Am Bahnhof von Darkhan werden wir kurz vor Mitternacht bereits erwartet und mit dem Auto in ein 120km entferntes Tal gefahren. Und schon befinden wir uns mitten in von Nomaden und ihren Tieren besiedelten Landschaften. Willkommen in der Mongolei!

Carlos, der Vater von Miriams Freundin Stephanie, und seine mongolische Frau Nara, die wir schon von einem ihrer Besuche in der Schweiz kennen, haben alles für uns organisiert in der Mongolei. Geht es uns nicht gut?

Bei kompletter Dunkelheit trafen wir im Jurtencamp in Amarbayasgalant ein. Am nächsten Morgen bei Tageslicht offenbarte sich eine wunderbare Welt um uns herum.
Weite Landschaften mit grünen Tälern und sanften Hügeln und darin immer wieder weisse Jurten, die von weitem wie Pilze aussahen, dann grasende Schaf- und Ziegenherden, Kühe und Pferde und für Amarbayasgalant speziell ein uraltes buddhistisches Kloster. Dieses ist bereits 250 Jahre alt und wurde einst von fast 6000 Mönchen bewohnt. Heute leben noch knapp 80 Mönche und Mönchsschüler dort und die alten Holzgebäude sind stark abgegriffen. Aber genau dieser alte und teilweise verkommene Klosterbau machte den Zauber aus. Miriam ist stundenlang mit dem Fotoapparat innerhalb der Klostermauern unterwegs und hat von einem Mönch eine private Führung erhalten – wenn auch auf mongolisch, mit Händen und Füssen klappt die Verständigung schon irgendwie.

Carlos kennt die Gegend um Amarbayasgalant von früheren Besuchen her wie seine Westentasche. Er ist für die Schweiz in der Entwicklungszusammenarbeit tätig und baut zusammen mit einem mongolischen Partner eine Käserei in Amarbayasgalant auf. Feinsten Ziegenkäse aus Eigenproduktion konnten wir bereits degustieren. Auch ein anderer Schweizer, Heinz, ist im Auftrag der Schweizerischen Entwicklungszusammenarbeit in der Mongolei und macht Abklärungen für ein Projekt mit dem buddhistischen Kloster. Von ihm haben wir einen spannenden Einblick in die Welt des Buddhismus und eine Führung durch das Kloster bekommen.

In Amarbayasgalant selber bereitet man sich schon auf den Winter vor, das Jurten-Camp wird abgebaut und für uns beginnt die Reise durch den Nordwesten der Mongolei auf eigene Faust. Carlos und Nara haben für uns einen eigenen Fahrer organisiert. Sein Name ist Boldoo und er spricht recht gut Englisch. Von ihm lernen wir auch gleich die mongolischen Gepflogenheiten auf dem Lande kennen. So heisst es zum Beispiel „Ich möchte Pferde sehen“ („I need to see horses“) wenn man aufs Klo muss, wobei das Klo natürlich in diesem Fall die weite Natur ist.

Bei der Fahrt sind wir ausserdem immer wieder angewiesen auf ein mongolisches GPS. Das bedeutet, dass man jemanden nach dem Weg fragt, denn die Pistenstrassen sind kaum auf einer Karte verzeichnet. Meistens ist das GPS ein Nomade mit seiner Herde oder man fährt zu einer Jurte hin. Bei den Nomaden begrüsst man sich nicht mit einem „Hallo“ oder „Guten Tag“, wie wir das bei uns kennen, sondern man ruft als erstes aus der Ferne „Sind die Hunde angebunden?“. So weiss die Nomadenfamilie, dass man sie besuchen will. Weiter erkundigt man sich dann nach dem Wohlergehen der Herdentiere. Diese sichern schliesslich das Überleben der ganzen Familie. Nach dem letzten harten Winter sind schätzungsweise 15 Millionen der landesweit 35 Millionen Nomadentiere umgekommen, was viele Familien um ihre Existenz gebracht hat.

Boldoo fährt mit uns von Amarbayasgalant Richtung Westen über Erdenet und Bulgan. Die nächste Nacht verbringen wir wieder in einer Jurte am Ugi Nuur (See). Für uns wird extra ein Nachtessen mit Hecht aus dem See zubereitet. Die Mongolen selber essen kaum Fisch. An jenem Abend tun sie sich an gekochtem Ziegenmagen gütlich.

Weiter geht es über Tsetserleg in die Nähe von Ikh Tamir in der Region Arkhangai. Dort leben wir bei einer Nomadenfamilie: die Eltern, fünf Kinder zwischen 15 und 24jährig, wobei der älteste Sohn gerade erst geheiratet hat. Uns wird die wunderschöne Jurte des jungen Ehepaars überlassen. Bei dieser Nomadenfamilie lernten wir auch einige Bräuche und Ess- und Trinkgewohnheiten kennen.

Die Mongolen essen vor allem weisse und rote Speisen, das heisst Milch- und Fleischprodukte, welche ihre Herde hergeben. Zwei Mal am Tag werden die Kühe und Yaks gemolken und aus der Milch wird beispielsweise Joghurt, Milchbutter (ähnlich einem Butter-Rahm-Gemisch), Milchtee (Milch, Wasser und Salz) oder Aruul (harte Kekse aus vergorenem Joghurt) hergestellt. Stutenmilch wird genutzt, um Airag (Getränk aus vergorener Stutenmilch) zu produzieren, eine Art Milchbier mit niedrigem Alkoholgehalt. Wenn man Airag dann noch destilliert, erhält man Milch-Vodka.

Patrick hat natürlich gleich alles probiert und auch gut vertragen. Der verwöhnte Magen von Miriam ist aber nicht unbedingt an vergorenen Milchprodukte gewöhnt. Nach dem offerierten Aruul am Vortag musste Miriam schon nach kurzer Zeit „viele Pferde sehen“…

Ein unerfreulicher Grund hat unserem Landausflug schon früher als geplant ein Ende gesetzt. Unser Fahrer Boldoo hatte sich mit einem Insekt im Auge verletzt und musste dringend zu einem Spezialisten, wie es ihn nur im Spital in Ulaan Baatar gibt. Die Hauptstadt ist zwei Tagesreisen mit dem Auto entfernt und diese Rückreise hatte noch richtig Abenteuer in sich. Aber Patrick hatte sich ja immer Abenteuer gewünscht!

Wir waren ausnahmsweise auf einer Teerstrasse unterwegs und sahen beim Eindunkeln schon die Lichter der Stadt Kharakhorum vor uns, wo wir übernachten wollten. Plötzlich knallte und schepperte es, das Auto sackte nach links ab und die Hinterachse schmirgelte auf der Strasse. Das linke Hinterrad hatte sich einfach so abgelöst und war irgendwo in der Dunkelheit verschwunden! Haben wir uns erschreckt! Während Boldoo das Ersatzrad anschraubte, haben wir mit Taschenlampen nach dem Rad gesucht, es aber erst wieder am nächsten Morgen bei Tageslicht gefunden einen halben Kilometer weiter in einem Flussbett. Das Auto hatte erstaunlicherweise keinen grösseren Schaden genommen und wir konnten weiter nach Ulaan Baatar fahren, wo wir ohne weitere Zwischenfälle auch ankamen.

Was wir alles erleben! Mit Gruss aus der Wildnis, Miriam y Patrick

3 Kommentare
  1. yo
    yo sagte:

    …ahahah – wie toll, die haben bestimmt EXTRA die rosa bettdecke für dich hergerichtet mirle;-) tolle fotos!!! tolle erlebnisse… *sigh*

  2. yo
    yo sagte:

    naja… rosa und schwarz passt doch perfekt wie du weisst;-)!!! (deine garderobe geht auch etwas in die richtung habe ich bemerkt…:) )

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