In Ecuadors Hauptstadt waren wir wieder einmal Teil einer grossen Familie und lernten die grüne Umgebung mit den unzähligen Vulkanbergen kennen. Von Sonne, Regen und Schnee auf dem Cotopaxi erlebten wir alle Wetterlagen.

Ehrlich gesagt war unsere Lust relativ gering, die Galapagos-Inseln gegen eine Grossstadt einzutauschen, wo wir wieder Rucksack und Tasche wachsam im Auge behalten und mit jedem Taxifahrer um einen fairen Preis feilschen mussten. Wir hatten jedoch das Glück, auch in Ecuadors Hauptstadt auf einen Kontakt von Carlos zurückzugreifen und wieder einmal Teil einer Familie zu sein.

Ximena bewohnt mit ihrem Mann Iván, Arzt, und dem jüngsten Sohn Nicolas, angehender Arzt, eine riesige Wohnung in Quitos vornehmen Quartier Bellavista. Ein weiterer Sohn, Iván Junior, wohnt in Spanien, die beiden Töchter Carla und Daniela mit jeweils zwei Kinder in unmittelbarer Nähe und sind oft zu Besuch bei Ximena. Uns wurde ein grosszügiges Zimmer mit eigenem Bad und Fernseher überlassen und wir sollten uns am Kühlschrank bedienen, uns einfach wie zu Hause fühlen. Und so fühlten wir uns auch, als Teil ihrer grossen Familie.

Ximena kümmerte sich so lieb um uns, chauffierte uns noch am ersten Abend durch die hell erleuchtete Altstadt von Quito, zeigte uns die schönsten öffentlichen Plätze, Kirchen und Kolonialbauten, dank denen Quito seit 1978 zum UNESCO Weltkulturerbe gehört. Wir wurden eingeladen an ein Konzert im Teatro Nacional Sucre, wo Ximenas Neffe Nacho Gómez mit seiner Band auftrat. So kam es, dass wir mangels Kleideralternative in langsam aber sicher ausgelatschten Trekkingschuhen über einen roten Teppich schritten und zwischen Kravattenträgern und Stöckelschuhfrauen den Klängen ecuadorianischer Musik lauschten. Kein Wunder herrscht in Ecuador das Vorurteil, die „Gringos“ seien immer so schlecht gekleidet, wir tragen ja auch nicht gerade zum Gegenteil bei!

Selbstverständlich haben wir uns Quitos schöne koloniale Hauptstadt auch noch bei Tag angeschaut und am Plaza Grande einen Kaffee respektive ein Bier getrunken. Ximena hat uns ausserdem zum „Mitad del Mundo“ ausgeführt, zur Mitte der Erde. Quitos Lage genau auf dem Äquator ist mit einem Monument bedacht und im Museum Inti Ñan lassen sich die Besonderheiten der Lage auf dem Äquator am eigenen Leib erfahren. Genau auf der Äquatorlinie verlassen einem körperliche Kräfte sowie das Gleichgewichtsgefühl, hingegen gewinnt man angeblich an geistiger Stärke. Mit einem Wasserbecken und einem Eimer liess sich eindrücklich der Coriolis-Effekt demonstrieren: direkt auf dem Äquator floss das Wasser ohne Strudel ab, hingegen auf der nördlichen Halbkugel im Gegenuhrzeigersinn, auf der südlichen Halbkugel im Uhrzeigersinn. Und das schon einen Meter von der Äquatorlinie entfernt, wir wollten unseren Augen kaum trauen! Direkt auf dem Äquator war es ausserdem ein Leichtes, ein Hühnerei auf einem Nagelkopf zu balancieren, wofür wir beide vom Museum mit einem Zertifikat als „Eier-Meister“ ausgezeichnet wurden. Unsere Chancen auf dem Jobmarkt wird das zwar zurück in der Schweiz nicht gerade erhöhen, aber eine lustige Erinnerung ist es allemal :-).

Ximenas Familie besitzt unweit von Quito mitten in grüner Hügellandschaft eine hübsche Hacienda mit Farm und Käserei. Einst von Carlos instruiert, wird auf professionellem Niveau Butter, Frischkäse sowie diverse Hartkäse, unter anderem auch Parmesan, hergestellt. Wie fein! Uns schmeckte besonders der etwas reifere Käse mit Kräuter, der uns jeden Tag zum Frühstück aufgetischt wurde. Der Besuch auf der Hacienda hat uns „Landeier“ sehr gut gefallen.

Zwei Tage haben wir bei weiteren Bekannten von Carlos auf dem Land verbracht, in der Nähe von Machachi, umgeben von Vulkangipfeln. Die Brüder José Luis und Xavier sind daran, die touristische Hacienda Pachamama aufzuziehen. Der Bauernbetrieb funktioniert bereits jetzt einwandfrei, doch die Jahrhundert alte Unterkunft liegt in einem Dornröschenschlaf und es bedarf noch einiges an Renovation und finanzieller Investition. Rund hundert Kühe gehören zur Hacienda, ausserdem Pferde, Schafe, Ziegen, Lamas, Alpakas, Truthühner, Gänse, Hühner und Hunde mit Nachwuchs. Von den neun Welpen hätten wir wieder am liebsten einen mitgenommen. Wir halfen beim Kühe melken und Kälber tränken mit. Wir spazierten mit José Luis und seiner Freundin Karolina einen halben Tag lang über die weitläufigen Ländereien der Hacienda und lauschten ihren Ideen für das Touristenprojekt und der Legende vom Schatz der Pachamama.

Im verlotterten, aber umso stylischen VW Bus fuhr uns Xavier in den nahegelegenen Nationalpark Cotopaxi. Der Cotopaxi ist weltweit der höchste aktive Vulkan, mit seinen 5897m neben dem Chimborazo (6310m) jedoch nur der zweithöchste Gipfel Ecuadors. Zu Fuss wanderten wir rund dreihundert Höhenmeter auf sandigem Untergrund zum Refugio auf 4810m hoch, kamen dabei wegen der dünnen Luft ganz schön ins Schnaufen. Ausserdem peitschte uns ein eiskalter Wind erbarmungslos Eiskristalle ins Gesicht und wir waren froh, konnten wir uns im Refugio bei einem heissen Tee aufwärmen. Eine Gipfelbesteigung wäre gar nicht erst in Frage gekommen unter solchen Wetterbedingungen. Mit von der Partie an diesem Tag war auch Jonathan, der älteste Sohn einer Angestelltenfamilie der Hacienda Pachamama. In seinen vierzehn Lebensjahren quasi am Fusse vom Cocopaxi war es für ihn das erste Mal, dass er Schnee anfassen konnte. Und natürlich liess er sich gleich hinreissen zu einer Schneeballschlacht mit Xavier und Patrick.

Wieder zurück in Quito im Schosse von Ximenas Familie fuhren wir am Wochenende zum grossen Handwerkermarkt in Otavalo. Gemälde, Schnitzereien, Fell- und Lederwaren, Hüte, Hängematten, Schmuck, Taschen, aber vor allem Woll- und Webwaren wurden von der indigenen Bevölkerung in bestickten weissen Blusen angeboten. Wir kehrten mit so vielen Einkäufen nach Quito zurück, dass ein Gang zur Poststelle unausweichlich schien. Nun ist also ein weiteres Paket unterwegs in die Schweiz und in unseren Rucksäcken wieder etwas mehr Platz.

Von Ecuadors Hauptstadt reisen wir nun weiter Richtung Norden nach Kolumbien, ein Land, das in den Nachrichten in Europa kaum je positiv erwähnt wird, aber in Südamerika jeder davon schwärmt. Wir sind sehr gespannt, was uns dort erwartet, sobald wir die als etwas gefährlich geltende Grenzregion hinter uns gelassen haben!

Bis bald in alter Frische: Miriam y Patrick

 

1 Kommentar
  1. yo
    yo sagte:

    …still reading up everything – but i’m getting there:) thanks again for beautiful pictures – you guys are experiencing so many lovely things, it’s so great, i’m so happy for you:)!!! :-*

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