Nordthailand Chiang Mai und Pai

Thailand hat noch viel mehr als weisse Sandstrände und eine quirlige Hauptstadt zu bieten. Die zehn Tage bis zu unserem Weiterflug nach Myanmar wollten wir im Norden des Landes verbringen. Den Süden, also Strand und Meer, sparen wir uns noch für den Abschluss unserer Reise.

Goldenes Chiang Mai
Chiang Mai ist die grösste Stadt in Nordthailand. Von mir schon einmal vor 16 Jahren besucht, ist sie kaum wieder zu erkennen. Zwar existiert die Altstadt nach wie vor innerhalb des Wassergrabens und der verfallenen Stadtmauer und ist auch mit den goldenen Tempeln, kleinen Shops und vielen Cafés sehr schön. Aber die neu gebauten mehrspurigen Strassen um die Altstadt vermögen die inzwischen stark angewachsene Agglomeration nur noch knapp auffangen.

Mit dem Saeng Panya Home waren wir in einer der besten Unterkünfte auf unserer Reise gelandet. Von einer Familie mit ihren Töchtern geführt, bekamen wir beim Anblick unserer Jungs sogleich ein kostenloses Upgrade in ein riesiges Zimmer mit zwei Doppelbetten und eigenem Bad. Das Frühstück liess keine Wünsche offen und jederzeit konnten wir uns im Hotel kostenlos mit Wasser und frischen Früchten eindecken. Auch war es eine angenehme Abwechslung, dass unsere Kinder nicht wie in Asien so oft erlebt mit Handy oder Tablets angelockt und beschäftigt wurden.

Mit kränkelnden Jungs (man erinnere sich an den Malaria-Fehlalarm in Bangkok), zweifachem Bienenstich mit allergischen Reaktionen bei Nicola, eine mit Antibiotika zu behandelnde Augenentzündung von Patrick und einer dicken Erkältung meinerseits befanden wir uns alle nicht gerade im Reisehoch. Nicola und Alexis waren in steter Streit- und Kampflaune und für überhaupt nichts zu begeistern, was natürlich für uns gesundheitlich angeschlagenen Eltern nicht so einfach zu tragen war.

So haben wir nicht grosse Ausflüge unternommen, sondern Chiang Mai nur im Kleinen erlebt. Spaziergang durch die Stadt mit Fruit-Juice-Pause, ein Vormittag auf einem Spielplatz im Public Park mit Karpfen und Tauben füttern, Glacé essen, Schlendern und Verpflegen auf dem Saturday Night Market und am Night Bazaar.

Big Game Fishing
Einen speziellen Ausflug ausserhalb von Chiang Mai haben wir dann doch noch gemacht: Big Game Fishing – Angeln auf die Mekong-Riesenwelse. Zwar nicht im Mekong selber, da dort aus Schutzgründen der Bestände das Fischen längst verboten ist, sondern in einem See südlich von Chiang Mai. Eigentlich wäre dieser Ausflug in erster Linie für unsere Jungs gedacht gewesen, die ja auch gerne in der Schweiz und in Frankreich mit dem Grossvater auf Forellen und Kleinfische angeln. Aber schnell zeigte sich, dass die Fische in Thailand einfach eine Nummer zu gross waren für Kinder. Alexis und Nicola konnten zwar die Angelrute halten und mit dem Netz herbeieilen, sobald Fisch angebissen hatte. Aber mit selber einziehen oder den Fisch vom Haken nehmen, war nichts.

Der erste 3-kg-Fang von Patrick wurde von unserem Guide Mio zwar noch mit müdem Lächeln und dem Spruch «this is baby» abgewunken. Und tatsächlich. Beim nächsten Auswerfen des Köders – übrigens eine faustgrosse Kugel bestehend aus Kuchenresten und Toastbrot – sauste die dicke Nylonschnur durch die Seemitte, als würde sie von einem Ungeheuer gezogen. Das Herausziehen eines Mekong-Riesenwelses konnte einige Zeit in Anspruch nehmen, da man immer wieder Schnur geben muss und erst einziehen kann, wenn der Fisch ruht oder müde ist. Bei 38°C eine schweissige Angelegenheit, wie ihr euch vor allem bei Patrick vorstellen könnt.

Ganz die Tochter eines passionierten Fischers habe ich übrigens den Fang des Tages gemacht: ca. 25 kg und 1.20 m waren die Masse dieses Riesenwelses. Das Rausziehen hat auch mich einige Schweissperlen gekostet. Aber selbst unser Guide Mio hat gestaunt, dass ich das alleine wollte und auch konnte. In den letzten Jahren hat der Tourismus mit chinesischen Gästen in Nordthailand stark zugenommen und wie unser Guide Mio erzählte, buchen sich die Chinesen gerne mit ihm «Full Day Big Game Fishing». Sobald dann ein Fisch angebissen hätte, seien sie «very tired» und würden die schweisstreibende (aber auch spannendste) Arbeit mit dem an Land Ziehen des Fisches ihm übergeben, um dann nur für das Trophäen-Foto zu posieren.

Hippie-Ort Pai
Von Chiang Mai aus wollten wir noch ein paar Tage weiter aufs Land. Eine andere Reisende in Laos hatte uns von dem Ort Pai vorgeschwärmt, das 130 km nördlich von Chiang Mai liegt. Die kurvenreiche Strasse über eine Bergkette sind wir mit einem Minibus hingefahren. Die einstige Hippie-Kommune Pai hat sich das Flair von «Love and Peace» bis heute erhalten. Die Dichte an Alibaba-Pants und Dreadlocks ist wahrscheinlich nirgendwo höher in Thailand. Viele westliche Aussteiger sind hier hängengeblieben und zusammen mit Thailändischen Hippies sieht man sie abends auf dem Street Market, wie sie ihre selbstgefertigten Lederwaren, filigranen Steinschmuck, Traumfänger oder andere kleine Schätze verkaufen.

Der Ort selber ist mit einer Hauptstrasse und lediglich drei Ampeln recht übersichtlich und besteht aus zahlreichen Restaurants, Bars, Shops, Massage-Salons. Sogar einen Ox gibt es in Pai. Aber was nützt Patrick ein Ox, wenn seine Ox-Gang fehlt. Lieber spart er sich das Ox-Vergnügen wieder auf für die Freitage in Zofingen.

Für die Tage in Pai mieteten wir uns zwei Motorroller und erkundigten die Gegend in unserem eigenen Tempo und zu unseren eigenen Zeiten. Das heisst, morgens waren wir meistens ein paar Stunden unterwegs über Land, dann die Mittagsstunden am Pool und am Abend wieder unterwegs, um auf dem Strassenmarkt kulinarische Köstlichkeiten aus aller Welt zu probieren.

Unsere Unterkunft, das Kirina Retro Hotel, war komplett auf chinesische Gäste eingestellt. Uns gehörte das «Wonder Forest Home» mit Malereien von Bären und Waschbären überall an den Wänden. Auch zum Hotel gehörte ein Pool, den wir für uns alleine hatten, wenn wir dort die heissen Mittagsstunden verbrachten. Denn chinesische Touristen haben meistens ein sehr dichtgedrängtes Programm von morgens bis abends – nicht wie wir. Die Unterkunft hatten wir auch wegen des Pools und des grossen Gartens ausgewählt und dafür auch gerne etwas mehr bezahlt Auch eine Streichelkatze gab es zu unserer Freude wieder einmal. Dass Kinder im Hotel nicht wirklich willkommen waren, zeigte sich aber spätestens am Schluss, als uns unverschämterweise noch eine völlig überteuerte und eigentlich nicht gerechtfertigte Rechnung für «Destroy the Tree» präsentiert bekamen, weil die Jungs an einer Bananenstaude ein paar Blätter heruntergerissen hatten.

Und plötzlich: Panik
Nach drei Nächten ging es mit dem Minibus wieder die 762 Kurven zurück nach Chiang Mai und für eine Nacht zur lieben Familie im Saeng Panya Home. Dieser letzte Abend in Nordthailand sollte mit einem feinen thailändischen Essen im von TripAdvisor sehr gut bewerteten Restaurant «Lemongrass» abgeschlossen werden. Uns wurde im Restaurant ein Tisch unweit des Ausgangs zugewiesen. Patrick und Alexis schauten Richtung Restaurant und Nicola und ich nach draussen.

Wir bekamen gerade unsere Getränke serviert, als im hinteren Teil des Restaurants plötzlich Panik ausbrach und die hundert mehrheitlich asiatische Gäste unter lautem Geschrei in unsere Richtung zum Ausgang stürmten und alles niedertrampelten. Es knallte und krachte, Panikschreie und Gekreische erfüllten den Raum, Tische und Stühle wurden umgeworfen, Geschirr und Glas flog durch die Luft, heisse Speisen gingen zu Boden. Patrick hatte zum Glück sehr schnell reagiert, beide Jungs sofort am Arm gepackt und hochgehoben und quasi aus dem Fenster hinter ihm geworfen und selber hinterher gesprungen. Ich musste zuerst noch über einen gekippten Tisch und Glasscherben klettern und sprang dann ebenfalls aus dem Fenster. In sicherer Entfernung gingen wir in Deckung und warteten erst einmal ab.

Was war eigentlich genau passiert? Patrick ging nach einer Weile noch einmal zurück zum Restaurant, um nach unseren abgerissenen Schuhen und liegen gelassenen Taschen zu suchen. Und erfuhr, dass in der Küche grosse Mengen an Gas ausgetreten sei. In Kombination mit dem offenen Feuer der Woks kann man sich die möglichen Folgen nur ausdenken. Zur Explosion kam es aber zum Glück nicht – den Schaden hatte die Massenpanik angerichtet. Das ganze Restaurant war zerstört. Wir kamen aber glücklicherweise mit ein paar Schrammen, blauen Flecken und vor allem einem grossen Schrecken davon. Noch eine Stunde später zitterten die Hände von Patrick und mir. Nicola und Alexis waren bald wieder abgelenkt und getröstet. Denn zum Essen gingen wir schliesslich zum nahen Mc Donalds. Zumindest die Zwillinge brachten ihre Pommes Frites und Chicken Nuggets problemlos runter. Ich konnte erst am nächsten Tag wieder etwas essen.

Ja, diese zehn Tage in Bangkok und Nordthailand hatten es wahrlich in sich. Die in einer der vielen Tempelanlagen entzündeten Räucherstäbchen bringen uns hoffentlich in Myanmar wieder unsere gute Gesundheit und die Reisefreude zurück!

Bye bye Thailand – zumindest für den Moment: Miriam Patrick Nicola Alexis

4 Kommentare
  1. yo de nuevo
    yo de nuevo says:

    …och menno – bin ich jetzt aber froh geht’s euch gut…! das waren ja gleich einige unangenehme und brenzlige situationen :-/ passt ganz gut auf euch auf!!! <3 <3 <3

  2. yo de nuevo
    yo de nuevo says:

    was mich als wundernase natürlich wundert ist: was machen die mit den gefischten riesenviechern schlussendlich? und habt ihr die 762 kurven als zeitvertreib gezählt oder einfach so dahingeschrieben 😉 ?

  3. mypcaminando hoch zwei
    mypcaminando hoch zwei says:

    Die Riesenviecher kommen wieder zurück in den See. Es sei denn, sie wären zu fest verletzt beim Lösen des Angel-Haken, dann landen sie wahrscheinlich doch in irgendeinem Wok.
    Die Kurven haben wir nicht gezählt, das hat schon jemand anderes für uns erledigt ;-). Nachdem uns bei der Rückfahrt nach Chiang Mai ziemlich übel war im Mini-Van, haben wir die Anzahl Kurven dann doch einmal recherchiert.

  4. yo de nuevo
    yo de nuevo says:

    …freut mich sehr für die riesenviecher!!! und ach – was es nicht alles gibt im internet und was nicht alles schon mal gemacht wurde… 😉

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