Vom Etosha Nationalpark fuhren wir weiter nach Swakopmund an die Atlantikküste. Im Namib-Naukluft Park und mit einem Bijou von Unterkunft ging unsere Reise zu Ende.

Deutsch – deutscher – Swakopmund! Historische Bedeutung erlangte der Ort als wichtigster Hafen für die deutschen Einwanderer, als Namibia als Kolonie noch „Deutsch-Südwestafrika“ hiess. Die deutsche Prägung ist in ganz Namibia, besonders aber in Swakopmund bis heute deutlich spürbar. So wohnten wir beispielsweise in der Villa Wiese und zum Essen bot sich ein Schnitzel in der „Zur Kupferpfanne“, ein Apfelstrudel im „Café Anton“ vom „Hotel Schweizerhaus“ oder knusprige Brötchen und Kartoffelsalat im „Village Café“ in der „Stadtmitte“ an. Wobei Patrick beim ersten Biss in ein knuspriges Brötchen sogleich ein Stück von einem Backenzahl abbrach, als hätte sich sein Gebiss in den letzten Monaten entsprechend der Nahrung zurückgebildet. Im Supermarkt entdeckten wir sogar Aromat, aber das haben wir im Regal stehen lassen. Spätzle und knackigen Gewürzgurken haben wir unseren Campingvorräten aber hinzugefügt.

Ausser in den Cafés des Ortes herumlümmeln, ein paar Souvenirläden abklappern und die Internetverbindung in der Villa Wiese nutzen, haben wir in Swakopmund nicht viel unternommen. Sandboarden oder Quadfahren hat uns so wenig zugesagt wie Skydiving oder Paintball spielen. Das Museums-Trauma von Patrick hält noch immer an und zum Besuch der grössten Uran-Miene der Welt konnten wir uns auch nicht aufraffen.

Mit gefülltem Bauch, Kofferraum und Tank fuhren wir von Swakopmund weiter über Walvis Bay in den Namib-Naukluft Park. Wir dachten eigentlich, die schlimmsten Strassenverhältnisse hätten wir im Etosha Nationalpark hinter uns gelassen, doch kaum ausserhalb von Walvis Bay, wurde unserem Nashorn-grauen Chevi und Rallye-Pilot Patrick noch einmal alles abverlangt auf einer Naturstrasse mit mehr Sand als festem Untergrund und immer wieder tückischen Stellen mit spitzen Kieselsteinen. Ab und zu kam uns ein 4×4-Fahrzeug entgegen, die für unser kleines Gefährt meist nur ein müdes Lächeln übrig hatten. Ansonsten waren wir für drei Stunden weit und breit alleine auf dieser öden Wüstenstrasse. Und wir schafften die Strecke ohne platten Reifen oder sonstige Panne.

Dafür gab es einen anderen „Zwischenfall“ in unserem geparkten Auto. Ein Kanister Campinggas explodierte in der Wüstenhitze. Die Wucht der Explosion zerfetzte das Verpackungsnetz, zerriss die Kofferraumablage, zerbeulte das Metallgeschirr und schmolz den Plastikbehälter. Glücklicherweise hatten wir die Fenster einen Spalt weit offen gelassen, sonst wären die Scheiben wohl zerborsten. Das ist doch noch einmal gut gegangen! Bis auf die zerrissene Kofferraumablage konnten wir alle Spuren beseitigen, aber was wollen wir der Autovermietung für eine Erklärung abgeben? Das entscheiden wir dann wohl vor Ort am Flughafen, bevor wir das Land verlassen :-).

Der 23’000 km2 grosse Namib-Naukluft Park entstand 1978 aus der Zusammenführung des Namib Desert Parks und des Naukluft Mountain Zebra Parks sowie Teile vom Diamond Area 1. Damit ist es einer der grössten Nationalparks der Welt. Wir schlugen unser Zelt für drei Nächte in der Nähe von Solitaire Richtung Spreetshoogte Pass (1850m ü. M.) auf. Dort führen Heidi und René, ein ausgewandertes Schweizer Paar, das Gecko Camp. René und Patrick kennen sich von ihren Revisionseinsätzen im Kernkraftwerk Gösgen, für die René jedes Jahr wieder in die Schweiz fliegt. Die aussergewöhnlichen Camping-Plätze, eine Reihe von Bushtents sowie das dazu gehörige Nature Reserve Camp Gecko führen Heidi und René nun das zehnte Jahr, wobei sie besonderen Wert auf Nachhaltigkeit und Recycling legen, was auf dem ganzen Gelände deutlich sichtbar ist.

Uns ganz alleine gehörte das Eagle Camp, hoch erhaben auf einem Hügel mit eigenem Openair-Dusche, Lavabo und Klo. Was für eine Aussicht über die schier unendliche afrikanische Steppe und dem Gebirge am Horizont, wo wir jeden Abend den glutroten Sonnenball verschwinden sahen. Dies war für uns zum Abschluss unserer Reise noch einmal ein einsamer und ganz besonders schöner Ort!

Unser letztes Wochenende führte uns zu den berühmten Sanddünen von Sesriem und Sossusvlei, nach dem Etosha die am meisten besuchte Touristenattraktion Namibia. Es ist eines der ältesten und trockensten Ökosysteme dieser Welt und die höchste Düne ist 325m hoch. Wir haben auf der Sesriem Camp Site innerhalb der Parkgrenzen übernachtet, um am nächsten Morgen zum Sonnenaufgang bei den Dünen zu sein. Wirklich ein unvergesslicher Anblick, wie die Dünen im fahlen Licht der Sonnen immer mehr Konturen annahmen, die Farben immer stärker wurden und in allen Tönen schimmerten. Auch war der Sand bei unserem anstrengende Aufstieg auf die Düne 45 noch ganz kalt, doch sobald die ersten Sonnenstrahlen darauf schienen, wärmte der Sand unsere nackten Füsse gleich mit.

Auf der Sesriem Camp Site trafen wir Nicole und Bettina, zwei Schweizerinnen, wieder und verbrachten einen lustigen Abend bei einer Flasche Rotwein. Damals in Windhoek hatten wir noch gewitzelt, wir würden ihnen mit ihrem 4×4-Riesenpanzer-mit-Dachzelt helfen, den Reifen zu wechseln, und sie wiederum würden unseren Mini-Nashorn-Chevi aus dem Sand ziehen. Retter in Not, was beides zum Glück nie nötig war.

Für unsere letzte Nacht in Namibia kehrten wir noch einmal ins Camp Gecko zurück. Heidi, René und ihre nette Crew veranstaltete zu unserem Abschied noch ein kleines Braai und so gab es an unsere letzten Abend Game Meat am Lagerfeuer unter dem afrikanischen Sternenhimmel. Zum Abschluss leisteten wir uns die Übernachtung im Bushtent statt im eigenen Zelt. So gehörte uns ein dreistöckiges „Häuschen“ mitten in der afrikanischen Ebene, wo wir direkt vom Betten aus den Sternenhimmel betrachten konnten und beim Aufwachen in die aufgehende Sonne über dem Horizont blickten. Zum Abschluss noch einmal ein ganz besonderer Ort!

Wir sind glücklich! Miriam y Patrick

1 Kommentar
  1. yo
    yo sagte:

    …woooooooooooooow – tolle bilder – wie immer;-) was habt ihr am flughafen der autovermietung nun erzählt;-)?

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