Penang Island und bye bye Malaysia

Palau Pinang, Malaiisch für die Insel Penang, ist vom malaysischen Festland aus für uns bequem über eine Autobrücke erreichbar. Wir hatten ein Hotel reserviert mitten im Stadtzentrum von George Town. Die Gegend schien uns etwas heruntergekommen, doch das Hotel Neo+ Penang war sauber, sicher und für uns sehr praktisch mit einem gesicherten Parkplatz für unser Mietauto, unser Zimmer im 16. Stock mit Frühstück im 2. Stock zu einem attraktiven Preis sowie mit einem Pool im 25. Stock, an dem sich bei den nun wieder heissen Temperaturen über 30°C vor allem die Zwillinge erfreuten. In jenem Pool tat Alexis auch seine ersten eigenen Hundeschwumm-Metern. Er eifert in Sachen Schwimmen seinem Bruder also fleissig nach.

Gleich am Ankunftstag wurden wir beim Herumlaufen in der Stadt von einem Fahradrikscha-Fahrer angesprochen: für 40 Ringgit (ca. 10 CHF) wollte er uns als ganze Familie eine Stunde lang durch George Town kutschieren. Weil die Zwillinge sowieso gerade maulten wegen zu vielem Laufen, haben wir gerne eingewilligt. Wobei ich ernsthafte Sorgen um den Gesundheitszustand des alten, schlaksigen Männleins hatte, das uns zu viert auf seinem museumsreifen Drahtgestell herumfahren wollte. Und diese Mund-zu-Mund-Beatmung hätte ich als «Hygiene-Hyper» definitiv nicht machen wollen! Doch das Männlein erwies sich als erstaunlich zäh und brachte uns auch über mehrspurige, dicht befahrene Kreuzungen zu sämtlichen Sehenswürdigkeiten im Zentrum von George Town. Sein nuschelndes Englisch verstanden wir zwar kaum, aber wir haben ein paar Stopps gemacht und uns gemerkt, wo wir noch einmal für ein ausführlicheres Erkunden zurückkehren wollten. Dann aber zu Fuss oder mit dem Taxi, was in George Town auch relativ günstig ist. Später haben wir übrigens gesehen, dass so gut wie alle Rikschafahrer so alte, spindeldürre und zähe Männlein sind. Und unser erstes Taxi hatte auch bereits 487’000 km auf dem Buckel!

Hühnerfuss zum Frühstück in George Town

Wir besuchten die Stadtteile Little India und China Town zu einem späteren Zeitpunkt noch alleine, um auch in die unzähligen Lädelchen hineinzuschauen und fein zu essen. Tandoori Chicken und frisches Naan-Brot gehört inzwischen sogar zu Nicolas Lieblingsessen (aktuell ist es auf Gleichstand mit Apfelwähe!). Bei einem Dim-Sum-Frühstück in China Town zeigte Alexis mit wässerigem Mund auf Hühnerfüsschen und wir liessen ihn diese chinesische Delikatesse probieren. Hühnerfuss – also vom «Kniegelenk» abwärts abzüglich die Klauen – wird selbst vom «Fast-Alles-Fresser» Patrick mit einem leichten Schaudern verschmäht, aber Alexis kaute genüsslich auf dem knochigen Teil herum und sogar Nicola probierte ein «Hühnerwadli». Ich hielt mich bei jener Mahlzeit an den dazu servierten Grüntee.

In China Town haben wir für umgerechnet 2 CHF Nicolas Haare schneiden lassen. Und wir sind auch endlich fündig geworden mit offiziellen Booster-Kindersitzen für das Auto und haben sogleich zwei Stück erstanden für knapp 30 CHF. Diese können wir in Malaysia noch einsetzen und dann mit nach Neuseeland nehmen, wo Kindersitze im Auto dann wieder wie in der Schweiz Pflicht sind. Damit sparen wir schon die Kindersitzmiete von täglich 20 NZ-Dollar oder den Neukauf, der in Neuseeland bestimmt teurer wäre als in einer malaysischen China Town. Platz im Rucksack sollten wir bis dann auch wieder haben, da wir in Malaysia noch ein Souvenir-Paket in die Schweiz verschicken wollen.

Kein Penang Hill, dafür Kek-Lok-Si mit Schlange

An einem Tag wollten wir den Penang Hill erkundigen, der ein Naherholungsgebiet mit schöner Sicht auf George Town und die weitere Umgebung versprach. Die Zahnradbahn auf den Hügel wurde gerade der halbjährlichen Wartung unterzogen und fiel als Transportmittel für uns aus. Die rund 3 km steilen Wanderweg bei 35°C konnten wir den Kindern und auch uns nicht zumuten. Also versuchten wir es mit dem Auto, Patrick hatte am Vorabend eine Fahrstrecke ausfindig gemacht. Diese entpuppte sich jedoch nach den ersten paar hundert Meter als offensichtlicher Wanderweg, der an Schmalheit und Steilheit die Horrorstrecke von den Cameron Highlands noch übertraf. Zum Glück gab es eine Stelle zum Wenden. Den Ausflug zum Penang Hill konnten wir also streichen von unserer Besuchsliste.

Stattdessen steuerten wir eine grosse buddhistische Tempelanlage am Hang an, die wir bei der Anfahrt schon von weitem gesehen hatten: der Kek-Lok-Si. Eigentlich vielmehr ein Tempelkomplex mit Gärten, Gängen und verschiedenen Tempeln auf mehreren Ebenen. Und leider auch mit vielen Verkaufsständen mit allerlei Ramsch, Bauerweiterungen mit Beton, Plastik, blinkende Led-Lichterketten, künstlich angelegte Wasserfälle und Vogelgezwitscher aus dem Lautsprecher. Der Kek-Lok-Si ist sehr eindrücklich, jedoch tut einem die Verschandelung und das Verramschen der heiligen Stätte in der Seele weh.

Für Nicola und Alexis sind Tempelbesuche auf andere Art und Weise interessant. Sie mögen das Kerzen und Räucherstäbchen entzünden für unsere Liebsten daheim, Wunschbänder (Wishing Ribbons) anknüpfen, ab und zu eine Tempelkatze streicheln, nach Geheimgängen suchen in der Pagode der Zehntausend Buddhas. Und im Garten beim höchsten Bronze-Buddha mit irgendwelchen Stöcken und Pflanzenranken spielen und herumstreunen. Patrick und ich sassen dösig im Schatten und liessen die Zwillinge gewähren, bis sie aufgeregt ankamen: «E Schlange ufem Boum!» Ja, klar, dachten wir, sie sind mitten im Spiel, der Garten ist voller Tierfiguren… Aber schliesslich gaben wir ihrem Insistieren nach und gingen mit. Und tatsächlich: eine Schlange. Eine Viper, giftig, glaubte ich mit meinen bescheidenen Schlangenkenntnissen zu erkennen. Und wirklich: das Nachschauen im Internet zurück im Hotel bestätigte es: eine grüne Tempelviper/Tempelotter, Bisse können tödlich enden. So können wir uns den Ausflug zum Snake Temple (den gibt es wirklich auf Penang) gleich sparen, soll dieser inzwischen doch erst recht zu einem touristischen Jahrmarkt mit kaum Schlangen (oder zumindest nicht die einheimischen Tempelottern) verkommen sein. Ach ja, und die Kinder lassen wir nun auch nicht mehr einfach so im Unterholz spielen.

Strandtag am Batu Ferringhi

Um von der Insel Penang noch mehr als nur Stadt und Stadtnähe zu sehen, sind wir an einem Tag mit unserem Mietauto an einen Strand im Nordosten gefahren: Batu Ferringhi. Wobei die aneinander gereihten Resorts, Hotels, Restaurants und in die Höhe gebauten Luxus-Appartments nicht sehr weit entfernt scheinen von einer Stadt. Auch den Strand selber würden wir nicht für einen längeren Urlaub wählen. Zwar ein schöner Sandstrand mit genug Schatten durch die hohen Bäume und Gebäude, perfekt zum Muscheln suchen, für die Zwillinge schön zum Spielen und die halbe Uferböschung niederreisen, aber das Meer schien uns nicht besonders sauber. Batu Ferringhi ist bei Einheimischen sowie auch Touristen beliebt für Wassersportaktivitäten und das wiederum hatte einen gewissen Unterhaltungswert für uns. Chinesen düsten auf Jet-Skis vorbei und am Himmel entdeckten wir komplettverschleierte arabische Touristinnen an Gleitschirmen, die von Motorbooten gezogen wurden. Aber ein Tag am Batu Ferringhi hat uns dann auch genügt.

Zurück nach Kuala Lumpur Airport

Mit Penang ist unser Roadtrip durch Malaysia nun bald zu Ende. Morgen steht uns ein langer Fahrtag (400 km) bevor mit einer Übernachtung in der Nähe des Kuala Lumpur Airports. Am Samstagvormittag geben wir unser Mietauto am Flughafen ab und am Nachmittag verlassen wir das schöne Malaysia. Eigentlich fast etwas zu früh, denn das Chinese New Year Ende Januar in Malaysia zu erleben, wäre sicher auch etwas Besonderes gewesen. So konzentrieren wir uns wie gewohnt auf unsere Jahresrechnung mit 2017, das für uns schön auf Reisen und von zu Hause mit sehr guten gesundheitlichen Neuigkeiten aus der Familie begonnen hat. Gerade könnten wir die halbe Welt umarmen, dass es von Malaysia bis in die Schweiz reicht!

Glücklich, wenn es zu Hause gut geht und freudig auf unsere weitere Reise: Miriam Patrick Nicola Alexis

1 Antwort
  1. Bauert Esther
    Bauert Esther says:

    Hey zusammen,heute kam die Postkarte mit den Jungs an,Worüber ich mich sehr gefreut habe – danke vielmals.Ich war gerade vorgestern auf Eurer Seite hier und habe interessiert weitergelesen.Schaue mir immer gerne die Fotos an und eine besondere Freude sind mir die Kinderanekdoten – einfach herrlich!Vielen Dank und ganz liebe Grüsse
    Esther

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