Phnom Penh und Kratie – Grossstadt und Naturerlebnis

Phnom Penh, die Hauptstadt Kambodschas, ist mit seinen 2 Millionen Einwohnern im Vergleich zu anderen asiatischen Grossstädten beinahe überschaubar. Für uns war es trotzdem das typische asiatische Chaos mit Moped- und Tuk-Tuk-Gehupe, Verkehrssmog, sengendem Asphalt, rauchigen Garküchen und unzähligen Menschen zu jeder Tag- und Nachtzeit.

Immerhin: seit wir mit den Kindern reisen, legen wir besonderen Wert auf die sorgfältige Auswahl unserer Unterkunft. Und mit dem Sla Boutique Hostel in Phnom Penh war es uns auch diesmal gelungen, im Grossstädtechaos eine sichere, saubere Rückzugsoase mit dem freundlichsten und hilfsbereitesten Personal überhaupt zu finden. Wir hatten ein Dorm-Room mit zwei Etagenbetten und eigenem Badezimmer für uns.

Zwar befanden sich bereits in der Nebenstrasse auch einschlägige Bars und fragwürdige Massagestudios, aber nach Warnungen von unterschiedlichen Seiten waren wir sowieso spätestens zur Dunkelheit ab 18 Uhr zurück im Hostel.

Was macht man in Phnom Penh mit kleinen Kindern? Die Killing Fields oder das Genozid-Museum fallen schon einmal weg. Auch der Royal Palace oder das Nationalmuseum schien uns mit unseren Kindern nicht geeignet. Eine Sonnenuntergangs-Bootstour mit den Zwillingen ist auch nicht wirklich romantisch. So haben wir eine kinderfreundliche Stadtrundfahrt mit dem Tuk-Tuk gemacht und sind durch die Märkte gestreift. Auch haben wir unweit unseres Hostels eine französische Bäckerei entdeckt. So kam Nicola das erste Mal auf Reisen in den Genuss von etwas Ähnlichem wie seine geliebte «Öpfuweihe». Und wir von feinstem Baguette-Sandwich «au fromage» und «au jambon». Comme en France.

Abstecher nach Kratie

Wir als Tierliebhaber haben für seltene Tiere ja schon die eine oder andere Strecke auf uns genommen. Ab Phnom Penh wollten wir ebenfalls einen Extra-Umweg machen: nach Kratie in Nord-Kambodscha, wo noch die letzten Mekong-, also Süsswasser-Delfine leben.

Von Phnom Penh liegt Kratie etwa 350 km entfernt und wir haben wieder einiges an Zeit investiert zur Recherche des geeigneten Transportmittels. Von den grossen Busgesellschaften wurde uns abgeraten und die Aussicht auf eine 6-8 stündige Busfahrt mit unseren Bewegungs-Jungs in einem überfüllten, nicht-klimatisierten, röhrenden Rost-Busses graute uns. Obwohl sich die Zwillinge jeweils erstaunlich schnell von einem solchen Reisetag erholen, aber wir Eltern als non-stop geforderte Unterhalter/Essens-Versorger/Motivatoren/WC-Sucher/Tröster/Hygiene-Aufsicht leiden auch am Folgetag noch von den Nachwirkungen. Also prüften wir auch wieder die Option eines Privat-Taxis. Wollten wir wirklich so luxuriös reisen?

Wir wollten! Im Gespräch mit den Tuk-Tuk-Fahrern vom Sla Boutique Hostel hatte uns einer den Vorschlag gemacht, er würde uns gerne mit seinem Auto fahren und dort die zwei Nächte mit uns bleiben. Weil es sein grosser Wunsch wäre, auch einmal die Mekong-Delfine zu sehen. Wir haben die Kosten zusammen durchgerechnet und ihm schliesslich zugesagt. So konnten wir nicht nur komfortabel reisen, sondern einem Kambodschaner auch noch einen persönlichen Wunsch in seinem eigenen wunderschönen Land erfüllen und finanziell seine Familie mit den drei Kindern unterstützen. Die Taxi-Fahrt mit Mr. Liem hat übrigens dann nur 4.5 Stunden gedauert – mit kurzem Lunch-Stopp irgendwo entlang des Weges. Die Fahrt ging auch ohne Konstant-Gehupe und todesmutigen Überholmanövern ganz flott.

Auf den Spuren des Mekong-Delfins

In der Kleinstadt Kratie am Ufer des Mekongs wohnten wir im Hotel River Dolphin etwas ausserhalb vom Zentrum. Aber mit dem Tuk-Tuk ist man ja bekanntlich überall schnell. Und wir hatten einen Pool, was mit den Jungs immer toll ist. Weniger toll fanden wir die Schar Kinder, die im Hotel Gartenarbeit verrichteten statt in der Schule zu sein. Aber so sei das eben mit «poor families» in diesem Land, hiess es auf unser Nachfragen. Immerhin hatten sie sich über unsere Süssigkeiten gefreut. Und sie durften am Abend auch einmal eine Runde im Pool baden.

In Kampi, 15 km nördlich von Kratie, ist der beste und bald einzige Ort, um die Mekong-Delfine, Irrawaddy Dolphins, zu sehen. Von den stark bedrohten Tieren soll es nur noch rund 80 Exemplare geben – es ist wirklich traurig. Statt hier im Detail auf die Gründe und Umwelt-Zusammenhänge einzugehen: auf der Seite des WWF kann Genaueres nachgelesen werde. Der WWF ist auch vor Ort in der Region aktiv. Alleine dafür, dass wir dies mit eigenen Augen gesehen haben, zahlen wir unsere Familien-Mitgliedschaft zukünftig noch lieber ein.

Mit dem Boot sind wir während einer Stunde auf dem Mekong herumgetukkert und gerudert und zu unserer grossen Freude haben wir mehrere der Irrawaddy-Delfine gesehen. Für einmal ist es wohl von Vorteil, in der Trockenzeit in Kambodscha zu sein. Denn dann ist der Mekong viel schmaler, die Pools im extra für die Delfine geschützten Flussabschnitt nicht so tief und die Tiere viel besser an der Oberfläche sichtbar. Die Delfine mit dem runden Gesicht (ähnlich dem Beluga-Wal) und der kleinen Rückenflosse tauchten so nahe an unserem Boot auf, dass wir ihr Atmen hören konnten.

Die Zwillinge waren an jenem Tag zwar wieder einmal ziemlich auf Krawall gebürstet und untereinander sehr streitig, so dass auf dem Mekong nicht wirklich friedliche Beobachtungs- und Geniesserstimmung aufkam, aber das Erlebnis wird uns trotzdem in schöner Erinnerung bleiben. Und wer weiss, ob es überhaupt noch Irrawaddy-Delfine geben wird, wenn Nicola und Alexis einmal erwachsen sind uns selber auf Reisen gehen.

Mit dem Besuch der Irrawaddy-Delfine reiht sich ein weiteres unvergessliches Erlebnis in unsere Kambodscha-Erinnerungen ein. Nun ist es bereits Zeit, weiter zu reisen und noch andere Länder Südostasiens zu erkundigen. Zurück in Phnom Penh bleibt uns eine Nacht, dann fliegen wir nach Hanoi, Vietnam.

Bestimmt nicht das letzte Mal in Kambodscha gewesen: Miriam Patrick Nicola Alexis

1 Antwort
  1. Käthi
    Käthi says:

    Happy Birthday liebe Miriam, nur das Beste zu deinem Wiegenfest wünschen dir Käthi & René

    Weiterhin alles Gute auf eurer Reise mit den Jungs und den tollen Blogs!

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