Provinzen Uvurkhangai und Töv

Dieser letzte Abschnitt unserer Mongolei-Rundreise führte in die Region zurück, wo wir fast drei Wochen zuvor abbrechen und in die Hauptstadt zurückkehren mussten.

Alleine die Provinz Uvurkhangai ist mit 63.5 Tausend Quadratmeter schon grösser als die ganze Schweiz (rund 42 Tausend Quadratmeter). Für mongolische Verhältnisse ist sie sogar recht dicht besiedelt mit 110’000 Einwohnern (im Vergleich dazu die Schweiz: bald 7.5 Millionen). Nach der Wüste Gobi erschien uns die Provinzhauptstadt Arvaikheer auch wie aus einer anderen Welt. Seit langem schliefen wir wieder in einem Hotelzimmer statt einer Jurte. Vor allem aber konnten wir wieder einmal warm duschen und sämtliche elektronischen Geräte aufladen.

Von Arvaikheer sind wir ins Orhon-Tal gefahren, einer wunderschönen Hochebene auf 2000m ü. M., beidseitig gesäumt von Gebirgen, wo Kohle, Kupfer und Gold abgebaut wird. Wieder trafen wir vermehrt auf Yaks sowie Ziegen- und Schafherden, vereinzelt standen Jurten im saftigen Grün. Bei einer solchen Jurte haben wir angehalten, weil wir ursprünglich nach Airag (vergorene Stutenmilch = das Bier der Nomaden) fragen wollten, nach dem Patrick schon vor der Mongolei-Reise gelüstete. Airag hatten sie gerade keines, dafür frisches Joghurt aus Yak-Milch. Davon hat die Familie uns in Schälchen gereicht, soviel wir wollten. Und auch noch Gefässe gefüllt für die Weiterfahrt. Das ist die Gastfreundschaft der mongolischen Nomaden, jeder ist immer willkommen und was man hat, wird geteilt.

Im Orhon-Tal haben wir wieder bei einer Nomadenfamilie gewohnt in der Nähe des berühmten Wasserfalls, der 24m in eine Schlucht stürzt. Sie hatte im letzten Winter ihre ganzen Herdentiere verloren. Die junge Generation bemüht sich in der Hauptstadt um Arbeit und die Grosseltern mit ihrer Enkelin versuchen seither mit dem Anbieten einer Jurte ihren Verdienst. Für uns ebenfalls ideal, Toilette brauchen wir keine, Waschen geht auch im Fluss. Tagsüber hatten wir noch angenehme 25°C, nachts sank die Temperatur aber schon fast auf Null Grad.

Das Orhon-Tal verdankt seinem Namen dem Fluss Orhon, der in den Selenge-Fluss und irgendwann in den Baikalsee mündet. Und in diesem Tal hat es uns so gut gefallen, dass wir spontan zwei Mal um eine weitere Nacht verlängert haben. An zwei Tagen waren wir im Orhon-Fluss fischen und damit fast die Attraktion schlechthin. Die mongolischen Nomaden essen kaum Fisch und können auch nicht mit einer Angelrute umgehen. Bimba war bestens ausgerüstet und die Arbeitsteilung war so, dass wir die Fische geangelt und Bimba sie präpariert hat. Das Ergebnis waren zwei feine Abendessen und der Fang reichte trotzdem noch zum Verschenken an mongolische Touristen.

Vom Orhon-Tal ging die Reise weiter zu den heissen Quellen in Tsenkher über Kharakhorum, die frühere Hauptstadt der Mongolei. Dieser Weg führte wieder über die gleiche Strasse, auf der wir zuvor mit Boldoo plötzlich ein Rad verloren. Und jetzt wird es fast etwas unheimlich: auf dieser Strecke hörten wir plötzlich ein „klack-klack-klack“-Geräusch und Bimba hielt an, um nachzuschauen. Der Ursprung des Geräusches war das linke Hinterrad, wo sich die Radmuttern langsam am Lösen waren. Wären wir so weitergefahren, hätte sich das linke Hinterrad – das gleiche wie damals an Boldoos Auto – an der genau gleichen Stelle kurz vor Kharakhorum gelöst. Kann das Zufall sein? Mit den Geistern ist nicht zu spassen, meinen die Mongolen! Die Radmuttern waren schnell angezogen und weiter ging die Fahrt. Dafür hatten wir dann kurz vor Einfahrt in die Stadt einen platten Reifen (hinten rechts), aber das kann ja passieren auf den Strassen.

Zu guter Letzt besuchten wir noch den Hustai National Park, der vor allem bekannt ist für die erfolgreiche Wiedereinführung der Przewalski- oder Thaki-Pferde. Diese sind die einzigen wilden Vorfahren der heutigen Hauspferde und gäbe es nicht Projekte in verschiedenen Zoos auf der ganzen Welt, wären sie heute ausgestorben. Nun leben bereits wieder um die 250 Prszewalski-Pferde im Hustai National Park. Auch der Tierpark Dählhölzli in Bern ist am Projekt beteiligt. Wer weiss, vielleicht haben wir sogar Przewalski-Pferde mit Schweizer Ursprung gesehen?

Neben den Prszewalski-Pferden leben in diesem Nationalpark beispielsweise auch Wölfe, Luchse und Wildschafe, diese aber schön versteckt fernab der Strassen. Wir haben nebst den Prszewalski-Pferde noch dicke Murmeltiere, eine Rebhuhn-Art sowie Geier und Adler gesehen und die weite Landschaft genossen.

Zum Airag probieren ist Patrick übrigens doch noch gekommen. Wiederum unterwegs haben wir bei einer Jurte gehalten, die Fohlen angebunden hatte. Das Muttertier wird gemolken und die Stutenmilch dann so lange in einem Leder- oder heutzutage Plastikbeutel geschlagen, bis der Gärprozess einsetzt. Dann ist das Airag genussfertig. Wir haben eine PET-Flasche abgefüllt. Fazit: ein geschmacklicher Mix aus Milch, Bier und saurem Apfelsaft, jedoch für uns in Europa ein unvorstellbarer Geschmack. Aber doch besser als erwartet! Landläufig werden wir Europäer darauf hingewiesen, vor dem ersten Schluck Airag nach der Toilette Ausschau zu halten. Patricks Magen scheint aber schon gut abgehärtet zu sein, ausser einem stundenlangen Rumoren in der Magengegend blieben sämtliche Nebenwirkungen aus. Bei Miriam sah es etwas anders aus, aber auch nicht ganz so schlimm wie befürchtet.

Unsere Mongolei-Zeit geht zu Ende, in wenigen Stunden sitzen wir im Zug nach China, bereits unsere letzte Transsibir-Etappe. Die ländliche Mongolei und insbesondere die Nomaden und ihre Tiere behahlten einen ganz besonderen Platz in unserem Herzen!

Bajartai! Miriam y Patrick

 

4 Kommentare
  1. myp
    myp says:

    Hey fipperle. also s jever esch definitiv besser, vorallem schhmöckts ned noch röidigem geissbock.
    soscht esch aber s bier super of dere reis. trinke jede tag eis oder zwöi.
    dänke ame a öich am friitig.
    grüess

    päddle

Kommentare sind deaktiviert.