Im Hotel
Patrick: Was händ ehr gluegt be dem Ma ufem Handy?
Alexis: De Verdammte.
Patrick: Was esch das, de Verdammte?
Alexis: Du seisch doch ame, das esch e Verdammte. E verdammte Mischt!

Im Hotel
Miriam: So, gömer jetzt is Bett?
Nicola: Mer müend zersch no aui öisi Waffe zämesammle.
Alexis: Ersch nach öisem Kampf chöne mer is Bett.
Miriam: Ich wünsche mir Weltfrieden…